November 14, 2020
Von Anarchist Black Cross Wien
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Quelle: barrikade.info

Zu den Prozessen wegen der BASEL NAZIFREI Kundgebung wurde schon viel gesagt. Ich selbst bin auch angeklagt und möchte in diesem Text einige persönliche Gedanken anfĂŒgen. Diesen Text sehe ich als Teil einer grösseren Auseinandersetzung ohne Anspruch auf eine abgeschlossene Position oder absolute Warheit.

Nach einer Hausdurchsuchung mit anschliessendem Verhör und DNA-Abnahme, wurde ich mit bĂŒrokratischen Aufgaben konfrontiert (Anwaltskosten, EinschĂ€tzungen, juristische Fragen). Diese Erfahrung mich noch mehrere Wochen emotional belastet. Ich war sehr oft angespannt und konnte mich wenig auf meinen Alltag und die Menschen um mich herrum einlassen. Diesen Zustand empfand ich als lĂ€hmend und einschĂŒchternd.

Dieses GefĂŒhl kann so einnehmend sein, das es uns davon abhĂ€lt bestehende KĂ€mpfe weiter zu fĂŒhren. Als das Ziel von Repression sehe ich genau diesen Effekt. NĂ€mlich dass KĂ€mpfe geschwĂ€cht werden und ins Stocken kommen. Aus diesem Grund finde ich es wichtig, den Repressionsfall zu analysieren und die eigenen KĂ€mpfe auf geschickte Art weiter zu entwickeln, ohne an QualitĂ€t der KonfliktualitĂ€t zu verlieren. Diesem Ideal in der Praxis gerecht zu werden, ist fĂŒr mich trotz aller Überzeugung eine Herausforderung.

In verschiedenen Kommentaren zu den BNF-Prozessen ist gesagt worden, dass wir an der Repression wachsen können. Genau so wichtig, wie weitere Menschen dazu zu ermutigen, gegen ihre UnterdrĂŒckung zu revoltieren, ist ein sorgsamer Umgang mit unseren bestehenden Freund*innenschaften und Kompliz*innenschaften. Bei dem Versuch, mehr zu werden, sollten wir auch darauf achten, nicht weniger zu werden. Die meisten Angeklagten erwartet eine Haftstrafe, welche auf mehrere Jahre BewĂ€hrung ausgesetzt wird. Diese Strafe bringt einen hohen psychischen Druck mit sich und darf nicht ignoriert werden. SolidaritĂ€t ist ein breites Kampffeld, in dem die Formen divers sind und auch nicht hierarchisiert werden mĂŒssen. Betroffene Komplitz*innen direkt zu unterstĂŒtzen sehe ich als genau so wichtig, wie bestehende KĂ€mpfe weiter auf die Strasse zu tragen. Die Repression macht mich einerseits betroffen und andererseits wĂŒtend. Ich finde es wichtig diese Wut zu kanalisieren und denen zurĂŒckzuschleudern, die sie verursachen.

Aber wie sollen offensive Praktiken stattfinden?
Der Gerrichtssaal ist kein frei gewĂ€hlter Ort, um revolutionĂ€re Ideen zu verteidigen. Die Mittel, die mir der Staat zur Verteidigung zur VerfĂŒgung stellt, sind bewusst beschrĂ€nkt und wie die geltenden Gesetze vom Staat selbst erschaffen. In dem Spiel um Gerechtigkeit und der Suche nach Schuld und Unschuld hat es keinen Platz fĂŒr meine anarchistischen Ideen. Was ein Verbrechen ist und was nicht, entscheidet der Staat und nicht ich. Wenn Antifaschismus in den Augen des Staats ein Verbrechen ist, dann bin ich in seinen Augen ein Verbrecher. Weiter erkenne ich die AutoritĂ€t einer Richter*in, als Subjekt welches ĂŒber mich zu richten versucht, nicht an. ErklĂ€rungen und Rechtfertigungen vor diesem Arschloch werde ich mir deshalb sparen. Ich möchte selber bestimmen, wann und wo ich anarchistiche Ideen verbreite. Die Möglichkeiten und Mittel dafĂŒr sind unendlich.

Als selbst denkendes und handelndes Individuum ist es mir wichtig, zu meinen eigenen Ideen, Worten und Taten zu stehen. Mir fĂ€llt es schwer, VerstĂ€ndnis aufzubringen fĂŒr jene, welche sich auf Ausreden und Entschuldigungen einlassen. Ich verurteile es nicht grundsĂ€tzlich, weil ich weiss, dass staatliche Repression Angst macht und in Irrwege leitet. So ist zu beachten, dass Entschuldigungen und EingestĂ€ndnisse nicht aus freiem Willen passieren, sondern erpresst werden. Es ĂŒberrascht mich jedoch nicht, dass der Staat antwortet, wenn von Revolution, aufstĂ€ndischen Praktiken und Konfliktbereitschaft die Rede ist.

FĂŒr mich ist klar das der Umfang des Repressionsschlags fĂŒr viele ĂŒberraschend ist. Doch möchte ich mich nicht vom juristischen Begriff der “VerhĂ€ltnismĂ€ssigkeit” aufhalten lassen. Vielmehr halte ich mir vor Augen, wie viele dem revolutionĂ€ren, antifaschistischen Aufruf zum Messeplatz gefolgt sind. WĂ€hrend die Parteien Kilometer weit weg von den Nazis zu ihrem “Alphornblasen gegen Rechts” eingeladen haben, sind mehrere Tausend Individuen zum Messeplatz gekommen, haben sich unabhĂ€ngig von einander abgesprochen und zu kleinen Bezugsgruppen zusammengeschlossen. So wurde sich den Pnos auf unterschiedlichste Weise in den Weg gestellt. Nazis wurden abgefangen und verprĂŒgelt, Transpis wurden gemalt, Bullen wurden mit Steinen beworfen und Reden vorbereitet. Dadurch haben alle anwesenden auf selbstbestimmte Art den Tag mitgestalltet. Egal ob friedlich oder militant, verschiedene Aktionsformen konnten parallel zueinander stattfinden. Die Spaltung kam erst durch die Repression.

Mut und Kraft den weiteren Angeklagten von Basel Nazifrei
GrĂŒsse auch an die 3 Anarchist*innen in Hamburg
Gegen jede AutoritÀt
Freiheit fĂŒr alle

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Quelle: Abc-wien.net