Oktober 17, 2020
Von Anarchistische Bibliothek
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Verschw√∂rungstheorien. Sie sind in aller Munde und √ľberall im Netz. Rechte reproduzieren sie. Medien informieren √ľber sie. Linke warnen vor ihnen. Faktenchecks √ľberpr√ľfen sie. Und wir?

Um diesem komplexen Ph√§nomen n√§herzukommen, brauchen wir erstmal eine solide Definition. Danach k√∂nnen wir uns ihre Auswirkungen und die sich f√ľr unseren K√§mpfe ergebenden Konsequenzen ansehen.

Mick West, der Admin von Metabunk, einer Webseite die Verschw√∂rungstheorien widerlegt, schl√§gt die Unterscheidung in ‚ÄěVerschw√∂rungstheorien‚Äú und ‚Äěfalsche Verschw√∂rungstheorien‚Äú vor. Nachdem er betont, dass es sehr wohl auch echte Verschw√∂rungen gibt. Und dass eben diese falschen Verschw√∂rungstheorien das Problem sind. Mit Robin Ramsay kann man einwenden, dass viele dieser falschen Verschw√∂rungstheorien jedoch auf so irrwitzigen Behauptungen basieren, dass die Bezeichnung ‚ÄěTheorie‚Äú eigentlich nicht haltbar ist. Er schl√§gt trotzdem die Unterscheidung in ‚ÄěVerschw√∂rungstheorien‚Äú und ‚ÄěRechcherche von Verschw√∂rungen‚Äú vor. Erstere versteht er als Vereinfachung realer Ereignisse und Zusammenh√§nge, zweitere als ein Unter-die-Lupe-Nehmen komplexer Zusammenh√§nge und Ereignisse. Nachdem auch er betont, dass es sehr wohl echte Verschw√∂rungen gibt und dass deren Aufarbeitung sinnvoll ist. Mich √ľberzeugen beide Definitionsvorschl√§ge nicht. Sie bekommen beide das paranoide Moment nicht zu fassen, das bei manchen Verschw√∂rungstheorien mitschwingt. Schon besser finde ich den Definitionsvorschlag von Fabian Scheidler, der sich f√ľr eine Unterscheidung in ‚ÄěVerschw√∂rungstheorien‚Äú und ‚ÄěVerschw√∂rungsideologien‚Äú stark macht. Jedoch muss diese Unterscheidung in meinen Augen noch um eine dritte Kategorie erg√§nzt werden – die ‚ÄěVerschw√∂rungsdemagogen‚Äú.

Verschwörungstheorien

Auch Scheidler h√§lt fest, dass es schon immer Verschw√∂rungen gegeben hat, von der T√∂tung Cesars bis heute. Bei Verschw√∂rungstheorien handelt es sich, laut ihm, wie bei anderen Theorien auch um Hypothesen, also um Erkl√§rungsans√§tze. Mit der Besonderheit, dass angenommen wird, dass eine (kleine) Gruppe eine gewisse geheimgehaltene Absicht verfolgt – die ‚ÄěVerschw√∂rung‚Äú.

Verschw√∂rungstheorien k√∂nnen sehr plausibel sein, z.B. um nur zwei des letzten Jahrzehnts zu nennen: Die beiden NSU Uwes haben sich nicht selbst get√∂tet haben, sondern wurden umgebracht, was gezielt vom VS und anderen Beh√∂rden verschleiert wurde. Und: Julian Assage wurde als Vergewaltiger geframet, um ihn unsch√§dlich zu machen. Genauso k√∂nnen Verschw√∂rungstheorien g√§nzlich abwegig sein. Z.B. j√ľngst: Die Randalierer und Pl√ľnderer in den USA seien von geheimen M√§chten gezahlt oder angef√ľhrt (‚ÄěANTIFA‚Äú).

Wie bei jeder anderen Theorie auch k√∂nnen einem also plausible und abwegige unterkommen, genauso wie alle Graustufen dazwischen. Was, wie bei jeder anderen Theorie auch, hei√üt, dass es an der eigenen F√§higkeit kritisch zu denken liegt, zu pr√ľfen welche plausibel sind und welche haltlos. Damit muss vor allem die (Verschw√∂rungs-) Theorie zur√ľckgewiesen werden, dass alle Verschw√∂rungstheorien jenseitig sind und von dunklen M√§chten in die Welt gesetzt werden bzw. dass diese ausschlie√ülich eine Angelegenheit von Autorit√§ren/Faschisten, etc. w√§ren.

