Dezember 21, 2020
Von Indymedia
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Sebastian Thom – Der Neonazi im Hintergrund

Nachdem der “Nationale Widerstand Berlin” (NW Berlin) Anfang der 2010er Jahre mit Repression ĂŒberzogen wurde, sind einige vorher Ă€ußerst aktive Neonazis nicht mehr bei öffentlichen Veranstaltungen, wie z.B. Demonstrationen, aufgetreten. Das heißt allerdings nicht, dass sie mit der Szene gebrochen haben.

Einer der bekanntesten Akteure des ehemaligen NW Berlin ist Sebastian Thom. Er hat sich schon lange von der Teilnahme an Neonazi-Demonstrationen zurĂŒckgezogen. Bis zum Mai 2016 saß er im Knast. Davor trat er noch offen als Kreisvorsitzender der Neuköllner NPD auf. 2018 verließt er die Partei. Der Neuköllner Kreisverband löste sich kurz darauf auf.

Seit Thom aus dem Knast gekommen ist, mehren sich die Angriffe gegen Linke in Neukölln wieder. Obwohl er angeblich von Sicherheitsbehörden ĂŒberwacht wird, kann er weiter politische Gegner ausrecherchieren, Autos anzĂŒnden oder mit Rudolf-Heß-Schmierereien die WĂ€nde verunstalten. Einen öffentlichen Skandal löste es erst aus, als er zusammen mit seinem Komplizen und langjĂ€hrigen Freund Tilo Paulenz beim Tresen der Neuköllner AfD gesichtet wurde. Aufgrund von steigendem öffentlichen Interesse trennten sich Paulenz und die Neuköllner AfD, auch sein Amt im Bezirksvorstand gab er ab. Die AfD schien fĂŒr Neonazis wie Tilo Paulenz und Sebastian Thom eine Alternative zur NPD zu sein. Als der Traum der Nationalen Revolution mit der AfD scheiterte, weil die Partei ihre bĂŒrgerliche Fassade behalten wollte, suchten Thom und Co. nach einer wirklichen “nationalen” Alternative.

Diese scheint Thom nun beim “III. Weg” gefunden zu haben. Seit Monaten mehrten sich die Hinweise seines Partei-Engagements. Schon im Februar 2018 wurde bei einer Hausdurchschung Propagandamaterial des “III. Weg” in Thoms Wohnung gefunden. Erst am 21. November 2020, am Tag der “Fight Back – Rechten Terror bekĂ€mpfen”-Demonstration in Rudow, wurde Thom beim Flyern fĂŒr den III. Weg in Nord-Neukölln beobachtet. Dem bundesweiten Aufmarsch der Neonazipartei am 3. Oktober 2020 in Hohenschönhausen blieb er allerdings fern, auch wenn er im Vorfeld im Lichtenberger Weitlingkiez antifaschistische Plakate abriss und Aufkleber des “III. Weg” verklebte. Nun gibt es aber Fotos, wie Thom zusammen mit der Neonazi-Rentnerin Lilith Evler vom “III. Weg” am 20. Dezember 2020 Flyer in Berlin verteilte.

Der III. Weg als Sammelbecken fĂŒr Berliner Neonazis

Mit diesem Wechsel reiht er sich in eine lange Reihe Berliner Neonazis ein, wie z.B. Larsen Aslan, Oliver Oeltze oder Patrick KrĂŒger. Sie sind schon seit Jahren Teil der Neonazipartei. Der “III. Weg” bietet die faschistische Ästhetik und inhaltliche Ausrichtung, die die NPD in den letzten Jahren verloren hat und freut sich ĂŒber den Zuwachs.

Als die Neonazipartei am 3. Oktober 2020 zum Aufmarsch nach Hohenschönhausen aufrief, sammelten sich auch weitere (ehemalige) Berliner NPD-Aktivisten und Sympathisanten auf der Demonstration: neben René Uttke, Kai Milde, Lars Niendorf, Andi Körner und Katrin Arnold aus Marzahn-Hellersdorf waren auch Andrew Stelter und Neonazi-Anwalt Wolfram Nahrath vor Ort. Stelter sprach noch kurz zuvor bei einer Kundgebung der Jungen Nationalisten in Hennigsdorf.

Das Auftauchen von so vielen NPD-nahen KrĂ€ften beim “III. Weg” zeigt, dass er inzwischen zumindest auf der Straße eine deutliche Konkurrenz fĂŒr die NPD darstellt. Der Umzug von Sebastian Schmidtke nach ThĂŒringen verdeutlicht zudem insbesondere die Krise der Berliner NPD. Es bleibt abzuwarten, ob mit diesem neuen Zusammenschluss verschiedener Akteure in der Berliner Szene auch ein Anstieg von Neonazi-AktivitĂ€ten einher gehen wird.




Quelle: De.indymedia.org