Februar 24, 2021
Von Antifra
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Leroy zum ers¬≠ten Mal bei Evas Fami¬≠lie: Screen¬≠shot im brau¬≠nen Heim

Leroy, die titel¬≠ge¬≠ben¬≠de Haupt¬≠fi¬≠gur des Films, ist 17 Jah¬≠re alt, schwarz, geb√ľr¬≠ti¬≠ger Deut¬≠scher und hat einen coo¬≠len Afro. Auf die wohl plat¬≠tes¬≠te Wei¬≠se (sie sto¬≠√üen ‚Äěaus Ver¬≠se¬≠hen‚Äú auf der Stra¬≠√üe zusam¬≠men) kommt er mit der h√ľb¬≠schen Eva zusam¬≠men. Das Pro¬≠blem: Evas Fami¬≠lie besteht aus den √ľbels¬≠ten Nazis, die nat√ľr¬≠lich nicht unbe¬≠dingt begeis¬≠tert von dem neu¬≠en Freund ihrer Schwes¬≠ter sind. Soviel zum Plot. Der Film von Regis¬≠seur Armin V√∂lckers, setzt bei der Figu¬≠ren¬≠ge¬≠stal¬≠tung vor allem auf Ste¬≠reo¬≠ty¬≠pen. Die f√ľnf Nazi-Br√ľ¬≠der von Eva sind selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich alle Nazi-Skins und h√§n¬≠gen an Nazi-Orten mit Nazi-Paro¬≠len an den W√§n¬≠den ab. Sie haben zwar kei¬≠nen Boxer¬≠hund (den hat nur ihr Nazi-Freund mit der Hit¬≠ler-Fri¬≠sur), aber immer¬≠hin zwei Wel¬≠len¬≠sit¬≠ti¬≠che, die auf Namen von Hit¬≠ler-Gene¬≠r√§¬≠len h√∂ren. Und der Nach¬≠na¬≠me der Fami¬≠lie ist selbst¬≠ver¬≠st√§nd¬≠lich Braun ‚Äď Eva Braun, klar ne? Schre¬≠ber¬≠gar¬≠ten, Ein¬≠fa¬≠mi¬≠li¬≠en¬≠haus usw. sind nat√ľr¬≠lich auch alle vorhanden.

√Ąhn¬≠lich ist es bei ande¬≠ren Cha¬≠rak¬≠te¬≠ren. Bei jeder neu auf¬≠tre¬≠ten¬≠den Per¬≠son ist nach weni¬≠gen Sekun¬≠den klar, was sie f√ľr eine Rol¬≠le in die¬≠sem Film zu spie¬≠len hat und was sie dar¬≠stel¬≠len soll. √úber die¬≠se und ande¬≠re Kli¬≠schees ver¬≠sucht sich der Film lus¬≠tig zu machen, das gelingt aller¬≠dings eher sel¬≠ten. Er hat zwar sei¬≠ne Momen¬≠te, in denen vor allem Leroy mit sei¬≠ner leicht bes¬≠ser¬≠wis¬≠se¬≠ri¬≠schen und intel¬≠lek¬≠tu¬≠el¬≠len Art einen wirk¬≠lich zum Lachen brin¬≠gen kann, aber selbst die¬≠se Poin¬≠ten und Wort¬≠ge¬≠fech¬≠te klin¬≠gen h√§u¬≠fig sehr h√∂l¬≠zern. Schau¬≠spie¬≠le¬≠risch √ľber¬≠zeugt in ers¬≠ter Linie Leroys bes¬≠ter Freund Dimi. Der hor¬≠mon¬≠ge¬≠steu¬≠er¬≠te Halb¬≠grie¬≠che, der sich als Grie¬≠che aus¬≠gibt, weil das bei den Frau¬≠en bes¬≠ser ankommt, haut zwar einen sexis¬≠ti¬≠schen Witz nach dem ande¬≠ren raus, aber das ist irgend¬≠wie okay, weil der Cha¬≠rak¬≠ter halt so ist und die Wit¬≠ze nutzt um das Kli¬≠schee hin¬≠ter sich bes¬≠ser dar¬≠stel¬≠len zu k√∂n¬≠nen. An ande¬≠rer Stel¬≠le ver¬≠zeiht man dem Film den Sexis¬≠mus aber nicht. Ein wie¬≠der¬≠keh¬≠ren¬≠der Witz ist z.B., dass Leroys Deutsch¬≠leh¬≠re¬≠rin der Klas¬≠se ihre Br√ľs¬≠te zeigt, damit die w√§h¬≠rend der Stun¬≠de ruhig ist und gut mit¬≠ar¬≠bei¬≠tet. Oder als Leroys Vater ihm in einem erns¬≠ten Vater-Sohn-Gespr√§ch erkl√§rt, dass ‚ÄěFrau¬≠en danach stre¬≠ben von M√§n¬≠nern ange¬≠nom¬≠men zu wer¬≠den‚Äú. An die¬≠sen Stel¬≠len bleibt aber das Gef√ľhl aus, dass es sich hier¬≠bei nur um einen vor¬≠ge¬≠f√ľhr¬≠ten Ste¬≠reo¬≠typ han¬≠delt. Ins¬≠ge¬≠samt gibt sich der Film gr√∂√ü¬≠te M√ľhe m√∂g¬≠lichst poli¬≠tisch unkor¬≠rekt zu sein, wirk¬≠lich lus¬≠tig ist er dabei aber nur sel¬≠ten, auch wenn es durch¬≠aus Momen¬≠te gibt, in denen der ange¬≠streb¬≠te ‚Äěschwar¬≠ze Humor‚Äú funktioniert.

