Mai 16, 2021
Von Schwarze Ruhr-Uni
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Warum radikale Bildungskurse?

Wir wollen eine vollkommen andere Welt schaffen, in der jede*r ĂŒber sich selbst bestimmt: DafĂŒr braucht es aber bestimmtes Wissen und die FĂ€higkeit, sich dieses ohne Zwang anzueignen. Staatliche und kapitalistische Schulen, UniversitĂ€ten und Ausbildungsorte trainieren uns diese durch ihre Hierarchien, Vorgaben, PrĂŒfungen und Noten ab. Anstelle eines Angebotes aus dem wir frei wĂ€hlen, geben uns AutoritĂ€ten wie das Bildungsministerium, Lehrer*innen und Dozent*innen vor, was wir lernen sollen.
Dies dient der Kontrolle unseres Wissens, z.B. ist die Geschichte der anarchistischen Bewegung und deren Erfolge vielen unbekannt. Auch praktisches Wissen, bespielsweise wie Nahrung angebaut oder verarbeitet wird, fehlt uns, so werden wir in zentralen Teilen des Lebens abhÀngig von hierarchischen Institutionen gehalten.
Wenn wir also eine Welt ohne Kapitalismus, Staat, Patriarchat und jede andere Herrschaft anstreben, mĂŒssen wir aus unserer eigenen Geschichte lernen und uns praktisch die FĂ€higkeiten aneignen, die uns selbst ĂŒber unsere Leben bestimmen lassen. Deshalb organisieren wir dieses Wintersemester Kurse zum selbstbestimmten Lernen. Diese sind offen fĂŒr alle Menschen, ob sie an der Ruhr-Uni studieren oder nicht. Eine Auflistung der Kurse findet sich im Nachfolgenden. Falls euch ein Thema fehlt und ihr mithelfen wollt, etwas zu organisieren, dann meldet euch bei uns.

Lasst uns mit neugierigen Lernen beginnen
und die Welt radikal verÀndern!

Zweite Juni Woche: Tomaten Im Garten, Produktion in der Revolution – Selbstorganisierte Nahrungsmittelversorgung

In den aktuellen und kommende ökologischen und gesellschaftlichen Katastrophen, sollten wir uns keinesfalls auf den Staat verlassen, wenn es um unseren Versorgung geht: Wer ohne jeden Grund ĂŒberlegt SupermĂ€rkte zu schließen und den Zugang zu Nahrungsmitteln fĂŒr Menschen mit wenig Geld zu erschweren, wird bereit sein in Situationen, wo es wirkliche Versorgungskrisen gibt, einen Großteil der Menschen im Stich zu lassen. Und dies Krisen stehen aufgrund von Klimawandel und Umweltzerstörung vor der TĂŒr.
Unsere ErnĂ€hrung wird vom Kapitalismus und dem Staat kontrolliert. Deren Eliten werden in den anstehenden Krise gezwungen sein entweder ihre Ressourcen abzugeben oder durch Kontrolle und Verknappung hauptsĂ€chlich GĂŒter fĂŒr sich selbst produzieren zu lassen. Bereits jetzt ist es so das vielen Menschen insbesondere global von hochwertigen Lebensmittel ausgeschlossen sind und auch dieser Trend wird sich wahrscheinlich noch verstecken.
Zentrale Motive der Nahrungsmittelproduktion/Verteilung sind Profit und Kontrolle ĂŒber unser Leben. Der Gewinnzwang und der damit verbundene Einsatz von Giftstoffen/Medikamenten fĂŒhrt zu GesundheitsschĂ€den, wĂ€hrend Monokulturen, Bodenerosion und Treibhausgasaustoß unsere Lebensgrundlagen zerstören. Dies trifft vor allem Arme, denn sie können sich keine teuren Bio-Produkte leisten und sind von Umweltzerstörung besonders betroffen. Der Staat ermöglicht dies durch den Schutz des Eigentums der Unternehmen und der Reichen.
Es ist keine utopisch Zukunftsversion unsere Lebensmittelversorgung immer mehr unabhĂ€ngig von Staat&Kapitalismus zu machen und lokal, selbstorganisiert und nachhaltig Nahrung anzubauen/zu produzieren – es ist eine Frage unsere Überlebens. Uns geht es dabei nicht, um den Panik geleitenden Ausstieg Einzelner, sondern den gemeinschaftlichen Übergang in ein anderes und besseres Leben.
Beim Kurs wollen wir uns praktische FĂ€higkeiten im Anbau von Nahrung und auch die organisatorischen FĂ€higkeiten fĂŒr die Nahrungsverteilung aneignen. Konkrete VorschlĂ€ge sind GemeinschaftsgĂ€rten zu kontaktieren und den eigenen Anbau von Lebensmitteln zu erproben. Weitere Ideen sind Plansspiele zu machen wie z.B. ein Stadtteil selbstversorgt werden kann und wir langfristig die Kontrolle ĂŒber Nahrungsmittelproduktion- und Versorgung wiedererlangen.
Oder auch etwas völlig Anderes! Eine konkretes Projekte, dass wirr angefragt haben sich vorzustellen ist die Anarchistischen Lebensmittelhilfe aus Bochum/Dortmund. Dabei wollen wir im gesamten Kursen immer Praxis&Theorie eng verbinden, um langfristig, handelnde Strukturen zu schaffen.

