September 16, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Entnommen aus der anarchistischen Zeitschrift Return Fire, Nr. 3

Einleitung

In diesem Moment, wĂ€hrend die Getriebe dieser monströsen Gesellschaft weiter alles zermahlen was unter ihre RĂ€der kommt und die verstreuten AufstĂ€ndischen versuchen, auf verschiedenste Art Sand ins Getriebe zu streuen um die Maschine zu verlangsamen, verbleiben wir mit einigen Fragen. Es sind Fragen, die unserer Meinung nach mehr Überlegungen und AnstĂ¶ĂŸe verdienen, als sie fĂŒr gewöhnlich in den Kreisen von Anarchist_innen, Rebell_innen und Verteidiger_innen der Erde bekommen. Klar ist, dass Mobilisierungen(unabhĂ€ngig von einem Zeitrahmen) wie jene fĂŒr unsere eingesperrten oder gefallenen GefĂ€hrt_innen, eine praktische Notwendigkeit sind, um diverse KrĂ€fte zu entwickeln, die bereit sind den Konsequenzen eines jeden Kampfes, der die herrschende Ordnung physisch bekĂ€mpft, ins Auge zu sehen und sie zu verstehen. Und so, um es mit anderen Worten auszudrĂŒcken, die Kraft der Repression zu verringern, uns auf unseren eigenen Wegen zu stoppen.

Allerdings stellt sich uns, vor der ĂŒblichen Propaganda und Agitation, die auf die Agent_innen oder die Fassaden des Staates, den gefĂ€ngnisindustriellen Komplex und seine einfach zu identifizierenden Söldner_innen abzielt, eine grĂ¶ĂŸere Frage: Was genau ist Gefangenschaft heute? Was ist Herrschaft, in ihrem am meisten gegenwĂ€rtigen Sinn? Was erleichtert diese abscheulichen Dinge, die wir natĂŒrlich unseren Leidenschaften folgend, entschlossen sind anzugreifen?

Wenn man an der OberflĂ€che des alltĂ€glichen Lebens in der europĂ€ischen (besonders der nordeuropĂ€ischen) Metropole und den sie ernĂ€hrenden Territorien kratzt, können die physischen Strukturen aus denen sich dieser „große KĂ€fig“ zusammensetzt immer noch deutlich gesehen werden, wenn man weiß, wo man hinsehen muss: Die Überwachungskameras sind nur die Spitze des technologischen Eisbergs. Aber es sind bereits Arbeiten im Gange um die Ketten, die uns fesseln, weniger unmittelbar wahrnehmbar und weitaus umfassender zu machen.

In dieser Abhandlung werden wir ĂŒber ein Projekt sprechen, eine Bedrohung, die – daran muss erinnert werden – noch nicht das dargestellte Ausmaß erreicht hat. Dies bringt nicht wenige Probleme mit sich, da die technologiekritische SphĂ€re bereits hĂ€ufig von einer morbiden Faszination mit den fantastischsten Vorhersagen aus den MĂ€ulern der Entwickler_innen der Herrschaft geplagt wird. Diese ÜberaktivitĂ€t der Vorstellung kann zu einer Art von Selbstparalyse und unnötiger Verbreitung von schwĂ€chender Angst unter jenen fĂŒhren, an die wir uns mit unseren Publikationen und KommuniquĂ©s richten. Im Grunde terrorisieren wir uns selbst und jene, die handeln wollen, indem wir dem Schwindel der TechnoWissenschaft erliegen und uns so verhalten als ob der Albtraum bereits Wirklichkeit geworden ist– oft auf Kosten einer adĂ€quaten EinschĂ€tzung der Technologien von denen wir bereits umgeben sind und dem Studium ihrer MĂ€ngel und LĂŒcken, sowie der Möglichkeiten sie unschĂ€dlich zu machen. Diese schĂ€dliche Angewohnheit wird durch eine hinderliche Feindschaft gegenĂŒber den Kritiken der technologisch-industriellen Gesellschaft verstĂ€rkt, die bedauerlicherweise immer noch von großen Teilen der mehr oder weniger radikalen, oppositionellen Tendenzen weltweit an den Tag gelegt wird.