Merk¬≠w√ľr¬≠dig ist auch die gro¬≠√üe Brei¬≠te an The¬≠men, die der Film ver¬≠sucht anzu¬≠tip¬≠pen. Klar, Haupt¬≠the¬≠ma ist Ras¬≠sis¬≠mus, √ľber den der Film sich ver¬≠sucht lus¬≠tig zu machen. Aber gleich¬≠zei¬≠tig streift er noch meh¬≠re¬≠re ande¬≠re hoch¬≠po¬≠li¬≠ti¬≠sche The¬≠men, auf die er dann aber ins¬≠ge¬≠samt gar nicht ein¬≠geht und nicht wei¬≠ter beleuch¬≠tet. Die Auf¬≠ar¬≠bei¬≠tung der Shoa in Deutsch¬≠land, Reli¬≠gi¬≠ons¬≠kon¬≠flik¬≠te und ‚ÄěLinks gegen Rechts‚Äú sind nur drei Bei¬≠spie¬≠le. Auch der Sound¬≠track ist sich nicht sicher, was genau er will: Teil¬≠wei¬≠se ist er wirk¬≠lich cool mit Anleh¬≠nung an Blax¬≠plo¬≠ita¬≠ti¬≠on-Fil¬≠me und Lie¬≠dern bekann¬≠ter (schwar¬≠zer) K√ľnstler*innen, manch¬≠mal ver¬≠sucht er die Zuschauer*innen aber auch gewollt in die pas¬≠sen¬≠den emo¬≠tio¬≠na¬≠len Schie¬≠nen zu dr√§ngen.

Ach genau, und das Ende, das hier nat√ľr¬≠lich nicht gespoi¬≠lert wer¬≠den darf, ist ein¬≠fach nur unan¬≠ge¬≠nehm. Mal davon abge¬≠se¬≠hen, dass es nicht zur Geschich¬≠te passt und unrea¬≠lis¬≠tisch daher¬≠kommt ‚ÄĒ das mag even¬≠tu¬≠ell so gedacht sein ‚ÄĒ wirkt es ein¬≠fach nur l√§cher¬≠lich, viel zu gewollt wit¬≠zig und f√ľhrt eher zu vor¬≠zei¬≠ti¬≠gem Abschal¬≠ten als zu Lachern.Dies alles soll nicht hei¬≠√üen, dass man dem erns¬≠ten The¬≠ma Ras¬≠sis¬≠mus nicht auch humor¬≠voll begeg¬≠nen kann. In die¬≠sem Film wird das The¬≠ma jedoch eher ver¬≠harm¬≠lost. Auf¬≠kl√§¬≠rung gegen Ras¬≠sis¬≠mus darf heu¬≠te und durf¬≠te es eigent¬≠lich auch schon vor 13 Jah¬≠ren, als der Film erschien, nicht mehr so aussehen.

Der Film wird im Rah¬≠men der Rei¬≠he ‚ÄěFilm ab gegen Rechts¬≠ex¬≠tre¬≠mis¬≠mus‚Äú im Febru¬≠ar im ZDF gezeigt und ist dann in der Media¬≠thek abruf¬≠bar. Im Lau¬≠fe des Febru¬≠ar zeigt die Nach¬≠wuchs¬≠re¬≠dak¬≠ti¬≠on Das klei¬≠ne Fern¬≠seh¬≠spiel vier Spielf¬≠i¬≠me wie¬≠der, ‚Äědie sich auf unter¬≠schied¬≠li¬≠che Art mit Rechts¬≠ex¬≠tre¬≠mis¬≠mus und Ras¬≠sis¬≠mus aus¬≠ein¬≠an¬≠der set¬≠zen‚Äú, hei√üt es in der Pres¬≠se¬≠info. Und: ‚ÄěDamit wol¬≠len wir auf die¬≠se sehr wich¬≠ti¬≠gen The¬≠men auf¬≠merk¬≠sam machen, die in die¬≠sen Zei¬≠ten nicht ver¬≠ges¬≠sen wer¬≠den d√ľrfen‚Äú.

Seit 7. Febru­ar 2021 kön­nen fol­gen­de Fil­me in der ZDF-Media­thek ange­schaut wer­den:
Wir sind jung. Wir sind stark., Spiel­film, Deutsch­land 2014
Leroy, Spiel­film, Deutsch­land 2007
Die Ari­er, Doku­men­tar­film, Deutschland/USA/Iran 2013
Krie¬≠ge¬≠rin, Spiel¬≠film, Deutsch¬≠land 2011




Quelle: Antifra.blog.rosalux.de