MĂ€rz 29, 2021
Von Indymedia
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 Der folgende Text ist der Versuch einiger Menschen, die im besetzten Casa Cantoniera in Oulx aktiv waren, einer Analyse ĂŒber die RĂ€umung und einer Reflektion ĂŒber die letzten Jahre unserer PrĂ€senz in diesem Teil der Grenze.  Jetzt erst recht, wollen wir jede*n aufrufen an die Grenze zu kommen, um ein Zeichen zu setzen, dass die RĂ€umung unserer FreirĂ€ume und die Repression gegen Menschen auf der Flucht und Menschen, die sich mit ihnen solidarisch erklĂ€ren, nicht dazu fĂŒhren wird, dass wir aufhören werden unseren Widerstand ausdrĂŒcken. Wir versuchen gerade uns wiederzufinden und unsere PrĂ€senz in diesem Teil der Grenze neu  zu organisieren. Wir wissen noch nicht, welche Form diese Organisation haben wird, vieles hĂ€ngt davon ab, was in den nĂ€chsten Tagen und Wochen passieren wird. Wer interessiert ist und Updates erhalten möchte, schreibt uns eine Email an chezjesoulx@riseup.net (PGP key gibt’s auf Anfrage)   Am frĂŒhen Morgen des 23. MĂ€rz rĂ€umten die Bullen zusammen mit der Feuerwehr und einigen NGOs das besetzte Casa Cantoniera in Oulx, einem kleinen Ort an der italienisch-französischen Grenze, an dem tausende Menschen in den letzten Jahren die Grenze ĂŒbertreten haben. Die 13 Genoss*innen, die wĂ€hrend der RĂ€umung anwesend waren, sind fĂŒr die Besetzung des Hauses angeklagt. Die ĂŒber 60 Menschen in Transit wurden einem erzwungenen Coronatest unterzogen, ihre IdentitĂ€ten und FingerabdrĂŒcke festgestellt und dann in verschiedene Strukturen transportiert.  Die Art und Weise, wie diese RĂ€umung durchgefĂŒhrt wurde zeigt einmal mehr die WidersprĂŒche der europĂ€ischen Migrationspolitik auf. Die Repression von Bewegungsfreiheit ist nur durch die Komplizenschaft von sogenannten “humanitĂ€ren” Organisationen möglich. WĂ€hrend die Bullen das sichtbare Gesicht von Repression sind, dienen die humanitĂ€ren Organisationen als das “freundliche” Gesicht ebendieser (und lassen sich bewusst als diese ausnutzen). Das Rote Kreuz und die Organisation “Rainbow 4 Africa” stellten die InfrastrukturfĂŒr den Transport und die unfreiwillige Identifizierung fĂŒr die ĂŒber 60 Menschen in Transit, die wĂ€hrend der RĂ€umung im Haus anwesend waren, bereit. Sie wurden in verschiedene von der Grenze entfernte Strukturen abtransportiert. Die Feuerwehr unerstĂŒtzte die Bullen dabei, die Barrikaden aufzubrechen und stellten das Equipment bereit, ((mit welchem die Bullen sich Zugang ĂŒber das Dach ins Haus verschafften)) das den Bullen erlaubte sich ĂŒber das Dach Zugang zum Haus zu verschaffen. Ohne die Hilfe dieser Organisationen wĂ€re die RĂ€umung des Casa Cantoniera um einiges schwieriger und zeitintensiver (und dadurch fĂŒr die Öffentlichkeit sichtbarer) gewesen.  Es ist nicht das erste mal, dass das Rote Kreuz mit der Polizei zusammenarbeitet – sowohl in diesem Teil als auch in anderen Teilen der Grenze. Es gab zahlreiche Situationen, in denen Mitarbeiter*innen des Roten Kreuzes (vergeblich) versucht habenMenschen in Transit davon zu ĂŒberzeugenihre Reise nicht fortzusetzen anstatt sie mit etwas sinnvollem zu unterstĂŒtzen oder sie ihre eigenen Entscheidungen treffen zu lassen. Sie waren oft Komplizen in PolizeieinsĂ€tzen und halfen dabei Pushbacks durchzufĂŒhren. In vielen FĂ€llen nutzte das Rote Kreuz bewusst das Vertrauen von Menschen in ihre Institution aus, wĂ€hrend sie offen mit der Polizei zusammenarbeiteten.  