MĂ€rz 4, 2021
Von Paradox-A
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Ja, die Pandemie-Situation hat sehr vielen Menschen arg zugesetzt. So offenbar auch dem Physik-Professor Roland Wiesendanger aus Hamburg. Mit einer angeblichen Studie will er belegt haben, dass viel darauf hin weisen wĂŒrde, dass das Covid-19-Virus nicht vom Fleischmarkt in Wuhan, sondern aus dem dortigen virologischen Institut bei einem Unfall entfleucht sei. Nun gut, ich selbst weis nicht wo es her kam und werde den Nachweis nicht bringen. Und das mit der labortechnischen Mutation von Viren experimentiert wird, die fĂŒr Menschen um ein vielfaches gefĂ€hrlicher als herkömmliche Viren sind, scheint ebenfalls der Fall zu sein. Wir leben in einer Welt, wo biologische Kampfstoffe existieren – und zwar nicht nur Giftgase, sondern eben auch Krankheitsverursacher. Ihr Einsatz ist entweder akut brutal – wie bei einem Giftgasanschlag bzw. beim Gaseinsatz durch die Polizei gegen Demonstrierende – oder kann verdeckt geschehen, jedoch umso mehr Todesopfer fordern.

Insofern könnte man meinen, die These von Professor Wiesendanger wĂ€re eben eine unter anderen, die zur Diskussion gestellt werden mĂŒsste in einer Welt voll Bedrohungen, die insbesondere durch staatliche Akteure um ein Vielfaches potenziert ist. Doch der Punkt an der angeblichen „Studie“ ist, dass sie den Großteil ihrer „Erkenntnisse“ von youtube-Videos und verschwörungsmythologischen Internetseiten bezieht. Sicherlich, wiederum regt sich das rebellische Herz gegen die Engstirnigkeit und Festgefahrenheit der Erzeugung von wissenschaftlicher LegitimitĂ€t, die ja allzu oft mit einem StatusdĂŒnkel einhergeht, mit welchem die (meist Herren) Professor*innen einfach ihre Privilegien absichern wollen. Denn es gilt: Einmal Prof, immer Prof – nach fleißiger Arbeit – so die Vorstellung – gewĂ€hrt die Gesellschaft ihren klĂŒgsten Leuten einen guten Posten. Dass eben auch anerkannte Wissenschaftlicher direkt Fakes erzeugen können, wird am Fall des KĂ€seblattes von Wiesendanger deutlich. Jede Hausarbeit, die mit derartigen Quellen arbeitet, hĂ€tte man ihm zurecht zurĂŒckgegeben und mit einem LĂ€cheln quittiert.

Aber nein, dieser verzweifelt um Aufmerksamkeit ringende Typ, stellt sich hin – stellt sich mit seinem UniversitĂ€tsprĂ€sident hin, der offenbar meinte, mit diesem PR-Gag etwas fame, also Eliteuni-Förderung, zu erhalten – und behauptet in aller GemĂŒtsruhe: „Die Wissenschaft hĂ€tte erwiesen“. Als er inzwischen zurecht heftigen Gegenwind aus seiner Gilde erntete und der UniprĂ€sident zurĂŒckruderte, will er nun umso mehr darauf hinaus, man mĂŒsste ja mal kontrovers diskutieren. Daher droht Wiesendanger damit, die „Studie“ in weitere Sprachen zu ĂŒbersetzen. Auch wenn das eine veraltete und durchaus unanarchistische Methode ist: Einen Hund wĂŒrde man vor lauter Wut am Kopf packen und seine Nase in den Kackehaufen stecken, den er da gerade mitten im Wohnzimmer platziert hat. Nicht so jedoch bei Wiesendanger. Denn er ist Professor. Und das allein scheint ihm seiner Ansicht nach offenbar die LegitimitĂ€t zu geben, das wahr wird, was durch seine HĂ€nde aufgeschrieben wurde. Wissenschaftliche und göttliche QualitĂ€ten scheinen sich hier zu vermischen
 Wohlgemerkt, auch wenn er Physiker ist und kein Biologe oder gar Virologe.

Was aber ist die ErklĂ€rung fĂŒr diesen Ă€ußerst merkwĂŒrdigen Fall? Ich denke es gibt drei AnsĂ€tze, die jedoch auch vermischt miteinander auftreten können. (Dass es sich bei Wiesendanger um ein richtig armes, aufmerksamkeitsbedĂŒrftiges Schwein handelt, setzt ich dabei allerdings schon mal voraus.)

Erstens: Wiesendanger ist wirklich davon ĂŒberzeugt, dass er eine wissenschaftliche Studie geschrieben hat, das so wissenschaftliches Arbeiten funktioniert. Dann ist er ein Meister der TĂ€uschung, welcher offenbart, wie man den akademischen StandesdĂŒnkel durch einen ausgeprĂ€gten Narzissmus und die Kraft seiner Wassersuppe einfach blenden kann. Wie sahen die physikalischen Studien aus, mit denen er seine gesellschaftliche Anerkennung verdient hat? Warf er einfach Jogurts an die Wand und schaute ihnen beim Schimmeln zu? Ich weiß es nicht. Fest steht, dass er nicht der erste Scharlatan wĂ€re, der durch allerlei Tricks und GeklĂŒngel in gehobene Positionen gekommen wĂ€re.

Zweite Hypothese: Wiesendanger ist die Pandemie derart zu Kopf gestiegen, dass er ernsthaft psychische Probleme entwickelte. Möglicherweise kaschierte er sie durch Alkohol oder anderen Drogenkonsum, schon ĂŒber Jahre, aber im Zeitraum des Lockdowns wurde ihm alles zu viel. Sein rationales Denken setzte aus, er geriet in einen Wahnzustand. Und in diesem schrieb er dann das besagte Pamphlet und hĂ€lt es so krampfhaft fĂŒr wissenschaftlich und wahr, weil er einfach nach ErklĂ€rungen und Schuldigen sucht, fĂŒr die Misere, in die so viele geraten sind.

Dritte Vermutung: Wiesendanger ist tatsĂ€chlich ein rechtspopulistisches Arschloch, was gezielt fake-science produziert hat, damit sich die Verschwörungsspinner nun einmal mehr auf eine „wissenschaftliche“ Studie beziehen können. Dass sein Quark dann in der wissenschaftlichen community widerlegt und zerfetzt wird, ist insofern völlig egal, als das der content ja produziert wurde, in Zeitungs-Schlagzeilen und ins Netz gelangte. Und wenn die „Studie“ dann verworfen wird, können die WunderglĂ€ubigen wiederum sagen, dass kontroverse „wissenschaftliche“ Positionen unterdrĂŒckt werden.

LĂ€cherlich macht sich eine Uni und ihr PrĂ€sident, die solcher Quacksalberei nicht entgegentreten. Da muss man wirklich sagen: Zum GlĂŒck hat die Pluralisierung der ZugĂ€nge zu Medien „die“ Wissenschaft unter Zugzwang gesetzt, ihre eigenen Standards zu ĂŒberprĂŒfen.




Quelle: Paradox-a.de