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Liebe Genoss*innen, liebe Passant*innen,
zum heutigen Frauenkampftag schließen sich vielerorts Frauen zusammen, um zu streiken. Schon im kapitalistischen Normalzustand finden sich mehr als genug GrĂŒnde fĂŒr einen Frauenstreik. Die Corona-Pandemie fĂŒhrt uns diese seit etwa einem Jahr noch deutlicher vor Augen.

In schlecht bezahlten und durch prekĂ€re ArbeitsverhĂ€ltnisse gekennzeichneten Berufen sind Frauen ĂŒberdurchschnittlich oft vertreten. Viele der typischen Frauenberufe wie Pflegerin, Erzieherin oder VerkĂ€uferin sind gering geschĂ€tzt, was die geringe Entlohnung ideologisch rechtfertigt.

Gleichzeitig sind es nun diese Berufe, die als systemrelevant gelten, auf die es wĂ€hrend der Pandemie laut Politiker*innen aller Parteien und Vertreter*innen diverser ArbeitgeberverbĂ€nde also wirklich ankommt. FĂŒr mehr als Applaus, Schokolade und Lobhudeleien reicht es aber nicht. Anerkennung fĂŒr diese TĂ€tigkeiten, die unter nun verschĂ€rften Bedingungen hauptsĂ€chlich von Frauen ausgeĂŒbt werden, Ă€ußert sich nicht in ernsthaften Bestrebungen, die ArbeitsverhĂ€ltnisse zu verbessern oder gar die Löhne deutlich zu heben.

Ein deutliches Beispiel fĂŒr die miserablen ZustĂ€nde in diesen sogenannten systemrelevanten Berufen findet sich im Pflegebereich. Seit 1990 wurden rund ein Drittel der Stellen des Pflegepersonals im Krankenhaus eingespart. Es gibt aber immer mehr BehandlungsfĂ€lle. Professionell Pflegen ist heute Akkordarbeit. Sich umeinander zu kĂŒmmern hat in der heutigen Praxis keinen Wert. Es geht vielmehr darum, dass das Pflegepersonal zur Wertschöpfung beitrĂ€gt. Ärzt*innen behandeln Krankheiten, das Pflegepersonal sorgt dafĂŒr, dass Menschen mit ihren EinschrĂ€nkungen leben und lohnarbeiten können. Der enorme Bedarf an Arbeiter*innen, die dafĂŒr sorgen, dass Menschen wieder lohnarbeiten können, hat in den letzten 30 Jahren zu vielerlei neuen Berufen gefĂŒhrt. Pflegeassistent*innen sind ein Paradebeispiel. Konservative sagen, auch fĂŒr die HauptschĂŒler*innen mĂŒsse es Jobs geben. Wir sagen: Moderne Barbarei.

Der Kapitalismus braucht also Frauenarbeit zu Frauenlöhnen, um nicht völlig vor die Wand zu fahren. Was braucht er noch, damit der Laden am laufen bleibt?

Neben der miesen Situation in der Lohnarbeit erledigen Frauen nach wie vor mit 79% den grĂ¶ĂŸten Teil der Hausarbeit. Ob WĂ€sche waschen, am Wickeltisch stehen, Ă€ltere Angehörige pflegen, putzen, den Frust des Mannes auffangen – Frauen sind in unserer Gesellschaft diejenigen, die das alles gedanklich auch noch organisieren mĂŒssen, Stichwort Sorgearbeit eben.

Gerade in der Corona-Krise zeigt sich also umso deutlicher, dass Staat und Kapital sich beruhigt auf Frauen und die Arbeit, die sie unter- und unbezahlt leisten, verlassen können. Bei Kita- und Schulschließungen kann wie selbstverstĂ€ndlich davon ausgegangen werden, dass Frauen zugunsten der Kinderbetreuung ihren Urlaub verbrauchen oder ins Home Office gehen, wĂ€hrend das bei MĂ€nnern weit weniger ĂŒblich ist.

Dazu werden Frauen abgewertet, oft sexuell belÀstigt und Opfer frauenfeindlicher Gewalt, in der Regel im eigenen Zuhause oder engsten Umfeld. Frauen werden also in unserer Gesellschaft besonders ausgebeutet und benachteiligt, sie sind einer Doppelbelastung aus Lohn- und Sorgearbeit ausgesetzt und werden immer wieder Opfer von Gewalt.