In diesem Sinne ist der stĂ€rkste Eindruck, den wir mit dem folgenden Text vermitteln wollen, dass immer noch Risse in den Mauern, die uns einschließen, existieren und weiterhin existieren werden
 wenn wir sie suchen und aufbrechen.

Wie die FĂŒlle von Aktionen auf der ganzen Welt alleine diesen Monat (Dezember 2015) und der Reichtum an Perspektiven und Zielen zeigt, ist der Angriff nicht nur durchfĂŒhrbar, sondern allgegenwĂ€rtig. Der Grund warum wir es als wichtig erachten, diesem Thema so viele Worte zu widmen ist schlicht, dass die Möglichkeiten fĂŒr den Aufstand und die Erschaffung eines anderen Lebens jedoch abnehmen und dafĂŒr grĂ¶ĂŸtenteils der technologische Apparat der Moderne und seine MĂ€chte zur Überwachung, Regulierung und Ermittlung(und die verstĂ€ndliche Angst davor) verantwortlich ist. TatsĂ€chlich lehrt uns die Geschichte regelmĂ€ĂŸig, dass einmal entworfen und perfektioniert, es nur eine Frage der Zeit ist, bevor jede Innovation in den HĂ€nden der herrschenden Ordnung mit ihrem vollen und repressiven Potential eingesetzt wird – bis zu dem Grad von dem die Herrschenden es sich leisten können und glauben damit davonzukommen. Die Frage ist wann, nicht ob.

Zudem können wir, wenn wir eine grĂŒndliche Betrachtung von technologischen Systemen vornehmen sehen, dass sie sich auch durch das Verhalten und die Konditionierung ihrer menschlichen Vermittler_innen kulturell manifestieren und dass die Bevölkerungen in vielen Teilen der Welt darauf eingestellt und vorbereitet werden zu akzeptieren(wenn nicht, dazu aktiv auszufĂŒhren) was zumindest wir als große Herausforderungen unserer rebellischen Tatkraft in dieser Epoche empfinden. Wenn wir uns in Erinnerung rufen, wie proletarisiert uns die Entfaltung der industriellen Revolution, der Urbanisierung und der Befriedung der letzten Jahrhunderte zurĂŒckgelassen hat, denken wir dass es, trotz der widerwĂ€rtigen Fallen die uns auf unseren Wegen gestellt werden, ein vorrangiges Anliegen fĂŒr jene sein muss, die HandlungsfĂ€higkeit und -vermögen schĂ€tzen, eine noch tiefgreifendere Entmachtung zu verhindern.

Deshalb sind wir uns zwar dem Risiko der Übertreibung bewusst aber dennoch ĂŒberzeugt, dass es unsere Aufgabe ist gegen das sich transformierende Feld der Herrschaft anzukĂ€mpfen, bevor wir ĂŒberrollt werden. Um mit wachsamen Blick und geballter Faust zu sehen, womit wir als Ausgeschlossene, Dequalifizierte, aber vor allem als aufstrebende oppositionelle KrĂ€fte konfrontiert sind und sein werden.

Weiters betrachten wir dieses Thema zu einem Zeitpunkt, an dem Costantino „Costa“ Ragusa, Silvia Guerini und Luca „Billy“ Bernasconi bald zum zweiten Mal gemeinsam vor Gericht stehen werden. Sie wurden 2010 von den GesetzeshĂŒtern abgefangen, als sie als Earth Liberation Front – Switzerland ausgerĂŒstet loszogen um das Nanotechnologie-Zentrum anzugreifen, das IBM (ein globaler Informatik Großkonzern) gerade gemeinsam mit der Technischen Hochschule ZĂŒrich errichtete.

ZurĂŒck in Italien nach Jahren der Einsperrung, Hungerstreiks im GefĂ€ngnis und deutlichem Ungehorsam, werden sie nun unter Beschuldigungen des „Terrorismus“, fĂŒr die Vorbereitung der selben Brandstiftungs-/Sprengungs-Aktion von „italienischem“ Boden aus, verfolgt. Alle drei haben nicht aufgehört die Notwendigkeit von direkteren Aktionen gegen die expandierende TechnosphĂ€re zu verteidigen, weder im Gerichtsverfahren in der Schweiz, noch bei ihrer Entlassung und Abschiebung.

