November 25, 2020
Von Anarkismo
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Niederlande / Deutschland / Österreich – Anarchokommunistischer Anlass
Wednesday January 01 2020

Auf den Tag genau 1 Jahr nach dem Start der Initiative fĂŒr eine dritte anarchistische Föderation im deutschsprachigen Raum blicken wir zurĂŒck auf ein ereignisreiches und erfolgreiches Jahr des Aufbaus.

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Der 01.01.2019 als Start eines ambitionierten Projekts


Großspurig und vollmundig starteten wir dieses Jahr mit unserem Organisierungsansatz – voll Ungewissheit aufgrund der geringen Verbreitung des Plattformismus im deutschsprachigen Raum, aber mit viel Hoffnung auf das Gelingen unserer Initiative. Zu Beginn standen die ĂŒberwĂ€ltigenden Reaktionen auf unsere Initiative. Ganze Tage, die fĂŒr das Beantworten von E-Mails drauf gingen, was durch den Zusammenbruch unseres E-Mail-Postfachs nicht grade erleichtert wurde. Tage voller GlĂŒckwĂŒnsche und motivierter Genoss*innen, welche sich ĂŒber unsere Initiative freuten; eine Initiative, die viele so oder so Ă€hnlich herbei gesehnt hatten



gefolgt von Tagen der großen Reisen
Nach der Freude und der Aufbruchsstimmung begann dann die Phase der großen Reisen. Tausende Kilometer sind wir in endlosen Stunden durch unsere Region gefahren: im Denken, Handeln und FĂŒhlen Gleichgesinnte zu treffen; spannende, aber teilweise auch immer wieder sich gleichende, Diskussionen fĂŒhrend; sich erklĂ€rend; sich den kritischen Fragen der Bewegung und Interessierten stellend. Wir haben zwischendurch von Teilen unserer Reisen bereits immer wieder kurz online berichtet. Eine Auswertung der gesamten Veranstaltungsreise werden wir an geeigneter Stelle noch nachliefern. Am Ende sind es dann fĂŒr 2019 insgesamt 31 Veranstaltungen in allen Himmelsrichtungen Deutschlands sowie 2 Veranstaltungen in der Schweiz geworden. Zum grĂ¶ĂŸeren Teil wurden wir von neugierigen Gruppen oder Einzelpersonen eingeladen, vergleichsweise wenige Veranstaltung haben wir selbst angestoßen oder organisiert. Ein weiteres Indiz fĂŒr das breite Interesse innerhalb der anarchistischen Bewegung an unserem Organisierungsansatz. Aber nicht nur fĂŒr öffentliche VortrĂ€ge sind wir in der Weltgeschichte herumgereist. Oft in Verbindung mit VortrĂ€gen haben wir auch diverse Genoss*innen und Gruppen besucht. Einerseits fĂŒr eine allgemeine Vernetzung, vor allem aber um diejenigen zu treffen, welche sich aktiv in unsere Organisation einbringen wollen.

Sich finden, sich einigen, die theoretischen und strukturellen Grundlagen legen – Tage des Aufbaus der Organisation
Einhergegangen mit unseren Reisen ist das Wachstum unserer Organisation. Ein Wachstum, welches im Vergleich zum Start unserer Initiative sehr stark war und welches ĂŒberhaupt erst die Grundlage fĂŒr unsere zukĂŒnftige FöderationsgrĂŒndung legen wird.. Nach wie vor muss allerdings klar sein, dass wir natĂŒrlich keine riesige Organisation sind. Wir konnten nicht auf der Grundlage bestehender Gruppenstrukturen aufbauen, sondern mussten im wesentlichen auch all unsere Lokalstrukturen neu aufbauen. Wir haben es geschafft eine ambitionierte Organisation aufzubauen, welche aus fĂ€higen, motivierten Genoss*innen besteht, die vieles daran setzen unsere Vision einer dritten anarchistischen Föderation zu erreichen. Gleichzeitig haben wir es aber nicht geschafft innerhalb eines Jahres eine solche Föderation zu grĂŒnden. Wir brauchen einfach mehr Zeit um nicht etwas Halbgares in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Wir wollen unser Ziel vernĂŒnftig umsetzen.

