März 10, 2021
Von FAU Koeln
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                                                                                                 Datum: 08.03.2021

COVID als Vorwand f√ľr Ausbeutung

Learnship, ein internationaler Dienstleister in der digitalen Sprachvermittlung mit deutschen Standorten in Berlin und K√∂ln, gebraucht die Corona-Pandemie als Rechtfertigung daf√ľr, seinen freiberuflich t√§tigen Lehrkr√§ften mehr Arbeit und eine geringere Bezahlung an der Grenze des Mindestlohns zuzumuten.

Learnship schult MitarbeiterInnen von √ľber 2.000 KundInnen in 75 L√§ndern ‚Äď darunter f√ľhrende Marken wie Amazon, Bertelsmann, Nestl√©, Puma, Roche und Volvo ‚Äď mit dem Fokus auf Trainer-gef√ľhrtem Onlineunterricht. Wie bei vielen anderen Unternehmen in dieser Branche, arbeiten bei Learnship nur ein paar Festangestellte. Die meisten TrainerInnen sind freiberuflich t√§tig. Allein f√ľr den Deutschunterricht verf√ľgt Learnship √ľber einen Pool von ca. 150 TrainerInnen.

Diesen und allen anderen qualifizierten Fachkr√§ften f√ľr andere Sprachen wurde Ende Mai 2020 r√ľckwirkend zum 1. Mai 2020 das Honorar um 25 % gek√ľrzt. TrainerInnen wurde per E-Mail ein Ultimatum gestellt: Entweder sie unterschreiben den neuen Vertrag und akzeptieren die K√ľrzungen oder sie bekommen keine Kurse mehr zugewiesen, sind also ‚Äěon hold‚Äú. Learnship teilte ihnen mit, dass die K√ľrzung zeitlich begrenzt sei und die Honorare wieder erh√∂ht w√ľrden, sobald es wegen Wegfalls der coronabedingten finanziellen Einbu√üen wieder m√∂glich sei. Vielen blieb keine andere Wahl, als zu unterschreiben. Viele taten es nicht, weil sie es sich schlichtweg nicht leisten konnten, so wenig Geld zu verdienen.

Die K√ľrzung der Honorare, angeblich dank der Corona-Pandemie, war allerdings nur die letzte in einer Reihe von schmerzenden Ma√ünahmen. Learnship hat sich seit den Anf√§ngen als kleines, enthusiastisches Start-up im Jahr 2008 sehr ver√§ndert. Im Laufe der Jahre gab es viele kleine, aber bedeutende √Ąnderungen. Learnship bezahlt seinen Lehrkr√§ften nicht nur weniger Geld, sondern lastet ihnen auch mehr Arbeit an ‚Äď Arbeit, f√ľr die die MitarbeiterInnen in den B√ľros K√∂ln und Berlin eigentlich verantwortlich gewesen sind. Diese MitarbeiterInnen buchten immer die w√∂chentlichen Unterrichtsstunden f√ľr Lehrkr√§fte und Lernende. ‚ÄěOptimierungen‚Äú in der IT erlaubten es den Lehrkr√§ften dann 2020, dies selbst zu tun, was Zeit in Anspruch nimmt, die nicht bezahlt wird.

Braucht eine Lehrkraft kurzfristig Unterst√ľtzung, sei es wegen eines technischen Problems oder eines Notfalls, so konnte sie vor 2020 bei Learnship anrufen oder MitarbeiterInnen per Skype erreichen, um die n√∂tige Hilfe zu bekommen. Auch angeblich coronabedingt funktioniert die Kommunikation mit Learnship seit Anfang 2020 weder telefonisch noch √ľber Skype. Eine automatische Stimme erkl√§rt am Telefon, dass Learnships MitarbeiterInnen nur noch √ľber E-Mail zu erreichen sind. Bei Skype wird die Hilfe suchende Lehrkraft einfach ignoriert. 

Es ist in der Branche der Sprachvermittlung Standard, die Lehrkr√§fte zu bezahlen, wenn Lernende nicht erscheinen. Auch das hat sich ge√§ndert. Bei Nichterscheinen von Lernenden bekommen Lehrkr√§fte seit 2018 nur noch ein Drittel des Stundenlohns ‚Äď ein Drittel deshalb, weil sie 20 Minuten auf Lernende warten m√ľssen. Warten mussten sie auch vorher, aber dann wenigstens f√ľr die voll bezahlte Stunde. Die Stunde ist f√ľr die lernende Person verloren, f√ľr die Lehrkraft zu einem Drittel bezahlt. Da KundInnen laut Vertrag vor Kursbeginn die Stunde voll bezahlen m√ľssen, ist das lukrativ f√ľr Learnship, aber ein Verlust f√ľr Lehrkr√§fte und Lernende.

Da die Lehrkr√§fte nicht angestellt sind, werden sie steuerlich und rechtlich als FreiberuflerInnen behandelt. Als solche sind sie von grundlegenden ArbeitnehmerInnenrechten ausgeschlossen und f√ľr ihre steuerlichen Abgaben sowie ihren Versicherungsschutz selbst verantwortlich. Learnship stellt es schlau an, mit vielen kleinen geldsparenden Ma√ünahmen auf Kosten von FreiberuflerInnen Geld zu verdienen. Aber das sehen die Lehrkr√§fte nicht mehr ein. Sie fordern

  • R√ľcknahme der Honorark√ľrzung
  • mehr Kommunikation in Form von regelm√§√üigen Newslettern und Transparenz der Honorare
  • Bezahlung von durch Lernende verpassten Unterrichtseinheiten.

Pressekontakt:

Pressesekretariat FAU Berlin

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Quelle: Koeln.fau.org