Verschwörungsideologien

Im Gegensatz dazu bilden Verschw√∂rungsideologien hermetisch geschlossene monokausale Glaubenssysteme, die sich gegen jedwede Kritik immunisieren. Die dazu f√ľhren, dass ihre Anh√§nger zumindest eine gewisse Zeit eisern an ihnen festhalten, auch wenn sie widerlegt werden. Um ihr Wesen besser zu verstehen, hilft ein Blick in ‚ÄěWhen Prophecies fail‚Äú. Darin behandelt Leon Festinger ein Ph√§nomen, das er als kognitive Dissonanz bezeichnet hat. Festinger hat in seiner Studie untersucht, wieso Sektenmitglieder an ihren Sekten festhalten, auch nach mehrmaligen nicht Eintreten ihrer Prophezeiungen. Er zeigt dabei, dass Sektenmitglieder so investiert sind in die Vorstellungswelt und oft auch alle Br√ľcken hinter sich abgebrochen haben, dass sie, wenn √ľberhaupt, erst nach mehrmaligen Realit√§tsschellen mit der Ideologie brechen k√∂nnen. Analog kann mit Mick West dieser Prozess, des Eintauchens in eine Verschw√∂rungsideologie, als going down the rabbit hole beschrieben werden. Einen Zustand wo schlie√ülich jede neue Information der Verschw√∂rungsideologie angepasst wird.

Unter den Verschw√∂rungsiedologien finden wir z.b. die Chemtrails oder Reptiloiden. Dass die Fotos von ‚ÄěChemtrailtanks‚Äú aus Testflugzeugen stammen und dass diese Tanks dazu da sind, um Gewicht zu simulieren – unm√∂glich. Genauso wie Videos von Politikern minuzi√∂s analysiert werden, um den Moment festzuhalten, wo ihre Echsenaugen durchblitzen.

Verschwörungsdemagogen

Doch wie kommen Verschw√∂rungstheorien und Verschw√∂rungsideologien eigentlich in die Welt? Ramsay argumentiert, dass es nur allzu verst√§ndlich ist, dass so viele Verschw√∂rungstheorien zirkulieren. Wenn man sich nur ansieht, wie viele gro√üe und kleine Verschw√∂rungen allein von den Sechzigern des letzten Jahrhunderts bis heute aufgeflogen sind – von der T√∂tung Kenedy‚Äės √ľber Watergate bis zu den vermeintlichen Massenvernichtungswaffen, f√ľr die es den Irak zu erobern galt. Sowie die dazugeh√∂rigen Vertuschungsversuche der Herrschenden.

Die Fragen, die deshalb eher gestellt werden m√ľssen:

Wieso zirkulieren so viele komplett abwegige Verschwörungstheorien? Und: Wie kippen diese in Verschwörungsideologien?

Auch wenn das sicher oft auch aus einer Eigendynamik heraus passiert, gilt das in anderen F√§llen nicht. So lassen sich unz√§hlige Beispiele von staatlichen Akteure finden, die als massive Schleudern von Fehlinformation, absurde Verschw√∂rungstheorien und Verschw√∂rungsideologien agieren. Ramsay zeichnet (neben COINTELPRO) das Beispiel nach, wie die US Airforce jahrelang den UFO-Kult in den USA gen√§hrt hat. Vermutetes Ziel des ganzes Man√∂vers d√ľrfte es gewesen sein, von Test mit geheimen Waffentechnologien abzulenken. Lieber ‚ÄěSpinner‚Äú erkl√§ren sich die Lichter √ľber Milit√§rbasen als UFOs, als das nach au√üen dringt, an was da wirklich geforscht wird.