Wie sie wollen wir eine aktive WĂŒrdigung (und daher, Verteidigung und Ausweitung) dessen, was auf dieser Welt noch wild ist und augenblicklich tiefgreifend durch die neuesten technokratischen Giftigkeiten bedroht ist, um die ĂŒbliche Sparte des „radikalökologischen“ Diskurses auszuweiten. Dieser Text ist Costa, Silvia und Billy gewidmet.

“Nano-Biotechnologien sind der neueste vom technologisch-industriellen kapitalistischen System eingeschlagene Weg beim PlĂŒndern und VerwĂŒsten der Erde. Diese Wege, wie alle vorhergegangenen(man denke an das Industrielle Zeitalter), prĂ€sentieren als Wunder, was, wie wir uns mĂŒhelos vorstellen können, dazu bestimmt ist, sich in AlbtrĂ€ume zu verwandeln. Diese Technologien wurden von einer neuen Sichtweise auf die Welt in der ComputerĂ€ra geboren, die die Mechanistische mit Hebeln und Getrieben, mit einer Mathematischen mit Informationsbits, wo die ganze RealitĂ€t in einen Algorithmus passen muss, ersetzt. Diese neue Sichtweise hat Fuß gefasst, da sie mehr zu den BedĂŒrfnissen des gegenwĂ€rtigen Systems passt. Durch seine Selbstbehauptung hat es bisher ungetrĂ€umte Möglichkeiten fĂŒr die Wissenschaft eröffnet, um auszufĂŒhren wozu der Moment und der Selbst-Kannibalismus des Systems sie mit Nachdruck drĂ€ngen: Von allem im Universum Besitz ergreifen und es auf seine kleinsten, winzigsten Komponenten, auf „bits“ herunterzubrechen.

Mit anderen Worten, um eine universelle Grundeinheit zu erreichen, mit der Wissenschaftler das gesamte Bestehende auf ein Level von Austauschbarkeit und Äquivalenz reduzieren können, so dass durch das Entwickeln dieses neuen(bisher unerreichbaren) Rohstoffs möglich sein wird, alles im Universum fĂŒr die BedĂŒrfnisse der Macht nutzbar zu machen. Diese Technologien sind daher die Pfeiler auf denen es dem System möglich sein wird den Prozess von Produktion und Versorgung zu reorganisieren, die fĂŒr sein Wachstum lebensnotwendig sind, ein unendliches Wachstum auf einem Planeten der bereits bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten geplĂŒndert wurde. Und wie im Fall von GMO(Gentechnisch Modifizierte Organismen), ist die Konvergenz der Wissenschaften die neueste Versprechung eines Entwicklungstrends, von dem angenommen wird, dass er die ökologische Krise in die uns der umweltzerstörerische Fortschritt selbst gebracht hat bewĂ€ltigen wird“

(Billy, Costa, Silvia)

I.

Innovatoren in der Welt der Informatik versprechen fĂŒr die kommenden Jahre eine neue industrielle Revolution. Eine Revolution, die Wissenschaft, Technologie und die Gesellschaft transformieren wĂŒrde – tatsĂ€chlich sogar die biologische RealitĂ€t des menschlichen Wesens auf dem Planeten. Einem Planeten dessen organische FlĂŒsse und KreislĂ€ufe bereits vollstĂ€ndig schwanken und mit katastrophalen Auswirkungen unterminiert sind, genau wegen der krebsartigen Lebensweise, die aus der letzten industriellen Revolution resultierte. Nanotechnologie(die angewandte Wissenschaft zur Manipulation von Materie auf einem Maßstab, der weit unter dem mikroskopischen liegt) spielt eine unentbehrliche Rolle fĂŒr die aufkommende Ära. Nach der Neugestaltung der Genstruktur von Lebewesen gestaltet die Techno-Wissenschaft jetzt auch die molekulare Struktur selbst um, um neue Formen und Materialien zu schaffen. Auf dem Nanolevel kommen vollstĂ€ndig andere Eigenschaften und Reaktionen(beispielsweise von Gold) ins Spiel, als sie es in molekular unberĂŒhrter Form getan hĂ€tten. Die industriellen MarktfĂŒhrer erhoffen sich durch die Modifizierung im Nanobereich ein breites Sortiment an neuen Anwendungen und FĂ€higkeiten fĂŒr beinahe jede Materie zu erschaffen – von der Erzeugung unglaublich leichter und starker Metalle, der Injektion von Nanomaschinen in den menschlichen Blutkreislauf zur Behandlung von Zivilisationskrankheiten, bis zur Synthese von Kraftstoffquellen. Wenn man dazu die Vorhersagen ĂŒber die FĂ€higkeit lebende DNA zu „editieren“ und ĂŒber die radikale Neugestaltung gegenwĂ€rtiger Objekte und Prozesse hinzufĂŒgt, werden die verbalen ErgĂŒsse und Predigten ĂŒber diese und jene neuartige Struktur der nahen Zukunft endlos.

