September 29, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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Quelle: avtonom, ĂŒbersetzt von abc wien

Dieses Mal gibt es sowohl gute als auch schlechte Nachrichten, beginnen wir also mit den guten.

Maxim „Hadad“ Smolnikov aus der Untersuchungshaft entlassen

Maxim „Hadad“, ein Anarchist und StraßenkĂŒnstler aus Chabarowsk, wurde am 6. August aus der Untersuchungshaft in den Hausarrest entlassen, nachdem er fast 4 Monate im GefĂ€ngnis verbracht hatte. Ihm wird vorgeworfen, in einem Social-Media-Post vom November 2018 „den Terrorismus zu rechtfertigen“, nachdem der 17-jĂ€hrige Anarchist Mikhail Zhlobitsky einen Sprengstoffanschlag auf FSB-BĂŒros in Archangelsk verĂŒbt hatte. Die Staatsanwaltschaft legte gegen die Freilassung Berufung ein, aber das Berufungsgericht bestĂ€tigte Smolnikovs Freilassung am 22. September. Smolnikow hat noch keinen Gerichtstermin.

Weitere Informationen ĂŒber den Fall Smolnikov findet ihr hier.

Kansker Gefangene freigelassen – Gerichtstermin steht noch aus

Zwei Jugendliche aus Kansk, Denis Mikhaylenko und Bogdan Andreev, wurden am 17. August mit einigen EinschrĂ€nkungen aus der Haft entlassen. Bogdan hat mehr als ein Jahr unter Hausarrest verbracht, Denis im GefĂ€ngnis. Nikita Uvarov wurde am 5. Mai unter Auflagen freigelassen. Das Gerichtsverfahren gegen die drei wird am 9. November fortgesetzt, und leider haben die Verteidiger*innen, die von den Angehörigen beauftragt wurden, beschlossen, keine Neuigkeiten ĂŒber das Verfahren zu veröffentlichen.

Die UnterstĂŒtzungskampagne fĂŒr den Fall Kansk hat jetzt eine englische Website.

FrĂŒhere Berichte ĂŒber den Fall findet ihr hier.

Der Antifaschist Andrey Kazimirov wird dieses Jahr nicht nach Belarus abgeschoben

Andrey Kazimirov ist ein Antifaschist aus Brest, Belarus, der der Teilnahme an Ausschreitungen gegen „PrĂ€sident“ Lukaschenka beschuldigt wird. Er flĂŒchtete nach Russland, wurde aber festgenommen. Das Moskauer Gericht beschloss, ihn nach Belarus abzuschieben, aber der EuropĂ€ische Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte hat die Abschiebung bis zum 15. Januar 2022 ausgesetzt. Inzwischen befindet er sich im UntersuchungsgefĂ€ngnis, und etwas Post könnte ihn aufmuntern:

Andrei Sergeyevich Kazimirov, born in 1999.
SIZO-4 Medved, 127081, 4 Vilyuyskaya St., Moscow, Russia

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Der restlichen Nachrichten sind leider nicht so gut.

Anarchist*innen aus Tscheljabinsk zu Haftstrafen verurteilt

Am 10. September hat das Bezirksgericht in Tscheljabinsk Anastasia Safonova und Dmitry Tsibukovski zu 2 bzw. 2,5 Jahren GefĂ€ngnis wegen „Rowdytums“ verurteilt. Ihr Verbrechen: sie sollen im November 2018 ein Transparent mit der Aufschrift „Der FSB ist der Hauptterrorist“ in SolidaritĂ€t mit den anarchistischen Gefangenen im Fall Network an den Zaun des FSB-BĂŒros in Tscheljabinsk gehĂ€ngt haben. Sie wurden im April 2020 in Untersuchungshaft genommen und im Juli desselben Jahres freigelassen, und warten nun auf den Gerichtsprozess. Tsibulkovski gab unter Folter mit Elektroschocks zu, dass er das Banner aufgehĂ€ngt habe. Derzeit warten beide in einem UntersuchungsgefĂ€ngnis auf das Urteil des Berufungsgerichts. Ihr könnt ihnen also Post schicken, um sie aufzumuntern:

Anastasia Viktorovna Safonova, 1991 g.r.
SIZO-3 ul. Artilleriyskaya 66a
456205 g. Chelyabinsk Russia

Dmitry Aleksandrovich Tsibulkovski 1993 g.r.
SIZO-1 ul. Rossiyskaya 53A
453006 Chelyabinsk Russia

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KĂŒnstler Pavel Krisevich wartet im GefĂ€ngnis auf seinen Prozess

