November 22, 2020
Von InfoRiot
348 ansichten



Cottbus – Dem Chef einer Kolkwitzer Baufirma wird nach der Absage an einen jungen muslimischen Azubi-Bewerber Rassismus vorgeworfen. Der Firmenboss ist CDU-Mitglied und darf es bleiben.

Der Kolk­witzer Bau­un­ternehmer Frank Pilzeck­er (53) muss nach Ras­sis­mus-Vor­wĂŒr­fen gegen ihn vor­erst keine poli­tis­chen Kon­se­quen­zen fĂŒrcht­en. Pilzeck­er werde Mit­glied im CDU-Kreisver­band Cot­tbus bleiben, bestĂ€tigt der Cot­tbuser Kreisvor­sitzende Michael Schierack.
Zu diesem Ergeb­nis sei man nach einem inter­nen GesprĂ€ch zwis­chen Pilzeck­er und drei Mit­gliedern des Kreisvor­standes gekom­men. „Dabei haben wir noch ein­mal deut­lich gemacht, dass die CDU Cot­tbus klar und deut­lich auf der Seite des Grundge­set­zes ste­ht und alle Ver­suche oder Hand­lun­gen, die dem wider­sprechen, verurteilt“, sagt Schierack.

Kolkwitzer Unternehmer wollte keinen Muslim in seiner Baufirma

Weil er einen jun­gen Mus­lim als Bewer­ber um einen Aus­bil­dungsplatz in sein­er Asphalt Straßen Gesellschaft (ASG) in Kolk­witz-Kri­eschow (Spree-Neiße) abgelehnt hat­te, war Pilzeck­er unter Druck ger­at­en. Ins­beson­dere von Nutzern sozialer Net­zw­erke wurde ihm Ras­sis­mus vorge­wor­fen – aber auch von­seit­en der Politik.
Bran­den­burgs Inte­gra­tions­beauf­tragte Doris Lem­mer­meier etwa warf ihm vor, er trete „islam­o­phob und ras­sis­tisch“ auf. Ein Twit­ter-Nutzer hat­te zwei Bild­schirm­fo­tos von Pilzeck­ers Antwortschreiben an den 18-jĂ€hri­gen Bewer­ber veröffentlicht.
In der E‑Mail an den jun­gen Mann aus Cot­tbus, der vor sieben Jahren mit sein­er Fam­i­lie aus dem Kriegs­land Tschetsche­nien nach Deutsch­land geflĂŒchtet war und inzwis­chen einen anderen Aus­bil­dungsplatz als Straßen­bauer in der Region gefun­den hat, hat­te der Bau­un­ternehmer unter anderem geschrieben: „(
) ist die Mitar­beit in unserem Unternehmen als prak­tizieren­der Moslem uner­wĂŒn­scht. (
) Ich lehne die Auf­fas­sun­gen des Islam gegenĂŒber Frauen und ander­s­denk­enden Men­schen als zutief­st diskri­m­inierend ab.“

Muslim abgelehnt: Kolkwitzer Firmenchef erhĂ€lt Beifall von AfD

RĂŒck­endeck­ung bekam der Bau­un­ternehmer unter anderem von der AfD. Der migra­tionspoli­tis­che Sprech­er der Land­tags­frak­tion Volk­er Noth­ing meinte: „Die Reak­tion auf die freie Mei­n­ungsĂ€ußerung des Unternehmers in Bezug auf sein Han­deln ist ein­er demokratis­chen Gesellschaft nicht wĂŒrdig.“
Immer­hin habe der Unternehmer die Ablehnung in erster Lin­ie damit begrĂŒn­det, dass bess­er geeignete Kan­di­dat­en vorhan­den waren. „Den Unternehmer dafĂŒr zu stig­ma­tisieren, dass er die gesellschaftliche Schieflage in unserem Land erkan­nt hat, dies anspricht und sein Unternehmen vor möglichem Schaden bewahren möchte, ist unver­stĂ€ndlich“, sagte Nothing.
Der CDU-Kreisvor­sitzende Schier­ack hinge­gen erk­lĂ€rt, er gehe davon aus, dass Bau­un­ternehmer Pilzeck­er kĂŒn­ftig die Werte der CDU teile. Zugle­ich betont er, dass die Absage an den jun­gen Mus­lim Monate vor Pilzeck­ers CDU-Beitritt am 1. Sep­tem­ber 2020 erfol­gt sei. „Ich habe von dem Vor­gang erst Anfang Okto­ber Ken­nt­nis genom­men“, sagt Schier­ack. Bis zum Beitritt in den CDU-Kreisver­band Cot­tbus habe er keinen Grund gese­hen, an Pilzeck­ers IntegritĂ€t zu zweifeln.

