Juni 10, 2022
Von InfoRiot
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Der heutige Prozess mit der Anklage auf vorgeblicher “St√∂rung der Religionsaus√ľbung” bei der Baustartsfeier am 29.10.2017 wurde nach fast f√ľnf Jahren eingestellt.

Fast f√ľnf Jahre nach dem Baus¬≠tart der F√∂rder¬≠ru¬≠ine Gar¬≠nisonkirche wird uns nun der Prozess gemacht. Irgend¬≠wann nach der 5. Ver¬≠schiebung des Prozess¬≠es habe ich aufge¬≠h√∂rt zu z√§hlen, wie oft das Gericht mir einen Brief nach Hause schick¬≠te, um mal wieder anzuk√ľndi¬≠gen, dass der Prozess ver¬≠schoben wer¬≠den m√ľsse. In den schw¬≠er¬≠sten Lock¬≠down-Zeit¬≠en waren ein bis zwei Aus¬≠f√§lle ver¬≠st√§ndlich, jedoch entwick¬≠elte sich das Absagen des Prozess¬≠es zum Sys¬≠tem und die Gr√ľnde wur¬≠den immer l√§cher¬≠lich¬≠er. Der beste Grund f√ľr eine Ver¬≠schiebung war ‚Äď w√∂rtlich zitiert ‚Äď ‚ÄěDien¬≠stliche Gr√ľnde‚Äú ‚Äď ohne Angabe weit¬≠er¬≠er Erk¬≠l√§run¬≠gen. W√ľrde ich ‚Äď als Betrof¬≠fen¬≠er ‚Äď ein¬≠fach mal aus ‚Äědien¬≠stlichen Gr√ľn¬≠den‚Äú die Teil¬≠nahme an einem Gericht¬≠sprozess abblasen, ohne weit¬≠ere Belege einzure¬≠ichen, dro¬≠ht¬≠en mir sofort Bu√ügelder. F√ľr das Per¬≠son¬≠al des Amts¬≠gerichts dro¬≠hen dage¬≠gen keine Kon¬≠se¬≠quen¬≠zen. Stattdessen wurde mit jedem neuen Brief die ellen¬≠lange Zeug*innen-Liste mit 16 Per¬≠so¬≠n¬≠en ange¬≠heftet und an den zwei ange¬≠set¬≠zten Prozessta¬≠gen fest¬≠ge¬≠hal¬≠ten. Es ist schon etwas ver¬≠wirrend: Auf der einen Seite mit gro√üen Tam¬≠tam und Zeug*innen-Liste dick auf¬≠tra¬≠gen und so tun, als ob es hier um einen wichti¬≠gen Prozess gehen w√ľrde und auf der anderen Seite dieses st√§ndi¬≠ge Absagen und Ver¬≠schieben. Ich muss zugeben, es nervt, fast f√ľnf Jahre so hinge¬≠hal¬≠ten zu wer¬≠den, w√§hrend die Kosten f√ľr den Anwalt nicht geringer wer¬≠den. Auch wenn es unter dem Strich einen gewis¬≠sen Unter¬≠hal¬≠tungs¬≠fak¬≠tor bringt. Das ist so √§hn¬≠lich wie bei den Durch¬≠sagen der Deutschen Bahn. Ver¬≠sp√§¬≠tun¬≠gen sind √§u√üerst nervig, aber es ist auch ein biss¬≠chen witzig, wenn mal wieder die alte liebe ‚ÄěGleis¬≠st√∂rung‚Äú in der Ausre¬≠den-Lot¬≠terie gewon¬≠nen hat.