Heute gibt es neben staatlichen Verschw√∂rungsschleudern auch zahlreiche nicht-staatliche Akteure, die als Schleudern f√ľr (absurde) Verschw√∂rungstheorien und Verschw√∂rungsideologien fungieren. Dabei sticht zum Beispiel Alex Jones mit seiner The Alex Jones Show und seine Online-Nachrichtenplattform InfoWars heraus. Er muss vor allem als faschistischer Unternehmer verstanden werden, der gut Kohle mit seinen Erg√ľssen verdient und neben seiner Radio-Show, die von gut 2 Millionen Menschen verfolgt wird, auch noch mit einer gro√üen Produktpallette (von Sportnahrung √ľber Potenzmittel) √ľber seine Webseite abstaubt.

Diese staatlichen und nicht-staatlichen Akteure m√ľssen als Verschw√∂rungsdemagogen verstanden werden. Ob sie dabei selbst an die von ihnen verbreiteten Thesen glauben oder nicht, ist irrelavant. Sie profitieren durch die Verbreitung von Verschw√∂rungstheorien und -Ideologien, sei dies politisch oder auch einfach nur finanziell.

Ihre Auswirkungen

Wenn wir von dieser Definition ausgehen, sind Verschw√∂rungstheorien an sich nicht das Problem. Oft kommen wir gar nicht um Verschw√∂rungstheorien herum, auch wenn wir sie in der Regel nicht als solche bezeichnen. Zum Beispiel wenn wir den Machiavellismus der Herrschenden und der Herrscharen ihrer Spin-Doctoren und Message-Controler analysieren. Wir haben nur in seltenen F√§llen Zugriff auf deren Mail- oder Chatverl√§ufe, interne Powerpoints, Strategiepapiere oder Videos, Tagesordnungspunkte oder Sitzungsprotokolle. Wenn wir also z.B. in Bezug auf Corona die Kommunikationsstrategie der Herrschenden analysieren und zu dem Schluss kommen, dass bewusst Angst gesch√ľrrt wird, dann war das strenggenommen solange eine Verschw√∂rungstheorie, bis das interne Papier des Inneminsteriums geleakt worden ist.

Im Gegensatz dazu sind Verschw√∂rungsideologien und Verschw√∂rungsdemagogen ein reales Problem, mit dem wir uns konfrontieren m√ľssen. Und das aus mehreren Gr√ľnden. Einmal wegen der individuellen Trag√∂dien. So berichtet Mick West von zerst√∂rten Beziehungen, sozialer Isolation, etc. Dann weil sie als Sammelbecken sowie Rekrutierungsbasis f√ľr autorit√§re und faschistische Bewegungen dienen, was sich unter anderem in den Manifesten faschistischer Amokl√§ufer der letzten Jahre niedergeschalgen hat.

Drittens weil sie herrschaftstabilisierend wirken. So stellen die Gef√§hrten der Revolte in der Mai-Ausgabe in ihrem Text ‚ÄěPest oder Cholera‚Äú diesbez√ľglich die These auf, dass absurde Verschw√∂rungstheorien und Verschw√∂rungideologien den Herrschenden insofern nutzen, da sie die eigentlichen Verschw√∂rungen verschleiern. Dem stimme ich zu.

Zum einen wegen dem Ph√§nomen das Robin Ramsay als ‚ÄěKontamination‚Äú bezeichnet. Worunter er den Prozess versteht, dass Themen, die von ‚ÄěVerschw√∂rungstheoretikern‚Äú (oder auch Fascho, etc.) aufgegriffen werden, zu hei√üen Kartoffeln werden, die dann niemand mehr anzufassen wagt. Entsprechend der Gleichung: Wird etwas als Verschw√∂rungstheorie bezeichent, bzw. thematisiert eine Verschw√∂rungstheorie oder ein (als) Verschw√∂rungstheoretiker(-Bezeichneter) X, kann/darf X nicht mehr thematisieren werden. Selbst wenn die Thematisierung von X schwerst relevant w√§re. Dies trifft laut Ramsay vor allem auf Akademiker und Linke zu. Ist X erstmal kontaminiert, also verunreinigt, ist X f√ľr sie tabu – nahezu unumst√∂√ülich. Akademiker, weil es ihrem professionelen Selbstmord gleichk√§me als Verschw√∂rungstheoretiker zu gelten, so Ramsay. Linke, so meine Interpretation, weil sie sich als Tr√§ger und Speerspitze eines progressiven und emanzipatorischen Projekts universeller Wahrheit sehen. Ist X einmal verunreinigt, k√∂nnen sie es schlicht aus ihrem moralischen Selbstverst√§ndnis heraus nicht mehr thematisieren. ‚ÄěDas ist jetzt aber schon problematisch, etc. pp.‚Äú

