August 27, 2021
Von FAU Koblenz
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Es ist wieder Internationale Woche der SolidaritÀt mit anarchistischen Gefangenen. Deshalb haben wir gestern im Garten Herlet Briefe und Postkarten an Gefangene in den Knast geschickt. Organisiert haben wir diese Schreibwerkstatt gemeinsam mit der Antirepressionsplattform Koblenz.

Ein Großteil unserer Arbeit in der Gewerkschaft bleibt von außen unsichtbar: Wir unterstĂŒtzen uns als LohnabhĂ€ngige gegenseitig in unseren alltĂ€glichen Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz und in anderen Lebensbereichen. Wir streiten mit Chef:innen, bilden uns weiter, tauschen uns aus, helfen uns gegenseitig im Alltag, wandern zusammen, spielen Schach und beteiligen uns auch immer wieder gemeinsam an den sozialen KĂ€mpfen in unserer Stadt.

Was uns dabei verbindet, ist der Kampf fĂŒr eine Gesellschaft, die sich nicht an Profitinteressen orientiert, sondern an den BedĂŒrfnissen der Menschen. Dieser Kampf verbindet uns auch mit Genoss:innen auf der ganzen Welt. Aber wĂ€hrend wir gestern einen angenehmen SpĂ€tnachmittag im Garten Herlet verbracht haben, sitzen andere fĂŒr ihren Einsatz hinter Gittern.

Darauf wollen wir immer wieder aufmerksam machen und uns solidarisch mit den Gefangenen zeigen. Mal symbolisch wie auf unserer Wanderung vor zwei Jahren. Mal praktisch wie letztes Jahr mit einer großen Tattoo-Aktion mit Geldspende ans Anarchist Black Cross Dresden. Neben dem eigentlichen Schreiben haben dieses jahr Genoss:innen im Vorfeld Postkarten mit wunderschönenen Motiven selbst gestaltet und hergestellt.


 

Abolitionismus

Wie auch bei unserer BLM-Spendenaktion letztes Jahr bereits angeklungen ist, sehen wir unser Justizsystem – inklusive GefĂ€ngnissen und Polizei – sehr kritisch. Es zeigt sich immer wieder, dass dessen Hauptaufgabe nicht die Sicherung eines friedlichen Zusammenlebens ist, wie so oft behauptet wird. Vielmehr dient es vor allem dazu, die Macht und Privilegien der herrschenden Klasse zu sichern.

Wir sollten uns vom viel zu guten Ruf dieser Justiz nicht blenden lassen, sondern einen Blick hinter die Fassade wagen. Und uns schon jetzt ĂŒberlegen, wie sich ein Zusammenleben ohne staatliche Repressionsorgane besser organisieren lĂ€sst. Eine gute EinstiegslektĂŒre ist der Sammelband Strafe und GefĂ€ngnis von Rehzi Mahlzahn.

Insbesondere Aktivist:innen, die sich fĂŒr einen gesellschaftlichen Wandel einsetzen, bekommen immer wieder „die volle HĂ€rte des Gesetzes“ zu spĂŒren. Obwohl angesichts der katastrophalen ZustĂ€nde auf der Welt ein radikaler Wandel der VerhĂ€ltnisse lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig ist. Deshalb sei hier nochmal auf die Antirepressionsplattform Koblenz hingewiesen, die eine Möglichkeit fĂŒr Aktivist:innen bietet, sich sich gegen staatliche Repression aufgrund ihrer Aktionen zu wehren.

Garten Herlet

Der Garten Herlet, in dem wir uns zur Schreibwerkstatt getroffen haben, ist ebenfalls sehr interessant. In Zeiten, in denen auch unsere StĂ€dte immer stĂ€rker Kapitalinteressen untergeordnet werden, ist dieser kleine Garten mitten in der Koblenzer Altstadt eine richtige Oase. Im sonst ziemlich dicht bebauten Koblenz hat es dieser Garten dank vieler UnterstĂŒtzer:innen geschafft, als frei zugĂ€nglicher Ort fĂŒr die Nachbarschaft zu ĂŒberleben.

Bis jetzt – denn der Garten Herlet ist akut bedroht. Im Rahmen des Baus einer neuen Hotelanlage auf zwei angrenzenden GrundstĂŒcken mit zugehöriger geplanter Tiefparkanlage unter dem Garten, soll auch ebendieser als Kranstellplatz dienen. Umso wichtiger, auch hier einmal zu sagen: Der Garten Herlet bleibt!




Quelle: Koblenz.fau.org