Die Organisation “Rainbow 4 Africa” versucht seit langem mit autonomen Zentren zu kollaborieren und hat immer wieder versucht dem Casa Cantoniera ihre Anwesenheit aufzuzwingen. Zur gleichen Zeit unterstĂŒtzen sie das AbschiebegefĂ€ngnis in Turin mit medizinischem Personal (in dem die physische VernachlĂ€ssigung von Menschen, die dort eingesperrt sind an der Tagesordnung ist) und stellten die medizinische Infrastruktur fĂŒr die RĂ€umung des Hauses zur VerfĂŒgung. Als unser Protest nach der RĂ€umung des Hauses am Schlafsaal der Salesiani (eine katholische “Hilfsorganisation”) in Oulx ankam, um unsere SolidaritĂ€t gegenĂŒber den Familien, die dort hingebracht wurden, auszudrĂŒcken, mussten wir feststellen, dass das Tor der Struktur abgeschlossen war, um die Menschen davon abzuhalten diese zu verlassen. Dies zeigt uns einmal mehr, dass deren Wahrnehmung der Menschen, denen sie ihre “UnterstĂŒtzung” zukommen lassen, nicht die von gleichwertigen Individuen, sondern die von Objekten ist, deren Bewegungen kontrolliert und beschrĂ€nkt werden mĂŒssen.  Seit ĂŒber zwei Jahren versuchte das Casa Cantoniera einen Raum zu schaffen, in dem praktische SolidaritĂ€t und Widerstand gegen die Grenze und die UnterdrĂŒckung und Gewalt die mit ihr kommt, gelebt werden können. Ein Ort, der sich weigerte im “Management” von Migration mitzumachen, wo diejenigen, auf deren RĂŒcken unsere Privilegien und unser Reichtum aufgebaut sind, nicht als Objekte, als gefĂ€hrliche Kriminelle oder als infantilisierte Opfer behandelt werden, sondern als Individuen, die fĂ€hig sind eigene Entscheidungen zu treffen.  Die Grenze ist offensichtlich durchlĂ€ssig fĂŒr den Transit von Geld, Tourismus und Waren, aber nicht fĂŒr Menschen, denen das “richtige” Blatt Papier fehlt. Unser Ziel war es nie einen Service bereitzustellen, sondern mit Menschen, die vom System, Kapital und Staat auf verschiedene Weisen unterdrĂŒckt werden, einen inklusiven Kampf zu leben.
Viele der Menschen, die das Casa Cantoniera besucht haben, haben aktiv bei der Erledigung der tĂ€glichen Aufgaben teilgenommen. Die Tatsache, dass dieses Haus fĂŒr 828 Tage ohne Pause offen fĂŒr Menschen war, war nur deshalb möglich, weil wir unser Wissen und unsere FĂ€higkeiten kollektiv gebĂŒndelt haben und so das Mögliche maximieren konnten und dies immer im Bewusstsein und der Anerkennung unsere Unterschiede, Möglichkeiten und FĂ€higkeiten. Wir haben miteinander unsere Wut und Frustration geteilt, aber auch Momente der Zuneigung und Freude miteinander gelebt. All dies half uns dabei stĂ€rker und entschiedener zu werden in unserer Opposition gegen die gewaltvolle RealitĂ€t dieser Welt. Im Haus haben wir miteinander Anekdoten, TrĂ€ume und KĂ€mpfe geteilt und zogen daraus die Kraft, nicht allein zu sein. Manchmal waren diese Momente einfach gemeinsam einen Kaffee am Morgen zu trinken, einen Teller mit etwas lecker Frittiertem wĂ€hrend dem Plenum herumzureichen, gemeinsam zu Popmusik von ĂŒberall auf der Welt zu tanzen wĂ€hrend wir eine gemeinsame Mahlzeit vorbereiteten, anderen den letzten Filter, BlĂ€ttchen oder Tabak anzubieten, um eine dringend notwendige Zigarettenpause machen zu können…  Die Opposition, die geschaffen wurde, drĂŒckt nicht nur den Widerspruch gegen die UnterdrĂŒckung der Grenze aus – parallel dazu versucht sie eine alternative RealitĂ€t zu schaffen.Das Haus war ein Ort, in dem verschiedene Formen der UnterdrĂŒckung bekĂ€mpft wurden: 

  • Es gab einen selbstorganiserten Garten, denn um Kosumdenken zu ĂŒberwinden, mĂŒssen wir unser VerhĂ€ltnis zur Natur und Nahrung ĂŒberdenken.
