November 16, 2021
Von FAU Flensburg
226 ansichten

Das Statistische Bundesamt hat fĂŒr den September 2021 eine Steigerung des Verbraucherpreisindex um 4,1 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat gemeldet und damit den höchsten Wert seit 1993 markiert. Verantwortlich dafĂŒr sind vor allem die Erhöhungen der Energie- und Lebensmittelpreise.

Den Gewerkschaften ist ihre moderate Lohnpolitik nun auf die eigenen FĂŒĂŸe gefallen. In den vergangenen 20 Jahren haben die TarifabschlĂŒsse zu keinen Reallohnsteigerungen gefĂŒhrt und bei den nicht tarifgebunden Unternehmen und prekĂ€r BeschĂ€ftigten sogar zu massive Lohneinbußen, die mit staatlichen Mitteln aufgestockt werden mĂŒssen und die Menschen trotz alledem nicht vor Armut schĂŒtzen.

Im Folgenden wird die KomplexitĂ€t gewerkschaftlicher Lohnpolitik beschrieben, die sich nicht damit begnĂŒgen sollte, sich an dem Verbraucherpreisindex zu orientieren und den Unternehmen die hohen Exporterlöse zu garantieren.

Das soziale Sicherungssystem ist in Deutschland auf die Lohnarbeit ausgerichtet, egal ob HARTZ-IV-Regelbedarfe mit ihren Lohnabstandsgebot, die Höhe von Alters- oder Erwerbsminderungsrente, Kurzarbeiter-, Insolvenz-, Kranken- oder Arbeitslosengeld, alles richtet sich nach dem Arbeitsentgelt, den Löhnen aus den sozialversichersicherungspflichtigen abhÀngigen ArbeitsverhÀltnissen.

Wenn aber oben auf der politischen Agenda seit 30 Jahren der Ausbau des Niedriglohnsektors steht und die Reallöhne kontinuierlich gesunken sind, darf man sich nicht wundern, wenn auch die an die Löhne gebundenen Sozialleistungen zu niedrig sind.

In der derzeitigen Krise wird der Ruf nach höheren Sozialleistungen als Einmalzahlung oder als zeitlich begrenzte regelmĂ€ĂŸige Zahlung wieder lauter, ebenso die Forderung nach einer zurĂŒckhaltenden Lohnforderung an die Gewerkschaften – paradox – eigentlich zwei sich gegenseitig ausschließende Sachverhalte.

Die Reallöhne fielen wÀhrend der Covid-19-Pandemie dramatisch

Im 2. Quartal 2020 gab es bei den Reallöhnen ein Minus von 4,7 Prozent, im 3. Quartal von 1,3 Prozent und im 4. Quartal ein minimales Plus von 0,4 Prozent. Im 1. Quartal 2021 waren es minus 2 Prozent und im 2. Quartal ein Plus von 3 Prozent. Dieses Plus geht aber von den mit der Pandemie und den Krisenmaßnahmen extrem gesunkenen Löhnen aus. Das bedeutet, dass die Löhne immer noch weit unter dem Vorkrisenniveau liegen; aktuell noch bei einem Minus von ĂŒber 5 Prozent.

Mit rund 5 Prozent weniger Realeinkommen fĂŒr Millionen Menschen und zeitgleich deutlich ĂŒber 4 Prozent Inflation sinkt das Einkommensniveau um fast 10 Prozent.

Tariferhöhungen im Minibereich

WĂ€hrend der tiefen Krise und mit Corona als Brandbeschleuniger, haben sich viele Gewerkschaften völlig zurĂŒckhaltend gezeigt. So gab es kaum ArbeitskĂ€mpfe und durchweg  niedrige TarifabschlĂŒsse. Die folgende Auswahl zeigt die Erhöhung brutto auf, die netto also noch geringer ist:

  • Pflegebereich ab 1.4.21 Erhöhung von 1,4 Prozent,
  • Öffentlicher Dienst/ Gemeinden ab 1.4.21 Erhöhung von 1,4 Prozent,
  • Baugewerbe ab 1.1.21 Erhöhung von 2,1 Prozent,
  • Chemie ab 1.7.21 Erhöhung von 1,3 Prozent,
  • Druck ab 1.8.21 Erhöhung von 1 Prozent

und die kĂŒrzlich mit massiven Streiks durchgesetzten Lohnerhöhungen bei dem Arbeitskampf der GDL von rund 3,3 Prozent (1,5 Prozent im Dezember 2021 und 1,8  Prozent im MĂ€rz 2022) liegen deutlich unter der Inflationsrate.

Mehr lesen (gewerkschaftsforum.de) 




Quelle: Fau-fl.org