Was den Herrschenden wiederum sehr gelegen kommt, k√∂nnen sie so mitunter ohne gro√üen Aufwand Kritik neutralisieren, indem sie sie als ‚ÄěVerschw√∂rungstheorie‚Äú bezeichnen oder jene, die sie √§u√üern als ‚ÄěVerschw√∂rungstheortiker‚Äú. Bis oft wirklich nur noch jene √ľbrig bleiben, die in verschw√∂rungsideologischen Glaubenssystemen denken und krude Thesen verbreiten (neben vielleicht sogar auch ein paar sinnvollen Thesen). Das hat zur Folge, dass viele relevante Projekte und Vorst√∂√üe der Herrschenden oder wie sie sich daf√ľr organisieren selten ausf√ľhrlich recherchiert werden oder dass sie sogar verteidigt werden.

Ein Beispiel: Thematisiert man die Bilderberger-Konferenz, kann man sich von vielen Linken anh√∂ren, dass es diese nicht mal gibt. Alles nur Erfindung von Verschw√∂rungstheortikern. Dabei finden diese geheimenen Elitetreffen seit 1954 j√§hrlich statt. Ramsay zeigt auf, dass der erste Journalist, der zu den Bilderberger-Treffen recherchiert hat, ziemlich schnell seinen Job verloren hat, dass hinter diesen Treffen also mehr als nur eine gewisse Wirkmacht steckt. Es macht aber einen wesentlichen Unterschied, wie Ramsay anmerkt, ob man das Bilderberger-Treffen verschw√∂rungsiedologisch deutet. Ob man es zur Hauptinstanz einer New World Order hochstilisiert, zur Schaltzentrale wo alle F√§den zusammenlaufen. Oder ob man die Bilderberger-Konferenz analystisch einordnet. Als ein weiteres ‚ÄěPrivat‚Äú-Treffen, (neben dem WEF, neben der Trilateralen Komission, neben der Siko in M√ľnchen, neben der Atlantik-Br√ľcke, neben hunderten Lobbyingtreffen) wo die globale Elite und ihre Lakaien versuchen einen klasseninternen Konsens herzustellen, wie sie als Klasse agieren.

Was das f√ľr unsere K√§mpfe bedeutet

Was hei√üt das jetzt f√ľr unsere K√§mpfe? Sowohl analytisch als auch praktisch? Keine einfachen Fragen. Sehen wir uns das am Beispiel Corona an. Was klar ist, dass wir es uns nicht so einfach wie die meisten Linken machen d√ľrfen. Welche wirklich froh sein k√∂nnen, dass ‚ÄěVerschw√∂rungstheoretiker‚Äú, Nazis und andere Autorit√§tere gegen die Ma√ünahmen Stellung bezogen haben und auf die Anti-Ma√ünahmen-Demos gegangen sind. Sonst h√§tten die meisten Linken eh nicht gewusst, wie sie sich verhalten sollen. Jetzt k√∂nnen sie sich zumindest einreden, dass es die richtige Entscheidung war, dass sie #stayathome geblieben sind. Dass sich viele nicht nur den staatlichen Ma√ünahmen unterworfen haben, sondern sich auch noch zu deren Sprachrohr haben machen lassen.

Was sich dabei gezeigt hat: Nur weil Linke geifern X sei eine Verschw√∂rungstheorie, hei√üt das noch nicht viel. Zumal sie selbst absurde Verschw√∂rungstheorien reproduzieren, wenn diese ihrer Position dienlich sind. Das beste Beispiel dazu wurde von den Gef√§hrten vom Z√ľndlumpen herausgearbeitet: Dass Reproduzieren der Verschw√∂rungstheorie, dass jene, die im April und Mai weltweit Funkm√§sten angez√ľndet h√§tten, das getan haben, weil sie an die Verschw√∂rgunstheorie glauben, dass 5G Corona verursacht. Auch wenn es sich nicht ausschlie√üen l√§sst, dass manche dieser Taten durch Verschw√∂rungstheorien motiviert waren, gibt es f√ľr diese Behauptung (bez√ľglich dieser absurden Verschw√∂rungstheorie) im besten Fall eine Korrelation – das Auftreten dieser Theorie und das Auftreten der Brandstiftungen. Tats√§chliche Evidenz gibt es daf√ľr kaum, weil es bisher wenige Verhaftungen gibt und alle vorliegenden Bekennerschreiben dazu, sprechen eine andere Sprache.