Corona- und Repressionsschutz

Der Kurs findet ausschlieslich draussen (mit Abstand und Maske statt). Aufgrund der staatlichen Repression im Rahmen der Pandemie werden wir den Ort und die genaue Uhrzeit des Kurses nur per Mail mitteilen. Wenn ihr am Kurs teilnehmen wollt schreibt bitte eine Mail an: radikale-bildung@riseup.net

Termin: Ab 07.06.2021 – Montags (Genaue Uhrzeit per Mail)
Ort: Zentrum von Bochum (Genauer Ort per Mail)
Anmeldung&Nachfragen: radikale-bildung(at)riseup.net

August/September: Wie machen wir das mit der Revolution? – Vorstellungen, Strategien, PlĂ€ne

Sich die HandlungsunfÀhigkeit eingestehen
An vielen Orten in der Welt brodelt es und anti-autoritĂ€re Bewegungen werden immer stĂ€rker, so stark, dass mehr und mehr Menschen ernsthaft ĂŒber Revolution nachdenken.
Aber nicht erst die anhaltende Corona-Krise zeigt, dass antiautoritĂ€re Linke und Anarchist*innen in Deutschland weitestgehend handlungsunfĂ€hig sind. Auch die starke und und populĂ€re Klimagerechtigkeitsbewegung hat Probleme, eine Transformations- oder Revolutionsstrategie jenseits von immer gleichen Forderungen (von denen seit Jahrzehnten nicht mal das Minimum erfĂŒllt wird) und symbolischen Aktionen zu finden. Viele in anti-autoritĂ€ren Bewegungen sind vereinzelt und sehen wegen der Starrheit der Gesellschaft und Angst vor Repressionen wenige Möglichkeiten, wirklich etwas zu verĂ€ndern. Doch im Angesicht der sich verschĂ€rfenden gesellschaftlichen Krisen muss klar sein: Wir brauchen eigene, kollektive Antworten, wie wir aus der Scheiße herauskommen, die Menschen von Staat, Kapitalismus, Rassismus/Kolonialismus und Patriarchat (und anderen Herrschaftsstrukturen) eingebrockt wird. Wir mĂŒssen wissen, wie eine revolutionĂ€re Entwicklung aussehen kann und mit ihr jetzt beginnen.

Ernsthaft auf Revolution zielen
Daher wollen wir erarbeiten, wie heute eine revolutionĂ€re Selbstorganisation aussehen kann. Was fĂŒr neue Projekte brauchen wir? Wie kommen wir dann ĂŒber die Vereinzelung kleiner Projekte hinaus, hin zum Aufbau von ParallelgesellschaftenÂč im grĂ¶ĂŸeren Maßstab? Wie können wir im Angesicht der sich verschĂ€rfenden Lage handlungsfĂ€hig werden, statt ohnmĂ€chtig zu bleiben und stets höchstens reagieren zu können? NaĂŒrlich haben wir keine fertigen Antworten, sondern wollen gemeinsam mit euch nach revolutionĂ€ren Wegen suchen. Der Bildungskurs wird mindestens zwei Mal stattfinden: Einmal spezifisch fĂŒr Menschen aus Bochum und Umgebung, und einmal allgemein fĂŒr alle Interessierten. Eventuell bieten wir ihn dann auch nochmal fĂŒr Dortmund und Umgebung an.