  • Es gab einen Raum, der fĂŒr Frauen* und nicht binĂ€re/genderkonforme Individuen reserviert war, denn die Auflösung des Patriarchat benötigt Anerkennung und Raum fĂŒr verschiedene IdentitĂ€ten.
  • Es gab eine Bibliothek mit BĂŒchern und selbst-veröffentlichten Texten in verschiedenen Sprachen, die von Comics und Romanen bis hin zu Texten ĂŒber SelbstfĂŒrsorge und DIY reichten, denn das Ziel einer radikalenÂč Alternative erfordert konstantes Reflektieren, Selbstkritik und die Erweiterung von Wissen.

 Obwohl wir in einigen FĂ€llen materielle UnterstĂŒtzung von Institutionen und NGOs angenommen haben, haben wir uns nie deren Paradigmen untergeordnet und haben immer versucht, das Haus unabhĂ€ngig mit der finanziellen und materiellen UnterstĂŒtzung von Menschen, die unsere Ideen teilen und unterstĂŒtzen, versorgen zu können.  Offensichtlich ist es in einer Welt in der jede*r von uns Dynamiken von UnterdrĂŒckung und Vorurteile verinnerlicht hat, unmöglich nicht auch Fehler zu machen. Viele Menschen, die durch dieses Haus gereist sind, haben schwere Traumata und Verluste erleben mĂŒssen. Wir wollen nicht verneinen, dass es im Haus Episoden von Gewalt gab und dass wir in verschiedenen Situationen falsch gehandelt haben. Um jedoch etwas außerhalb der Logik von Profit und Herrschaft zu erschaffen, mĂŒssen wir ĂŒben und von den Fehlern, die wir in der Vergangenheit begangen haben lernen, selbst, wenn uns dies nicht immer gelingt.   Wir sind angewidert von der Art und Weise, wie diese VorfĂ€lle genutzt wurden und werden um die Idee einer möglichen Alternative zu entkernen, als Beweis dafĂŒr missbraucht werden, dass eine andere Welt nicht möglich sei;  ironischerweise sind diese VorfĂ€lle von Gewalt oft eine direkte Folge des unterdrĂŒckerischen Systems, dass die Nationalstaaten so eifrig aufrechterhalten.

Seit Beginn des Projekts wurden viele Spekulationen und Falschinformationen ĂŒber dieses Haus verbreitet. Direkt nachdem die RĂ€umung durchgefĂŒhrt war, wurden Fotos vom Inneren des Hauses geteilt (welches sich offensichtlich nach der RĂ€umung in einem fĂŒrchterlichen Zustand befand) mit dem Ziel diese dann zu instrumentalisieren und die Narrative der „dreckigen Hausbesetzer“ zu bestĂ€tigen. Wir weigern uns und haben uns in der Vergangenheit geweigert mit Journalist*innen zu sprechen, weil wir nicht entsprechend des gĂ€ngigen Klischees der „Anarchist*innen und Taugenichtse“ dargestellt werden wollen, das dann wiederum genutzt wird um Profit aus dieser Form des Spektationalismus zu schlagen.  Und nun ist dieser winzige Ort der Selbstbestimmung nicht mehr, dieser Ort, der uns fĂŒr einen kurzen Moment erlaubte aufzuatmen, nun aufgelöst in eine Welt der barschen Politik und rassistischen Gesetze.  Die RĂ€umung des Casa Cantoniera ist nur ein Teil der globalen Repression gegen Bewegungsfreiheit, SolidaritĂ€tsstrukturen und (besetzte) FreirĂ€ume im Allgemeinen. Überall in Europa wurden in den letzten Jahren selbstbestimmte, besetzte Projekte gerĂ€umt, wĂ€hrend gleichzeitig jeder Versuch neue Orte und KĂ€mpfe zu organisieren, sofort mit der vollen Kraft der repressiven Staatsorgane niedergeschlagen wird. Die Militarisierung von Grenzen und die Normalisierung von Pushbacks an den internen und externen Grenzen Europas befeuern nur wachsende rassistischer Sentiments und die Faschisierung der Gesellschaft. Gleichzeitig werden diejenigen bekĂ€mpft, die sich weigern dieser Logik zu folgen und sich nicht davon abhalten lassen wollen, Menschen auf der Flucht zu unterstĂŒtzen.  