MĂ€rz 6, 2021
Von Fairmuenchen
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Gemeinsames und gegenseitiges Lernen, statt direktivem Unterrichten, wie jetzt wieder, gab es schon vor gut hundert Jahren, bei Rosa Luxemburg und im Wandervogel, bei Antonio Gramsci, der leider lange unter den Faschisten im Knast saß, aber GefĂ€ngnisbriefe schrieb, bei Gustav Landauer und spĂ€ter bei :

Rosa Luxemburg in der Sozialdemokratischen Parteischule

in: Julia Killet, Fiktion und WirklichkeitRosa Luxemburg Fiktion und Wirklichkeit

Rosa Luxemburg, Wissenschaftlerin gegen Parteien-Zentralismus

hat bis heute ein gefĂŒrchtete Wirkung, die als kĂ€mpferische kluge Frau im Studium der Volkswirtschaft, im Unterricht an der Parteischule der SPD, im GefĂ€ngnis und in Zeitungsredaktionen geschult wurde, wie , der mit als verfolgte und ermordete Journalisten Eines gemeinsam hatten: Den Blick auf die Wirklichkeit wichtiger zu nehmen als Diplomatie, Macht und Wirkung.

„Ihre Gedanken und ihr Einsatz fĂŒr die Revolution und den demokratischen Sozialismus sind auch ĂŒber 100 Jahre nach ihrer Ermordung noch immer aktuell. Dies bezeugen nicht nur zahlreiche Konferenzen weltweit zu ihrem Wirken und Denken, sondern auch mehr als 40 Biographien sowie Dramen, Lyrik, Dokumentationen und Filme. Im Mittelpunkt der vorliegenden Dissertation steht das Rosa-Luxemburg-Bild in der deutschsprachigen Prosa von 1919 bis ins 21. Jahrhundert.

lebt in einer entscheidenden Epoche des europĂ€ischen Sozialismus. Sie vertritt einerseits ihre sozialistische Politik mit dem Ziel, den Kapitalismus zu ĂŒberwinden. Anderseits wird sie als Autorin leidenschaftlicher Liebesbriefe bekannt und als begeisterte Tier- und Naturfreundin. Diese scheinbar widersprĂŒchlichen Charakterfacetten finden sich in verschiedenster Gewichtung auch in der ĂŒber sie verfassten biographischen und literarischen Prosa wieder.“ BESTELLEN: https://kulturmaschinen.com/produkt/julia-killet-fiktion-und-wirklichkeit/

http://befreiungsbewegung.fairmuenchen.de/gab-organisierten-widerstand-100-jahren-widerstand-lernen-rosa-luxemburg-www-arbeiterbewegung-jahrbuch-de-p-19844812

http://raete-muenchen.de/rosa-luxemburg-neu-zu-lesen

http://befreiungsbewegung.fairmuenchen.de/maxi_trifft_rosa_luxemburg3378517

Ich nehme an, dass auch die Arbeiten von Rosa Luxemburg zugÀnglich waren, denn seine Gedanken folgen ihren Vorstellungen der Bildungsarbeit mit Arbeitenden:

„AufklĂ€rung durch Taten!“.

Lehren und Lernen bei Rosa Luxemburg

Clara Zetkin und Rosa Luxemburg

Clara Zetkin und Rosa Luxemburg

„Im Jahr 1899, kurz, nachdem sie nach Deutschland ĂŒbergesiedelt und sofort in die Parteipolitik der SPD eingestiegen war, schrieb Rosa Luxemburg: „GrundsĂ€tze der Sozialdemokratie lassen sich ebenso wenig aus BroschĂŒren und VortrĂ€gen allein erfassen, wie sich das Schwimmen im Studierzimmer erlernen lĂ€sst.

Nur auf hoher See des politischen Lebens, nur im breiten Kampfe mit dem Gegenwartsstaate, in der Anpassung an die ganze Mannigfaltigkeit der lebendigen Wirklichkeit kann das Proletariat in sozialdemokratischer Richtung geschult werden.“

Sie sieht das Lernen also nicht als totes Studieren, sondern als praktische Angelegenheit. Dabei blieb sie. Im Dezember 1918, schon in der absteigenden Linie der Novemberrevolution, sagte sie auf der Verbandsgeneralversammlung der USPD von Groß-Berlin:

   „Jetzt in der Revolution können keine Reden, keine BroschĂŒren die notwendige 
   AufklĂ€rungsarbeit leisten. Jetzt kommt es auf eine AufklĂ€rung durch Taten an.“

