Juni 12, 2021
Von End Of Road
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kopiert aus der taz

Das Problem ist strukturell

Auch nach der Veröffentlichung des Berichts der Sonderermittlerin sieht die Behörde keine strukturellen Probleme. Das passt nicht zu den Fakten.

Vorbereitung ist alles. Nicht nur fĂŒr den Einsatz, auch fĂŒr innerbetriebliche Probleme

Die Sonderermittlerin Karen Buse beschreibt die Organisationskultur der Bremer Feuerwehr als mĂ€nnlich, hie­rarchisch, traditionsverbunden und verĂ€nderungsresistent. In ihrem Bericht schlussfolgert sie, dass dies die Integration von „Personenkreisen mit abweichenden Merkmalen – Frauen, Migranten, Homosexuellen – erschwert“. Rein informell natĂŒrlich, formal seien diese Gruppen gleichberechtigt.

„Die Feuerwehr Bremen ist nicht strukturell rassistisch, rechtsextremistisch oder sexistisch“, steht in einem Dokument des Bremer Innensenators von Anfang Juni, in dem es um eben jenen Bericht, die Ermittlungen rund um den Skandal und anstehende Reformen in der Feuerwehr geht. Von „ernsthaften Verfehlungen“ ist die Rede. Aber strukturell laufe nichts falsch.

Passt diese Aussage zu den vorliegenden Erkenntnissen? Überhaupt nicht. Die logische Schlussfolgerung wĂ€re gewesen: Ja, die Feuerwehr ist strukturell rassistisch und sexistisch. Das heißt nicht, dass ausnahmslos je­de*r Mitarbeitende rassistisch und sexistisch ist, wie die Linke schon treffend feststellt. Die Gewerkschaften dagegen unterliegen in ihrer Stellungnahme dem Fehlschluss, dass eine rassistische Struktur einer Institution zu einem Generalverdacht gegen jedes Mitglied fĂŒhren muss.

Strukturell rassistisch bedeutet, dass das System so gestrickt ist, dass es die genannten Gruppen diskriminiert. Dass es Routinen gibt, unter denen sie leiden. Dass diese systeminhÀrenten Gewohnheiten informell sind, Àndert an ihrer Existenz nichts.

Manche sorgen sich, dass Rassismus verharmlost werde, wenn immer mehr VorfĂ€lle unter den Begriff fallen. Oder dass Einzelne von einer Schuld freigesprochen wĂŒrden, wenn doch die Institution schuld ist. DarĂŒber kann gestritten werden. Aber in diesem Fall scheint der Begriff „struktureller Rassismus“ gemacht fĂŒr die Situation bei der Bremer Feuerwehr. Diesen zuzugeben, verharmlost ihn nicht, es benennt ihn. Und dem Innensenator wĂ€re kein Zacken aus der Krone gebrochen, das zu tun. Im Gegenteil: Vor dem Hintergrund ist die Aussage nicht nur falsch, sie wirkt geradezu trotzig.

Quelle: taz.de




Quelle: Endofroad.blackblogs.org