In Calais wurde Essenverteilung illegalisiert, an vielen anderen Orten werden Menschen davon abgehalten ihre SolidaritĂ€t als unabhĂ€ngig und als Individuen auszudrĂŒcken und gezwungen sich mit offiziellen Organisationen zu registrieren, in Ungarn ist jede Form von UnterstĂŒtzung fĂŒr Menschen auf der Flucht seit Jahren illegal. Ziel ist es auf der einen Seite UmstĂ€nde zu schaffen, die die Flucht immer schwieriger machen und gleichzeitig eine Politik zu verfolgen, die andere davon abschrecken soll, die Reise nach Europa zu wagen. Auf der anderen Seite soll uns weisgemacht werden, dass HumanitĂ€t und UnterstĂŒtzung nur dann möglich sind, wenn sie in staatlich anerkannte Methoden und Kontexte gezwĂ€ngt werden.  Die Repression von SolidaritĂ€tsstrukturen und die Abschottung Europas werden jedoch nicht dazu fĂŒhren, dass Menschen aufhören werden ihrem Willen und BedĂŒrfnis nach Migration nachzugehen. Migration ist so alt wie die Menschheit und so lange diese Welt eingeteilt ist in diejenigen, die ausgebeutet werden und diejenigen, die von dieser Ausbeutung profitieren; so lange Kriege und Konflikte befeuert werden von der Notwendigkeit des Kapitalismus Mehrwert zu erzeugen und der Notwendigkeit von Nationalstaaten  ihre Macht und ihr Einflussgebiet auszubreiten, werden Menschen sich gezwungen sehen sich von einen an einen anderen Ort zu bewegen. Und solange diese Ungleichheit zwischen dem „globalen SĂŒden“ und dem „globalen Norden“ besteht, werden Menschen versuchen nach Europa zu kommen. Und so lange der Reichtum und die Vormacht von Europa auf dieser Ungleichheit aufgebaut ist, haben dessen Nationalstaaten und Institutionen keine andere Möglichkeit zu reagieren als durch die Mittel der Militarisierung und Gewalt. Die RĂ€umung von und Repression gegen das Casa Cantoniera wird Menschen nicht davon abhalten diesen Teil der Grenze zu ĂŒberqueren. Es wird lediglich dazu fĂŒhren, dass sie sich gezwungen sehen mehr Risiken in Kauf zu nehmen, dass Menschen noch verzweifelter werden und dazu, dass Schmuggler die Route ĂŒbernehmen, um Geld aus dem Leid anderer Menschen zu schlagen.  Sie können uns die HĂ€user nehmen, sie können uns einsperren, aber sie werden niemals unsere Ideen begraben und sie können die Wahrheit nicht zum Schweigen bringen, und diese Wahrheit lautet:  Solange die Welt entsprechend der Prinzipien von Herrschaft organisiert ist – die Herrschaft von Mensch ĂŒber Natur, die Herrschaft von Mensch ĂŒber Mensch und von einem ökonomischen System bestimmt wird, dass auf der Ausbeutung von Ressourcen und Menschen basiert, können wir nicht frei sein. Wir mĂŒssen und wir werden andere Wege finden unseren Widerstand auszudrĂŒcken, andere Wege um RĂ€ume zu schaffen und fĂŒr RĂ€ume zu kĂ€mpfen, in denen wir in Freiheit lernen, schaffen und leben können. 