Pavel Krisevich ist ein Aktions-KĂŒnstler, der schon mehrfach aufgrund seiner Performances inhaftiert wurde, mit denen er sich gegen Repression und fĂŒr politische Gefangene in Russland einsetzt. Seine letzte Aktion war eine symbolische Selbstmordperformance am 11. Juni 2021 auf dem Roten Platz mit einer mit Platzpatronen geladenen Waffe. Krisevich gehört zwar nicht der anarchistischen Bewegung an, allerdings unterstĂŒtzt er unterdrĂŒckte Anarchist*innen – vor allem im Fall des Penza-St. Petersburg-Netzwerkes. Derzeit wird Krisevich in dem berĂŒchtigten Butyrka-GefĂ€ngnis in Moskau festgehalten. Es gibt kein Video von der Aktion am 11. Juni, aber einige Aufnahmen sind in diesem (nicht sehr sympathischen) Video zu sehen:

Videos von seinen frĂŒheren Aktionen gegen politische Repressionen sind hier und hier verfĂŒgbar.

Wenn ihr Krisevich schreiben wollt:

Pavel Olegovich Krisevich 2000 g.r.
FKU SIZO-2 UFSIN Rossii po g. Moskve
127055 Moskva ul. Novoslobodskaya d. 45
Moscow Russia

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Anarchist aus Wologda muss sich vor Gericht wegen Molotowcocktails verantworten

Der Anarchist Ruslam Gatamow aus Vologda ist angeklagt, im Oktober 2019 einen Molotowcocktail an die Wand des BĂŒros der regierenden Partei „Einiges Russland“ geworfen zu haben. Diese Aktion hat Gatamow zugegeben, wĂ€hrend er den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Mitglied der anarchistischen Organisation „Peoples Selfdefence“ zu sein, bestreitet. Zuvor war Gatamov angeklagt worden, wĂ€hrend der Umweltproteste in Shies in der Region Arkhangel gegen die Polizei gekĂ€mpft zu haben. Diese Anklage wurde allerdings vor Gericht fallen gelassen. Der gemeldete Schaden des Molotow-Angriffs belĂ€uft sich auf 653 Rubel und 23 Kopeken, d.h. 7,60 Euro (!!!)  und es wurde niemand verletzt. Der Prozess gegen Gatamov wird am 25. Oktober fortgesetzt, und die Staatsanwaltschaft fordert die Höchststrafe von 3 Jahren GefĂ€ngnis.

Mehr ĂŒber den Fall (auf Russisch).

Pussy Riot-Mitglied Maria Alyokhina zu 1 Jahr „eingeschrĂ€nkter Freiheit“ verurteilt

Maria Alyokhina, die 2012-2013 wegen der AktivitĂ€ten von Pussy Riot inhaftiert war, wurde im Rahmen des sogenannten „Sanitation Case“ zu einem Jahr Haft (eingeschrĂ€nkte Freiheit) verurteilt. Mehrere AnhĂ€nger*innen von Alexej Nawalny und andere bekannte Oppositionelle wurden wegen Verstoßes gegen die Sicherheitsvorschriften angeklagt, weil sie am 23. Januar zu Protesten gegen die Inhaftierung von Alexej Nawalny aufgerufen hatten.

EingeschrĂ€nkte Freiheit ist eine besondere russische Sanktion, die mit einigen sehr strengen BewĂ€hrungsauflagen in den Vereinigten Staaten vergleichbar ist. Aljochina darf an keinen öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen, ihre Bewegungsfreiheit wird eingeschrĂ€nkt und sie wird wahrscheinlich ein Jahr lang eine elektronische Fußfessel tragen mĂŒssen.

UnterstĂŒtzen Sie den von Donezker Separatisten inhaftierten Grigoriy Sinchenko

Grigoriy Sinchenko war an GuerillaaktivitĂ€ten gegen die von Russland unterstĂŒtzte Volksrepublik Donezk (DNR) beteiligt. Er schloss sich 2016 der Widerstandsgruppe im Untergrund an und wurde im Dezember desselben Jahres zum ersten Mal verhaftet. Er wurde von Separatist*innen schwer gefoltert und wĂ€re beinahe gestorben. Im Dezember 2017 wurde er im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit 74 anderen Gefangenen des separatistischen Regimes freigelassen. Er beschloss jedoch, den Widerstand nicht aufzugeben, und kehrte in die DNR zurĂŒck, um den Guerillakrieg gegen Russland und die Separatist*innen fortzusetzen. Fast ein Jahr lang gelang es Sinchenko, mit Ablenkungsmanövern wie Brandstiftungen und BombenanschlĂ€gen gegen das Regime vorzugehen. Die bekannteste Aktion war der Bombenanschlag auf die von den Separatist*innen kontrollierte Basisstation des Mobilfunkbetreibers Fenix. Nach dem Bombenanschlag wurde ein Video veröffentlicht, in dem die Folter in der Donezk-Republik verurteilt wird.

