August 12, 2021
Von End Of Road
286 ansichten


kopiert aus der taz

Unser Viertel soll weiß bleiben

Ein Makler stellt rassistische Bedingungen fĂŒr die Wohnungsvermittlung. Das Bremer Amt fĂŒr Soziale Dienste hilft ihm kritiklos bei seiner Suche.

Der Bremer Schnoor: hier gibt es Tou­ris­t*in­nen und Rassismus in Reinform

55 Quadratmeter, 495 Euro Kaltmiete, mitten im Schnoor – ein gutes Angebot. Allerdings nicht fĂŒr Schwarze: „Bitte keine Miet-Interessenten aus dem Afro-Bereich“, schreibt ein Schwachhauser Makler unter die Wohnungsbeschreibung. Eine Bremer Behörde hat diese offensichtliche Diskriminierung offenbar nicht davon abgehalten, den Makler bei seiner rassistischen Suche zu unterstĂŒtzen.

Bekannt gemacht hat den Fall am Dienstag der Bremer Erwerbslosenverband (BEV). Eine Bremerin auf Wohnungssuche, die lieber anonym bleiben möchte, hatte das rassistische Inserat vom Amt fĂŒr Soziale Dienste (AFSD) bekommen und sich an den BEV gewandt.

Die Zentrale Fachstelle Wohnen beim Amt fĂŒr Soziale Dienste soll BĂŒrger*innen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, dabei unterstĂŒtzen, eine Wohnung zu finden. Auch die Mieterin aus der Bremer Neustadt, nennen wir sie F., die aktuell vor dem Verlust ihrer Wohnung steht, hatte sich an die Fachstelle gewandt – und bekam von dort vor gut einer Woche das Angebot fĂŒr die Schnoor-Wohnung weitergeleitet, inklusive der rassistischen Kriterien.

Das Wohnungsangebot liegt der taz vor. Auf einer knappen Seite richtet sich der Makler darin an die Fachstelle Wohnen, fĂŒhrt die wesentlichen Daten der Wohnung auf – und verbittet sich die Mie­te­r*in­nen „aus dem Afro-Bereich“; mit denen habe der Vermieter schlechte Erfahrungen gemacht.

Amt fĂŒr soziale Dienste reagiert mit Sarkasmus

Das zustĂ€ndige Sozialressort bedauert, dass die Anzeige durch das AFSD weitergeleitet wurde – und erklĂ€rt das mit einem Versehen. Die Mitarbeiterin von der Fachstelle Wohnen habe den entscheidenden Satz im Anschreiben nicht gesehen. „Ansonsten wĂ€re das von uns nicht weitergeleitet worden“, so Wolf KrĂ€mer, Sprecher des Ressorts. „Das entspricht nicht unserer Einstellung.“ Der Satz freilich ist in dem knappen Schreiben fett gedruckt und zusĂ€tzlich unterstrichen; also nur schwer zu ĂŒbersehen.

Gegen ein Versehen spricht auch die erste Reaktion aus der Behörde, so wie der BEV sie schildert. F. habe der offensichtliche Rassismus ĂŒbel aufgestoßen; sie richtete sich, so erzĂ€hlt es Tobias Helfst vom BEV, zunĂ€chst mit einer Nachfrage an die Behördenmitarbeiterin, die ihr das Schreiben weitergeleitet hatte.

Erst als von ihr keine zufriedenstellende Antwort kam, wandte sie sich an deren Vorgesetzten. Doch auch von dem folgte laut F. keine Entschuldigung oder Distanzierung – sondern Sarkasmus: Er „empfahl mir dann, mich doch bei der Brebau vorzustellen“, schreibt F. dem BEV, „das Ganze ist ziemlich unglaublich“.

Die Brebau war erst vor kurzem in die Schlagzeilen geraten, weil das kommunale Wohnungsunternehmen Mietin­teressent*innen offenbar nach rassistischen Kriterien in Zielgruppen eingeteilt hatte – Po­li­ti­ke­r*in­nen aller Fraktionen verurteilten die Praxis.

Das Sozialressort bestreitet, dass die Brebau wegen ihrer rassistischen Praxis genannt wurde; vielmehr habe der Vorgesetzte Frau F. „alle drei großen Wohnungsunternehmen genannt, um ihr bei der Suche zu helfen“, so KrĂ€mer.

Konsequenzen sind bisher fraglich

Warum es im gleichen Zuge keine Distanzierung von der rassistischen Anzeige gegeben hat, weiß der Sprecher nicht. Die Beschwerde, die in der Behörde vorliege, mĂŒsse noch bearbeitet werden; personelle Konsequenzen sind aber bisher nicht vorgesehen. Vielmehr mĂŒsse man dafĂŒr „sensibilisieren, die Anzeigen vor der Vermittlung grĂŒndlicher zu lesen“.

Der verantwortliche Makler aus Schwachhausen ist am Dienstag fĂŒr die taz nicht zu erreichen. Folgen hat er nicht unbedingt zu erwarten: Die Behörde kann sich am Dienstag noch nicht dazu durchringen, ihn auf eine Schwarze Liste zu setzen. Auch juristische Konsequenzen fĂŒr ihn sind eher fraglich: Die Anzeige widerspricht zwar deutlich dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz. Doch fĂŒr eine Klage mĂŒsste sich jemand finden, der eine persönliche Benachteiligung in genau diesem Fall nachweisen kann.

Quelle: taz.de




Quelle: Endofroad.blackblogs.org