Âč Wir benutzen das Wort „radikal“ in seinem ursprĂŒnglichen Sinne und meinen damit, dass wir das Problem an der „Wurzel“ angreifen wollen statt einfach zu reformieren, was wir fĂŒr fundamental dysfunktional halten. 



 The following text is an attempt by some of the people that were involved in the occupied Casa Cantoniera to analyse the eviction of our space and reflect on the past years of our presence in this part of the border.  Now, more than ever we want to call everyone to come to the border in order to show that the eviction of our spaces, the repression of people on the move and people in solidarity with them, will not stop us from expressing and exercising our resistance. We are trying to regroup and organize presence in the border. We don’t know yet which form this will take, because it depends on what is going to happen in the next days and weeks. If you are interested and want to stay updated, write an email to chezjesoulx@riseup.net (pgp key on request).   In the early morning of March 23rd, the cops along with firefighters and certain NGOs evicted the occupied Casa Cantoniera in Oulx, a small village at the italian-french border where thousands of people have transitted in recent years. The 13 comrades that were present in the house during the eviction have been accused of occupation, while over 60 people in passage have been forcibly tested for coronavirus, identified, fingerprinted, and then transported to different structures.    The way this eviction has been executed demonstrates once again all the contradictions of the european* migration policy. The repression of free movement is only possible with the complicity of so called «humanitarian» institutions. While the cops are the visible face of state repression, humanitarian organizations are used (and complacently so) as the friendly face of this repression.  The Red Cross and the association «Rainbow 4 Africa» have provided the infrastructure of transport and processing for the over 60 people in passage without consent that were present in the house during the eviction, shipping them off in different directions while backtracking them away from the border. The firefighters assisted the cops with breaking the barricades of the house and enabled them to sneak into the house from the roof windows using their equipment. Without the help of these institutions, the eviction of the Casa Cantoniera would have been much more difficult and time consuming  (and, thus, visibile to the public.)   It is not the first time that the Red Cross has collaborated with the police – at this border or in other places. There have been various occasions in which its members were repeatedly present on the border, trying (in vain) to persuade people in passage not to cross instead of providing something useful or allowing them to decide for themselves. They often were accomplices to police intervention, aiding them to carry out pushbacks. On several occasions the Red Cross has consciously exploited people’s trust in their institution while openly collaborating with the police.    The association Rainbow 4 Africa has a long history of trying to collaborate with social centres and have repeatedly tried to force their presence on the Casa Cantoniera, while at the same time supporting the CPR of Torino with medical staff (in which the neglect of the physical well-being of people imprisoned is daily routine) and providing medical infrastructure for the eviction of the house. When the protest on eviction day arrived at the dormitory of the Salesiani in order to bring solidarity to the families that were brought there, we realized that the main gate of the structure has been locked since their arrival, preventing them from exiting. This shows once again that their perception of the people they are directing their “services” to is not one of equal free individuals but of manageable and confinable objects.   For over two years the Casa Cantoniera has attempted to create a space of practical solidarity and resistance against the border and the oppression and violence that comes with it. A space that refused to participate in the «management» of migration, where those on whose backs our privileges and wealth are built are not treated as objects, as dangerous delinquents nor infantilized victims, but as individual subjects that are able to make their own decisions.  The border is evidently permeable to the continuous passage of money, tourism and commerce, but not to people lacking the “adequate” piece of paper. Our aim was never to provide a service to people but to build an inclusive struggle with people that are oppressed by the system of capitalism and state in different ways.    A lot of people who passed by the Casa Cantoniera participated actively in the management of daily tasks. The fact that this house has been open to people without pause for 828 days was only possible because we collectively compiled our knowledge and skills, maximizing possibilities by adapting and appreciating the differences in our capabilities. Sharing through our anger and frustration in common but also passing moments of affection and joy helped us to get stronger and more determined in our opposition against the violent reality of this world. In the occupied house people have shared their stories, dreams and struggles among each other, finding strength in not being alone. Sometimes these moments consisted of simply sharing a coffee in the morning, passing a platter of something delicious and fried to share during discussions, dancing to pop music from all over the world while preparing a collective meal, four different people offering their last respective filter, paper, tobacco, or lighter for a much needed cigarette…  This opposition that is created, is not merely in contrast to the systemic oppression of the border – parallel to it, it seeks to build an alternative reality. That house has been a place where we confronted many forms of oppression:

  • There was a self-organized garden,to rethink our way of relating to food and nature with regards to consumerism. 
