MĂ€rz 17, 2021
Von Indymedia
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  • Die R. Bucht ist eine Spreebucht in Berlin mit den angrenzenden heutigen Berliner Bezirken Kreuzberg/Friedrichshain und Lichtenberg.

Zu DDR Zeiten war hier viel Industrie angesiedelt und dadurch ist der R. See belastet. Nach der Wende also ab 1992 erlangte das Gebiet an BerĂŒhmtheit durch seine leerstehenden Fabriken und Lagerhallen, wo illegale Partys stattfanden und wo schon mittels BĂŒrgerbeteiligung am Bebauungsplan R. Bucht gearbeitet wurde. Von da an begannen die ersten Proteste seitens der damaligen GrĂŒnen die in der BVV saßen und zusammen mit dem NABU gegen die Bebauung protestierten, wegen der Artenvielfalt, diese sollte erhalten bleiben.

Sowohl auf der sĂŒdlichen als auch auf der nördlichen Seite soll auf der ehemaligen Industriebrache ein neues Wohnviertel errichtet werden die sogenannte „Wasserstadt“. Die umfassende Kontamination des Sees wurde Ende der 1990 Jahre teils beseitigt, der See wird mit Hilfe einer verlegten Pipeline beatmet, um die Bucht attraktiver und moderner fĂŒr Immobilienunternehemen, Vermieter*innen, Aufwerter*innen und VerdrĂ€nger*innen zu machen und somit wurden hier vorwiegend private Investoren u.a. der vielgehasste Padovicz angesiedelt der verpflichtet wurde sozialgebundene Wohnungen zu bauen, wobei die VertrĂ€ge dazu jetzt auslaufen und Padovicz die HĂ€user (es handelt sich um die roten BacksteinhĂ€user am Anfang der Bucht)natĂŒrlich zum hohen Wert verkaufen will und die Mieter*innen werden das Nachsehen haben. Entlang des Ufers auf der Lichtenberger Seite bis hin zum ehemaligen Rundfunkhaus der DDR entstanden hochpreisige Luxuswohnungen, unteranderem wurden die ehemaligen KnabenhĂ€user wo frĂŒher 500 Waisenkinder zu Kaisers Zeiten bis sogar 1953 untergebracht waren von fucking Privatinvestoren 2004 zu Luxuswohnungen fĂŒr irgendwelche scheiß Superreiche die keiner in Berlin brauch, umgebaut und somit wurde der Zweck der HĂ€user missbraucht genauso wie die ehemaligen ArbeitshĂ€user und das GefĂ€ngnis.

  • Das Kapital entdecke die Bucht

Ab 2007 Begann dann nördlich der Bucht die Bauarbeiten zum Ausbau von Ostkreuz weitere Neubauten aus Beton und Glas fĂŒr superreiche Yuppies entstanden.

Auch hatte noch der frĂŒhere rot-schwarze Senat in seiner letzten Sitzung im Sommer 2016 den Verkauf der FlĂ€che an Investoren beschlossen – mit einem Preis von insgesamt 20 Millionen Euro deutlich unter Marktwert. Somit konnten noch mehr Neubauten aus Beton und Glas fĂŒr die scheiss Yuppies entstehen und die FlĂ€chen fĂŒr die Corol World wurden vom Senat freigemacht.

Auch auf der Westseite zwischen See und Bahntrasse Richtung Ostkreuz wird gebaut. Hier entsteht ein riesiges BĂŒrohaus „B-Hub“ 300m lang 50.000qm2 GesamtflĂ€che bis zu 11.Stockwerken hoch fĂŒr 24 Euro pro qm2 Monatsmiete, mit Restaurants, CafĂ©s, Einkaufsmöglichkeiten und einen Fitnessstudio sowie PKW und FahrradstellplĂ€tzen. Hier sollen bis zu 3000 Menschen arbeiten. Diesen neuen BĂŒroriegel braucht die Stadt als LĂ€rmschutz, um in Stralau noch mehr hochpreisige Wohnungen bauen zu können und der Verkauf von naturnahen ErholungsflĂ€chen wurde besiegelt.

Die EntwĂŒrfe stammen vom ArchitekturbĂŒro Barkow Leibinger. Die SGI steht fĂŒr Immobilien Entwicklung und Verwaltung GmbH und ist selbst Teil eines Konsortiums um Ekkehard Streletzki, zu dessen bekanntesten Immobilienpojekt das Estrel-Hotel in Neukölln zĂ€hlt.

Doch dann ab 2017/2018/2019 gab es wieder neue WiderstĂ€nde gegen die Bebauung der Rummelsburger Bucht. 2017 wurde die alte Teppichfabrik besetzt und im August 2017 wurde die alte Teppichfabrik von der Bullerei gerĂ€umt. Das GelĂ€nde gehört heute der Alt-Stralau 4 Projektgesellschaft mbH Rottendorf, diese möchte hier wer hĂ€tte es gedacht Luxuswohnungen und GewerbeflĂ€chen entstehen lassen.