Die greifbareren und weitverbreiteteren Anwendungen von Nanotechnologie, die bisher auf das Gebiet von Kosmetika, Nanopartikelsprays fĂŒr Autos, antibakteriellen Schutz, etc. beschrĂ€nkt blieben, lassen sich, trotz ihrer erschreckenden Konsequenzen und unheilvollen Vorhersagen, leicht bei einer kurzen Suche im Internet finden. Einen weiteren Anwendungsbereich stellt die Informatik dar. Albert Swiston vom Lincoln Laboratory machte folgende Vorhersagen ĂŒber die Zukunft von Informatik und Nanotechnologie:

“Du könntest in eine Zukunft blicken, in der du ĂŒberhaupt keine Computer hast. Die Rechenkraft, die du brauchst ist direkt mit dem Stoff deines Hemdes verwoben, oder vielleicht ist sie in deinem Ring oder deiner Uhr. Vielleicht verbindet sich die5ses GerĂ€t automatisch mit einem Bildschirm neben dir, oder mit einem Projektor, den du mit dir trĂ€gst. Vielleicht brauchst du gar keinen Bildschirm – es wird einfach direkt in deine Augen geleitet“

(Albert leitete ein Forschungsprojekt bei dem Mikropartikel mit Nanokristallen, die fĂŒr das menschliche Auge unsichtbar sind, versehen wurden, mit dem Ziel die FĂ€lschung von WĂ€hrungen, LuxusgĂŒtern und elektronischen GerĂ€ten zu bekĂ€mpfen und so die FlĂŒsse von Reichtum und Kapital zu schĂŒtzen.)

Die großen Unternehmen des Informatikbereichs arbeiten bereits seit vielen Jahren auf der Nanoebene. Die zuvor erwĂ€hnten FackeltrĂ€ger von IBM sind nicht die Einzigen. Hewlett-Packard ist ein weiteres Beispiel. Das Nanotechnologie-Team von HP Labs, ihrer Abteilung fĂŒr fortgeschrittene Forschung, hat eine lange Geschichte von wissenschaftlichen DurchbrĂŒchen, wichtigen Patenten und bedeutenden Publikationen auf ihrem Gebiet. Ein Hauptinteressensgebiet von HP Labs ist Nanomechanik. Sie entwickeln immer kleinere und sensiblere mikro-mechanische Sensoren und Bedienungselemente. Sie rĂŒhmen sich damit, der Informatik den Weg ĂŒber das Silizium von konventioneller Elektronik hinaus, in das Reich von MolekulargrĂ¶ĂŸe-Elektronik und Strukturen in NanogrĂ¶ĂŸe mit komplett neuen Eigenschaften und Anwendungen zu ebnen. Aber was bedeutet das alles jenseits von schneller operierenden Systemen und Kommunikation?

“Zuerst wird unsere Welt instrumentiert. Der Transistor, erfunden vor 60 Jahren, ist der Grundbaustein des digitalen Zeitalters. Heute gibt es beinahe eine Milliarde Transistoren pro Mensch, von denen jeder ein Zehnmillionstel eines Cents kostet. Es gibt 4 Milliarden MobiltelefongebĂŒhrenentrichter und 30 Milliarden Radio Frequency Identification Tags, die weltweit produziert werden. Wegen ihrer steigenden Ausgereiftheit und niedrigen Kosten ermöglichen uns diese Chips, Sensoren und GerĂ€te zum ersten Mal die Instrumentierung eines breiten Spektrums der Systeme der Welt – natĂŒrlich und kĂŒnstlich, gewerblich und gesellschaftlich – in Echtzeit“

“Anschließend wird unsere Welt verbunden. Sehr bald werden 2 Milliarden Menschen im Internet sein. Aber das ist erst der Anfang. In einer instrumentierten Welt können nun auch Systeme und Objekte miteinander „sprechen“. Rechenleistung wird in Dinge gesteckt, die wir nicht als Computer erkennen wĂŒrden. TatsĂ€chlich kann wirklich alles – jede Person, jedes Objekt, jeder Prozess oder jede Dienstleistung, denn jede Organisation, groß oder klein – digital bewusst und verbunden werden“

(Sam Palmisano, wÀhrend seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender von IBM)

II.