Diese UnterdrĂŒckung und Ausbeutung kommt nicht von ungefĂ€hr. Im Kapitalismus, also der Wirtschafts- und Gesellschaftsform, in der letztlich alles dem Zweck der Gewinnmaximierung unterworfen ist, braucht es Arbeiter*innen, die ausgebeutet werden können, um diesen Gewinn ĂŒberhaupt erst zu ermöglichen. DafĂŒr ist Voraussetzung, dass die Arbeiter*innen halbwegs gesund, bis zu einem gewissen Maß gebildet und nicht zu frustriert sind. Schließlich sind mĂŒde bis kranke Arbeiter*innen nicht produktiv, frustierte Arbeiter*innen geben sich weniger intensiv ihrem Arbeitgeber hin und Arbeiter*innen, die als Kinder nicht erzogen wurden, lassen sich ungleich schlechter ausbeuten.

Diese Voraussetzungen zu schaffen, also die Haus- und Sorgearbeit, ist im Kapitalismus Aufgabe der Frauen. Dazu wird MĂ€dchen von klein auf eingetrichtert, wie wichtig es ist, sanftmĂŒtig und sensibel zu sein, nicht zu dominant aufzutreten, sich um andere zu kĂŒmmern, die eigenen BedĂŒrfnisse und Interessen zurĂŒckzustellen und sich Jungen und MĂ€nnern in allen Belangen unterzuordnen.

Ein Großteil der Haus- und Sorgearbeit findet hinter verschlossenen TĂŒren und VorhĂ€ngen statt. In der Regel wird Haus- und Sorgearbeit nicht entlohnt, oft ist an dieser Stelle nicht einmal von Arbeit die Rede – Frauen machen das Ganze ja schließlich aus Liebe zu ihrer Familie. Praktisch fĂŒr das Kapital, so bleibt die so sehr benötigte Schufterei unsichtbar, isoliert die Frauen, kettet sie an das Haus und braucht vor allem nicht entlohnt zu werden.

Der Teil der Sorgearbeit, der als Lohnarbeit organisiert und insbesondere migrantischen Frauen aufgebĂŒrdet wird, wie Alten- oder Krankenpflege, Reinigung oder Kinderbetreuung, ist schlecht bezahlt und bringt neben kaum zu bewĂ€ltigenden Anforderungen auch wenig Arbeitsplatzsicherheit mit sich.

Das ist alles kein Zufall, vielmehr ist es notwendig fĂŒr den Kapitalismus, dass Haus- und Sorgearbeit umsonst erfolgt oder schlecht bezahlt wird und vor allem unsichtbar bleibt.
Kurz gesagt: Frauen wurde in dieser Gesellschaft die Arbeit aufgezwungen, die notwendig ist, um die Arbeitskraft der Arbeiter*innen immer wieder herzustellen, damit weiter Maximalprofite erzielt werden können.

Wir mĂŒssen ĂŒber die ĂŒblichen Forderungen nach besserer Teilhabe und Chancengleichheit am Markt hinausgehen. Lohnarbeit und die damit verbundene Ausbeutung sind kein Empowerment. Immer mehr prekĂ€re Jobs fĂŒr Frauen bringen keine Freiheit, auch keine finanzielle. Und ein liberaler Feminismus, der Frauen auf Chefetagen feiert und sich nicht fĂŒr Belange benachteiligter Frauen einsetzt, ist keiner und huldigt letztlich nur dem Patriarchat. Diesen Kreislauf wollen wir als Kommunistinnen durchbrechen, indem wir uns mit Frauen weltweit solidarisch zusammenschließen und darauf hinarbeiten, Produktion genauso wie Reproduktion bedĂŒrfnis- statt profitorientiert zu organisieren und zu vergesellschaftlichen.

Demonstrationen und Appelle reichen nicht aus, wir mĂŒssen einen Schritt weitergehen, und zwar dahin, wo es wehtut – in die Arbeitsverweigerung, in den Streik. Ein erfolgreicher Frauenstreik bedeutet fĂŒr das Kapital einen Angriff auf zwei Ebenen – sowohl Produktion als auch Reproduktion werden verweigert.

Wir rufen alle Frauen auf, mit uns in den Streik zu treten – ob wir nicht zur Arbeit gehen, uns zu einer kĂ€mpferischen Mittagspause zusammenfinden, bei einem Bummelstreik extra langsam arbeiten, den Abwasch und die WĂ€sche liegen lassen oder Straßen blockieren – Möglichkeiten, sich am Frauenstreik zu beteiligen gibt es viele.

Frauen voran fĂŒr ein besseres Leben fĂŒr alle – zusammen streiken gegen Patriarchat und Kapitalismus!



Quelle: Likos.noblogs.org