Entsprechend hei√üt das, dass wir Verschw√∂rungstheorien √ľberpr√ľfen m√ľssen. Wir k√∂nnen sie nicht generell abtun, zumindest nicht in den F√§llen wenn sie f√ľr unser Handeln relevant sind, wie die ganzen Fragen um Corona und den Umgang damit. Wobei hier unterstrichen werden muss, dass die meisten Fragen um Corona und die Ma√ünahmen keine Verschw√∂rungstheorien sind. Jedoch sind die Fragen an sich ‚Äěkontaminiert‚Äú weil von ‚ÄěVerschw√∂rungstheoretikern‚Äú thematisiert und deshalb ist es ‚Äěschon schwierig‚Äú diese aufzugreifen und zu diskutieren.

So ein √úberpr√ľfen und Diskutieren von verschw√∂rerischen Erkl√§rungsans√§tzen macht vieles aufwendiger, h√§tte aber auch entschiedene Vorteile: Zum einen w√ľrde es eine Diskussions- und Recherchekultur st√§rken, die nicht von staatsnarrativ-konformen Riskovermeidern dominiert wird. In der es m√∂glich ist, kontroverse Positionen zu vertreten und zu verteidigen. Und wo es genauso m√∂glich w√§re, einzusehen, dass man einen Bl√∂dsinn vertreten hat, ohne endlos als (verschw√∂rerischer) Idiot stigmatisiert zu sein. Was nur dazu f√ľhrt, dass sich Leute isolieren und ihre Positionen nicht mehr offen vertreten. Was zum anderen die Folge h√§tte, dass wir Verschw√∂rungsideologien und Verschw√∂rungsdemagogen besser identifizieren k√∂nnten und auch zur√ľckdr√§ngen – nicht mit Halbwissen, sondern basierend auf fundierten Diskussionen.

Damit k√∂nnten wir uns auch besser gegen das Ph√§nomen der Kontamination wappen und Entwicklungen ohne Tabu-Scheuklappen analysieren. Wenn wir z.b. jetzt lesen, dass es sich bei jenen, die sich gegen die Lockdown-Ma√ünahmen positioniert haben, sowie jenen, die auf die Demos gegangen sind, ausschlie√ülich um Verschw√∂rungstheoretiker, Impfgegener, Nazis und anderen Autorit√§re gehandelt haben soll, dann m√ľssen wir fragen, ob das stimmt. Ist es tats√§chlich so einfach?

Genauso wie es zu diskutieren gilt, ob es so hat kommen m√ľssen oder ob es einen Moment gegeben hat, wo es interessant gewesen w√§re, auf diese Demos zu gehen. Mal abgesehen von dem Punkt, der vom Z√ľndlumpen aufgworfen wird, dass es sich hier oft um angemeldete Angelegenheiten gehandelt hat. Und ob sich, wenn man es von anfang an geschafft h√§tte, die autorit√§ren Elemente zu verdr√§ngen, daraus spannende M√∂glichkeiten h√§tten ergeben k√∂nnen. Oder eben auch nicht. Denn auch wenn der Zug diesbez√ľglich f√ľrs Erste abgefahren scheint, muss das f√ľr zuk√ľnftige Momente diskutiert werden. Schlie√ülich wissen wir nicht, ob nicht im Herbst die n√§chste Runde Lockdown ansteht. Dass dabei Demokraten und die ‚ÄěZivilgesellschaft‚Äú meist alle auf ihren Demos willkommen hei√üen, sollte auch niemanden √ľberraschen. Vor allem jene nicht, die Jahr ein Jahr aus mit ihnen Querfront machen, wenn es ihnen in den Kram passt. Etwas, das uns so oder so nicht interessiert.