Gro√üe Ank√ľndi¬≠gun¬≠gen mit viel Tam¬≠tam, etliche Male des Ver¬≠schiebens, Raushauen von Steuergeldern ohne Sinn ‚Äď das ken¬≠nen wir auch bei dem gescheit¬≠erten Gar¬≠nisonkirchen¬≠pro¬≠jekt, um das es hier eigentlich gehen sollte. Wir erin¬≠nern uns: 2005 wurde der Grund¬≠stein f√ľr den Baus¬≠tart gelegt. Danach passierte erst mal nichts. Auf¬≠f√§l¬≠lig war, dass mit jed¬≠er Bekan¬≠nt¬≠gabe ein¬≠er gro√üen √∂ffentlichen F√∂rderung ein Baus¬≠tart verk√ľndigt wurde, der dann nicht kam und wieder um Jahre ver¬≠schoben wurde. Erst mit der Mil¬≠lio¬≠nen-F√∂rderung der Bun¬≠desregierung kon¬≠nte der Baus¬≠tart im Jahr 2017 vol¬≠l¬≠zo¬≠gen wer¬≠den. Im Nach¬≠hinein bew¬≠ertet der Bun¬≠desrech¬≠nung¬≠shof die F√∂rderung durch den Bun¬≠de¬≠shaushalt als nicht zul√§s¬≠sig: Ein Pro¬≠jekt darf gem√§√ü Bun¬≠de¬≠shaushalt¬≠sor¬≠d¬≠nung nicht gef√∂rdert wer¬≠den, wenn die Gesamt¬≠fi¬≠nanzierung nicht nachgewiesen wer¬≠den kann. Eine Gesamt¬≠fi¬≠nanzierung war in weit¬≠er Ferne und nie greif¬≠bar. Seit der Grund¬≠stein¬≠le¬≠gung ist es der Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung nie gelun¬≠gen, sub¬≠stanziell Spenden einzunehmen. Statt ehrlich zum Scheit¬≠ern der Spenden¬≠samm¬≠lung zu ste¬≠hen und das Pro¬≠jekt einzu¬≠stampfen, griff die Stiftung zu einem Trick und labelte den 1. Bauab¬≠schnitt, den heute sicht¬≠baren Turm¬≠s¬≠tumpf, zu einem ver¬≠meintlich f√ľr sich ste¬≠hen¬≠des Gesamt¬≠pro¬≠jekt um. Nach Au√üen hat die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung weit¬≠er¬≠hin kom¬≠mu¬≠niziert, dass sie das Pro¬≠jekt erst umge¬≠set¬≠zt sehen, wenn die gesamte Kirche ste¬≠ht. Ein Turm¬≠s¬≠tumpf war f√ľr die Stiftung somit nie eine Option, nur Mit¬≠tel zum Zweck, den Nach¬≠weis ein¬≠er Gesamt¬≠fi¬≠nanzierung zu simulieren. Im √úbri¬≠gen ging noch nicht mal diese Rech¬≠nung auf, so dass der Bund auch schon f√ľr den 1. Bauab¬≠schnitt, den Turm¬≠s¬≠tumpf, viele Mil¬≠lio¬≠nen nach¬≠schie√üen musste. Man hat bewusst in Kauf genom¬≠men, dass der √∂ffentliche Finanzge¬≠ber ‚Äď ent¬≠ge¬≠gen sein¬≠er eige¬≠nen Reg¬≠u¬≠lar¬≠ien ‚Äď bis zum Ende kom¬≠plett alles bezahlt, damit keine Bau¬≠ru¬≠ine entsteht.
Das alles kön­nen wir Betrug nennen.

Und dabei ist das nicht alles: Die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung und die F√∂rderge¬≠sellschaft f√ľr den Wieder¬≠auf¬≠bau ste¬≠hen auch noch im Ver¬≠dacht, in einem Mio.-schweren Kor¬≠rup¬≠tions¬≠fall ver¬≠wick¬≠elt zu sein. Die finanzielle F√∂rderung von mehr als 2 Mio. Euro durch das Land Bran¬≠den¬≠burg im Jahr 2010/11 ist unter zwielichti¬≠gen Umst√§n¬≠den zus¬≠tande gekom¬≠men ist: Gabriele F√∂rder-Hoff, die dama¬≠lige Refer¬≠at¬≠slei¬≠t¬≠erin und Beauf¬≠tragte des Haushalts im Min¬≠is¬≠teri¬≠um f√ľr Wis¬≠senschaft Forschung und Kul¬≠tur des Lan¬≠des Bran¬≠den¬≠burg war mut¬≠ma√ülich damals mitver¬≠ant¬≠wortlich f√ľr die Freiga¬≠be dieser F√∂r¬≠der¬≠mit¬≠tel an die Gar¬≠nisonkirche. Jedoch war Frau F√∂rder-Hoff zu dieser Zeit gle¬≠ichzeit¬≠ig im Vor¬≠stand der F√∂rderge¬≠sellschaft f√ľr den Wieder¬≠auf¬≠bau der Pots¬≠damer Gar¬≠nisonkirche und dort zust√§ndig f√ľr die Finanzen! Die dama¬≠lige F√∂rderung war h√∂chst umstrit¬≠ten, da die Lan¬≠desmit¬≠tel nor¬≠maler¬≠weise f√ľr Gedenkst√§t¬≠ten bere¬≠it¬≠ste¬≠hen soll¬≠ten. Frau F√∂rder-Hoff und ihre F√∂rderge¬≠sellschaft f√ľr den Wieder¬≠auf¬≠bau haben sich¬≠er √ľber diesen Coup gefreut. Wenn das nicht Kor¬≠rup¬≠tion ist!

