Mai 10, 2022
Von Anarchist Black Cross Dresden
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Wenige Tage vor dem Beginn des Angriffskrieges haben wir uns mit GefĂ€hrt*innen unter anderem aus der Ukraine ausgetauscht. Was tun im Falle des Kriegseintritts? FĂŒr uns war klar, dass wir dem Hilferuf unserer Freund*innen nachkommen. Wir sahen unsere Möglichkeiten der UnterstĂŒtzung ganz konkret darin, eine Fundraising Kampagne zu starten und damit Operation Solidarity direkt in der Ukraine und Menschen auf der Flucht außerhalb zu unterstĂŒtzen. FĂŒr uns war klar, dass es Aktivist*innen gibt, die bereits planten in der Ukraine zu bleiben und zu kĂ€mpfen. Damit haben wir uns klar positioniert und wurden dafĂŒr auch kritisiert. Deshalb wollen wir im Folgenden noch einmal darstellen, warum wir tun, was wir tun.

1) Wie könnt ihr als Anarchist*innen Krieg unterstĂŒtzen?

Wir positionieren uns klar gegen diesen Krieg. Auslöser dieses Krieges ist der Machthunger, Imperialismus und Faschismus des Regimes Putin. Er und seine AnhÀnger wollen diesen Krieg, nicht die Menschen, die in der Ukraine leben.
Wenn wir also gegen diesen Krieg sind, stellt sich die Frage: Wie kann der Krieg beendet werden? Ein antimilatristischer Standpunkt legt nahe, dass sich die ukrainischen StreitkrĂ€fte ergeben und dem russischen Regime unterordnen könnten. Aus unserer Sicht fĂŒhrt das aber nicht zum Ende des Krieges, sondern wĂŒrde Russland darin bestĂ€rken, weiter (z.B. nach Moldau oder Polen) zu expandieren.Da wir derzeit nicht mit einem Machtwechsel in Russland rechnen können, ist der einzige Ausweg aus unserer Sicht eine Niederlage Russlands. Diese kann unterschiedlich aussehen, beinhaltet jedoch in jedem Fall, dass sich die Menschen in der Ukraine bestmöglich militĂ€risch gegen Russland verteidigen können.
Wir wollen also die Menschen in der Ukraine unterstĂŒtzen, sich zu verteidigen und damit diesen Krieg schnellstmöglich zu beenden.
Wir möchten uns außerdem nicht anmaßen zu entscheiden, ob es richtig ist, sich gegen Invasoren mit Waffengewalt zu schĂŒtzen. Ob eine Person kĂ€mpft oder flieht, ist ihre Entscheidung. Uns ist es wichtig, dass sowohl kĂ€mpfende, als auch flĂŒchtende Menschen unserere UnterstĂŒtzung bekommen. Diese beiden Wege sollten unserer Meinung nach nicht gegeneinander ausgespielt werden!

2.) Wie könnt ihr als Anarchist*innen den Ukrainischen Staat/ Ukrainische Armee unterstĂŒtzen?

Wir unterstĂŒtzen weder den Staat, noch die Armee der Ukraine direkt. Unser Fokus liegt darauf, Menschen zu unterstĂŒtzen, sich und ihr Zuhause gegen einen Invasionskrieg zu verteidigen. Es ist aber richtig, dass sich viele Menschen dazu entschieden haben, sich der Ukrainischen Armee oder den Territorialen Verteidigunseinheiten anzuschließen, weil es derzeit keine Alternativen in Form von unabhĂ€ngigen Einheiten gibt.
2014 gab es im Donbass unabhÀngige Gruppen, die vor allem politisch rechts geprÀgt waren. Unter anderem deshalb hat sich der ukrainische Staat in den letzten Monaten darauf konzentriert, den Aufbau unabhÀngiger Gruppen zu unterbinden, bzw. diese in die Armee einzugliedern.
FĂŒr libertĂ€re und anti-autoritĂ€re Menschen ist die Entscheidungslage derzeit weder einfach noch widerspruchsfrei. Entweder sie bleiben ihren politischen Prinzipien treu und kĂ€mpfen nicht, oder sie gehen einen Kompromiss ein und schließen sich der militĂ€rischen Verteidigung an. Die Frage, ob es  in Ordnung ist, gewisse Kompromisse einzugehen, um grĂ¶ĂŸere Ziele zu erreichen, begegnet uns in unserer politischen Organisierung immer wieder. In diesem Fall können wir es gut verstehen, wenn Menschen sich gegen ein Leben unter Putins Regime mit Waffen verteidigen wollen. Wenn eine Eingliederung in die ukrainische Armee fĂŒr die Dauer der KĂ€mpfe die einzige Möglichkeit ist, verstehen wir auch das. Es bleibt fĂŒr uns jedoch wichtig und unausweichlich, weiterhin den ukrainischen Staat und somit auch seine Armee kritisch zu beobachten und nicht unreflektiert „abzufeiern“, weil sie grade „die Guten“ sind.




Quelle: Abcdd.org