Dezember 3, 2021
Von InfoRiot
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Am Rande des Spiels in FĂŒrstenwalde wurde der AnhĂ€nger von Chemie Leipzig schwer verletzt. Im Bild Chemie-Trainer Miroslav Jagatic (16.2.2020)

Es ist selten, dass in der BRD gegen Polizisten wegen Gewalttaten im Dienst ermittelt wird. Um so erstaunlicher ist der Erfolg, den AnhĂ€nger des Fußballregionalligisten BSG Chemie Leipzig erzielen konnten: Das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg hat mit einem am Donnerstag bekanntgewordenen Beschluss vom 22. November die Wiederaufnahme der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen zwei Bereitschaftspolizisten angeordnet, die am 16. Februar 2020 in FĂŒrstenwalde einen jungen Fußballfan schwer verletzt haben sollen.

Geklagt hatte das »Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig«, nachdem die Ermittlungen wegen Körperverletzung im Amt im September 2020 eingestellt worden waren. Vor dem Fußballspiel hatte ein Fan der Leipziger Mannschaft schwere Verletzungen erlitten. Er soll versucht haben, unerlaubterweise einen Zaun zu ĂŒberklettern. Als ihn zwei Polizisten ohne jede RĂŒcksichtnahme herunterrissen, bohrten sich die Zacken des Zauns in sein Bein, wodurch ein offener Riss am Oberschenkel verursacht wurde. Das Rechtshilfekollektiv wirft den Polizisten auch vor, keine Erste Hilfe geleistet zu haben. Auch der brandenburgische Landtag musste sich mit dem Vorfall befassen.

Die Polizei stritt damals zunĂ€chst alle VorwĂŒrfe ab und meinte, der Einsatz sei rechtmĂ€ĂŸig gewesen. Der Mann sei mehrfachen Aufforderungen zum selbstĂ€ndigen Herunterklettern nicht nachgekommen. Zudem wurde behauptet, er habe nach den EinsatzkrĂ€ften getreten und sie beleidigt. Erst nach journalistischen Recherchen, die die Darstellung der Polizei widerlegten, sah man sich zum RĂŒckzug gezwungen und rĂ€umte »teilweise falsche Aussagen« ein, schob diese aber auf einen angeblichen »internen Kommunikationsfehler«.

Dennoch wurden die Ermittlungen gegen die Beamten spĂ€ter eingestellt. Die EinstellungsverfĂŒgung sei mehr oder weniger gleichlautend mit Aussagen der Verteidiger der Polizisten gewesen, so der Anwalt des »Rechtshilfekollektivs«. Das brandenburgische OLG widersprach nun jedoch der Staatsanwaltschaft. Wie ein Gerichtssprecher gegenĂŒber jW sagte, mĂŒsse vor allem das Video des Vorfalls auf prĂ€zisere Erkenntnisse hin von einem SachverstĂ€ndigen ausgewertet werden, was bisher nicht stattgefunden habe. Zudem könnten weitere Zeugen vernommen werden.

»Die erreichte Anordnung zur Wiederaufnahme ist fĂŒr uns ein großer und außergewöhnlicher Erfolg«, erklĂ€rte am Donnerstag Miriam Feldmann, Sprecherin des »Rechtshilfekollektivs«. Man hoffe, dass der Vorgang etwas gegen die Kultur der Straflosigkeit in der Polizei bewirken könne.




Quelle: Inforiot.de