Viele von uns werden inzwischen den Begriff „Internet der Dinge“ gehört haben, der verwendet wird um eine entstehende Umgebung zu beschreiben, die die Technologiekonzerne umfassend realisieren wollen. Ein omniprĂ€senter Austausch von Daten zwischen einer immensen Menge von EmpfĂ€ngern und Transmittern, der potentiell alle Materialien und Prozesse umfasst, die elektronisch messbar sind. Das Bedeutungsvollste daran ist, dass es die Beziehung zwischen Sensoren(die Daten sammeln) und Maschinen(die mit diesen Daten handeln) auf mikroskopischer GrĂ¶ĂŸe darstellt, die verspricht alles von der Straßenbeleuchtung zu den HĂ€fen „smart“ zu machen. Diese Entwicklung kam in den letzten Monaten in Schwung und wird obwohl die Konsequenzen beinahe unbegreiflich sind, als der nĂ€chste logische Schritt fĂŒr die technologisch-industrielle Gesellschaft betrachtet, der durch die Mediation des tĂ€glichen Lebens mittels aller Arten von GerĂ€ten und Algorithmen eine Vielzahl von neuen Produkten und Dienstleistungen erzeugen wird. Schließlich verlassen wir uns bereits jetzt weniger auf eine bewusste Beziehung, die wir als Individuen mit der Zusammensetzung unserer lebendigen Umgebung haben, als darauf was eine lebloser digitaler Bildschirm uns vermittelt. Arbeit, „Freizeit“, Reise, Bildung, Politik, Einkaufen, IntimitĂ€t – ĂŒberall ist der Bildschirm, und der Zwischenraum wird stĂ€ndig geringer.

Das Internet der Dinge ist eine Vermehrung der Elektronik, primĂ€r die direkte Implantation von Mikrochips in Objekte, Körper und die Umgebung. Dies ist wesentlicher Bestandteil der Vision die IBM verĂ€chtlich einen „Smarter Planet“, einen intelligenteren Planeten, nennt. Intelligenter, nicht in dem Sinn von intuitiver, relationaler Weisheit, die durch Erfahrung einer aktiven Koexistenz auf und mit der Erde die wir bewohnen herausgebildet wird, sondern im Sinne einer sterilen, kalkulierten, aus Statistiken gefilterten Maschinenvorhersage. Zu diesem Zweck wollen die Technologiekonzerne(mit betrĂ€chtlicher UnterstĂŒtzung der Regierungen und der Industrie), alles in hoher Dichte mit ihren Sensoren besetzten, von StĂ€dten und Lieferketten – die sie euphemistisch „Ökosysteme“ nennen – zu FlĂŒssen und WĂ€ldern. Detektoren, die automatisch die Heizung und die Klimaanlage steuern, wenn Menschen ein GebĂ€ude betreten und Bodensensoren, die mit Bauern ĂŒber Wasser- oder DĂŒngermenge kommunizieren. Nanogroße GerĂ€te in der AtmosphĂ€re, um das Wetter vorherzusagen, in BrĂŒcken um den Zustand des Zements besser ĂŒberwachen zu können oder die Überreste der Natur zu kennzeichnen („taggen“) und zu verfolgen. Alles verbunden mit komplett unbekannten/unumkehrbaren langfristigen Auswirkungen von Mikropartikeln, die sich in der Umwelt und damit auch unvermeidlich im Nahrungskreislauf verteilen und ansammeln – Dr. John Manley von der HP Labs Forschungsbasis in Bristol hatte die Frechheit dies als das zentrale Nervensystem fĂŒr die Erde zu bezeichnen. Es ist nichts als eine Beschleunigung des patriarchalen und ausbeuterischen kulturellen Ethos, dessen Absicht es ist Herrscher ĂŒber die BiosphĂ€re zu werden – von der wir bizarrer Weise als getrennt betrachtet werden. Das Ziel ist die Aufrechterhaltung des unersĂ€ttlichen industriellen Systems und der Lebensweise, die sogar auf Kosten der Auslöschung der Quelle unserer und aller Existenz, den Globus plĂŒndert und die Rationierung des gesamten Daseins in Nahrung fĂŒr das System, in Mahlgut fĂŒr die MĂŒhlen dieses GefĂ€ngnisses, das wir Zivilisation nennen könnten.