Kolkwitzer Unternehmer sagt: Ich bin kein Rassist

Der Bau­un­ternehmer selb­st spricht von einem guten und offe­nen GesprĂ€ch mit dem Kreisvor­stand. Er wolle noch ein­mal klarstellen, „dass wir uns selb­stver­stĂ€ndlich alle auf dem Boden des Grundge­set­zes bewe­gen und kein­er­lei Diskri­m­inierung unter­stĂŒtzen soll­ten“. Eine ras­sis­tis­che Ein­stel­lung weist er nach wie vor von sich.
Pilzeck­er sagt: „NatĂŒr­lich wĂŒrde ich auch einen Mus­lim ein­stellen.“ Die Reli­gion habe auf die Arbeit keinen Ein­fluss. Im konkreten Fall habe er sich aber fĂŒr zwei andere Kan­di­dat­en entsch­ieden. Die Entschei­dung sei im Team gefĂ€llt wor­den. Als Arbeit­ge­ber sei er fĂŒr ein gutes Team-Kli­ma verantwortlich.
Offen bleibt indes die Frage, ob dem Kolk­witzer Unternehmer der Bran­den­bur­gis­che Aus­bil­dung­spreis wieder aberkan­nt wird. Eine mögliche Aberken­nung wird laut Wirtschaftsmin­is­teri­um in Pots­dam derzeit geprĂŒft. Dazu bedĂŒrfe es eines Abstim­mung­sprozess­es zwis­chen den Mit­gliedern des Bran­den­bur­gis­chen Aus­bil­dungskon­sens­es, hieß es. Pilzeck­er hat­te den Preis 2019 fĂŒr sein Unternehmen gewon­nen – unter anderem fĂŒr die Aus­bil­dung eines jun­gen Polen als inte­gra­tiv­en Ansatz.

Bran­den­bur­gis­ch­er Ausbildungspreis

Der Bran­den­bur­gis­che Aus­bil­dung­spreis ist eine Ini­tia­tive des Bran­den­bur­gis­chen Aus­bil­dungskon­sens­es, an dem Arbeit­ge­ber, Gew­erkschaften und Lan­desregierung beteiligt sind. Die PreistrĂ€ger zeich­nen sich nach Ein­schĂ€tzung der Jury „durch eine her­aus­ra­gende Qual­itĂ€t und Kon­ti­nu­itĂ€t in der Aus­bil­dung aus, nutzen inno­v­a­tive Aus­bil­dungse­le­mente, engagieren sich ehre­namtlich, unter­stĂŒtzen beson­ders benachteiligte Jugendliche, darunter auch Men­schen mit Migra­tionsh­in­ter­grund, oder schaf­fen Aus­bil­dungsplĂ€tze fĂŒr junge Men­schen mit ein­er Behinderung“.

Nach den Ras­sis­mus-Vor­wĂŒr­fen gegen den Kolk­witzer Unternehmer und PreistrĂ€ger Frank Pilzeck­er haben die Part­ner des Aus­bil­dungskon­sens­es inzwis­chen eine Erk­lĂ€rung ver­fasst, in der es unter anderem heißt: „Lei­der mussten wir (
) erfahren, dass die Asphalt Straßen­bau Gesellschaft beziehungsweise deren GeschĂ€fts­fĂŒhrer sich im FrĂŒh­jahr 2020 im Rah­men eines Bewer­bungsver­fahrens islam­feindlich geĂ€ußert hat. (
) Die Äußerun­gen der ASG sind fĂŒr uns nicht tolerier­bar und wer­den von uns aus­drĂŒck­lich verurteilt. Sie negieren den Ver­fas­sungs­grund­satz der Gle­ich­be­hand­lung der Reli­gio­nen und ver­stoßen gegen den von uns gelebten Geist eines weltof­fe­nen und tol­er­an­ten Bran­den­burgs. Aus heutiger Sicht wird die Preisver­gabe an das Unternehmen bedauert. (
) Wir wer­den auf­grund des jet­zi­gen Vor­falls das Ver­fahren der Ver­gabe des Aus­bil­dung­spreis­es ĂŒber­prĂŒfen und anpassen.“






Quelle: Inforiot.de