April 30, 2021
Von Indymedia
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Die Corona-Leugner:innen der „BĂŒrgerbewegung Leipzig 2021“, die sich in den vergangenen Wochen montags in der Innenstadt trafen und optisch und inhaltlich an die rassistische „Legida“ anknĂŒpfen, planen eine Versammlung von 14 bis 18 Uhr am Völkerschlachtdenkmal.

Von 14 bis 17 Uhr ist zudem eine Fahrraddemo der rechten „BĂŒrgerbewegung“ vom Richard-Wagner-Platz ĂŒber den Innenstadtring, Johannisplatz zum Völkerschlachtdenkmal und wieder zurĂŒck angemeldet.

Linke Versammlungen am 1. Mai in Leipzig

Mit was muss gerechnet werden?

In den vergangenen Jahren sind die AufmĂ€rsche des “III.Weg” zum 1. Mai regelmĂ€ĂŸig eskaliert, erinnert sei an Plauen und Saalfeld. Oft gibt es Vorabtreffpunkte der Neonazis, von denen sie dann auch ohne Polizeibegleitung durch die Stadt zu ihrem eigentlichen Versammlungsort ziehen und dabei Antifaschist:innen angreifen. Nach mehreren BrĂ€nden in von Neonazis genutzten Immobilien in den vergangenen Wochen ist die Stimmung in der Neonazi-Szene derzeit aufgeheizt. In vielen BeitrĂ€gen werden antifaschistische Strukturen aus Leipzig dafĂŒr verantwortlich gemacht. Im Internet mobilisiert die Neonazi-Szene mit Bildern und Videos vor linken Projekten, auch in Leipzig. Nach ĂŒber einem Jahrzehnt steht Leipzig wömöglich zum 1. Mai ein großer Neonaziaufmarsch bevor.

FĂŒr November 2020 wurde hier gewarnt:

“Die Entwicklung der ‘Querdenken’-AufmĂ€rsche zeigt, dass Leipzig der grĂ¶ĂŸte rechte Aufmarsch seit LEGIDA bevorstehen könnte”, prognostizieren Antifaschist:innen aus Leipzig in einem Artikel auf indymedia. Dieser EinschĂ€tzung ist nicht abwegig. Die vergangen Monate haben ein massives Mobilisierungspotenzial unter Antisemit:innen, VerschwörungsanhĂ€nger:innen, Impfgegner:innen, Esoterik:innen, ReichsbĂŒrger:innen, Neonazis und vielen ReaktionĂ€ren gezeigt. Bei “Querdenken”-Demonstrationen und Ă€hnlichen Versammlungen waren in den vergangenen Monaten immer wieder Neonazis und vor allem auch “Kampfsportler” zu beobachten. Besonders Marko Zschörner tritt öffentlich immer wieder zu diesem Thema in Erscheinung. FĂŒr seinen Kampfsportclub, der erst im September eine weitere Niederlassung im Paunsdorf-Center eröffnete, wirbt Zschörner mit Videos von gezielten Messerangriffen auf potenzielle Gegner:innen. Er trainiert zudem den Neonazi Brian Engelmann, der fĂŒr den Neonazi-Angriff von ĂŒber 250 Neonazis in Leipzig Connewitz im Jahr 2016 verurteilt wurde. Die Teilnehmer:innen der “Querdenker”-Veranstaltung sind hochgradig empfĂ€nglich fĂŒr diverse “Verschwörungstheorien” und glauben offenbar alles, was ihnen erzĂ€hlt wird. Gewalt von radikalisierten Personen und Gruppen ist zu erwarten – nicht nur gegen Vertreter:innen staatlicher Institutionen, sondern auch gegen Menschen, die sich gegen die “Querdenker”-Veranstaltungen positionieren. Der Aufmarsch wird gerade im rechtsradikalen Milieu auf Anklang treffen, nicht nur weil es in das angebliche “rote Leipzig” geht, sondern auch weil mit Verweisen auf das Wendejahr 1989 und einer geplanten Demonstration ĂŒber den Innenstadtring auch an jene Zeit erinnert wird – eine Zeit, in der mehrere Hundert Neonazis teilweise die “Montagsdemos” anfĂŒhrten und Jagd auf “Rote” und “Alternative” machten.

Was die mögliche Gewalt dĂŒrch Neonazis im November 2020 in Leipzig betraf, wurden alle BefĂŒrchtungen ĂŒbertroffen. Ein Ă€hnlich großes Gewaltpotenzial ist auch fĂŒr Samstag zu erwarten, kommen zu den lokalen Strukturen noch die Neonazis des „III. Wegs“ aus anderen BundeslĂ€ndern dazu.

Was kann ich dagegen tun?

Informiere dich und andere ĂŒber die Strukturen, die nach Leipzig kommen werden und in den letzten Monaten in Erscheinung getreten sind. Finde dich mit Freund:innen zusammen und ĂŒberlegt, was ihr machen möchtet. Dieser Aufmarsch wird nicht durch „Online-Aktivismus“ zu verhindern sein und auch nicht mit der Einstellung, sich an dem Tag mit Freund:innen zu treffen und „mal zu schauen, was so geht.“ Dies wird nicht reichen. Antifaschismus bleibt Handarbeit.

Informiert euch, organisiert euch und entscheidet was ihr macht. Es ist nicht hinzunehmen, dass Hunderte oder gar Tausende Neonazis, ReichsbĂŒrgerInnen und Antisemit:innen sich in Leipzig versammeln. Wenn ihr euch nicht an angemeldeten Gegenveranstaltungen beteiligen möchtet und keine Blockaden organisieren möchtet oder könnt, dann beschĂ€ftigt euch mit dem „dezentralen Konzept“. Es lebte schon immer von der Eigeninitiative, schaut nicht nur was andere eventuell machen, sondern ĂŒberlegt euch eigene Aktionsformen. Fallt nicht auf Fake-News herein. Nicht auf „Rechte“ oder von „linken Accounts“. Orientiert euch an seriösen Quellen. Im besten Fall wird es wie in den vergangenen Jahren einen Informationsticker geben. Informiert euch weiter.

Artikel auf Indymedia: 1. Mai AUF JETZ!




Quelle: De.indymedia.org