November 26, 2021
Von InfoRiot
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Der Historiker Stefan Hördler betonte am Freitag im Prozess gegen den EX-KZ-Wachmann Josef S., auf den Listen des SS-Totenkopf-Wachbataillons tauche Josef S. als Name nur einmal auf. Der 101-jÀhrige Josef S. soll laut Anklage zwischen Oktober 1941 und Februar 1945 im KZ Sachsenhausen als Wachmann gearbeitet haben. Der Hochbetagte ist nur wenige Stunden am Tag verhandlungsfÀhig. (AZ: 11 Ks 4/21)

Mit Blick auf die IdentitĂ€t des in Litauen geborenen Angeklagten schloss der SachverstĂ€ndige auch mögliche Fehler durch phonetische NamensĂŒbertragungen aus dem Litauischen ins Deutsche aus. Nach Abgleich aller Akten gehe er davon aus, dass es sich bei dem Angeklagten um den in den Akten verzeichneten SS-Wachmann handelt. Ein dem Namen Josef S. zugeordnetes Geburtsdatum in einer SS-Akte, 16.1.1920 anstatt 16.11.1920, sei ein Schreibfehler. Unter anderem legte der Experte fĂŒr das KZ-System der Nazis dem Gericht Truppenstammrollen aus den Jahren 1941 und 1943 als Belege vor.

Josef S. bestritt TĂ€tigkeit erneut

Josef S. bestritt auf Nachfrage erneut, als Wachmann im KZ-Sachsenhausen im Einsatz gewesen zu sein. Auf die neuerliche Frage des Vorsitzenden Richters Udo Lechtermann, wo er zwischen 1941 und 1945 denn dann gewesen sei, kĂŒndigte Verteidiger Stefan Waterkamp eine ErklĂ€rung des Angeklagten fĂŒr den nĂ€chsten Verhandlungstag am kommenden Donnerstag an. Diese sei in Arbeit und mĂŒsse von Josef S. aber noch genehmigt werden.

Um der Verhandlung besser zu folgen, trÀgt der Angeklagte einen Kopfhörer. Das Gericht tagt coronabedingt in einer Turnhalle. Zudem kann Josef S. auf einem Bildschirm Beweismaterial, unter anderem die von dem Historiker vorgelegten Akten, einsehen.

Zur KlĂ€rung des Aufenthaltsortes von Josef S. zwischen 1941 und 1945 machte ein Vertreter der insgesamt 16 NebenklĂ€ger am Freitag die „Beweisanregung“, die Tochter des Angeklagten anzuhören. Außerdem muss das Gericht ĂŒber einen weiteren Antrag auf Zulassung einer Nebenklage entscheiden. In dem seit Anfang Oktober laufenden Verfahren sind Überlebende des KZ Sachsenhausen und Nachkommen ehemaliger HĂ€ftlinge als NebenklĂ€ger beteiligt, darunter aus Israel, Peru, Polen, den Niederlanden und Frankreich.

Beihilfe zu heimtĂŒckischen Mord

In der Befragung zu seinem Lebenslauf hatte sich der Angeklagte zu Beginn des Verfahrens zwar zu Kindheit und Armeezeit in Litauen, Kriegsgefangenschaft und DDR-Zeit geĂ€ußert, jedoch nicht zu den VorwĂŒrfen der Staatsanwaltschaft.

Josef S. muss sich laut Anklage wegen Beihilfe zum grausamen und heimtĂŒckischen Mord in 3.518 FĂ€llen verantworten. Die TĂ€tigkeit von S. ist demnach auf verschiedenen Unterlagen aus der Zeit vermerkt, auch die Beförderung zum SS-RottenfĂŒhrer.

In dem Verfahren geht es um die Erschießung sowjetischer Kriegsgefangener, die Ermordung von HĂ€ftlingen durch Giftgas und um die Tötung von HĂ€ftlingen durch die Schaffung und Aufrechterhaltung von lebensfeindlichen Bedingungen.

Von RND/dpa




Quelle: Inforiot.de