Was wir euch allerdings bereits mitteilen wollen sind unsere bereits existierenden Lokalstrukturen:
Es gibt aktuell in folgenden StÀdten und Regionen dp-Gruppen:

Berlin – berlin.dieplattform.org
Ruhrgebiet – ruhr.dieplattform.org
Region Rostock – rostock.dieplattform.org
Trier

In Leipzig befindet sich eine weitere Gruppe im Aufbau.

Neben einigen Einzelmitglieder (unter anderem in Bayern und Baden-WĂŒrttemberg) haben wir gerade diverse Optionen der Erweiterung, die uns noch offen stehen.

Die Einzelmitglieder, welche aus StĂ€dten kommen, in denen wir noch nicht die StĂ€rke haben eine Lokalgruppe zu formen, sind in einer ĂŒberregionalen Gruppe föderiert. So ist ein effektives Agieren in der Plattform auch fĂŒr Genoss*innen möglich, die in ihrer Stadt oder Region bisher alleine sind. Wir freuen uns sehr, wenn ihr an dieser Stelle die neuen öffentlichen KanĂ€le unserer Lokalstrukturen verfolgt, liked und verbreitet. Wir freuen uns auch weiterhin ĂŒber neue Gesichter in unserer Organisation. Egal ob du aus dem hintersten Dorf oder Berlin kommst – wir werden nach KrĂ€ften versuchen ĂŒberall eine anarchistische Perspektive nach unseren GrundsĂ€tzen aufzubauen. Melde dich also gerne bei uns!

GestĂ€rkt und breiter aufgestellt sind wir seit mindestens einem halben Jahr dabei unsere theoretischen und strukturellen Grundlagen auszuarbeiten. Ein intensiver Prozess, welcher sich einerseits mit der Analyse unserer Gesellschaft und unserer Visionen einer anderen Welt beschĂ€ftigt. Andererseits betrifft dies vor allem (infra-)strukturelle Bereiche unserer Organisation. Dabei geht es in Diskussionen natĂŒrlich auch schon mal hoch her. Immerhin scheuen wir uns nicht davor auch zwischen uns uneinige Punkte auf den Tisch zu bringen und offen zu besprechen. Umso schöner ist es zu sehen, dass alle ein gemeinsames Interesse an einem solidarischen Diskurs haben, der ein kollektives Vorankommen zum Ziel hat.

Nach der Grundlage kommt die Praxis – Tage des Kampfes
NatĂŒrlich haben wir auch parallel zum Prozess des Aufbaus schon mit geringer IntensitĂ€t erste AktivitĂ€ten in der geneigten Szeneöffentlichkeit sowie außerhalb dieser in sozialen KĂ€mpfen begonnen: So beispielsweise zum 1. Mai 2019, zu globalen Klimastreiks, zur SolidaritĂ€t mit Rojava sowie auf lokaler Ebene auch zu anderen Themen wie unter anderem der SolidaritĂ€t mit den KlassenkĂ€mpfen im Iran, sowie den KĂ€mpfen in Frankreich. Uns ist allerdings bewusst, dass diese AktivitĂ€ten weiterhin begrenzt sind und es auch bleiben werden, solange wir nicht unsere eigene organisatorische Grundlage gelegt haben und vor allem unsere Ziele und Strategien im sozialen Kampf nicht definiert haben. Dies ist einer der Aufgaben, die wir uns im Jahr 2020 verschrieben haben: Die gezielte Vorbereitung auf das Mitwirken innerhalb der sozialen Bewegungen.

In der EinfĂŒgung in die soziale Bewegungen sehen wir unsere Hauptstrategie und diese wird auch den grĂ¶ĂŸten Teil unserer Organisationsarbeit ausmachen. Gleichzeitig werden wir uns auch weiterhin am Diskurs innerhalb der anarchistischen Bewegung beteiligen, wie wir es bereits im Jahr 2019 getan haben. Hier konnten wir vier Artikel bzw. Interviews (nochmal Danke an die Redaktionen) in der Direkten Aktion, Contraste, Graswurzelrevolution sowie im revolt:magazin veröffentlichen. Parallel dazu haben wir uns im geringen Maß auch an Szenemobilisierungen beteiligt wie etwa das Agieren gegen NaziaufmĂ€rsche. WeiterfĂŒhren werden wir auch den Ausbau unserer Materialien. 2019 haben wir zehntausende Aufkleber, Visitenkarten, BroschĂŒren und Plakate im deutschsprachigen Raum und darĂŒber hinaus verbreitet. Hierbei werden wir in Zukunft auch mehr Materialien produzieren, die auch ĂŒber eine Linke Szene hinweg Menschen erreichen und ansprechen sollen. Die kollektive Einmischung als Publikationsorgan unserer Organisation um plattformistische Inhalte in die anarchistische, linksradikale und emanzipatorische Bewegung zu tragen, wird weiter erhalten bleiben und ausgebaut werden. Wir haben darĂŒberhinaus weitere Publikationsideen. So werden wir zu einem spĂ€teren Zeitpunkt auch unsere inhaltlichen Grundlagen in möglichst ansprechender Form publizieren.

