September 4, 2021
Von InfoRiot
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Zweite Auflage

Pride-Parade zieht fĂŒr die Rechte von queeren Personen durch Frankfurt und Slubice

04.09.21 | 17:21 Uhr

Verbale und körperliche Übergriffe, fehlende Beratungsstellen – queere Menschen fĂŒhlen sich in Polen diskriminiert. In Slubice und Frankfurt (Oder) wollen deshalb Demonstranten auf die Straße gehen – der Slubicer BĂŒrgermeister will nicht teilnehmen. Von Karolina Szulejewska

LGBT-Demonstranten (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) wollen am Sonntag durch Frankfurt (Oder) und Slubice ziehen. Unter dem Slogan “Liebe ohne Grenzen” fordern die Veranstalter mehr politische PrĂ€senz und eine bessere queere Infrastruktur in der Doppelstadt. Sie protestieren auch gegen zunehmende Homo- und Transfeindlichkeit in der Region. Das Organisationsteam besteht aus 25 unabhĂ€ngigen Personen aus Deutschland und Polen. Sie veranstalten den Pride zum zweiten Mal.

Mehr Sicherheit und Sichtbarkeit in der Grenzregion

“Die Doppelstadt soll ein sicherer Ort fĂŒr alle sein” schreiben die Veranstalterinnen und Veranstalter in ihrem Aufruf. Bisher mĂŒssten queere Menschen in Frankfurt (Oder) und Slubice mit verbalen und körperlichen Übergriffen rechnen. Um darauf aufmerksam zu machen, hat das Orgateam eine Datenbank eingerichtet. Dort sollen homo- und transfeindliche VorfĂ€lle protokolliert und veröffentlicht werden. Außerdem beschwert sich die Organisatorin Peggy Lohse ĂŒber die schwache queere Infrastruktur in der Region: “Es gibt keine Beratungsstelle fĂŒr queere Menschen, die mit ihrer IdentitĂ€t oder an ihren zugeschriebenen Rollen hadern.”

Deswegen wĂŒnscht sich Lohse einen sicheren Treffpunkt fĂŒr die LGBT-Community, der doppelstĂ€dtisch ausgerichtet ist. So ein Ort könnte kommen. Dank dem Pride vom letzten Jahr gebe es eine Aussicht auf Fördermittel des Landes Brandenburg. Dieser Pride habe weitere spĂŒrbare Fortschritte gebracht. Das Orgateam sei in der Doppelstadt politisch prĂ€senter und wird zu Fraktionssitzungen eingeladen. Das Team organisiert auch Ende September einen Workshop fĂŒr das diesjĂ€hrige Bildungsforum zu queeren Themen. An dem Workshop nehmen deutsche und polnische Lehrer teil.

SolidaritÀt mit queeren Personen in Polen

Das deutsch-polnische Team will sich mit der Community in Polen solidarisch zeigen, weil sie einer besonders starken homo- und transfeindlichen Stimmung ausgesetzt sei. Trotz Strafandrohung der EuropĂ€ischen Union werden in Polen sexuelle Minderheiten diskriminiert. Gerade im SĂŒdosten von Polen gibt es ganze Gemeinden, die sich vor zwei Jahren zu sogenannten “LGBT-freie Zonen” erklĂ€rt haben. Die regierende konservative PiS-Partei richtet sich “gegen die EinfĂŒhrung der ‘LGBT’-Ideologie”. Diese sei an der “Vernichtung der christlichen Werte orientiert”. LGBT-Propaganda bedrohe die traditionelle Familie und “die Entwicklung der jungen Generation”.

Slubice ist zwar keine LGBT-freie Zone, aber die diskriminierte Community in Polen kann mit keiner UnterstĂŒtzung des BĂŒrgermeisters rechnen. Wie im letzten Jahr hat AmtstrĂ€ger Mariusz Olejniczak auch dieses Jahr die Einladung zum Pride nicht angenommen. Seine BegrĂŒndung dafĂŒr: Slubice sei eine offene Stadt ohne Homofeindlichkeit.

Einer ganz anderen Meinung sind die Pride Organisatoren. Sie wiederholen ihre Forderung aus der Vergangenheit: “Wir möchten, dass Frankfurt und Slubice Stellung nehmen und sich als LGBT-freundliche ‘Zone der Vielfalt’ erklĂ€ren”, sagt Nikita Filipiak, eine nicht binĂ€re Person aus Rzepin.

Marsch ĂŒber die Grenze

Die grenzĂŒberschreitende Pride-Demo beginnt am Sonntag um 12 Uhr in Plac Bohaterow im polnischen Slubice. Nach den ersten RedebeitrĂ€gen zieht die Parade Richtung Frankfurt (Oder) und macht an der BrĂŒcke Halt. Dort wollen Lokalpolitiker das Wort ergreifen, unter anderem der OberbĂŒrgermeister von Frankfurt Rene Wilke (Linke). Die letzte Station ist der Brunnenplatz in Frankfurt. Im Anschluss an die Demo ist ein Konzert und eine Drag-Performance geplant.

In beiden LĂ€ndern mĂŒssen Teilnehmer*innen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und einen Abstand von 1,50 Metern einhalten. Beim GrenzĂŒbergang gelten die 3G-Regeln – das heißt, Teilnehmende mĂŒssen eine vollstĂ€ndige Corona-Schutzimpfung oder Genesung oder einen aktuellen negativen Covid-19-Test vorweisen können. Wegen des Bahnstreiks fallen viele RegionalzĂŒge aus. Der Berliner Ableger der polnischen, feministischen Organisation Dziewuchy [Deutsch: MĂ€dchen/MĂ€dels] organisiert einen kostenfreien Bus-Transfer aus Berlin.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.09.2021, 15:40 Uhr

Beitrag von Karolina Szulejewska




Quelle: Inforiot.de