Am westlichen Ufer der Rummelsburger Bucht lag das ehemalige Jugendfreizeitschiff “Freibeuter”. Es war lange ungenutzt, verwitterte vor sich hin, 2017 hat es neue Besitzer*innen gefunden, den Verein Spreewohnen e.V. Der Freibeuter war dann im Oktober 2018 besetzt worden, nachdem die vorherigen Nutzer*innen den vereinbarten Kaufpreis schuldig geblieben waren. Das Schiff wurde zu einem sozialen und kulturellen Zentrum, hier konnten die Obdachlosen vom Camp auf die Toilette gehen und bekamen heißen Tee. Doch der Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg wollte das Schiff wieder loswerden und am 15.Februar 2019 wurde der Freibeuter mit viel Polizei, SEK und Hubschraubern gerĂ€umt, es gab Demos und Proteste. Auch zog es immer mehr alternativlebende Menschen an die Bucht, sie lebten und leben auf Hausbooten bzw. besetzten die FreiflĂ€chen die z.T. noch dem Land gehörten und schufen somit neue FreirĂ€ume, die in Berlin immer weniger wurden. Es entstand das Obdachlosencamp und der SabotdGarden mit dem Baumhaus ÄtschibĂ€dsch auch hinter den HĂ€usern der Hauptstraße 1 gibt es eine kleine Wagenburg.

Im Mai 2019 besetzt DieselA eine neu gegrĂŒndete queer-feministische Wagenburg aus 10 Menschen eine BrachflĂ€che neben den HĂ€usern Hauptstraße 1 an der R. Bucht. Sie protestieren gegen InvestorenplĂ€ne und kritisieren, dass es immer weniger FreirĂ€ume fĂŒr alternative Wohnformen in Berlin gibt und solidarisierten sich mit anderen Projekten wie der Liebig 34, Potse und Drugstore, Syndikat und Meuterei. Die Besetzung richtet sich auch gegen den Bebauungsplan Rummelsburger Bucht, welcher letztendlich von der BVV Lichtenberg im April 2019 unter massiven Protest durchgepeitscht wurde. Die Ini „Bucht fĂŒr Alle“ grĂŒndete sich und arbeitet eng mit den Besetzer*innen zusammen. Sie organisierten viele Demos, veranstalteten auf dem Widerstrand Protestaktionen, es gab eine Einweihungsparty, hier konnten sich Menschen austauschen und vernetzen, um Aktionen zu planen. Es wurden 47.000 Unterschriften gegen die Bebauung und gegen die Corol World gesammelt. Seitens der Ini „Bucht fĂŒr Alle“ gab es einen alternativen Bebauungsplan, welchen sie dem Bezirk unterbreiteten. Sie forderten einen Schul-und Kitaneubau, mehr bezahlbare Wohnungen und GemeinschaftsflĂ€chen und den Stopp des Verkaufs der letzten landeseigenen GrundstĂŒcke. Die Stadtplanung laufe den Geldströmen und Kapitalinteressen hinterher so die Kritik. 2017 wurde diese FlĂ€che vom Land Berlin an die Investa GmbH verkauft, die VertrĂ€ge wurden aber erst rechtskrĂ€ftig als der Bebauungsplan nach vielen Verzögerungen beschlossen wurde, also erst 2019. Nach dem der Verkauf vollzogen war, ließ die Investa GmbH die FlĂ€che mit viel Polizeiaufgebot und unter Protesten im Juli 2019 rĂ€umen und das GelĂ€nde wurde eingezĂ€unt und ĂŒberwacht. Der Investa GmbH gehört das GrundstĂŒck und diese arbeitet eng mit der Groth-Gruppe zusammen. Die Groth Gruppe mit Sitz in Berlin realisiert seit 1982 anspruchsvolle stĂ€dtebauliche Projekte. In Berlin und an weiteren Standorten bietet das Unternehmen von der Projektentwicklung bis zur Immobilienverwaltung sĂ€mtliche Leistungen rund um Immobilien an. In Berlin-Mitte realisierte die Groth Gruppe u.a. das Haus der Deutschen Wirtschaft fĂŒr den BDI, BDA und die DIHK. sowie die BundesgeschĂ€ftsstelle der CDU um nur einige Projekte zu nennen (ohne weiteren Kommentar)hier fließt das Geld der Immobilienlobby.

Jetzt soll auf der ehemaligen besetzten FlĂ€che der Wagenburg ein Wohnviertel mit 200 Wohnungen entstehen 60 davon sind Eigentumswohnungen und werden mit dem Wohnprojekt MY BAY individuell zum Kauf angeboten fĂŒr einen Preis von ca 500.000 Euro bis hin zu ĂŒber 1 Million Euro fĂŒr eine 3-Raum-Wohnung mit ca.96qm2 als Bsp.