1907 unterrichtet sie an der Parteischule in Berlin Nationalökonomie, betont aber auch gegenseitiges Lernen:

Praxislernen und Wissensproduktion `von unten ́

„Zwei Dinge machen Luxemburgs Auffassung so bemerkenswert. Erstens versteht sie das Lernen in einer revolutionĂ€ren Partei nicht einfach als BefĂŒllung der proletarisch-sozialdemokratischen Köpfe mit Weisheiten. Das Lernen in der Praxis durch die Proletarier*innen selbst ist eine mindestens gleichwertige Form. Damit ist der zweite, viel wichtigere Punkt verbunden.

Die Mitglieder von Parteien und Gewerkschaften sind fĂŒr Luxemburg nicht einfach EmpfĂ€nger*innen von Bildung, sondern auch Produzent*innen von Wissen. Das Erfahrungswissen der Bewegung ist fĂŒr sie nicht weniger wichtig als das von Intellektuellen und FunktionĂ€r*innen vermittelte.

Nicht nur, dass sie die SPD-FĂŒhrung immer wieder hart kritisierte; sie forderte vom Parteivorstand zudem, dass er von den Massen lernen sollte. Mit ihrer Vorstellung vom bestĂ€ndigen Lernen der Arbeiter*innen bleibt sie den Wurzeln der kommunistisch-sozialdemokratischen Bewegung treu.

Schließlich erwuchs diese aus zwei eng verbundenen Quellen:dem Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit und dem gemeinsamen Lernen. Organisatorisch bildet sich die spĂ€tere SPD aus Arbeiterbildungsvereinen und aus deren Emanzipation vom ursprĂŒnglich liberal-bĂŒrgerlichen Bildungskanon.

Luxemburg war selber Dozentin an der SPD-Parteischule und sah sie ihre Arbeit dort nicht als akademische Veranstaltung,sondern als eng verbunden mit ihrer propagandistischen und publizistischen TĂ€tigkeit. Ihre Idealvorstellung war: Ein halbes Jahr Parteischularbeit, ein halbes Jahr Propaganda oder auch ein halbes Jahr lernen von den SchĂŒler*innen der Parteischule, ein halbes Jahr lernen in Diskussionen mit den sozialdemokratischen Massen.2 Rosen

Revolution als Lernprozess

Diese Auffassung von Lernen und Lehren hat weitreichende Konsequenzen fĂŒr die Rolle der Partei in politischen Auseinandersetzungen. Reformen mĂŒssen als Lernprozesse gestaltet werden, um eine Revolution, die Überwindung der kapitalistisch-bĂŒrgerlichen Ordnung, möglich zu machen.

Revolutionen lassen sich nicht „schulmeistern“. Die in Revolutionen nötige FĂ€higkeit, KrĂ€ftekonstellationen und Handlungsmöglichkeiten schnell zu bewerten und Chancen zu nutzen,setzt selbstĂ€ndiges Denken voraus. Dieses muss vorher gelernt werden, wie auch die FĂ€higkeit, der Initiative der Massen zu vertrauen.

Luxemburgs VerstĂ€ndnis vom Lernen stĂŒtzte sich so auf zwei organisationspolitische Voraussetzungen. Auf der einen Seite auf die Bindung der Abgeordneten und FunktionĂ€re an die Massen. Und auf der anderen Seite aufweitest mögliche partizipative Formen.

Mehr dazu bei Brangsch, Lutz/ Pieschke, Miriam (Hrsg.): Sich nicht regieren lassen. Rosa Luxemburg zu Demokratie und Organisierung. Ein Lesebuch. Dietz Berlin.

UND: https://www.academia.edu/45199787/_Aufkl%C3%A4rung_durch_Taten_Lehren_und_Lernen_bei_Rosa_Luxemburg

Diffamierung der Pazifisten durch Reaktion und SPD

Bis 1914 hatte sich die Sozialdemokratische Partei zum Pazifismus bekannt, ab Kriegsbeginn ließ sie sich, wie die Gewerkschaften, in den kaiserlichen „Burgfrieden“ einbinden und bekĂ€mpfte die eigenen Leute wie Karl Liebknecht, der als erster gegen die Kriegskredite stimmte, bis 1917 eine ganze Gruppe aus der Reichstagsfraktion flog: Die Grundlage fĂŒr die GrĂŒndung der USPD, der UnabhĂ€ngigen Sozialdemokraten, aus denen spĂ€ter 1918/19 in den KĂ€mpfen um die Revolution in Berlin die Spartakisten sich abspalteten.