In einer Situation wie der heutigen benutzen Individuen nicht lĂ€nger Technologien, die sie selbstgestaltet haben und verstehen um das Leben, das sie gewĂ€hlt haben zu erschaffen, sondern werden von und durch Technologien regiert – Technologien, die der Reproduktion der kapitalistisch-industriellen Gesellschaft und der Akkulturation der Individuen dienen. Die damit einhergehende Entfremdung und Kapitulation vor der industriellen Logik lĂ€sst die Tiefe und KomplexitĂ€t der Welten des Elements, der Pflanzen, der Tiere und der Energie einschĂŒchternd wirken, da sie trotz der Verhöre durch die moderne Wissenschaft nicht auf Vernunft oder auf statische Kategorien reduzierbar sind. Es liegt sehr im Interesse derjenigen, die Macht ĂŒber andere (Menschen oder nicht) erlangen wollen, uns weiter mit ihrer Kultur zu indoktrinieren, in der die chaotische MajestĂ€t des Planeten beinahe jegliche Bedeutung verloren hat und nur die Technologie Sinn macht, die das Leben fĂŒr uns als Bilder, Produkte oder Dienstleistungen reinterpretiert.

III.

Wenn wir uns daher auf einige VorgĂ€nge in dieser technologischen Gesellschaft als „Fortschritte“ beziehen, sprechen wir nicht von Entwicklungen und Maschinen die unumgĂ€nglich, nĂŒtzlich oder neutral sind, wie sie gewöhnlich dargestellt werden. Sondern wir meinen die materielle Vertiefung einer spezifischen Ideologie – etwas, das der invasiven Ausbreitung einer Besatzungsarmee Ă€hnelt. Wir könnten dies Besatzung nennen oder den Worten ihrer eigenen Propaganda folgend „Fortschritt“. Eine Ideologie, die die soziale Existenz bestimmt und unser Leben mit ihren Werten und ZwĂ€ngen beeinflusst, uns an die Erde auf der wir leben unangepasst lĂ€sst und uns stattdessen vom Herrschaftssystem abhĂ€ngig macht. Diese jahrhundertealte Ideologie verwendet Konzepte, die fĂŒr die technologischen Formen der Periode spezifisch sind, die in unserer grundlegenden Vorstellung wie die Welt existiert hervortreten und in unserem Selbstbild eingepflanzt werden; der Zeitgeist der Ära, gewissermaßen. Das Herz = eine Uhr. Das Gehirn = ein Computer. Und jetzt, wĂ€hrend wir weiter im kybernetischen Zeitalter voranschreiten, die Stadt = Organismus. In all diesen vergangenen oder aktuellen FĂ€llen steht das Eindringen von Vorhersehbarkeit und Kontrolle in jede SphĂ€re, die durch Automation dominiert und kolonisiert werden kann, im Fokus – als unvermeidlich oder gar „natĂŒrlich“ verkauft unter dem zuvor genannten Deckmantel des „Fortschritts“.

Mit dem „Internet der Dinge“ spricht die Ideologie jetzt von jedem Teil des Lebens als eine Steckdose, die angezapft und zur Datengewinnung ausgebeutet werden soll – vorhersehbar und daher beherrschbar gemacht. Rob van Kranenburg bot vor einigen Jahren eine(eher beschrĂ€nkte) Kritik und Analyse:

