Dezember 5, 2021
Von Indymedia
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Scheiß-Antifa! Wir sind das Volk! Gegen jeden Antisemitismus? HÄH?

ZunĂ€chst unangemeldet trafen sich am heutigen Samstag mehrere hundert Menschen zu einem „Protestspaziergang“ gegen die Coronamaßnahmen und zogen vom Rathaus, wo sie zunĂ€chst Kerzen entzĂŒndeten, lautstark durch die Stadt. Weitgehend ohne Masken und ohne AbstĂ€nde. Die Polizei stoppte den Zug erstmals am SĂŒdermarkt und sodann erneut in der Angelburger Straße und Marko Wölbing von der Partei die Basis meldete den Spuk schließlich an. Den eigentlich anvisierten Weg bis zur Hansen Brauerei konnte die Demo dann jedoch nicht gehen, weil es mehrfach zu Blockaden antifaschististischer Gruppen auf Höhe vom ZOB kam.

Wer? Was? WofĂŒr? Wogegen? Als die Blockierenden „Gegen jeden Antisemitismus“ skandierten, stimmte die erste Reihe der Anti-Maßnahmen-Demo mit ein. Bereits bei vergangenen Demos haben wir das beobachtet: Nach außen soll die Fassade gewahrt werden, rechte Tendenzen seien unerwĂŒnscht, doch glaubwĂŒrdig ist diese Distanzierung nicht.

So war es der Anmelder der heutigen Demo selbst, der mit explizitem Bezug auf den Widerstand der weißen Rose, anlĂ€sslich einer Hausdurchsuchung bei einem Querdenken nahestehenden Anwalt weiße Rosen vor dem Flensburger Amtsgericht niederlegte. Eine respektlose Verharmlosung der NS-Verbrechen. Auch mit ReichsbĂŒrgern auf Demos die er in anderen StĂ€dten besucht hat oder AfD-FunktionĂ€ren auf den Demos von Flensburg-fĂŒr-Grundrechte scheint Wölbing keine Probleme zu haben. Und auch Siber, ebenfalls von der Basis, lief in den ersten Reihen der Demo. Er bewirbt regelmĂ€ĂŸig rechtsoffene bis offen rechte KanĂ€le. Mehr zu den beiden findet sich hier.

Und auch heute auf der Demo wurden SprĂŒche gerufen wie „Antifa – SA – SS“, „Deutschland den Deutschen“ und „Wir sind das Volk“. Auch „AuslĂ€nder raus“ war zu hören und es wurde die deutsche Nationalhymne angestimmt. Die Gegenproteste wurden als Nazis, Faschisten, geistig eingeschrĂ€nkt oder wahlweise Scheiß-Schwuchteln bezeichnet. Genug GrĂŒnde, mit solchen Leuten nicht Seite an Seite zu demonstrieren. Wir werden sehen, ob es bei der nĂ€chsten geplanten Demo am kommenden Samstag zu Ă€hnlichen Szenen kommt.

Im Gegensatz zur (zwar beĂ€ngstigend großen aber doch vergleichsweise ruhigen) Demo mit Wodarg im Wahlkampf am Hafen, erinnerte der heutige Marsch in seiner Verbal-RadikalitĂ€t und im Auftreten eher an die Pegida-Proteste. VerstĂ€ndnis fĂŒr Ă€ngstliche Menschen ist dann fehl am Platz, wenn sie gemeinsam mit offenkundigen Rechten auf die Straße gehen.

Die RedebeitrĂ€ge der Gegenproteste wurden zum Teil zu ĂŒbertönen versucht, so dass viele der Anti-Maßnahmen-Protestierenden vermutlich nichtmal mitbekamen, dass sich auch der Gegenprotest explizit fĂŒr das Impfen aber gegen eine Impfpflicht aussprach.

Wir dokumentieren hier den Redebeitrag der Gegendemo:

Die Welt ist nicht schwarz-weiß

RĂŒckblende: Ende MĂ€rz 2020 standen wir auf dem SĂŒdermarkt. Unter dem Motto „Freiheit stirbt mit Sicherheit“ haben wir uns dafĂŒr stark gemacht, dass die Versammlungsfreiheit auch zu Pandemiezeiten gelten muss.

Wenig spÀter habt ihr uns verwundert gefragt, warum wir dann gegen euch demonstriert haben. Die Antwort lautete damals wie heute: Eure Strukturen sind rechtsoffen, ihr toleriert rassistisches Gedankengut in euren Reihen, in euren Kreisen ist Antisemitismus weit verbreitet. Ihr habt es zunÀchst geleugnet und uns gefragt, wo die Nazis seien. Bis wir sie euch gezeigt haben, weil ihr euch das Auto eines Rassisten ausgeliehen hattet als Lautsprecherwagen und AfD-FunktionÀre auf euren Demos waren.

