September 1, 2022
Von Contraste
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Ein ungewöhnlicher Schwerpunkt liegt hier vor, liebe Leser*in: CONTRASTE-Abonnent*innen stellen ihre Projekte vor. Wie kam es zu dieser Idee? Nun ja sie wurde zwar aus der Not geboren, liegt aber für ein Projekt wie die CONTRASTE mehr als nahe.

Ariane Dettloff, Redaktion Köln

Ein länger geplantes Schwerpunkt-Thema fiel plötzlich aus. Das war ja schon öfter mal so passiert. Da fragen wir halt reihum, wer eine Alternative vorschlagen kann. Aber niemand aus den Reihen unserer Redakteur*innen meldete sich als »Notstopfen«. Nicht mal für einen spannenden Nachdruck eines Textes aus dem CONTRASTE-Umkreis, wie wir es schon mal praktiziert hatten (»Wozu einen Chef? Fabrikbesetzungen in Argentinien«, CONTRASTE Nr. 243 oder »John Holloway: Kapitalismus aufbrechen!« CONTRASTE Nr. 444). Was nun? Eva Schmitt hatte den rettenden Einfall. Eigentlich hätten wir schon viel früher darauf kommen können: »Warum nicht mal die Projekte aus unserem Abo-Pool anfragen, ob sie aktuell etwas zu berichten haben?« So geschah es. 30 Projekte wurden angeschrieben – und voilà: Sechs Beiträge Interessierter trafen ein.

Christina Ehgartner verschafft uns einen intimen Einblick in die Herausforderungen des österreichischen Hofkollektivs Wieserhoisl. Anke Peterssen skizziert den Weg des Berliner Frauenzentrums Schokofabrik »von der Besetzer*in zur Besitzer*in« mit vielfältigsten Aktivitäten, die »den Anspruch eines Feminismus verfolgen, der für eine Gesellschaft ohne patriarchale Unterdrückung kämpft«. Mikesch Herrmann und Julita Decke stellen die komplexe Struktur der Kooperative Schloß Gersdorf zwischen Leipzig, Dresden und Chemnitz vor, in der sie genossenschaftlich organisierte Aktivitäten von gemeinschaftlichem Wohnen über Theater, Naturpädagogik bis zu Permakultur und diversen gewerblichen Projekten unter einem Dach zusammenbringt.

Klimaneutralität bis 2035 hat sich die bundesweite Initiative GermanZero zum Ziel gesetzt. In deren Rahmen gründete sich das lokale Klimabündnis Rems-Murr bei Stuttgart, dessen Entwicklung – begleitet von Schwierigkeiten und Stolpersteinen – Markus Koch schildert. Die öko-soziale Wandelbewegung »weg vom Raubtierkapitalismus« versucht CONTRASTE-Abonnent Bobby Langer mit dem Netzwerk »Ökoligenta«, einem monatlichen Newsletter und einem Buchprojekt voranzubringen. Und Inka Engler, Gründungsmitglied der Lebenstraumgemeinschaft Jahnishausen bei Riesa an der Elbe, stellt das Zusammenleben von 50 Mitgliedern aller Generationen auf einem ehemaligen Rittergut dar – inklusive Solawi und Schulprojekt.

So sind im aktuellen, improvisierten Schwerpunkt verschiedenste Regionen, praktische Beispiele diverser Ansätze von ökologischer und gesellschaftlicher Transformation, unterschiedliche Organisations- und Rechtsformen und verschiedene Stadien der Realisierung vom seit 20 Jahren bewährten alternativen Konzept bis zu neuen, soziokratischen und gemeinwohlorientierten Entscheidungsfindungen vertreten. Dafür wünscht sich die Initiative Rems-Murr »noch ein wenig mehr Frust und Wut, um diese gerade im Kontakt mit den politischen Parteien kreativ zu nutzen« und verweist auf Albert Einsteins Erkenntnis, die reinste Form des Wahnsinns sei es, »alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert«.

Heißen Dank an alle Beteiligten und viel Spaß beim Lesen!

Auch außerhalb des Schwerpunkts freuen wir uns, wenn Abonnent*innen und Leser*innen ihre Projekte vorstellen. Meldet euch dafür einfach bei unserer Redakteurin Regine Beyß: koordination@contraste.org


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Quelle: Contraste.org