“ElektrizitĂ€t war die tatsĂ€chliche Metapher, die der EU 1st Project Officer Jakub Wechjert gebrauchte. Er sprach von einer Vision der Zukunft in der unsere alltĂ€gliche Welt der Dinge und Orte von Datenverarbeitung „durchzogen“ und „erweitert“ sein wird. Informatik, Datenverarbeitung und Computer verschwinden in den Hintergrund und nehmen eine Rolle Ă€hnlich der von ElektrizitĂ€t heute ein – ein unsichtbares, durchdringendes Medium verteilt in unserer realen Welt. Im Gegenteil, was vor den Menschen erscheinen wird sind neue GegenstĂ€nde und erweiterte RĂ€ume die AktivitĂ€ten auf natĂŒrliche, einfache und intuitive Wege unterstĂŒtzen und verbessern“

“Wir bezeugen einen Schritt in Richtung von durchdringender Informatik, da die Technologie in intelligente Kleidung und Wearables, smarte Umgebungen(die wissen wer und wo wir sind) und durchdringende Spiele verschwindet. Wir werden sehen wie sich TĂŒren fĂŒr einige öffnen, wĂ€hrend sie sich fĂŒr andere schließen. Mimikry und Tarnung wird Teil des Application Design werden. iPods werden Farben zeigen und Töne erzeugen, die mit deiner Umgebung korrespondieren. Vielleicht kommen sie mit einem „kill switch“, das beispielsweise automatisch die LautstĂ€rke senkt wenn du in einem Zug bist. Mobiltelefone werden auch auf ihre Umgebung reagieren, sich ausschalten wenn sie bemerken, dass sie in einem Restaurant sind“

Milliarden winziger elektrischer Prothesen sollen konstant Informationen vergleichen, zuordnen und sie dann an andere GerĂ€te in ihrer Umgebung oder an Datenbanken ĂŒbertragen, in denen alles gesammelt und analysiert wird um mögliche GrĂŒnde fĂŒr Benachrichtigung oder automatische Intervention zu ermitteln. Wir selbst sollen im Mittelpunkt dieser konstanten Beurteilung stehen – unsere Gewohnheiten, unsere Verbindungen, unsere Interessen, unser Verhalten. In der PrĂ€sentation, die Ruth Bergman (Direktor von HP Labs Israel) und Mike Shaw (HP Strategic Marketing) fĂŒr die HP Discover Convergence in Barcelona vorbereiteten, um die tiefgreifenden VerĂ€nderungen (in denen sie entscheidende Akteure sind) zu verdeutlichen, lesen:

“Stell dir vor, dein Mobiltelefon könnte deine GesichtsausdrĂŒcke, den Ton deiner Stimme und die Muster deiner Gehirnströme erkennen. Es wĂŒrde dann einen guten Eindruck davon haben wie du dich fĂŒhlst. Dann könnte es dies mit einem „Personal Big Data“-Informationsspeicher verbinden, den es ĂŒber dich aufgebaut hat – wie du Information erhalten möchtest, wie du gerne arbeitest, wie du gerne reist und wie du gerne deine Freizeit verbringst“

“Wie wĂ€re es mit „Big Data“-Analyse um das ganze Transportsystem, die Polizei und die Umwelt einer Stadt mit 30 Millionen Menschen zu kontrollieren? Und wie wĂ€re es mit einem großen Datensystem, das fĂ€hig ist deine weltweiten Marketingkampagnen fĂŒr dich zu kontrollieren, die Preisgestaltung und die Packungsmischung bis auf den Stadtteil anzupassen, basierend auf Echtzeitanalyse von detaillierten strukturierten Daten und Social Media-Stimmung?“

(Vor dieser Convergence bewarb sich HP um den Auftrag ein Hauptversorger fĂŒr Server und Speicheranlagen zu sein. Dieser waren sie bereits erfolgreich in den letzten Jahren sowohl dafĂŒr Überwachungssysteme an Syrien zu liefern, um Dissidenten ins Visier zu nehmen, als auch fĂŒr ein „Friedliches Chongqing“ genanntes Projekt. Einen Plan grob 500.000 Kameras in der frĂŒheren chinesischen Hauptstadt zu installieren, der Proteste provozierte, weil er auf politische Aktivisten abzielte – als ob dies das einzig Besorgniserregende daran wĂ€re. Dies wĂ€re möglicherweise das grĂ¶ĂŸte einzelne VideoĂŒberwachungsprojekt der Welt, das eine FlĂ€che 25% grĂ¶ĂŸer als die von New York umfassen wĂŒrde.)