Verwendete Texte:

Mick West (2018): Escaping the Rabbit Hole – How to debunk Conspriacy Theories, using Facts, Logic and Respect. New York: Skyshore Publishing.

Fabian Scheidler (2017): Chaos – Das neue Zeitalter der Revolutionen. Wien: Promedia Verlag.

Leon Festinger (2009): When Prophecies Fail. London: Pinter & Martin.

Robin Ramsay (2006): Conspiracy Theories. Herts: Pocket Essentials.

[1] Siehe Wolf Wetzel (2015): Der NSU-VS-KOM- PLEX – Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo h√∂rt der Staat auf? M√ľnster: Unrast Verlag 3. Auflage.

[2] Siehe dazu das Interview mit dem UNO-Sonderberichterstatter f√ľr Folter Nils Melzer, der den Fall-Assange ausf√ľhrlich untersucht hat: https://www.republik.ch/2020/01/31/nils-melzer-spricht-ueber-wikileaks-gruender-julian-assange

[3] Zum Beispiel muss Peter Gelderloos entschieden wiedersprochen werden, wenn er die generelle Behauptung aufstellt: ‚Äú… that conspiracy theories are a right-wing tool, even when they seem subversive” Siehe: https://roarmag.org/essays/counterinsurgency-dousing-the-flames-of-minneapolis/

[4] Zu finden unter: https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle-bekommen/ auch in √Ėsterreich wurde bekannt, dass die Kurz-Regierung bewusst die √Ąngste der Bev√∂lkerung mobilisert hat, was ein ‚ÄěKurz-Sprecher‚Äú nach dem Leak eines Sitzungsprotokolls als ‚ÄěGedankenaustausch‚Äú relativiert hat, siehe: https://www.der-standard.de/story/2000117131591/sitzungsprotokoll-der-taskforce-corona-ueber-zu-wenig-angst-in-der

[5] Z.B. die schwerst relevante Frage, wie gef√§hrlich Corona ist – sowohl was die Lethalit√§t als auch was die Infektionsraten angeht. Stimmen die anf√§nglichen Annahmen von einer CFR von 2-4% oder doch eher, wie verschiedene Feldstudien zeigen, eine CFR zwischen 0.2-0.4%? √úbertr√§gt es sich so leicht wie anf√§nglich angenommen oder doch gar nicht so leicht, wie z.b. die Heinsburg Protokolle zeigen? Ein ‚ÄěExpertenstreit‚Äú wurde hier nachdem das narrative Paradigma von den Herrschenden gesetzt war, ziemlich bald unterbunden und alle diffamiert, die zu anderen Ergebenissen gekommen sind. Die meisten Linken haben sich nicht einmal getraut, das zu thematisieren… Aber auch Anarchisten haben sich hier nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Den Vogel hat dabei eindeutig der Text ‚ÄěD√©n√©gation et radicalit√© : une hypoth√®se‚Äú abgescho√üen, der bei Non Fides ver√∂ffentlicht wurde. Darin wird tats√§chlich das Dammbruchargument gemacht, dass ein Infragestellen der CFR eine Relativierung w√§re und ein In-Proportion-Setzen von Corona einer Negation und damit einer Leugnung von Corona gleichk√§me, etwas, das in weiterer Folge in das Fahrwasser von Holocoustleugnern f√ľhren w√ľrde. Auf Deutsch ist der Text zu finden auf: panopticon.blogsport.eu (abgesehen von diesem Text haben die Gef√§hrten der Soligruppe f√ľr Gefangene einige interessante Texte zu Corona √ľbersetzt).

