Januar 22, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – Georg Friedrich Prinz von Preußen will die jĂŒngsten EinschĂŒchterungsvorwĂŒrfe nicht gelten lassen. Ein Sprecher wies jetzt Kritik am juristischen Vorgehen der Hohenzollern gegen Wissenschaftler, Politiker und Medien zurĂŒck, die Historiker und Wissenschaftsministerin Manja SchĂŒle (SPD) Mittwoch im Brandenburger Landtag bekrĂ€ftigt hatten. Es gehöre „offensichtlich zu den stetig wiederkehrenden Legenden“, dass das Oberhaupt des Hauses Hohenzollern gegen missliebige Äußerungen vorgehe, hieß es. Es sei nicht in einem einzigen Fall der Versuch unternommen worden, auf Forschungen basierende Aussagen und damit eine wissenschaftliche Diskussion durch „Abmahnungen“ oder andere rechtliche Maßnahmen zu unterbinden. Inzwischen sind „nahezu alle Verfahren abgeschlossen und rechtskrĂ€ftig“, sagte der Sprecher. Seit 2019 sei gegenĂŒber Historikern gerichtlich nicht mehr vorgegangen worden. „Lediglich zwei nicht beendete Verfahren laufen noch, weil die betroffenen Historiker den Prinzen von Preußen weiter angreifen wollen.“ 

Wie berichtet, hat es mittlerweile ĂŒber 100 solcher Unterlassungs- und Abmahnverfahren gegen Medien, Wissenschaftler und Politiker gegeben. Eine Abmahnung kassierte etwa, wer Georg Friedrich Prinz von Preußen  vorwarf, inhaltlich Einfluss auf Ausstellungen und die Geschichtsdarstellung nehmen zu wollen. 

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Stiftungsdirektor berichtet von versuchter Einflussnahme

Im Landtag sagte Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Preußischen Schlösserstiftung, in der jĂŒngsten Anhörung, dass es „einen Berliner Fall“ einer versuchten Einflussnahme der Hohenzollern im Zusammenhang mit der Ausstellung „Frauensache“ im Schloss Charlottenburg gegeben habe: „Dabei ging es um die Verwendung von Fotos, deren Einbindung und Kommentierung in die ErzĂ€hlung der Ausstellung, ob dies in dieser Form angemessen sei oder nicht“, sagte Vogtherr. In Brandenburg kenne er keine solchen FĂ€lle. 

Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und GĂ€rten Berlin-BrandenburgFoto: Ottmar Winter

Inzwischen fordern zahlreiche Wissenschaftler eine RĂŒcknahme aller Klagen, ehe man mit Georg Friedrich Prinz von Preußen erneut ĂŒber einen etwaigen Vergleich bei den EntschĂ€digungs- und RĂŒckgabeforderungen seiner Familie an den Bund verhandelt. Der Umgang mit den Forderungen, bei denen es um Millionensummen und tausende Kunstwerke aus Schlossmuseen der Hauptstadtregion geht, beschĂ€ftigt weiter die Politik in Brandenburg, aber auch in Berlin und auf Bundesebene. Ebenso der Streit um die juristischen AktivitĂ€ten der Hohenzollern.

Schwierige Verhandlungsgrundlage 

„Keine Verhandlungen, ehe die Klagen nicht zurĂŒckgenommen worden sind!“, sagte etwa der Historiker Winfried SĂŒĂŸ vom Zentrum fĂŒr Zeithistorische Studien Potsdam (ZZF), der selbst betroffen ist, am Mittwoch im Kulturausschuss des Landtages. „FĂŒr mich bedeutet das zum Beispiel, dass ich mich nicht mehr ganz frei fĂŒhle“, im Ausschuss bestimmte Fragen zu erörtern. 

Fachministerin Manja SchĂŒle (SPD) bezog dazu eine klare Position: „Ich als Kultur- und Wissenschaftsministerin möchte nicht mit jemandem verhandeln, der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit Klagen einzuschĂŒchtern versucht.“ Nötig sei ein freier offener Diskurs darĂŒber, „die Debatte gehört in die Öffentlichkeit und nicht in die Hinterzimmer“. 

