Februar 27, 2022
Von Die Plattform
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Die neue Phase des Krieges zwischen Russland und der Ukraine ruft in uns tiefe BestĂŒrzung und Wut hervor. Es ist eine neue Phase eines Krieges, der vor acht Jahren begann und schon tausende Menschen das Leben gekostet hat. Dass dieser Krieg nun neu entflammt und außerhalb des Donbass wĂŒtet, wĂ€re ohne die Beteiligung beziehungsweise Verwicklung der imperialistischen KrĂ€fte Russlands, der NATO und der EU kaum vorstellbar. Allerdings muss klar benannt werden, dass dieser Krieg in erster Linie ein russischer Krieg ist. Er ist Produkt des russischen Nationalismus und der aggressiven russischen Außenpolitik. Wie in den imperialistischen Kriegen zuvor werden angebliche KriegsgrĂŒnde erfunden, Einflusszonen geschaffen und die Lage medial sowie durch Waffenlieferungen auf allen Seiten angeheizt. Vollkommen egal ist den Herrschenden in diesem Zusammenhang die Lage der Bevölkerung. Denn fĂŒr diesen Krieg gilt wie fĂŒr jeden vor ihm, dass die lohnabhĂ€ngige Klasse auf allen Seiten der Verlierer sein wird.

Da dieser Umstand schon vor dem Krieg feststeht, ist es fĂŒr uns als klassenkĂ€mpferische Anarchist:innen keine Option fĂŒr eine der Kriegsparteien Position zu beziehen. Wir konnten wie die restliche Bevölkerung in den letzten Wochen die massive Kriegspropaganda aller Parteien beobachten. Dieses mediale Spiel, welches die Aufmerksamkeit auf die herrschende Klasse richtet und mit Nationalismus und Militarismus aufgeladen uns davon ablenken soll, welche Klasse die Last des Krieges trĂ€gt, wird uns in der Zukunft wahrscheinlich regelmĂ€ĂŸiger begegnen. Wir dĂŒrfen auf dieses Spiel nicht hereinfallen. WĂ€hrend es der NATO an anderer Stelle vollkommen egal ist, dass ihr VerbĂŒndeter TĂŒrkei einen brutalen Feldzug gegen Rojava fĂŒhrt, sind Russland die Autonomiebestrebungen der Donbass-Bevölkerung von 2014 herzlich egal. Es geht einzig um den Ausbau der eigenen imperialistischen Herrschaft.

Doch lassen wir es nicht zu, dass die lohnabhĂ€ngige Klasse und unsere Genoss:innen vergessen werden. Wir als Plattform hĂ€tten euch an dieser Stelle viel lieber ein Interview mit anarchistischen Genoss:innen aus der Ukraine vorgestellt. Dieses Vorhaben mĂŒssen wir nun leider auf unbestimmte Zeit verschieben. Wir sind in großer Sorge um ihre Gesundheit und das Überleben der anarchistischen Bewegung in der Ukraine. Dass die Lage fĂŒr unsere anarchistischen Genoss:innen sich weiterhin verschlimmert trotz der bereits prekĂ€ren Lage im Land mit der wahrscheinlich stĂ€rksten Naziszene Europas, ist ein schwerer Schlag. Uns bleibt nur ihnen und der gesamten lohnabhĂ€ngigen Klasse der Ukraine unsere SolidaritĂ€t auszusprechen. Sollten wir in den nĂ€chsten Tagen und Wochen von UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten erfahren, werden wir diese verbreiten.

Eine weitere Konsequenz aus den vergangenen Wochen ist, dass wir der anarchistischen, aber auch der gesamten linksradikalen Bewegung Europas bescheinigen mĂŒssen, dass wir nicht in der Lage sind auf diese Form von Konflikten zu reagieren. Wir sind zu schwach, zu unorganisiert und zu wenig vernetzt, um der imperialistischen Kriegspropaganda etwas entgegensetzen oder die lohnabhĂ€ngige Klasse vor Ort effektiv unterstĂŒtzen zu können. Ohne große Friedensbewegung, internationale SolidaritĂ€tsaktionen und die politische UnterstĂŒtzung der lohnabhĂ€ngigen Klasse in den beteiligten LĂ€ndern werden wir weiterhin auf die Konfliktlösungsstrategien der Herrschenden schauen mĂŒssen. Eine bittere Erkenntnis fĂŒr uns alle.

Das WettrĂŒsten in Osteuropa hat unterdessen lĂ€ngst begonnen. Viele osteuropĂ€ische Staaten haben angekĂŒndigt, ihre MilitĂ€rhaushalte drastisch zu erhöhen und fordern offensiv die Stationierung von NATO-Truppen auf ihrem Staatsgebiet. Diese Militarisierung bedeutet auch, dass die gesellschaftlichen Ressourcen zum MilitĂ€r hin umverteilt werden. Eine Entwicklung, welche die NATO seit vielen Jahren fordert. Modernste Waffensysteme haben ihren Preis und den soll die lohnabhĂ€ngige Klasse zahlen. Dass Russland in diesem SĂ€belrasseln dieselben Methoden anwenden wird, sollte spĂ€testens nach den jĂŒngsten Ereignissen offensichtlich sein. Wir werden schon bald erleben, wie mit nationalistischen Argumenten gesellschaftlicher Fortschritt bekĂ€mpft werden wird. Wenn die RĂŒstung lĂ€uft, werden Klimawandel und soziale KĂ€lte als Probleme ersetzt durch die Propaganda des Kampfes gegen einen gemeinsamen Ă€ußeren Feind.

Doch auch wenn die Lage erdrĂŒckend ist, sollten wir trotzdem dort, wo es geht, unsere Stimme gegen Krieg, Nationalismus, AufrĂŒstung und Imperialismus erheben. Beteiligt euch also an Mobilisierungen in euren StĂ€dten und zeigt: Unsere Antwort ist der Klassenkampf gegen die Herrschenden und den Imperialismus. Wir mĂŒssen der Kriegspropaganda etwas entgegensetzen und dĂŒrfen nicht auf die Ablenkungsmanöver der Herrschenden hereinfallen. Unsere SolidaritĂ€t gilt der lohnabhĂ€ngigen Klasse und insbesondere der anarchistischen Bewegung weltweit. Unser Klassenzusammenhalt kennt keine Grenzen und Uniformen. FĂŒr die anarchistische Organisierung gegen Krieg und Nationalismus!




Quelle: Dieplattform.org