Ihr seid umgeschwenkt. OberflĂ€chlich habt ihr euch distanziert von rechtem Gedankengut, um dann aber sofort zu betonen, Seite an Seite mit ReichsbĂŒrgern und Reichsflaggen unter FĂŒhrung eines ReichsbĂŒrgers zu demonstrieren sei vollkommen in Ordnung. Euer Spitzenkandidat zur Bundestagswahl bewirbt rechte Verlage, rechtspopulistische Medien und sogar rechtsextreme Portale.

Nicht allen auf euren Demos war das egal. Einige sind deswegen nicht mehr zu euren Kundgebungen gekommen. Die, die blieben bestĂ€rkten sich immer weiter gegenseitig darin, dass alle anderen sich irren. Dass wer so nett aussieht wie der Herr Siber doch nun wahrlich kein rechtes Gedankengut verbreiten könne, immerhin hat er doch auch so nette Kinder. Wir wurden mehr und mehr zur ProjektionsflĂ€che. Antifanten, vermeintlich von Merkel bezahlt, ferngesteuert. Wir begriffen, dass ihr das wirklich glaubt. Wir begannen zu verstehen, wie schnell und wie weitreichend RealitĂ€tsverlust vor sich gehen kann, wenn Menschen sich nur noch in ihren Filterblasen bewegen. Wir veröffentlichten Kritiktexte und ihr habt aufgeschrien, es sei Verleumdung und alles LĂŒge. Aber Behauptungen werden nicht dadurch widerlegt, dass ihr laut schreit und uns beleidigt.

Einige von euch haben versucht juristisch gegen uns vorzugehen, Ihr wolltet uns verbieten online darĂŒber zu berichten, wer bei euch mitmischt und auch Fotos von euch sollten wir löschen. Offenbar hatten wir mit unserer Berichterstattung eine Wunde getroffen. Eure juristischen Angriffe scheiterten.

Eine wirre These nach der nĂ€chsten habt ihr verbreitet, ungeachtet logischer WidersprĂŒche. Immer neue Prognosen ĂŒber die vermeintliche Nichtexistenz oder jedenfalls Harmlosigkeit von Corona, Schauergeschichten ĂŒber Masken und dann Horrorstorys ĂŒber die Impfungen ĂŒberfluteten uns v.a. auf telegram. Sogar die Tests seien angeblich gefĂ€hrlich. Wir haben begriffen, dass ihr das wirklich glaubt und so zu RattenfĂ€ngern wurdet fĂŒr Ă€ngstliche Menschen, denen ihr eine Zuflucht geboten habt in den tiefsten Wirrungen eurer zwischen Herzchensmileys und Ken-Jebsen-Wahnsinn gefangenen Gedankenwelt. Wir können individuelle Wege nachzeichnen, die zu euch fĂŒhren, aber das Ă€ndert nichts an unserer Überzeugung:

Ihr verhaltet euch unsolidarisch und irrational. Wer dazu aufruft QR-Codes von Teststationen zu sabotieren und von Menschen die Tests durchfĂŒhren als Testnutten und ZuhĂ€lter spricht und sich in einem BĂŒrgerkrieg oder einer Diktatur wĂ€hnt, hat echt richtig viel nicht kapiert. Wer sich mit verfolgten jĂŒdischen Menschen gleichsetzt relativiert die Naziverbrechen.

Aber eure Politik abzulehnen bedeutet noch lange nicht, dass wir jetzt plötzlich BefĂŒrwortende autoritĂ€rer Maßnahmen werden.

Die allermeisten von uns sind geimpft, halten das fĂŒr sinnvoll und bereuen es nicht im geringsten. Ihr erwartet nun vermutlich also von uns, dass wir die Impfpflicht begrĂŒĂŸen. Aber da tĂ€uscht ihr euch. Nur weil wir Impfungen fĂŒr sinnvoll erachten, heißt das noch lange nicht, dass wir es sinnvoll finden, andere dazu zu zwingen. Auch euch nicht, obwohl wir euch politisch zutiefst verachten und fĂŒr hochgefĂ€hrlich halten.

Eine Gesellschaft, in der wir permanent Personenkontrollen erwarten können und mĂŒssen, lehnen wir grundsĂ€tzlich ab. Dass die Teilnahme an Veranstaltungen sowie die Möglichkeit den Nah- und Fernverkehr zu nutzen oder einzukaufen dadurch beispielsweise fĂŒr illegalisierte Menschen noch gefĂ€hrlicher bzw teilweise verunmöglicht wird und sie praktisch bei jeder Busfahrt mit der Einweisung in Abschiebehaft rechnen mĂŒssen, ist eine der widerlichen Folgen solcher law-and-order-Politik.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß.

PS: So rein aus Interesse: Werdet ihr euer MĂ€rchen, wir wĂŒrden von Merkel bezahlt jetzt anpassen auf Olaf Scholz? Jenen Brechmitteleinsatz befĂŒrwortenden, Polizeigewalt leugnenden law-and-order Politiker? Traut ihr in eurer Verblendung sogar dem zu, uns Antifanten fĂŒr Protest gegen euch zu bezahlen?




Quelle: De.indymedia.org