November 18, 2021
Von Anarchosyndikalismus
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Die Basisgewerkschaft Priama Akcia („Direkte Aktion“) feiert erneut einen schnellen Erfolg im Arbeitskampf um ausstehende Löhne:

„Dies war unser schnellster Sieg bisher. Es hat nur acht Tage gedauert von der gemeinsamen Überreichung eines Forderungsschreibens einer ehemaligen medizinischen Mitarbeiterin einer Tierklinik bis zum Eintreffen des Geldes auf ihrem Konto. Genauso wie bei einem Fall aus dem Jahr 2019, waren wir erfolgreich bevor der Konflikt die offene Phase erreicht hatte, da der Chef den ausstehenden Betrag innerhalb der gesetzten Frist ĂŒberwiesen hat.

Foto: PA-IAA

Wir danken allen Leuten, die die Arbeiterin bei der BriefĂŒbergabe unterstĂŒtzt haben und sich der geplanten SolidaritĂ€tskampagne anschließen wollten! In diesem Bericht findet ihr mehr Informationen ĂŒber den Konflikt und ein Interview mit der Arbeiterin. [
] Lucia hat als Ärztin in der Tierklinik gearbeitet. Der Lohn fĂŒr ihre Arbeit wurde auf Grundlage eines Mandatsvertrages. Ein Teil ihres „Gehalts“ wurde durch eine  Rechnung beglichen, die sie mit einem fest vereinbarten Betrag von 700 EUR monatlich gestellt hat. Der andere Teil bestand aus einer Summe fĂŒr verschiedene Aufgaben, wie Futterverkauf oder Nachtschichten, fĂŒr welche sie eine Sonderzahlung bekommen hat.

Die Probleme mit dem Arbeitgeber (genauer gesagt: dem Mandator) fingen im September an, als sie eigentlich das Geld fĂŒr August bekommen sollte, was auch ihr letzter Monat in dem Unternehmen war. Nach Angaben des Managers gab es sogar zwei GrĂŒnde fĂŒr die Nicht-Zahlung. Der erste war, dass einige GegenstĂ€nde aus der Firma nicht zurĂŒckgegeben habe (z.B. SchlĂŒssel oder ein Stempel). [
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Eine weitere Schwierigkeit tauchte am 1. Oktober auf, nachdem sie bereits alle Betriebsmittel zurĂŒckgegeben hatte und eigentlich nichts mehr der sĂ€umigen Zahlung im Wege stand. Der Manager behauptete plötzlich, Lucia habe noch einen anteiligen Betrag fĂŒr die Arbeitskleidung zu zahlen, ohne ĂŒberhaupt zu belegen, wie dieser berechnet wurde. Lucia hatte dann letzten Monat die Nase voll davon und nahm am 07. Oktober Kontakt zu unserer Gewerkschaft auf. [
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Kollektive Übergabe des Forderungsschreibens

Wir wollten den Brief der verantworlichen Person ĂŒbergeben, also dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer. Da dieser ebenfalls als VeterinĂ€rmediziner in dem Betrieb arbeitet, was es nicht ganz sicher, dass wir ihn wĂ€hrend der Arbeitszeit antreffen wĂŒrden. Daher sicherten wir uns ab, indem eine Person sich als Kund*in ausgab und einen Termin fĂŒr Montagabend vereinbarte. Genau in diesem Moment gingen wir und andere UnterstĂŒtzer*innen gemeinsam mit Lucia in die Tierklinik. [
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Die Sprechstundenhilfe kam zurĂŒck mit der Botschaft, dass Lucia entweder allein zu ihm hineingehen oder den Manager am nĂ€chsten Morgen aufsuchen könne. Dieses ‚unschlĂŒssige‘ Verhalten des Managers amĂŒsierte uns alle und nachdem wir den Brief an die Sprechstundenhilfe ĂŒbergeben hatten, verließen wir das Krankenhaus guter Laune. Damit begann die 8-tĂ€gige Frist (bis 02. November) fĂŒr die Zahlung der BetrĂ€ge, nach welcher wir geplant hatten, den Konflikt öffentlich auszutragen.

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] am 28. Oktober wurde eine Rechnung an die Firma geschickt mit dem ausstehenden Betrag von 441,50 EUR. Die Frist fĂŒr die Begleichung blieb der 02. November und das Unternehmen kam dem nach. Lucia erhielt am gleichen Tag das ganze Geld. Nach lĂ€ngerer individueller Kommunikation mit der Firma brauchte es also nur eine Gemeinschaftsaktion mit Androhung eines Arbeitskampfes und wir hatten blitzschnell eine Lösung des Problems.

Wir sind erfreut, wie schnell der Betrag ausgezahlt wurde, aber egal ob die Konflikte kurz oder lang sind, bieten sie doch immer die Möglichkeit, die gegenseitige Hilfe zwischen Arbeiter*innen zu lernen. Dies zeigt mal wieder, dass wir zusammenhalten mĂŒssen, wenn wir etwas erreichen wollen. Und es zeigt, dass wir es schaffen können.“

Quelle: https://www.iwa-ait.org/content/priama-akcia-union-succeeds-another-conflict-over-unpaid-remuneration-interview-worker

Übersetzung: ASN Köln (https://asnkoeln.blackblogs.org)

CC:BY-NC




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org