F√ľr mich war die Ank√ľndi¬≠gung des dama¬≠li¬≠gen Staatsmin¬≠is¬≠ters der Bun¬≠desregierung f√ľr Kul¬≠tur und Medi¬≠en, Bernd Neu¬≠mann, wohl gemerkt kurz vor Auf¬≠gabe seines Amtes, dem Gar¬≠nisonkirchen¬≠pro¬≠jekt 12,4 Mio. Euro zu ver¬≠schaf¬≠fen, der entschei¬≠dende Impuls, in den aktiv¬≠en Wider¬≠stand gegen die Gar¬≠nisonkirchenkopie zu gehen. Zugegeben, es gibt wichtigere Dinge, als reiche Leute davon abzuhal¬≠ten, mit Steuergeldern ihre sinnlosen Pup¬≠pen¬≠h√§user zu bauen. Das dama¬≠lige Mio.-Versprechen war jedoch ein gro√üer Durch¬≠bruch f√ľr das Pro¬≠jekt. Wir in Pots¬≠dam mussten nun wirk¬≠lich bef√ľrcht¬≠en, dass hier ein st√§dte¬≠baulich dom¬≠i¬≠nan¬≠ter Sym¬≠bol¬≠bau auf Mio.-Kosten der √Ėffentlichkeit entste¬≠ht. Ins¬≠ge¬≠samt kalkulierte man mit √ľber 100 Mio. Euro f√ľr den Gesamt¬≠bau. Jahre¬≠lang ver¬≠sprach die Stiftung, dass ihr Pri¬≠vatvergn√ľ¬≠gen zu 100% durch Spenden finanziert wird. Das war ein¬≠deutig eine bewusste T√§uschung, um poli¬≠tisch die entschei¬≠dende Zus¬≠tim¬≠mung zu bekom¬≠men, auf die immer wieder ver¬≠wiesen wird, um sich Kri¬≠tik vom Hals zu hal¬≠ten. Denn bere¬≠its Ende 2004 h√§tte den Beteiligten klar sein m√ľssen, dass die Spenden¬≠fi¬≠nanzierung eine Illu¬≠sion ist. Nach inten¬≠siv¬≠en Beratun¬≠gen lehnte es der dama¬≠lige Vor¬≠standssprech¬≠er der Com¬≠merzbank, Klaus Peter M√ľller, gegen√ľber Wolf¬≠gang Huber, Matthias Platzeck und J√∂rg Sch√∂n¬≠bohm ab, als Stifter¬≠bank zu fungieren, da ‚Äědie Aus¬≠sicht¬≠en auf ein hohes Spende¬≠naufkom¬≠men derzeit neg¬≠a¬≠tiv zu beurteilen sind. Auch die immer noch beachtliche Bere¬≠itschaft der deutschen Bev√∂lkerung, Spende¬≠naufrufe zu fol¬≠gen, zeigt deut¬≠lich, dass soziale Pro¬≠jek¬≠te und Katas¬≠tro¬≠phen-Hil¬≠fe absolute Pri¬≠or¬≠it√§t genie√üen.‚Äú Diese real¬≠is¬≠tis¬≠che Ein¬≠sch√§tzung bewahrheite sich in den fol¬≠gende Jahren, ohne dass die Ini¬≠tia¬≠toren daraus die n√∂ti¬≠gen Kon¬≠se¬≠quen¬≠zen zogen.

