Mai 3, 2021
Von Indymedia
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[Wir haben “Frauen*” durch FLINTA* ersetzt, weil der Begriff “Frauen*” AusschlĂŒsse produziert. Um diese zu verringern benutzen wir nun FLINTA*.]

Im vergangenen Jahr sind mehrere erschreckende FĂ€lle von Übergriffen durch cis-MĂ€nner in und aus linken ZusammenhĂ€ngen in Berlin öffentlich geworden, die zeigen, wie tief patriarchales Verhalten verankert ist. Dass sie öffentlich wurden, liegt einzig und allein daran, dass wir feministische Strukturen haben, die das alles nicht mehr hinnehmen wollen!

Am ersten Aprilwochenende 2021 hat ein Typ eine Frau verprĂŒgelt, hart verprĂŒgelt, nur mit GlĂŒck ist sie aus der Situation heraus gekommen. Dieser Akt ist keine “bloße PrĂŒgelei” oder “Beziehungstat” gewesen, das Problem hat einen Namen, das Problem heißt Patriarchat. Cis-MĂ€nner wachsen so auf, dass sie denken, sie könnten ĂŒber FLINTA*s entscheiden und ihre Entscheidungen, sich beispielsweise zu trennen und den gemeinsamen Wohnort zu verlassen, nicht anerkennen. Neben all der Tragik, die ohnehin darin steckt, macht der Typ seit Jahren antifachistische Politik in Kreuzberg, sitzt in BĂŒndnissen und hĂ€lt sich fĂŒr einen Menschen mit antisexistischer und patriarchatskritischer Haltung. A.W. 361 hat FLINTA*verachtend gehandelt und widerspricht damit den AnsĂ€tzen eines solidarischen Miteinanders. Wir fordern daher alle auf, die mit ihm Politik machen, sich zu positionieren ergo zu distanzieren. Wir dulden keinen TĂ€terschutz, es gibt keine Ausrede fĂŒr das Geschehene! Wir wollen nicht wissen, wer den ersten Stein geworfen hat, wer wie betrunken war. In diesem System, in dem wir leben, gibt es ansozialisierte MachtgefĂ€lle und wenn sich cis-MĂ€nner solidarisch und antisexistisch nennen, dann mĂŒssen sie sich in all ihrem Tun und Handeln reflektieren und entgegen dem Gelernten verhalten.

Wir fordern auch seinen Wohnzusammenhang auf, sich ernsthaft Gedanken zu machen und mit dem Geschehenen auseinander zu setzen. Freundschaftliche Verbindungen hin oder her, SchuldeingestĂ€ndnisse hin oder her, Lippenbekenntnisse zur Besserung hin oder her. Auch das Umfeld trĂ€gt eine Mitverantwortung. “Ach, der ist eigentlich ganz nett” oder “die private (Liebes-) Beziehung geht uns nichts an”, das sind Ausreden. Es ist viel einfacher, das System zu kritisieren und “da draußen” gegen sexistische ZustĂ€nde zu kĂ€mpfen, anstatt direkt um sich herum zu sehen, was alles schief lĂ€uft und Leute anzusprechen und Scheißverhalten zu benennen. Auch das gibt (potentiell) Betroffenen das GefĂŒhl, nichts sagen zu dĂŒrfen. Wenn Gewalt im Privaten unsichtbar bleibt (oder weiterhin unsichtbar gemacht wird), werden wir es nie schaffen, die gefĂ€hrlichen Ist-ZustĂ€nde zu Ă€ndern. Nur eine klare rote Linie kann den Handlungsbedarf ersichtlich machen, ein RĂŒckzug ins beschĂŒtzte Schneckenhaus, Zuspruch von friends nach dem Motto: “wir wissen, dass du nicht so bist” verstĂ€rken Handlungsmuster und senden an alle (potentiell) Betroffenen die falschen Signale. Im vergangenen Jahr sind mehrere erschreckende Outings passiert. Und das liegt einzig und allein daran, dass wir feministische Strukturen haben, die das alles nicht mehr hinnehmen wollen! Wir können keine Politik mit Typen machen, vor denen wir Angst haben mĂŒssen, dass sie ihre gesellschaftlichen Positionen nutzen, um uns zu verprĂŒgeln, zu bedrĂ€ngen, psychisch zu manipulieren, mit KO-Tropfen gefĂŒgig zu machen und zu vergewaltigen!Was soll noch passieren? Wie sollen wir FLINTA*-Personen Typen noch vertrauen, wenn sogar die guten zuhauen? Wie sollen wir dann noch gemeinsam fĂŒr ein anderes System kĂ€mpfen?!

Körperliche Übergriffe stehen in einer Reihe gewaltvoller Kommunikation, die es zu unterbrechen gilt. Das wĂ€re gelebte SoldaritĂ€t!




Quelle: De.indymedia.org