  • There was a space reserved for women and non-binary/gender nonconforming individuals, because the system of patriarchy is dismantled in part by validating and giving space. 
  • There was a library with books and self-published texts in various languages, from comic books and novels to self care and DIY, aiming for a radical** alternative which demands constant reflection, self-criticism and expansion of knowledge. 

 While we have on some occasions accepted material support from institutions and NGOs, we have never subjected ourselves to conform to their paradigms and we have always tried to self-sustain the house with the financial and material support of people that share or support our ideas.   Obviously, in a world that is based on violence and in which all of us have internalized dynamics of oppression and certain stereotypes, it is impossible to not make mistakes. Many people that have passed the house have survived trauma and loss. We don’t want to deny that the house has seen episodes of violence and that we have made mistakes in certain situations, but in order to create something outside of the logic of profit and domination, we have to practice and learn from the mistakes that have been done in the past, although we have not always succeeded in doing so.   We are disgusted by the way these episodes have been used as a way to gut an alternative approach, as if to prove that another world is not possible; in fact it is brutally ironic that these episodes of violence are a direct result of the oppressive systems that the nation states are so keenly upholding.   From the beginning of the project, lots of speculation and misinformation has been spread about this house. Right after the eviction had been carried out, photos of inside the house (which obviously was in a terrible state post bombardment) had been shared, instrumentalizing it in order to confirm their narrative of the « dirty squatters and wrong doers ». We refuse to speak with journalists, because we don’t want to be portrayed according to the stereotyped idea of the « anarchist », instrumentalized for making profit out of spectationalism.  So now this tiny space of autodetermination which gave us the possibility to breathe for a moment submerged in a world of harsh policies and racialized laws, is gone
  The eviction of the Casa Cantoniera is just a part of global repression against freedom of movement, solidarity structures and occupied free spaces in general. All over europe*  long existing occupied spaces have been evicted in the last years, while attempts of creating new spaces and struggles are instantly met with the full force of repressive state organs. The militarization of borders and the normalization of push backs at internal and external european* borders only feeds ever growing racist sentiments and the fascization of society. At the same time those who refuse to buy into this logic and continue to support people on the move are continuously being attacked.  In Calais food distribution has been illegalized, in other places people are prevented from practicing their solidarity individually and are being forced to register with an NGO, in hungary* all forms of support for people on the move have been illegalized since years. The aim is on the one hand to create conditions that will make migration as difficult as possible, and act as a deterrent to prevent others from trying to make the journey. On the other hand, it is sending the message that humanity and support is only possible when herded into a state-approved method and context.   However, the repression of solidarity structures and the fortification of borders will not prevent people from exercising their will and need to migrate. Migration is as old as humanity and as long as this world is divided into parts of those that are exploited and those that are profiting from this exploitation- as long as wars and conflicts are fuelled by the need of capitalism to produce profit and the need of nation states to expand their power and influence- people will continue to migrate from one place to another. And as long as this inequality exists between the ‘global south and the global north’ of the world, people will continue to try to come to europe*. And as long as europe’s* wealth is built on this inequality, its nation states and institutions can’t give another answer to migration than militarization and violence.  The eviction and repression of the Casa Cantoniera will not stop people to pass this part of the border. It will only lead to them being forced to use ever more dangerous routes, to more people desperate, and to the arrival of smugglers that make profit off the misery of other people.  They can take our spaces, they can criminalize and imprison us, but they cannot bury our ideas and they cannot silence the truth, and that truth is this:     As long as the world is organized according to the principle of domination -of nature by humans, or of one kind of human over the other, or of an economic system based on the exploitation of resources and human lives- we cannot be free. We need and we will find other ways of expressing our opposition, of building and fighting for spaces where we can learn, create, live in freedom.   *names of states are left without capital letter on purpose  ** we use the word radical in its original sense, meaning that we want to get to the “root” of the problem instead of just reforming what we believe to be fundamentally dysfunctional.




Quelle: De.indymedia.org