Die betr√ľgerischen Tricks bei der Simulierung ein¬≠er Gesamt¬≠fi¬≠nanzierung, um an √∂ffentliche Gelder zu kom¬≠men, und die bewusste Spenden¬≠l√ľge, um poli¬≠tis¬≠che Zus¬≠tim¬≠mung zu erlan¬≠gen, sind nur zwei Beispiele davon, dass die evan¬≠ge¬≠lis¬≠che Kirchen¬≠s¬≠tiftung und ihre Pro¬≠tag¬≠o¬≠nis¬≠ten wie, Wolf¬≠gang Huber, Wieland Eschen¬≠burg, Mar¬≠tin Vogel, Peter Leine¬≠mann, Cor¬≠nelia Radeke-Engst christliche Werte offen¬≠sichtlich mis¬≠sacht¬≠en. Das ein¬≠fache Gebot ‚ÄěDu sollst nicht l√ľgen‚Äú ste¬≠ht im klaren Kon¬≠trast zu dem, was wir bish¬≠er bei dem Baupro¬≠jekt erleben durften.
F√ľr mich gipfelte die Mis¬≠sach¬≠tung von christlichen Werten in der Insze¬≠nierung eines Gottes¬≠di¬≠en¬≠stes am 11.09.2016, als ZDF-Gottes¬≠di¬≠enst, um eine Werbeshow f√ľr den Wieder¬≠auf¬≠bau der Gar¬≠nisonkirche zu ver¬≠anstal¬≠ten. Das war f√ľr mich das Zeichen, dass die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung samt ihrer Pfar¬≠rerin Cor¬≠nelia Radeke-Engst keine Scheu haben, christliche Rit¬≠uale zu miss¬≠brauchen, um ein st√§dte¬≠baulich¬≠es Pro¬≠jekt im Gewand des 18. Jahrhun¬≠derts zu promoten.
Dass dieser Miss¬≠brauch beson¬≠ders mir auf¬≠st√∂√üt, liegt in mein¬≠er christlichen Erziehung begr√ľn¬≠det. Ich bin in ein¬≠er christlichen Fam¬≠i¬≠lie mit gl√§u¬≠bi¬≠gen Eltern aufgewach¬≠sen. Christliche Werte stell¬≠ten meinen Kom¬≠pass dar. Was ich fr√ľher gel¬≠ernt und heutzu¬≠tage auch immer noch verin¬≠ner¬≠licht habe, sind Ehrlichkeit, N√§ch¬≠sten¬≠liebe, Gerechtigkeit und Gen√ľgsamkeit ‚Äď all diese Werte ste¬≠hen im krassen Gegen¬≠satz zu dem Treiben des Gar¬≠nisonkirchen¬≠pro¬≠jek¬≠tes. Die Bibel ist voll mit Geschicht¬≠en, in denen der Hochmut ‚Äď wie sie die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung an den Tag legt ‚ÄĒ gegei√üelt wird ‚Äď ange¬≠fan¬≠gen vom Turm¬≠bau zu Babel bis zum Phar¬≠is√§er, der auf arme Leute her¬≠ab¬≠schaut und sich an sein¬≠er ver¬≠meintlichen Reli¬≠giosit√§t erg√∂tzt.

Ich war jedoch nicht der einzige, der √ľber diese Skru¬≠pel¬≠losigkeit der Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung, christliche Fun¬≠da¬≠mente zu instru¬≠men¬≠tal¬≠isieren, geschockt war. F√ľr den Architek¬≠ten Philipp Oswalt war der ZDF-Gottes¬≠di¬≠enst der Anlass, aus der Evan¬≠ge¬≠lis¬≠chen Kirche mit¬≠tels eines √∂ffentlichen Briefes an die EKD auszutreten. Er schrieb ‚ÄěBeim Gottes¬≠di¬≠enst ging es ‚Äď abge¬≠se¬≠hen von rit¬≠u¬≠al¬≠isierten Redewen¬≠dun¬≠gen ‚Äď ohne¬≠hin nicht um Frieden und Ver¬≠s√∂h¬≠nung, son¬≠dern darum, vor dem Fernseh¬≠pub¬≠likum f√ľr den Wieder¬≠auf¬≠bau zu wer¬≠ben. Und dabei kn√ľpfte man an die Tra¬≠di¬≠tion der Gar¬≠nison¬≠skirche als Staats- und Mil¬≠it√§rkirche an. Neben den zwei Geistlichen sprachen in dem 45 min√ľti¬≠gen Gottes¬≠di¬≠enst zwei Poli¬≠tik¬≠er und ein Bun¬≠deswehrof¬≠fizier in Ziv¬≠il.‚Äú Weit¬≠er schreibt er: ‚ÄěDie Idee von Frieden und Ver¬≠s√∂h¬≠nung wird nicht nur instru¬≠men¬≠tal¬≠isiert, sie wird auch kon¬≠terkari¬≠ert. Denn man nimmt mit dem Vorhaben bewusst in Kauf, in Stadt und Kirche Unfrieden zu stiften.‚Äú