Manja SchĂŒle, Ministerin fĂŒr Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg.Foto: Annette Riedl/dpa

Schlösserstiftungs-Generaldirektor Vogtherr erklĂ€rte: „Ich schließe mich der Auffassung an, dass Verhandlungen erst wieder möglich sind, wenn sĂ€mtliche Klagen zurĂŒckgezogen werden.“ Er verwies darauf, dass es 2018 ein vertretbares Verhandlungsangebot der öffentlichen Hand gegeben habe, zu dem man zurĂŒckkehren könne. Ein Katalog mit Gegenforderungen der Hohenzollern, den diese Zeitung 2019 publik gemacht hatte, war weit darĂŒber hinausgegangen. 

Vogtherr betonte, dass die historische Hohenzollern-Debatte in den öffentlichen Raum gehöre. „Trotzdem wĂŒnsche ich mir weitere Verhandlungen.“ Denn es sei auch im Interesse der Allgemeinheit, Kulturgut fĂŒr die öffentliche Hand zu sichern. Sonst bestehe die Gefahr, dass womöglich KulturgĂŒter von Weltrang nicht mehr im historischen Kontext und im Unesco-Welterbe gezeigt werden könnten. 

Die AtmosphÀre ist vergiftet

Am Vortag hatte bereits die Historikerin Eva Schlotheuber, Vorsitzende des deutschen Historikerverbandes und ebenfalls von einer Abmahnung betroffen, das beispiellose Vorgehen Georg Friedrich Prinz von Preußens gegen Wissenschaftler, Medien und Politiker jeweils nach öffentlichen Aussagen zum Vermögenskonflikt kritisiert. Das „Haus Hohenzollern“ hat dazu immer erklĂ€rt, lediglich gegen „Falschbehauptungen“ vorzugehen, was auch jetzt  ein Sprecher wieder bekrĂ€ftigte. Auch der Cambridge-Historiker und Preußen-Experte Christopher Clark bezeichnet die juristische Kampagne des Preußenprinzen gegen Historiker und Journalisten als „schrecklichen Fehler“. Dies habe die „die AtmosphĂ€re vergiftet“, sagte Clark auf einer Veranstaltung der Linke-Fraktion. „Es ist mit einer freien Debatte ĂŒber diese öffentlichkeitswichtigen Themen einfach nicht vereinbar.“ 

Ein Entlastungszeuge Ànderte seine Meinung

Clark war frĂŒher ein Entlastungszeuge der Hohenzollern. Er hatte 2014 ein Gutachten vorgelegt, nachdem der frĂŒhere Kronprinz Wilhelm dem NS-Regime nicht erheblich Vorschub geleistet habe. „Ich habe meine Meinung geĂ€ndert“, sagt Clark nun. Es gebe in dieser Frage keinen Historikerstreit. In der Fachwelt herrscht auch nach Aussagen von Schlotheuber breiter Konsens darĂŒber. Wenn der Kronprinz dem NS-Regime erheblich Vorschub geleistet hat, wĂŒrde nach geltender Rechtslage Georg Friedrich Prinz von Preußen keine MillionenentschĂ€digung fĂŒr in der sowjetischen Besatzungszone vor 1949 enteignete 64 Immobilien in Brandenburg samt damaligem Inventar (2700 Objekte) erhalten. Die Rechtswissenschaftlerin Sophie Schönberger von der UniversitĂ€t DĂŒsseldorf prophezeite, dass die öffentliche Hand sehr gute Chancen habe, dieses Verfahren am Verwaltungsgericht Potsdam zu gewinnen. 

Christopher Clark, australischer Historiker.Foto: Arno Burgi/dpa

Stiftungschef Vogtherr wies darauf, dass dies nur einen Teil der Forderungen der Hohenzollern betrifft. Bei anderen Exponaten-Gruppen aus den BestĂ€nden der Stiftung spielt nach seinen Worten die Vorschubfrage juristisch keine Rolle. Da gehe es etwa um 1500 Objekte aus den BestĂ€nden des frĂŒheren, im Krieg zerstörten Hohenzollern-Museums in Berlin, die sich heute in verschieden Schlossmuseen befinden. Und es gehe um die frĂŒhere Bibliothek und das Hausarchiv der preußischen Könige (rund 1000 Objekte), wobei es nach seinen Worten bei der ZĂ€hlweise große Schwankungen gebe. Klar ist die Lage bei 90 Leihgaben, die eindeutig Georg Friedrich Prinz von Preußen gehören.




Quelle: Inforiot.de