Juni 14, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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Am 11. Juni 2021 beteiligte sich die FAU im Rahmen einer internationalen Friedensdelegation an einer Audienz beim religiösen Oberhaupt der ÊzĂźd*innen und besuchte das ĂȘzĂźdische FlĂŒchtlingslager Sheikhan. Die FAU-Delegierten fordern einen konsequenten Schutz der ĂȘzĂźdischen Selbstverwaltung und Selbstverteidigung, ebenso Reiserechte fĂŒr nach Deutschland geflohene ÊzĂźd*innen.

Am Freitag besuchten Delegierte den Bābā Schaich (in Kurmandschi “BavĂȘ ƞĂȘx”) Ali Elias, das religiöse Oberhaupt der ÊsĂźd*innen. Schaich Elias berichtete von der Verfolgung der ÊzĂźd*innen, ihrer aktuellen Situation in den FlĂŒchtlingslagern und der Wichtigkeit internationaler und interkultureller SolidaritĂ€t. Er betonte, dass die Gemeinschaft und die Kultur der ÊzĂźd*innen durch die Verfolgung unter Saddam Hussein und durch den Völkermord durch den Daesh (auch bekannt als IS) nahezu ausgelöscht wurde. Daher sei es insbesondere wichtig, dass nach Deutschland geflohene ÊzĂźd*innen religiöse StĂ€tten im Irak besuchen dĂŒrften, ohne von der Bundesrepublik Deutschland den Fluchstatus aberkannt zu bekommen.

Im Anschluss besuchte die Delegation auf Einladung des Schaichs LaliƟ (deutsch Lalisch) das Zentralheiligtum der ÊzĂźd*innen. Abschließend fuhren die ca. 60 Delegierten zum FlĂŒchtlingslager Sheikhan. Dort leben seit dem Überfall des Daesh 2014Âč ca. 12.000 ÊzĂźd*innen in Zelten. Die Delegation sprach mit den Bewohner*innen. Viele berichteten, dass Hilfsgelder bei ihnen nicht ankommen und ihre Dörfer nicht aufgebaut werden. Ebenfalls wurde berichtet, dass Kriegsgefangene des Daesh in einem Nebenlager untergebracht werden.

Gleichzeitig sind die irakische Zentralregierung und die kurdische Regionalregierung bestrebt, die Selbstverwaltungs- und Selbstverteidigungs-Strukturen im ĂȘzĂźdischen Siedlungsgebiet zu zerstörenÂČ. Vor diesem Hintergrund und der weiterhin bestehenden PrĂ€senz des Daesh, haben, laut Bābā Schaich und den Befragten im Lager, nur wenige ÊzĂźd*innen die Hoffnung, in Zukunft sicher in ihrer Heimat zu leben. 

Wolf Meyer vom Internationalen Komitee der FAU: “Selbstverteidigungsstrukturen religiösethnischer Gruppen sind im Irak ĂŒblich. Wenn gerade die der ÊzĂźd*innen zerschlagen werden sollen, obwohl sie am stĂ€rksten von weiteren Völkermorden bedroht sind, ist das Ausdruck des fortgesetzen Chauvinismus und Rassismus, der ihnen entgegen gebracht wird. Gleichzeitig sehen wir in dem Versuch der Zerschlagung der kommunalistischen Selbstverwaltung einen politischen Angriff auf alle basisdemokratischen und solidarwirtschaftlichen Konzepte insgesamt.”




Quelle: Fau.org