[6] Besonders deutlich wird das gegenw√§rtig bei Bill Gates und seiner Foundation. Dieser wird derzeit von manchen Linken sogar als G√∂nner und Philantroph verteidigt. Bei Black Mosquito kann man sich jetzt Bill Gates Buttons bestellen! Doch: Sind die Vorw√ľrfe, die Gates gemacht werden, wirklich alles unhaltbare, wirre Verschw√∂rungstheorien? Oder handelt es sich bei Gates nicht vielleicht doch um einen Key-Player des Corona-Ausnahmezustands?
So viel l√§sst sich sagen: Eine Analyse des Vorsto√ües einer digitalen Id (id2020.org), getragen von Microsoft und der von der Gates-Foundation gegr√ľndeten Impfallianz Gavi (sowie der Rockefeller-Foundation, accenture und ideo) und ihrer Konsequenzen, ist mehr als ausst√§ndig. Zur Gates Foundation, Gavi und ihrem Ansatz der ‚Äědisruptiven Innovation‚ÄĚ im Gesundheitswesen siehe: Jacob Levich (2019): Disrupting global health – The Gates Foundation and the vaccine business; in Richard Parker, Jonathan Garcia (hrsg, 2019): Routledge Handbook on the Politics of Global Health. Routledge: London / New York. S. 207-218.
Siehe folgenden Vortrag um ein Einschätzung zu bekommen, was so eine digitale Id bedeuten könnte: https:// wrenchinthegears.com/2020/03/12/human-capital-markets-digital-identity-the-united-nations-sustainable-devel- opment-goals/
Und auch eine Analyse vom ‚ÄěEvent 201‚Äú einem Pandemieplanspiel, das im Oktober 2019 von der Gates Foundation gemeinsam mit dem WEF in New York abgehalten wurde, verdient unsere Aufmerksamkeit. Nicht weil wir annehmen, dort w√§re die Corona-Pandemie geplant worden, sondern weil es vor Augen f√ľhrt, dass gewisse Herrschaftsfraktionen sich auf Situationen wie die Corona-Pandemie vorbreitet haben (so haben diese auch 2018 schon das Pandemieplanspiel ‚ÄěClade-X‚Äú abgehalten), um sie zu ihren Gunsten zu nutzen. Und, Achtung Hypothese: Es bedarf keiner weltweiten Verschw√∂rung, wenn man es schafft, das weltweite Narrativ zu dominieren. Zum ‚ÄěEvent 201‚Äú siehe: http://www.wrongkind-ofgreen.org/2020/03/19/the-show-must-go-on-event-201-the-2019-fictional-pandemic-exercise-world-economic-forum-gates-foundation-et-al/
Auch schon 2015 versuchte Gates die Ebola-Epidemie f√ľr seine Agenda zu instrumentalisieren. ‚ÄěOn March 18, 2015, the world‚Äôs wealthiest man issued a public call for an ambitious new project: the creation of a global, militarized, supranational authority capable of responding decisively to outbreaks of infectious disease.‚Äú Siehe Jacob Levich (2015): The Gates Foundation, Ebola, and Global Health Imperialism, in American Journal of Economics and Sociology, September 2015, S. 704-742.

[7] An dieser Stelle muss nat√ľrlich auch festgehalten werden, dass sich nicht alle Linke komplett ins Hirn haben schei√üen lassen, so muss das ehrewerte Engagment benannt werden von Sebastian Lotzer und seinen Pandemie-Krieg- stagb√ľcher-√úbersetzungen, sowie von den stabilgebliebenen Post-Situationisten von magazinredaktion.tk.

[8] Oder auch einfach nur weil sie es lustig finden. Wie dieser ganze ‚ÄěAntifa e.V‚Äú-Bullshit, wo sich zun√§chst heiter mit Faschos auf Twitter √ľber Jahre der Ball hin und hergespielt wurde, bis sich die Verschw√∂rungstheorie der ‚Äěgezahlten Antifa‚Äú mittlerweile komplett verselbstst√§ndigt hat und z.b. in den USA von Trump und Konsorten aufgegriffen wurde.

[9] Siehe den Text: ‚ÄěEine Verschw√∂rung und ihre eifrigen Verschw√∂rerinnen‚Äú; in Z√ľndlumpen Nr. 65. M√ľnchen.

[10] Und selbst bei den ‚ÄěImpfgegenern‚Äú w√ľrde eine differenzierte Betrachtung dazu f√ľhren, zu sehen, dass es nicht ‚Äědie Impfgegener‚Äú gibt, sondern unterschiedliche impfkritische/impffeindliche Positionen. Von wirren Positionen bis hin zu welchen, die nicht unspannend sind.




Quelle: Anarchistischebibliothek.org