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sozialeszentrumWarum Soziales Zentrum fĂŒr Alle?

Freiburg braucht einen Ort, an dem Menschen unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft selbstorganisiert und solidarisch tĂ€tig sein können: Ein Soziales Zentrum fĂŒr Alle. Das heißt: Einen Ort der Begegnung und solidarischen UnterstĂŒtzung, ohne staatliche Einmischung, ohne vom politischen Willen eines TrĂ€gers abhĂ€ngig zu sein, ohne Angst vor rassistischen Übergriffen haben zu mĂŒssen.

Ein Raum fĂŒr Deutschkurse, fĂŒr Informationsveranstaltungen, fĂŒr rechtliche Beratung und medizinische UnterstĂŒtzung, fĂŒr kulturelles Schaffen und um sich zu begegnen. Ein Raum, um unterzukommen und sich selbst ein Essen zu kochen. Ein Ort ohne GĂ€ngelung durch Behörden und restriktive Hausordnungen. Ein Haus, in dem Frauen, Homosexuellen und Trans*menschen ein Ort zur Entfaltung geboten wird. Ein Ort, an dem ĂŒber Fluchtursachen gesprochen und BĂŒndnispartner gefunden werden können. Wo Fluchterfahrungen ernst genommen werden. Ein Ort, an dem Menschen mit und ohne Fluchterfahrung ihre KĂ€mpfe und BedĂŒrfnisse politisch verknĂŒpfen und erweitern können – das ist umso wichtiger in Zeiten, wo hĂ€ufig unterschiedliche sozial benachteiligte Gruppen gegeneinander ausgespielt werden. Praktische SolidaritĂ€t statt rassistischer Spaltung – dieser Satz soll mehr werden als eine Parole. Wir laden jede*n, der sich damit anfreunden kann, dazu ein, sich am Projekt fĂŒr ein Sozialen Zentrums fĂŒr Alle in Freiburg zu beteiligen und mit den je individuellen Erfahrungen einzubringen!

Warum braucht’s das hier und jetzt?

In Freiburg gibt es seit vielen Jahren die Initiative, ein Rasthaus fĂŒr GeflĂŒchtete zu schaffen – das Mini-Rasthaus auf dem Grether-GelĂ€nde platzt als prekĂ€re Übergangslösung aus allen NĂ€hten. Das Ziel eines Rasthauses war und ist bis heute, einen Ort/ein Haus der praktischen SolidaritĂ€t zu schaffen, bei dem keine Fragen nach Pass, Herkunft oder dem Aufenthaltsgrund gestellt werden. Dieser Ort soll eine konkrete Antwort auf eine ausgrenzende Politik darstellen. All das ist jetzt wichtiger denn je. FlĂŒchtlinge werden oft in Sammellagern untergebracht, was Ausgrenzung, bedrĂŒckende Enge und rĂ€umliche Isolation bedeutet. In vielen der UnterkĂŒnfte fehlt es am nötigsten: Keine PrivatsphĂ€re, keine RĂŒckzugsrĂ€ume, keine Infrastruktur um sich zu organisieren und zu informieren, teils nichtmal Möglichkeiten um selbst zu kochen. Es braucht RĂ€ume der Begegnung und Orte, an denen GeflĂŒchtete sich selbst verwirklichen können, anstatt als Objekt staatlicher Verwaltung die Gewalt der VerhĂ€ltnisse erdulden zu mĂŒssen!

In Freiburg ist Wohnraum notorisch knapp. Nicht nur gibt es fĂŒr GeflĂŒchtete quasi keine Möglichkeit, eine Wohnung zu finden. Das EX-DGB-Haus könnte Menschen verschiedener sozialer Herkunft zusammenbringen und schwerpunktmĂ€ĂŸig denen Raum bieten, die es in Freiburg schwer haben, eine Wohnung zu finden. Ein soziales Zentrum könnte auch fĂŒr Nicht-GeflĂŒchtete ein Anlaufpunkt bei Problemen mit hohen Mieten, ZwangsumzĂŒgen oder ZwangsrĂ€umungen sein. Ein Ort also, an dem man zusammen fĂŒr die eigenen Interessen kĂ€mpft, statt sich gegeneinander ausspielen zu lassen.

Wir wollen mit dieser Initiative nicht den Staat aus seiner Veranwortung entlassen – deshalb ist die Kampagne fĂŒr ein soziales Zentrum eingebettet in die politische Forderung nach sicheren Aufenthaltstiteln, einem Ende der elenden Abschiebepolitik, materieller Sicherheit fĂŒr GeflĂŒchtete und dem seit Jahrzehnten ĂŒberfĂ€lligen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. Solange diese Gesellschaft nationalstaatlich organisiert ist, mĂŒssen wir in diesem und gegen diesen Staat fĂŒr das Recht derer streiten, denen es aufgrund ihrer Herkunft entzogen wird – unter anderem dafĂŒr braucht es RĂ€ume abseits staatlicher Verwaltung, um ebendiese KĂ€mpfe und die dafĂŒr notwendigen Begegnungen und Netzwerke zu stĂ€rken.