Antonio Gramsci: Der sĂŒdliche Sozialismus

Im Gegensatz zum östlichen Kommunismus, der noch die BrutalitÀt des Zarenreiches und seiner Leibeigenschaft in sich trug, waren die italienischen Ideen vor den Faschisten sehr viel aufgeklÀrter:

Biografie bei http://de.wikipedia.org/wiki/Antonio_Gramsci Er war ein wichtiger Philosoph im Hintergrund fĂŒr viele Linke, die nicht dem Moskauer Stalinismus anhingen:

http://www.praxisphilosophie.de/gramsci.htm

Er prĂ€gte den Begriff der Zivilgesellschaft, um damals noch sehr viel klarer zwischen Selbstorganisation der Menschen und Verwaltungsstaat sowie feudaler MilitĂ€rbĂŒrokratie zu unterscheiden:

Heute erzÀhlt uns die neufeudale autoritÀre Verwaltung von Dienstleistung, wenn sie uns in Klassenstrukturen durch gekaufte Lobbyparteien drangsaliert 


Paulo Freire und die Kritische Praxis in der PĂ€dagogik der UnterdrĂŒckten

ist ein Begriff aus der von , der sich weltweit durchgesetzt hatte, zuletzt auch zu den Konflikten um die Festnahme und Vor-Verurteilung von Julian Assange, der als Whistleblower die selbst dokumentierten Kriegsverbrechen der USA ĂŒber Chelsea Manning international bekannt gemacht hat.paulo freire in MĂŒnchen

könnten wir auch ĂŒber die Nazi-Beteiligungen in den 50er und folgenden Jahren schreiben, als die Justiz jede Verfolgung der Nazi-Mörder und KZ-Beteiligten als „Beihilfe“ unmöglich machte.

Eine lag auch Jahrzehnte ĂŒber Gewalt und Missbrauch in den Internaten, in Kirchen und im Sport, weil die Polizei, Staatsanwaltschaften und Zeitungen jeden Anfangsverdacht zurĂŒck wiesen. Dass wir in Deutschland keine unabhĂ€ngige Justiz haben, kommt in welchen Medien? Die EU-Menschenrechtskommission hat keine eigenen Medien 


Die Kultur des Schweigens im Bildungssystem

„Schule und UniversitĂ€t sind staatliche Institutionen, die traditionell einen unterschiedlichen Bildungsauftrag hatten, sich jedoch heute zunehmend angeglichen haben. WĂ€hrend in der Schule das zu erlernende Wissen bereits weitgehend vom Lehrer gewusst wurde, sollte an der UniversitĂ€t durch forschendes Lernen das Wissen zwischen StudentInnen und ProfessorIn neu geschaffen werden.

Dieses auf Kooperation angelegte, grundsĂ€tzlich egalitĂ€re ErgĂ€nzungsverhĂ€ltnis war jedoch unvereinbar mit der hierarchischen Struktur universitĂ€rer Institution und ist nie verwirklicht worden. Ein Ă€hnliches Schicksal erfuhr die Oberstufenreform an den Schulen, wo zwar FreirĂ€ume fĂŒr das forschende Lernen möglich wurden 
 diese Entwicklung jedoch alsbald an die Grenzen institutionalisierter Sozialisationsmuster stieß.

So werden die Kinder auch heute noch in der Schule mehrheitlich im klassischen Frontalunterricht zum Schweigen verdammt, sie lernen zuzuhören, still zu sitzen und aufzunehmen, was der Lehrer sagt. Die Vermittlung von Fachwissen tritt hierbei oftmals in den Hintergrund. FĂŒr die kritische Selbstreflexion, geschweige denn ein Denken in Ambivalenz ist kaum Zeit vorgesehen.“ Mehr: https://kritische-praxis.blogspot.com/2021/02/kultur-des-schweigens-der-universitat.html

Macht und Wissen

Die MĂ€chtigen hatten immer ĂŒber Medien und Zensur die Themen beherrscht, und die bezahlten wie die öffentlich kontrollierten Medien sind bis heute die Bestimmenden.

Der Hofnarr und das Theater hatten immer die Rolle, an den Themen zu kratzen, die Gesetze und Verordnungen zu hinterfragen, und noch Thomas Mann saß beratend bei der Theaterzensur der Stadt MĂŒnchen, die vorher die StĂŒcke von Oskar Panizza und Frank Wedekind zensiert oder verboten hatten.