An dieser Stelle wollen wir auf die berechtigte Kritik eingehen, dass wir mit unserem bisherigen Wirken in einer Szeneblase hĂ€ngen bleiben. Wir befinden uns noch in der Aufbauphase unserer Organisation. In dieser Phase braucht es eine andere Strategie der Öffentlichkeitsarbeit, als wenn die Aufbauphase abgeschlossen ist. In der Phase des Aufbaus liegt unser Fokus auf der anarchistischen Bewegung und darĂŒber hinaus interessierter linksradikaler Menschen. Wir erhoffen uns dadurch die Menschen innerhalb der Bewegung erreichen und begeistern zu können, die unserem Organisationsansatz nahestehen und eine gemeinsame inhaltliche Grundlage teilen. Der (auch personelle) Aufbau unserer Organisation stellt die Grundlage dar um wirkmĂ€chtig innerhalb der sozialen Bewegungen kĂ€mpfen zu können. 2020 werden wir also immer weiter den Fokus von der anarchistischen Bewegung weg hin zu einem Agieren in sozialen KĂ€mpfen und außerhalb von Szenepolitik legen. Anarchistische “Propaganda” wird einen wichtigen, aber untergeordneten Platz in unserer Praxis einnehmen.

Wichtig ist fĂŒr uns vor allem auch der internationale Austausch mit anderen plattformistischen und especifistischen Organisationen sowie anarchistisch-feministischen und -kommunistischen. Neben dem Studium von Texten, Analysen und niedergeschriebenen Erfahrungen erhoffen wir uns davon Bereicherung fĂŒr unsere eigene Theorie und Praxis. Einige internationale Kontakte innerhalb und außerhalb Europas sind bereits geschlossen. Und es haben auch schon mehrere sehr spannende internationale Treffen und GesprĂ€che stattgefunden. An dieser Stelle auch eine Umarmung an alle internationalen Genoss*innen, die uns so herzlich in die plattformistische Gemeinschaft aufgenommen haben.

Was bleibt – was kommt? Tage der Hoffnung
Wenn wir dieses Jahr rĂŒckblickend betrachten, bleiben viele schöne Erinnerung, BestĂ€tigung, Festigung und Entwicklung unseres Organisationsansatzes, viele neue Freund*innen und Genoss*innen, die unsere Leben bereichern. Und vor allem bleibt die ungebrochene Hoffnung und Motivation auf den Aufbau einer Organisation, welche uns die Möglichkeit bietet die großen Aufgaben die vor uns liegen zu meistern.

Was kommt 2020?
Eine dritte anarchistische Föderation im deutschsprachigen Raum; ein Ausbau der anarchistischen Infrastruktur und Handlungsmöglichkeiten; sowie eine neue Dynamik der anarchistischen Bewegung in den sozialen KĂ€mpfen. Auch 2020 werden wir nicht die soziale Revolution erreichen. Aber auch wenn die Zeit langsam eng zu werden scheint mit allem, was da so an dunklen Wolken ĂŒber uns sich zusammen zieht, werden wir doch am Ende des kommenden Jahres mit einer Organisation des Kampfes dastehen, die ihren Namen verdient und welche die Perspektive in sich trĂ€gt eine echte verbĂŒndete Kraft innerhalb der lohnabhĂ€ngigen Klasse zu sein.

Also dann – das hier ist nicht das Ende der Geschichte – die Ärmel hochgekrempelt und angepackt! Voran zur sozialen Revolution!




Quelle: Anarkismo.net