Oktober 15, 2021
Von Indymedia
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…Versuch einer Art Übersetzung…

Die mit der drohenden ZwangsrĂ€umung am 15. Oktober potentielle Zerstörung einer ĂŒber 30 Jahre gewachsenen Struktur eines KĂžpi-Wagenplatzes in seiner Gesamt-KreativitĂ€t wird der ausfĂŒhrenden Gesellschaft und ihren Machtstrukturen als Fehlstelle auf die FĂŒĂŸe fallen, ohne daß diese Protagonist*innen vermutlich verstehen wĂŒrden, worin sich diese Fehlstelle begrĂŒndet. Mit einer Zerstörung des KĂžpi-Wagenplatzes nehmen sie sich selbst oder lassen es sich vom alles diktierenden Kapital gefallen, sich nehmen zu lassen, was an zukunftsweisenden Impulsen von den Menschen vom und um den KĂžpi-Wagenplatz in die Gesellschaft fließt.

Der KÞpi-Wagenplatz ist kein insulÀrer Raum, genauso wenig wie die immer wieder bedrohte KÞpi selbst, die aktuell bedrohte Rigaer 94 und all die anderen gerÀumten oder noch existierenden Freiraum-Oasen.

Das sind ‚unsere‘ ‚stations‘, ‚unsere‘ Batterie-LaderĂ€ume, ‚unsere‘ Inspiration, allein durch den hier möglichen strikten nonkonsumistischen Charakter dieser RĂ€ume, PlĂ€tze und HĂ€user. Wer von außen oberflĂ€chlich GerĂŒmpel sieht – kreatives Chaos als Dreck und MĂŒll in dem Vergleich von sterilen und genormten OberflĂ€chen aus Stahl-Glas-Beton bewertet -, hat nichts begriffen.

Die große verbindende Überschrift zwischen all diesen RĂ€umen der Freiheit lautet ‚Kapitalismus tötet‘ – ‚Kapitalismus abschaffen!‘ Das hier erprobte -autonome-, jedenfalls ‚Linksradikale Leben‘, wie auch immer sich die einzelnen Projekte selbst definieren, ist der Versuch bis in alle Winkel unserer LebensrĂ€ume diese ureigene Freiheit des Menschen ohne AbhĂ€ngigkeit von Kapital und genormten Regeln, Macht-Strukturen, Hierarchien und weitestgehend Arbeitswelt klarzukommen. Es ist der Versuch, ohne RĂŒckgriff auf Ausbeutung von Menschen+ihren InnenrĂ€umen, BiosphĂ€re und weitgehenden Verzicht an Rohstoffen zu leben und allen diskriminierenden -ismen dieser Welt den Kampf anzusagen, um soziale GefĂŒge auf Augenhöhe zu etablieren. Denn nur so lĂ€ĂŸt sich langfristig Zukunft formulieren und dies mit der von Menschen gemachten drohenden Klimakatastrophe, immer aktueller gedacht.

Eine der gelebten radikalen Ideen hinter all diesem Leben und Tun ist es eben AbhĂ€ngigkeiten ĂŒberflĂŒssig zu machen, Wertigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen, die jenseits von irgendeinem monetĂ€ren Vermehrungswollen stehen und all dem, was damit zusammenhĂ€ngt.

Die Erde Ă€chzt und stöhnt, weil der Raubbau auf ihr mit der Bedienung einer völlig wahnsinnigen exponentiell wachsenden globalen Finanz-Wirtschaft, sie und damit v.a. die Lebewesen auf ihr, komplett an den Abgrund bringt. Die SozietĂ€ten stehen vor dem Zerreißen ĂŒberall auf der Welt in vielerlei Hinsicht. Sich als Frauen und andere benachteiligte im Genderkontext definierende Menschen stehen immer mehr auf, weil sie den noch keineswegs gestoppten Sexismus nicht mehr ertragen wollen. Immer mehr Kinder und Heranwachsende lassen sich obrigkeitskonformes Verhalten in ihrer immer besser werdenden Vernetztheit jenseits der Erwachsenenwelt nicht mehr gefallen. Und alle benachteiligten Menschen, die aufgrund irgendeines Ă€ußeren oder religiösen Merkmals diskriminiert werden, suchen in einer digital vernetzten Welt Wege, um ihr Leben qualitativ zu verĂ€ndern und all der ihnen zugefĂŒgten oder systemischen Drangsal etwas entgegenzusetzen und wenn das ihren zigfachen Tod im Mittelmeer oder woanders bedeutet.

…Friede den HĂŒtten, Krieg den PalĂ€sten!

Wer also versucht die Dinge grundsĂ€tzlich in eine fĂŒr alle gleichberechtigte und ertrĂ€gliche, fĂŒr andere bescheidenere Lebensform zu lenken? Wer stellt sich den kapital-faschistoiden und faschistischen EinflĂŒssen in Gesellschaften auf der Straße tĂ€glich vielfĂ€ltig entgegen und formuliert, ja auch gewollt militant, ein großes Stopp-Ausrufezeichen, weil die weiche Linie, das oft real kaum vorhandene Kontern nicht beeindruckt und diese unertrĂ€glichen Anmaßungen immer noch Weniger kaum vermag in ihre Schranken zu verweisen?

Und wer hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und verharrt reflexhaft in starren Reaktionsmustern einer von Wenigen zementierten globalen Finanz- und Wirtschaftsdoktrin, um der höchsteigenen Profitmaximierung zu huldigen?