Die AuffĂŒhrung einiger Panizza-StĂŒcke ist bis heute verboten, FrĂŒhlings Erwachen von Wedekind hat es in manche Schultheater geschafft.

Die Kultur des Schweigens durchbrechen: Bilder-Theater

Das ist ein eleganter Weg, die zu durchbrechen: Viele von uns haben die verinnerlicht, „nichts“ von Politik und Philosophie und Wirtschaft zu verstehen, weil sie den hochtrabenden Monologen nicht folgen können.

Einen Ärger ausdrĂŒcken: Generative Themen: Was steht dahinter?

Einen Ärger ausdrĂŒcken, ist in unserer Kultur nicht schnell möglich (außer, der Anlass wĂ€re noch akut), aber die Energie des Ärgers lĂ€sst sich nutzen, wenn er erst einmal abgeladen ist: Die Gruppe ĂŒbernimmt das Bild: und stellt es dar: Es ist abgenommen! Dann kommt das : Was sind die : Was steht dahinter? Macht? Missbrauch? Unrecht? Wir können fragen, was vorher war, wir können Folgen von Ausweichen, Widerspruch, sogar freche und verrĂŒckt erscheinenden Reaktionen ausprobieren, und den Gegner, die anderen KrĂ€fte genauer einschĂ€tzen.

Die Arbeit am Tabu

Die Arbeit am ist die entsprechende Vorgehensweise im von , die aus den Szenen (Wahrnehmen, Aussprechen in der Gruppe) eine Vorstellung vor Publikum (erste Öffentlichkeit) macht und mit Hilfe einer Joker-Figur nach VerstĂ€ndnis und VerĂ€nderungs-Möglichkeiten fragt. http://wiki.eineweltnetz.org/doku.php?id=bewusstseinsbildung

und auf der Basis der in der

Kultur des Schweigens und der §175

in einer

Christof Zirkel: Es ist wie versext
Macht und Mythen in der SexualpĂ€dagogik – Eine Kritik

S. 213: â€žAls in den 1980ern HIV und Aids aufkamen, fand fĂŒr kurze Zeit eine erstaunliche Solidarisierung innerhalb der schwulen Szene statt. Gleichzeitig war im Rahmender Verhinderung von Neuinfektionen die Gesellschaft gezwungen, SexualitĂ€ten und ihre Praktiken offener zu thematisieren, wenn sie nicht homosexuelle MĂ€nner absondern und in QuarantĂ€ne verbannen wollte.“

Aktuelle Literatur zu Paulo Freire

  • – Peter Mayo: „Politische Bildung bei und : Perspektiven einer verĂ€ndernden Praxis“, 2007.

  • – Zeitschrift „WidersprĂŒche“, Heft 155 (MĂ€rz 2020): „Dialogisches Handeln und Forschen – Mit Freire die neoliberalen VerwĂŒstungen ĂŒberwinden“(mit BeitrĂ€gen von Philipp Andrae, Heinz-Peter Gerhardt, Dietlinde Gipser, Timm Kunstreich, Arnold Köpcke-Duttler, Ronald Lutz, Tilman Lutz, Jutta LĂŒtjen, Michael May, Dirk Oesselmann, Manfred Peters, Marcel Schmidt, Tarkan Tek, Wolfgang Völker, Joachim Weber, Heiner Zillmer)

  • – Harald Hahn: „Theater der UnterdrĂŒckten als MosaikstĂŒck Gesellschaftlichen Wandels“ (2018)

  • und natĂŒrlich das neue Buch von und berliner Kolleginnen:

Begegnung verÀndert Gesellschaft

Annette Nana Heidhues, , Marianna Schmidt Quintero: AnsĂ€tze einer von Paulo Freire inspirierten Bildungspraxis – ab Februar lieferbar, bestellen und Inhaltsverzeichnis hier: https://www.ibidem.eu/media/catalog/product/9/7/9783838214450_inhaltsverzeichnis.pdf

  "Wenn wir bei der Evaluation unserer Kurse jedes inhaltliche Modul in einem Körperglied 
  einer Raupe symbolisieren und unsere Bewertungen darin niederschreiben, 
  tun wir dies in der Hoffnung, dass der Schmetterling, der am Ende in jedem einzelnen 
  unserer Kursteilnehmer*innen entstanden ist, an einen anderen Ort fliegen ... "

Du darfst mich gern verfolgen …




Quelle: Fairmuenchen.de