Soweit uns bekannt ist, hat Sinchenko nie einer anarchistischen Gruppe angehört oder an anarchistischen Veranstaltungen teilgenommen, aber da er ein KommuniquĂ© ĂŒber seine Aktion an die anarchistische Website „Anarchist fighter“ schickte, ist er zumindest ein Sympathisant der Anarchisten. Wir glauben, dass Sinchenko derzeit im UntersuchungsgefĂ€ngnis von Donezk inhaftiert ist, aber es ist unwahrscheinlich, dass er Post erhalten darf, da Donezker Separatist*innen nicht einmal offiziell zugeben, dass sie ihn inhaftiert haben.

Die Gefangenen des Netzwerks Viktor Filinkov und Yuli Boyarshinov sind in ihren GefÀngniskolonien angekommen

Nachdem das KĂ€nguru-Berufungsgericht [*Kangaroo Court: Begriff der Gerichte beschreibt, deren Gerichtsverfahren nur eine FormalitĂ€t darstellen, mit meist vorherbestimmten Urteilen gegen die Angeklagten] die Urteile gegen Filinkow und Bojarschinow unverĂ€ndert bestĂ€tigt hat, wurden sie zur Vollstreckung ihrer Strafen in GefĂ€ngniskolonien eingewiesen. Filinkov hat eine harte Zeit hinter sich, da die GefĂ€ngniskolonie offenbar versucht, seinen Geist zu brechen. Er kam Anfang August in seiner Kolonie an und verbrachte zunĂ€chst zwei Wochen unter strengen QuarantĂ€nebedingungen. Seitdem wurde er sieben Mal ins Loch geschickt und verbrachte nur drei Tage mit den restlichen Gefangenen. Davor verbrachte er 45 Tage im grausamen „etap“, der Gefangenenverlegung. Er hat keine Post erhalten und seine Mutter, die aus Kasachstan angereist war, um ihn zu besuchen, wurde ohne Besuchserlaubnis wieder zurĂŒckgeschickt, da ihr Sohn im Loch saß. Ihr könnt Victor Briefe zur Aufmunterung schicken:

Viktor Sergeevich Filinkov, 1994 g.r.
IK-1 Krymskiy per. 119
460026 g. Orenburg, Russia

Yuli Boyarshinov wurde ebenfalls zur Vollstreckung seiner Strafe in eine GefÀngniskolonie in der Republik Karelien gebracht, und ihr könnt ihm schreiben:

Yuli Nikolaevich Boyarshinov, 1991 g.r.
FKU IK-7 UFSIN Rossii po Respublike Kareliya
g. Segezha, ul. Leybugskaya
186420 Respublika Kareliya Russia

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Mehr ĂŒber den Fall Network findet ihr hier:

Azat Miftakhov wird in eine GefÀngniskolonie verlegt

Der anarchistische Mathematiker Azat Miftakhov wurde zu sechs Jahren GefĂ€ngnis verurteilt, da er wĂ€hrend einer Demonstration fĂŒr politische Gefangene ein Fenster der regierenden Partei Einiges Russland eingeschlagen haben soll. Er wurde in das Gefangenenlager in der Stadt Mutninsk verlegt. Das Lager Omutninsk ist ein berĂŒchtigtes „rotes“ GefĂ€ngnis, das nicht von GefĂ€ngniswĂ€rtern, sondern von HĂ€ftlingsfunktionĂ€ren („Rote“, „Ziegen“) geleitet wird. Dort sind SchlĂ€ge gegen Gefangene an der Tagesordnung. Nach der QuarantĂ€ne wurde Azat zu schwerer körperlicher Arbeit eingeteilt, aber er hat Post erhalten.

Bitte schickt ihm Briefe zur UnterstĂŒtzung:

Miftakhov Azat Fanisovich, 1993 g.r.
g. Omutninsk, ul. Trudovyh rezervov 125
612740 Kirovskaya Oblast Russia

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Wenn ihr Kontakte zu wissenschaftlichen Abteilungen oder mathematischen Vereinigungen habt, leitet diese Petition bitte an sie weiter. Auf der Website findet ihr weitere Informationen ĂŒber seinen Fall.

UnterstĂŒtzt weiterhin Gefangene in Russland

Die Kontaktadressen aller von uns unterstĂŒtzten Gefangenen in Russland findet ihr hier und eine Anleitung zum Spenden hier.

Wenn ihr fĂŒr einen bestimmten Gefangenen oder Fall spenden möchtet, nehmt bitte vorher Kontakt mit uns auf, um sicherzustellen, dass die UnterstĂŒtzer*innen des Gefangenen oder Falles gerade Spenden sammeln.

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Quelle: Abc-wien.net