Dass sie f√ľr die Bewer¬≠bung eines st√§dte¬≠baulichen Pro¬≠jek¬≠tes nicht nur ihre eige¬≠nen Gottes¬≠di¬≠en¬≠ste miss¬≠brauchen, son¬≠dern auch Begriffe wie Ver¬≠s√∂h¬≠nung gezielt zur Immu¬≠nisierung gegen Kri¬≠tik nutzen, zeigt ihre Unver¬≠froren¬≠heit, nicht nur christliche, son¬≠dern auch demokratis¬≠che Werte zu hin¬≠tertreiben. Denn w√§hrend ein gro√üer Teil der Pots¬≠damer Bev√∂lkerung in unz√§h¬≠li¬≠gen B√ľrg¬≠er¬≠haushaltsab¬≠stim¬≠mungen und schlie√ülich im erfol¬≠gre¬≠ichen B√ľrg¬≠er¬≠begehren gegen die Gar¬≠nisonkirche ihren Wider¬≠stand gegen dieses Pro¬≠jekt immer wieder zum Aus¬≠druck brachte, blockt die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung jegliche Kri¬≠tik an dem Nach¬≠bau der orig¬≠i¬≠nalen Fas¬≠sade und Sil¬≠hou¬≠ette ab, mit dem Hin¬≠weis, dass sie Ver¬≠s√∂h¬≠nung und damit gute Arbeit betreiben und die Kri¬≠tik der Gegner*innen damit ins Leere laufen w√ľrde. Diese Arro¬≠ganz und anti-basis¬≠demokratis¬≠che Igno¬≠ranz sp√ľrte ich beson¬≠ders als Haup¬≠tko¬≠or¬≠di¬≠na¬≠tor und Ver¬≠trauensper¬≠son f√ľr das B√ľrg¬≠er¬≠begehren zur Aufl√∂¬≠sung der Gar¬≠nisonkirche im Jahr 2014 am eige¬≠nen Leib. An der Stiftung und der Evan¬≠ge¬≠lis¬≠chen Kirche perlte das B√ľrg¬≠er¬≠begehren ab, dabei haben 14.285 Potsdamer*innen g√ľltig unter¬≠schrieben ‚Äď weit mehr als die CDU oder die Gr√ľ¬≠nen Stim¬≠men bei Pots¬≠damer Kom¬≠mu¬≠nal¬≠wahlen bekom¬≠men. Ihre propagierte Ver¬≠s√∂h¬≠nung gilt offen¬≠sichtlich nicht den Men¬≠schen. Demokratie ist f√ľr die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung nur insoweit wichtig, solange die Insti¬≠tu¬≠tio¬≠nen Steuergelder f√ľr ihre Luxu¬≠skirche organ¬≠isieren. Ich m√∂chte ein weit¬≠eres Beispiel von vie¬≠len auf¬≠f√ľhren, das zeigt, wie sehr die Demokratiev¬≠er¬≠ach¬≠tung seit¬≠ens der Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung aus¬≠gepr√§gt ist. Am 23.06.2018, am 50. Jahrestag der Spren¬≠gung der GK-Ruine ver¬≠anstal¬≠tete die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung eine Ver¬≠anstal¬≠tung in der Nagelkreuzkapelle. Hier¬≠f√ľr meldete sie auf √∂ffentlichen Grund u.a. im Bere¬≠ich der Wern¬≠er-See¬≠len¬≠binder-Stra√üe eine Ver¬≠anstal¬≠tung an und sper¬≠rte diesen Bere¬≠ich mit Flat¬≠ter¬≠band ab ‚Äď obwohl die Ver¬≠anstal¬≠tung g√§n¬≠zlich im Geb√§ude der Nagelkreuzkapelle stat¬≠tfand ‚Äď somit war die Ver¬≠anstal¬≠tungsan¬≠mel¬≠dung f√ľr den Bere¬≠ich drau√üen ein Trick, um mit¬≠tels ein¬≠er Art Ban¬≠n¬≠meile die Gegner*innen des Wieder¬≠auf¬≠baus weitr√§u¬≠mig auf Dis¬≠tanz zu hal¬≠ten. Dabei wollte lediglich eine Hand¬≠voll Per¬≠so¬≠n¬≠en von der B√ľrg¬≠erini¬≠tia¬≠tive vor dem Ein¬≠gang der Ver¬≠anstal¬≠tung ‚Äď jedoch auf √∂ffentlichem Grund ‚Äď Fly¬≠er an die Veranstaltungsteilnehmer*innen verteilen. Als sich die BI-Mit¬≠glieder nicht von diesen Ein¬≠sch√ľchterungsver¬≠suchen beein¬≠druck¬≠en lie√üen, rief Peter Leine¬≠mann, Gesch√§fts¬≠f√ľhrer der Stiftung, sog¬≠ar die Polizei, die mit rund 20 Beamt*innen, anr√ľck¬≠te. Die Polizei wies jedoch Peter Leine¬≠mann zurecht, dass er hier miss¬≠br√§uch¬≠lich Haus¬≠recht f√ľr einen √∂ffentlichen Grund anwen¬≠dete und kein Recht hat, andere Per¬≠so¬≠n¬≠en von √∂ffentlichem Grund wegzuschick¬≠en. Man k√∂n¬≠nte meinen, dass die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung an ihrem selb¬≠ster¬≠nan¬≠nten Ver¬≠s√∂h¬≠nung¬≠sort demokratis¬≠che Prinzip¬≠i¬≠en respek¬≠tieren und sich mit der Kri¬≠tik auseinan¬≠der¬≠set¬≠zen sollte statt diese zu verbannen.