Konkret werden
Um nicht in einer abstrakten, utopischen Diskussion hĂ€ngen zu bleiben, ist unser Vorschlag anhand von einer fiktiven Stadt und der umliegenden lĂ€ndlichen Region zu ĂŒberlegen, was Elemente eines herrschaftsfreien Lebens sind und wie jetzt anfangen diese aufzubauen und zu verbinden und was danach die nĂ€chsten Schritte sind. FĂŒr lokale den Kurs wollen wir das konkret auf die jeweiligen StĂ€dte (Bochum und Dortmund) beziehen. Weil die Bildungskurse ein Konzept sind, wo alle Teilnehmer*innen ĂŒber die Inhalte und Struktur entscheiden, wird es auch nochmal jeweils ein Online-Vorbreitungstreffen geben (anonymer verschlĂŒsselter Audio-Chat), wo wir Änderungen am Ablauf vornehmen können.
Wenn ihr schon Interesse am Kurs habt, schreibt uns gerne eine Mail, dann schicken wir euch rechtzeitig nÀhere Infos und gegebenenfalls Materialien zu.

Coronasschutz, Unterkunft und Verpflegung
Die Kurse finden statt, sobald es die Pandemiesittuaion zulĂ€sst; wir hoffen auf Ende August/September, wir peilen jeweils eine LĂ€nge von zweieinhalb Tagen an. Die Teilnehmer*innenzahl wird auf 15 Personen einschließlich der Organisator*innen beschrĂ€nkt sein. Am besten wĂ€re wenn alle Menschen, die an den Kursen teilnehmen wollen bis dahin geimpft sind. Sollten Menschen teilnehmen wollen, die (noch) nicht geimpft sind. werden wir uns darum kĂŒmmern, dass Menschen den jeweiligen Tagen gegen SpendeÂČ eine Corona-Schnelltest machen können. Ob wir (solange wir drinnen sind) Maske tragen sind wir auch Weitere Informationen bezĂŒglich des Gesundheitsschutzes wird es einige Wochen vor den Kursen geben.
FĂŒr Menschen von außerhalb werden wir eine dezentrale Schlaf-Unterbringung organisieren. Falls ihr SchlafplĂ€tze braucht schreibt uns das bitte. Es wird wie immer auch veganes Essen gegen Spende gebenÂč.

Letzte Vorbereitungshinweise
Falls euch vorher noch nicht mit anarchistischer Theorie beschĂ€ftigt habt, bitten wir unseren Anarchismus-EinfĂŒhrungsvortrag anzuhören.
Zur zusÀtzlichen Vorbereitung auf den Kurs empfehlen wir die folgenden zwei Texte:

1. Exerzitium: Wie wĂŒrde ein anarchistisches Programm aussehen? (Crimethinc)
2. 16 things you can do to be ungovernable – ps. fuck Biden

Termin: Zweimalig Ende August/September 2021
Vorbereitungstreffen: Einige Wochen vorher (Online)
Ort: Dortmund (Allgemein) und Bochum (Lokal fĂŒr Bochum)
Anmeldung: radikale-bildung(at)riseup.net

Âč Wir möchten den sonst negativ besetzen Begriff der Parallegeselschaft aufgreifen und positiv benutzten, weil er fĂŒr uns in vielerlei Hinsicht passende beschreibt was wir wollen: Netzwerke und Strukturen die eigene Gemeinschaften in allen Lebensbereichen bilden und sich nicht als Teil der bestehenden Gesellschaftsordnung sehen. Parallelgesellschaften, sollen fĂŒr uns kein reiner Ausstieg aus der jetzigen Gesellschaft sein, sondern Keimzelle von neuen Gesellschaften, die die jetzige komplett ersetzen/zerstören.
ÂČSpende heißt, wenn ihr kein Geld geben könnt, mĂŒsst ihr auch nichts geben.




Quelle: Schwarzerub.blackblogs.org