Dezember 29, 2021
Von Chronik
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Berlin, 30. Dezember 2021

Berlin 30.12.2021 – Aktivist*innen ließen 25 SUVs die Luft aus den Reifen. Die Aktion prangert die ĂŒberproportional hohe Umweltzerstörung und Klimaerhitzung durch Reiche an, die auch von der kommenden Koalition mitgetragen wird.

Dieses Aktion soll die Reichen treffen, die ihr Recht auf hoch emittierende LuxusgĂŒter offenbar ĂŒber die Lebensgrundlagen von Menschen stellen. Etwa von Menschen, die vom Meeresspiegelanstieg betroffen sind. Von Indigenen, die im Einklang mit einer verendenden Natur leben. Von Menschen, die unter neokolonialen Ausbeutungsbedingungen zu der Herstellung eben dieser LuxusgĂŒter gezwungen sind. Oder eben von Menschen, die erst kĂŒrzlich geboren wurden oder noch nicht geboren sind.

Angesichts der sich immer weiter verschĂ€rfenden Klima- & Ungleichheitskrise und einer Politik, die vor allem dem Autokapital dient, sehen wir keinen anderen Ausweg: Hoch emittierende CO2-Maschinen mĂŒssen neutralisiert werden, um die Klimakrise zu stoppen und damit Menschenleben zu retten. Dazu haben wir den SUVs die Luft herausgelassen und mit einem Sicherheitshinweis versehen. Was wie ein Jugendstreich klingt, ist der ernstgemeinte Auftakt einer Reihe solcher Aktionen, die nach Nachahmung schreien. Wir fordern SUV-Besitzer*innen dazu auf, die Lebensgrundlage vieler Menschen weltweit ĂŒber ihren vermeintlichen Statuszuwachs durch ĂŒberdimensionierte Blech-Juwelen zu stellen und ein ÖPNV-Ticket oder Fahrrad zu kaufen. SUVs nehmen in einer zunehmend gentrifizierten Stadt wie Berlin nur Platz weg, verpesten die Luft und gefĂ€hrden die Verkehrssicherheit kleiner und Ă€lterer Menschen. Zudem sind diese, egal ob E-SUV oder Verbrenner, allein durch die Herstellung an immenser Umweltzerstörung und neokolonialer Ausbeutung von Arbeiter*innen im globalen SĂŒden beteiligt.

FĂŒr die betroffenen SUV-Fahrer*innen bedeutet die Ermahnung einen ĂŒberschaubaren Verlust an Zeit und Geld fĂŒr die Abschleppung und ein ÖPNV-Ticket. FĂŒr die Menschen in MAPA [1] bedeutet eine Reduktion von LuxusgĂŒtern wie SUVs, Jachten oder Privatjets eine grĂ¶ĂŸere Chance zu ĂŒberleben. Nachdem die Ampel-Koalition keinen Beitrag zur MobilitĂ€tswende vorweisen kann, nehmen wir diese selbst in die Hand.

Die Aktion ist u.a. inspiriert von Andreas Malms Buch „How to blow up a pipeline“ und fand in Ă€hnlicher Form bereits in Glasgow, MĂŒnchen, Leipzig und Dortmund statt. Und es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein


Folgenden Flyer hinterließen die BohnenlĂŒfter:innen auf allen betroffenen Autos:

VORSICHT PLATTE REIFEN!!
DEINE LUXUSKARRE WURDE TEMPORÄR INAKTIVIERT!

Wir haben die Luft aus einem oder mehreren Reifen dieser Luxuskarre gelassen. Den Unmengen an verbrauchtem Kraftstoff & Platz sind sie sich sicherlich be- wusst, diesbezüglich bedarf es keiner weiteren Erklärung. Was sie anscheinend nicht wissen oder nicht zu interessieren scheint – all der Kraftstoff, den sie verhei- zen, um mit Ihrem Statussymbol die Straßen der Stadt zu verstopfen, hat verhee- rende Folgen für andere: Sie heizen die Klimakrise an, andere Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage und ihr Zuhause – schon JETZT.

Allein die Produktion Ihres Autos verbraucht unverhältnismaÌˆĂŸig viele, nicht-nach- wachsende Rohstoffe und beutet (Kinder-)Arbeiter*innen weltweit aus. Zudem trifft andere ein Aufprall mit der überdimensionierten Schnauze Ihres SUVs besonders schwerwiegend oder tötlich. Dieses Verhalten ist rücksichtslos und überheblich – ya basta!

NEUJAHRSVORSATZ: Solidarisch verhalten und Ressoucenverbrauch minimieren!

Nach der vorübergehenden Stilllegung können Sie sich zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen. Nehmen Sie die fehlende Luft im Reifen als Anlass, Ihre Verantwortung zu überdenken. Denn insbesondere bei reichen und sehr reichen Menschen besteht eine enge Korrelation zwischen Einkommen & Vermögen einerseits und CO2-Emissionen & Ressourcenverbrauch andererseits.

„Insgesamt waren die reichsten 10 % der EU-Bürger*innen für genauso viele Emissionen verantwortlich wie die ärmere Hälfte der EU-Bevölkerung – jeweils 27 % der gesamten EU-Emissionen.“ (Oxfam Pressemitteilung – 8.12.2020) [4] Dieser geringe Teil der Bevölkerung ist für einen überproportional großen Anteil der freigesetzten Schadstoffe verantwortlich und zu diesem oberen Zentel (DE: ab 3.300€ mtl. Nettoeinkommen, iwd) [3] gehören mit ziemlicher Sicherheit SIE!

Wir finden es ignorant sich in Zeiten der Klima- und Ungleichheitskrise so zu verhalten. Ihre Rücksichtslosigkeit kotzt uns an! Wegen ihrer mangelnden Verantwortungsübernahme wollen wir Ihnen mit diesem Hinweis auf die Sprünge helfen, sich solidarischer zu verhalten.

2022 – Zeit zum Nachdenken & Handeln!
Höchste Zeit um sich verantwortungsbewusst zu verhalten!
Höchste Eisenbahn um allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen!
[1] Most affected people and areas
[2] https://de.indymedia.org/node/162321
[2] https://de.indymedia.org/node/162321
[4] https://www.oxfam.de/presse/pressemitteilungen/2020-12-08-klimaschutz-gering-durchschnittsverdienende-reduzieren
[5] https://www.iwd.de/artikel/reich-oder-nicht-reich-486559/

Quelle: Kontrapolis (Tor)




Quelle: Chronik.blackblogs.org