Diese Wider¬≠spr√ľche und Ver¬≠logen¬≠heit k√∂n¬≠nten ja noch ver¬≠schmerzbar sein, wenn die Evan¬≠ge¬≠lis¬≠che Kirche ein kleines Pro¬≠jekt betreiben w√ľrde und damit irrel¬≠e¬≠vant f√ľr die Stad¬≠ten¬≠twick¬≠lung in Pots¬≠dam w√§re. Aber lei¬≠der ist das nicht der Fall. Das Gar¬≠nisonkirchen¬≠pro¬≠jekt ist ein st√§dte¬≠baulich h√∂chst fol¬≠gen¬≠re¬≠ich¬≠es Pro¬≠jekt. Es ste¬≠ht viel auf dem Spiel: Die weit¬≠ere Ver¬≠schwen¬≠dung von √∂ffentlichem Geld, die Ver¬≠nich¬≠tung von bish¬≠er g√ľn¬≠sti¬≠gen R√§u¬≠men f√ľr Kun¬≠st und Kul¬≠tur im Rechen¬≠zen¬≠trum, der von Mittesch√∂n geforderte Abriss eines Teils des Studieren¬≠den¬≠wohn¬≠heims zur Errich¬≠tung eines his¬≠torischen Stadt¬≠platzes neben der Gar¬≠nisonkirche und das Risiko der Gar¬≠nisonkirchenkopie, zu einem Sym¬≠bol¬≠ort f√ľr die neue Rechte und zu ein¬≠er geschicht¬≠spoli¬≠tis¬≠chen Pro¬≠pa¬≠gan¬≠dashow der Bun¬≠deswehr zu werden.

Und es ist auch keine gute demokratis¬≠che Prax¬≠is, basis¬≠demokratis¬≠che Voten wie das B√ľrg¬≠er¬≠begehren zu √ľberge¬≠hen, wenn es sich um den Bau des h√∂ch¬≠sten Geb√§udes Pots¬≠dams han¬≠delt. Nicht jede*r in Pots¬≠dam ist ‚Äď wie Mittesch√∂n und die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung‚Äď in √§sthetis¬≠ch¬≠er Hin¬≠sicht im 18. Jahrhun¬≠dert steck¬≠en geblieben.

Der Umgang mit dem Ort der ehe¬≠ma¬≠li¬≠gen Gar¬≠nisonkirche ist mit¬≠nicht¬≠en ein pri¬≠vates Baupro¬≠jekt. Dass es hier um ein St√§dte¬≠baupro¬≠jekt han¬≠delt, ist auch der evan¬≠ge¬≠lis¬≠chen Kirche klar: Das zeigt sich u.a. bei der Nagelkreuzkapelle. Diese besitzt noch nicht ein¬≠mal eine Per¬≠son¬≠al¬≠ge¬≠meinde. Das hei√üt, sie hat keinen eige¬≠nen Gemeinde-Stadt¬≠teil zuge¬≠ord¬≠net wie es nor¬≠maler¬≠weise f√ľr Gemein¬≠den der Fall ist. Es gibt schlie√ülich keinen Bedarf an weit¬≠eren R√§um¬≠lichkeit¬≠en ‚Äď ganz zu schweigen von ein¬≠er 100 Mio. Euro-Kirche ‚Äď bei den Gemein¬≠den und Kirchen¬≠mit¬≠gliedern in Potsdam.