Dagegen Linksradikal zu sein und zu leben lĂ€ĂŸt sich in seiner VielfĂ€ltigkeit, Diversheit, seinem Facettenreichtum und auch seiner Bereitschaft bis hin zur Militanz nicht leicht definieren. Ein Eingrenzen, besser Abgrenzen fĂ€ngt da an, wo das Verwertungspolitische beginnt sich dem Kapital anzubiedern, Machtstrukturen entwickelt und sich in AbhĂ€ngigkeiten begibt, wie das bei sĂ€mtlichen zu wĂ€hlenden Parteistrukturen festzustellen ist.

‚Das Linksradikale‘ ist so vielfĂ€ltig, wie es Menschen gibt, die sich auf den Weg machen mit einem SelbstverstĂ€ndnis auf Augenhöhe, die ihren eigenen Auftrag darin sehen, sich und ihre BezĂŒge im Sozialen, Politischen permanent auf den PrĂŒfstand zu stellen, ohne Bezahlung, ohne Gegenleistung. Das i s t Arbeit im besten Sinn des Wortes, je nach Engagement und Ernsthaftigkeit durchaus anstrengend die formulierten Ziele im realen Leben umzusetzen und gepflastert von vielfachem Scheitern ĂŒber all die Jahrzehnte und doch im Grundsatz einig, am großen Ziel der gleichen Wertigkeit aller Lebewesen festzuhalten und eine freie Gesellschaft zu entwickeln in einem fortwĂ€hrenden Prozeß, der wohl nie ein Ende findet.

Das niemals erreichen eines endgĂŒltigen Zieles, das nie Erreichen des Absoluten ist hierbei durchaus Frust wie grĂ¶ĂŸte Herausforderung und in einer der Abgrenzungen zum faschistoiden absoluten Ordnungswillen ein großes GlĂŒck. Diese Unsicherheit des nie zu Ende kommens zu ertragen, aber dann doch nicht aushalten und dafĂŒr immer wieder das Ungeordnete, ‚das Chaos‘ diskutieren, immer wieder neue Wege einschlagen, wenn die Erkenntnis da ist, daß sich hier schon wieder Hierarchien, AbhĂ€ngigkeiten und Despektierlichkeiten auftun, die körperliche und seelische Verletzungen verursachen. Es ist der immerwĂ€hrende Trip, sich weiterzuentwickeln, sich tĂ€glich neu zu erfinden, sich zu emanzipieren und bestenfalls die kollektivistischen Kleinstrukturen mit, die in ihrer dorfĂ€hnlichen GrĂ¶ĂŸe, deswegen Dorfplatz, ĂŒbersichtlich genug sind, um auch in einem sozialen Umfeld eine Weiterentwicklung zuzulassen und so als permanentes Korrektiv im eigenen SelbstverstĂ€ndnis verstanden werden können.

Das also wĂŒrde hier mitunter mit einem KĂžpi-Wagenplatz zerstört, ein ungeheurer Raum der Möglichkeiten, ja – ein alternativer Raum des sich neu Erfindens, ein Diskussions- und Forschungsraum, bis jetzt ohne AbhĂ€ngigkeiten, die erst die drohende ZwangsrĂ€umung provoziert.

Es ist ein Freiraum, der angegriffen wird. Ein Freiraum in einem sehr weit auszulegenden Begriff und damit verstandenen Gegenmodell in einer extrem ĂŒberreglementierten kontrollierenden kapitalfaschistoiden Gesellschaft.

Aber ‚unser‘ Innerstes, den Innenraum, erreicht die zugreifende Macht nie! Fuck You!

Ein KĂžpi-Wagenplatz soll verschwinden, der allein mit seinen zahllosen gebauten und gewachsenen Ecken und Kanten in die Unendlichkeit weist, der mit dieser in ihm gewachsenen Struktur, im Sinne des Denksports einer „Chaos- und Fraktale-Theorie“, potentiell unendlich viele Möglichkeiten aufzeigt, die in ihrer KreativitĂ€t und Nonkonformiertheit alles BĂŒrgerliche sprengt und damit eben FreirĂ€ume eröffnet, die eine glattgebĂŒgelte, sich selbst angĂ€hnende Gesellschaft in ihrer bornierten SelbstgefĂ€lligkeit anscheinend noch nichteinmal nachdenken kann. Die Angepaßten, Gleichgeschalteten werden eher in ihrer selbstverstĂ€rkenden Blase und ihrem Raubbau an allem was einen Wert ĂŒber den monetĂ€r definierten hat, ersaufen. Eine kapitalfaschistoide Gesellschaft zerstört soziale ZusammenhĂ€nge, gewachsene Strukturen und SolidaritĂ€t, betreibt, notgedrungen in der eigenen Logik, Raubbau am Menschen mit seiner Arbeitskraft und seinen emotionalen Möglichkeiten und nicht zuletzt an der Erde als solche und erhebt sich zu einer Art Viel-Gottheit von individualisierten Egomanen, die sich langfristig selbst zerlegt, aber zwingend jetzt schon jeden Tag angegriffen werden muß, um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.

Kapitalismus tötet. Kapitalist*innen töten!

rⒶus mit ihnen – eat the rich – ZwangsrĂ€umung hier anders denken!

In vielem sind wir uns eins, also laßt es uns nach außen tragen, direkt oder dezentral, diese Tage und auch sonst!

In voller SolidaritĂ€t, mit geballter Faust und mit heißem Herzen KĂžpi-Wagenplatz verteidigen,

Angriffe auf die Rigaer94 abwehren und keine ZwangsrÀumung von vielen bedrohten Menschen hinnehmen!

one struggle – one fight!




Quelle: De.indymedia.org