Da stört natĂŒrlich das Obdachlosencamp was ĂŒber die Jahre gewachsen ist. Über 100 Menschen lebten in diesen Camp, welches nun in der Nacht vom 6.2.2021 mit Hilfe der SPD unter massiven Polizeiaufgebot und klirrender KĂ€lte gerĂ€umt wurde, angeblich um Menschen vor der KĂ€lte zu schĂŒtzen. Sie verloren ihr letztes Hab und Gut fĂŒr die neuen Reichen dieser Stadt. Schon 2020 hieß es, die Obdachlosen mĂŒssen weg, angeblich solle eine Notunterkunft in NĂ€he geschaffen werden, diese wurde nie geschaffen und wenn die Obdachlosen einmal weg sind, dĂŒrfen sie auch nicht mehr zurĂŒck. Sie konnten am nĂ€chsten Tag nicht einmal ihr Sachen holen, diese waren schon alle durch einen Bagger der GrundstĂŒckseigentĂŒmerin, eine Mitverantwortliche ist Gabriele Thöne, zerstört. Sie gehört zur Corol World GmbH. Gabriele Thöne war Anfang der 2000’er Jahre StaatssekretĂ€rin fĂŒr Finanzen unter Thilo Sarrazin. Heute ist sie Consultant und Projektleiterin fĂŒr Coral World Berlin – das Aquarium fĂŒr die Reichen. So verdient sie sich heute privat ein Vermögen an den Entscheidungen die sie vor Jahren politisch getroffen hat.  2020 wurden schon einmal Teile des Camps abgerissen und zerstört. Auch nach dieser RĂ€umung gab es noch am selben Abend bis in die Nacht hinein Demos und Proteste und am Freitag 13.2.2021 gab es eine lautstarke Demo die entlang der Hauptstraße 1 und der gentrifizierten Bucht ging.

Die nĂ€chsten welche von der Gentifiziertung betroffen sind, sind die Mieter*innen der Hauptstraße 1. Die zwei HĂ€user waren zu DDR Zeiten kommunal verwaltet. Nach der Wende ĂŒbernahm die landeseigene HOWOGE die HĂ€user bis 1994, dann wurde an die Stolte GmbH verkauft, welche 2010 die HĂ€user an Padovicz weiter verkaufte. Die HĂ€user der Hauptstraße werden nun seit Jahren schrittweise entmietet und von Padovicz herunter gewirtschaftet. Nun sollen sie abgerissen werden, um auch hier Luxuswohnung errichten zu können.

Der Kampf um die Bucht ist noch nicht zu Ende

Die letzten FreirĂ€ume werden vernichtet, um fĂŒr die Reichen von Morgen ein hippes Wohnviertel zu schaffen, mit Luxuswohnungen, Corol World mit riesigem Aquarium mit einem Invesitionsvolumen von 40 Milliarden Euro, Uferwege sollen nochmals asphaltiert werden und zur Flaniermeile werden. Ein 6.000 qm2 großer Park soll angelegt werden. Da ist kein Platz fĂŒr Obdachlose, Wagenburgen, Mieter*innen die ihre Wohnungen retten wollen, geschweige denn fĂŒr besetzte FreiflĂ€chen und BaumhĂ€user und bezahlbaren Wohnraum.

Wir brauchen aber Orte wie diese. in Zeiten einer fortschreitenden kapitalistischen Verwertung von Mensch und Wohnraum. Wohnen ist ein Menschenrecht. Unsere Kieze sind keine Ware und keine Profitmaximierungsmaschine fĂŒr Padoviczs, Investa Groth Streletzki Pears Globel, DW, Heimstaden, Akelius und andere Miethaie, die sich an uns erst durch ZwangsrĂ€umungen und anschließender Luxussanierung bereichern wollen. Schluss mit ĂŒbertriebener Gier und Profitmaximierung

Schluss mit dem Ausverkauf unserer Kieze, StĂ€dte und GemeingĂŒter, fĂŒr mehr Gemeinwohl und öffentliche Betriebe raus aus der Rendite-Jagd, Deutsche Wohnen und Co enteignen.

Wir brauchen Orte und PlĂ€tze und Wohnraum an denen Menschen solidarisch und kollektiv leben können unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft, ihrer gesellschaftlichen Klasse, ihrer finanziellen Mittel und ihres Aufenthaltsstatus, ohne Machtstrukturen und Privilegien und staatlichen Strukturen. Wir brauchen keine Ghettos fĂŒr Arme und Reiche, die Stadt ist fĂŒr Alle da.

Wir stellen uns der Aufwertung der Kieze entgegen und werden kein Platz fĂŒr Luxusbauten machen. FĂŒr eine Selbstverwaltung unserer Kieze und mehr FreirĂ€ume. Wir sind viele, wir sind laut und bunt und haben die Schnauze voll. Gegen die Stadt der Reichen und Schönen. Wir bleiben alle und kĂ€mpfen weiter 




Quelle: De.indymedia.org