Umso wichtiger ist es f√ľr uns als √Ėffentlichkeit, unser Recht auf Mitbes¬≠tim¬≠mung bei dem fol¬≠gen¬≠re¬≠ichen St√§dte¬≠baupro¬≠jekt einzu¬≠fordern. Wenn die Gar¬≠nisonkirchen¬≠s¬≠tiftung der Mei¬≠n¬≠ung ist, die Form von Gottes¬≠di¬≠en¬≠sten zu miss¬≠brauchen, um sich Protest vom Halse zu hal¬≠ten, ist das in erster Lin¬≠ie ihr Prob¬≠lem. Mir geht es auss¬≠chlie√ülich um die Mitbes¬≠tim¬≠mung an diesem Ort und nicht um die per¬≠s√∂n¬≠liche Aus√ľbung des Glaubens.
Ich werde daher weit¬≠er¬≠hin von meinem Ver¬≠samm¬≠lungsrecht Gebrauch machen, um gegen diese gottes¬≠l√§ster¬≠liche Bude ‚Äď wie der The¬≠ologe und ZEIT-Jour¬≠nal¬≠ist Christoph Dieck¬≠mann die Gar¬≠nisonkirche nen¬≠nt ‚Äď auf die Stra√üe zu gehen.

Denn auch noch jet¬≠zt gibt es viele M√∂glichkeit¬≠en f√ľr die Evan¬≠ge¬≠lis¬≠che Kirche reinen Tisch zu machen und das Pro¬≠jekt so zu trans¬≠formieren, dass es tat¬≠s√§ch¬≠lich ein Ort wird, an dem Geschichte angemessen erin¬≠nert wer¬≠den kann, ohne Inter¬≠essenkon¬≠flik¬≠te mit der Bun¬≠deswehr (die u.a. die geplante Dauer¬≠ausstel¬≠lung finanzieren soll‚Ķ) und preu√üis¬≠che Militarismus-Romantik.

Daf√ľr ist es drin¬≠gend notwendig, dass sich die Evan¬≠ge¬≠lis¬≠che Kirche endlich ver¬≠ant¬≠wortlich zeigt und aus dem Pro¬≠jekt geord¬≠net aussteigt:
‚ÄĘ Sofor¬≠tiger Stopp aller Pla¬≠nungs- und Bau¬≠ma√ü¬≠nah¬≠men an Turm und Kirchenschiff!
‚ÄĘ Sofor¬≠tige Ein¬≠stel¬≠lung jed¬≠wed¬≠er √∂ffentlich¬≠er Finanzierung!
‚ÄĘ Kein Abriss des Rechenzentrums!
‚ÄĘ Protest entkriminalisieren!
‚ÄĘ Kon¬≠ver¬≠sion und Teil¬≠r√ľck¬≠bau der Bausub¬≠stanz zu einem √∂ffentlichen Ort und Mah¬≠n¬≠mal der kri¬≠tis¬≠chen Auseinan¬≠der¬≠set¬≠zung mit der Geschichte und des Wiederaufbauvorhabens!
‚ÄĘ Echte Mitbes¬≠tim¬≠mung durch die Pots¬≠damer Stadt¬≠ge¬≠sellschaft beim Umgang mit dem Ort statt von ein¬≠er kirch¬≠lichen Stiftung, Mittesch√∂n und Bun¬≠deswehr dik¬≠tierte Geschichtsklitterung!
‚ÄĘ Aufl√∂¬≠sung der Stiftung Gar¬≠nisonkirche! Per¬≠son¬≠elle und rechtliche Kon¬≠se¬≠quen¬≠zen f√ľr die Ver¬≠ant¬≠wortlichen der SGP!

In diesem Sinne k√∂n¬≠nen Sie, Frau Rich¬≠terin, den Anfang machen, und diesen unw√ľrdi¬≠gen Prozess ein Ende bere¬≠it¬≠en und die Ankla¬≠gen fall¬≠en lassen.
Vie¬≠len Dank!




Quelle: Inforiot.de