Wer macht da bislang mit?

Die Initiative ging vor einigen Monaten aus dem Freiburger Recht-auf-Stadt-Netzwerk und dem Rasthaus hervor, bald kamen Menschen aus dem Freiburger No-Lager-BĂŒndnis und verschiedenen linken Gruppen hinzu. Mit dabei sind alle Gruppen des Mini-Rasthauses, die sich seit Jahren fĂŒr die Anliegen GeflĂŒchteter starkmachen: Das Medinetz bietet medizinische UnterstĂŒtzung auch ohne sicheren Aufenthaltstitel, SAGA leistet Rechtsberatung bei Aufenthaltsfragen, Aktion Bleiberecht setzt sich politisch fĂŒr ein bedingungsloses Bleiberecht und gegen diskriminierende VerhĂ€ltnisse ein, die Deutschkurse bieten fast tĂ€glich kostenlosen Deutschunterricht und das Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung widmet sich insbesondere der Situation der in Freiburg lebenden Roma und den viel zu oft drohenden Abschiebungen.

Der Kampf fĂŒr „Soziale Zentren fĂŒr Alle“ ist dabei weit grĂ¶ĂŸer: In vielen StĂ€dten in Deutschland gibt es derzeit ganz Ă€hnliche Kampagnen. In Göttingen besteht nun schon seit einigen Monaten ein soziales Zentrum – ebenfalls in einem Haus, das dem DGB gehört. In Frankfurt hat das „Project Shelter“ mehrfach Immobilien besetzt und zwischengenutzt. In Berlin, Leipzig und Bremen wird ebenfalls seit Monaten fĂŒr ein #SocialCenter4All gekĂ€mpft. Das alles gibt uns Mut! Denn es ist wichtig, in die Offensive zu kommen – und endlich praktische Alternativen zum alltĂ€glichen Rassismus und der staatlichen Ausgrenzungspraxis zu schaffen.

Warum das alte DGB-Haus?

Damit ein Soziales Zentrum tatsĂ€chlich mehr sein kann als bloßer Wohn- und Aufenthaltsraum, muss es im Zentrum der Stadt, gut erreichbar und vielseitig nutzbar sein. DafĂŒr gibt es in Freiburg selten gute Möglichkeiten. Nun steht aber ein großes GebĂ€ude direkt in der Innenstadt leer. Dass dieses außerdem dem DGB gehört, einer Organisation also, von der wir denken, dass sie die Idee von Interessenvertretung und praktischer SolidaritĂ€t unterstĂŒtzen sollte, macht den Ansporn, an einer sozialen Umnutzung des alten DGB-Hauses festzuhalten, umso grĂ¶ĂŸer. Der DGB-Ortsverband Freiburg und der Verdi-Ortsverband unterstĂŒtzen das Konzept. Über die weitere Nutzung entscheidet aber der DGB-Bundesverband, und dieser blockiert bislang. Doch dabei werden wir es nicht belassen! Wir laden den DGB-Bundesvorstand nach Freiburg ein, um mit uns die Möglichkeiten der sozialen Nutzung des Hauses zu besprechen. Anstatt auf dem regulĂ€ren Immobilenmarkt den höchsten Gewinn herauszuschlagen, erwarten wir, dass der DGB sich gesprĂ€chsbereit zeigt und wir eine Lösung finden, die das Haus vorĂŒbergehend oder langfristig einer solidarischen und sozialen Nutzung zufĂŒhrt.

Wie geht’s weiter und was kannst du tun?

Am 27. Februar laden wir zu einer Kundgebung vor dem EX-DGB-Haus in der Freiburger Hebelstraße ein. Die beteiligten Gruppen werden sich vorstellen, es gibt Essen, GetrĂ€nke, Musik. Dort wollen wir mit allen Interessierten diskutieren, wie ein #SocialCenter4All in Freiburg möglichst schnell Wirklichkeit werden kann. Kommt vorbei! KĂ€mpft mit uns gegen die Perspektivlosigkeit GeflĂŒchteter hierzulande, gegen den Hass auf FlĂŒchtlinge, die alltĂ€gliche Erniedrigung und Ausgrenzung und fĂŒr einen neuen Ort der Begegnung!

Samstag 27. Feburar // 14 Uhr // Hebelstraße

Bist du in einer DGB-Gewerkschaft? Dann lade deine Kolleginnen und Kollegen ein und macht zusammen gegenĂŒber dem Bundesvorstand deutlich, dass ein soziales Zentrum im alten Freiburger DGB-Haus in eurem Gewerkschaftsinteresse ist!




Quelle: Zwangsraeumungenverhindernfr.noblogs.org