Abweichungen zwischen deinen Handlungen, Bewegungen, Verbrauch etc. und deiner statistischen Norm wĂŒrden in einem solchen Netzwerk ans Licht kommen – sogar noch mehr als in der gegenwĂ€rtigen Online-Kultur (Reisekarten, Kontaktlose/Elektronische Bezahlung, Mobiltelefonsignale, etc. miteinbezogen). PrĂ€ventive Polizeioperationen, Techniken gegen Betrug, Racial Profiling und Überwachung von SozialhilfeempfĂ€nger_innen wĂŒrden einen neue Tragweite bekommen. Wenn man wirklich versuchen wĂŒrde, den digitalen KĂ€fig zu verlassen, wĂŒrde man auf sich aufmerksam machen, da ausgeklĂŒgelte Spyware (in einer Gestalt, die viele bereits als nĂŒtzlich ansehen) jeden erreichbaren Aspekt unseres Lebens umfassen wĂŒrde.

Wie einige Kritiker des kybernetischen Systems (einer anderen Tendenz) analysierten, haben sich beispielsweise die Online-Franchises bereits als höchst effektiv dabei erwiesen einen Grad von Ein-Weg-Transparenz im Leben vieler Menschen zu normalisieren und heimlich davon zu profitieren:

“Hinter der futuristischen Versprechung einer Welt von völlig verbundenen Menschen und Objekten, in der Autos, KĂŒhlschrĂ€nke, Uhren, Staubsauger und Dildos direkt miteinander und mit dem Internet verbunden sind, gibt es das was bereits hier ist; der Fakt, dass der am meisten polyvalente Sensor bereits in Betrieb ist: Ich. „Ich“ teile meinen Aufenthaltsort, meine Stimmung, meine Meinungen, meinen Bericht davon was ich heute gesehen habe und ob das beeindruckend oder beeindruckend banal war. Ich ging laufen, also teilte ich sofort meine Route, meine Zeit, meine Leistungsdaten und SelbsteinschĂ€tzung. Ich poste immer Fotos von meinen Urlauben, meinen Abenden, meinen Krawallen, meinen Kollegen, davon was ich essen werde und mit wem ich schlafen werde. Ich scheine nicht viel zu tun und trotzdem produziere ich einen bestĂ€ndigen Strom an Daten. Ob ich arbeite oder nicht, mein tĂ€gliches Leben, als ein Bestand von Informationen, bleibt völlig verwertbar.“

(Google DĂ©gage)

IV.

Es war bisher ein Hauptproblem fĂŒr die Aufseher, Wege zu entwickeln um die Daten jeder einzelnen Abfrage zu durchforsten und die relevanten Informationen zu isolieren, anstatt in einem Meer von Rohdaten zu ertrinken, wie es gegenwĂ€rtig oft der Fall ist (was folglich einigen von uns ermöglicht auszuweichen und Widerstand zu leisten, obwohl wir mit einem gigantischen Kontrollapparat konfrontiert sind). Um dieses Hindernis zu ĂŒberwinden wird in der Tech-Welt im Moment sehr viel Energie aufgewendet – fĂŒr das Programm um „Informatik fundamental neu zu gestalten um den enormen Datenfluss der Zukunft zu handhaben“, um das Fachpersonal bei HP Labs zu zitieren, von denen sich mehr als die HĂ€lfte der Ingenieure dieser Aufgabe widmen. Einen Vorgeschmack darauf was dies bedeuten könnte stellt die preisgekrönte IBM-Vorhersagesoftware dar, die von „SouthWestOne“, ihrer Kollaboration mit den britischen Bullen- und GemeindeautoritĂ€ten entwickelt und verwendet wird, um potentielle Diebe in Avon und Somerset zu kontrollieren. Oder jene, die das britische Justizministerium auf Verurteilte anwendet, die entlassen werden sollen. WĂ€hrend sie in Richtung der oben beschriebenen Vision arbeiten – fĂŒr die in vielen FĂ€llen die Technologie bereits im kleineren Maßstab existiert – sprechen HP und die anderen Hersteller offen darĂŒber, wie Social Engineering, Verhaltenspsychologie und VerbrechensprĂ€vention mit dem Aufkommen von dem, was sie „cyberphysische Umgebung“ nennen, ineinandergreifen wĂŒrde und ĂŒber die BĂŒrger, die dies produzieren wĂŒrde.

Im Jahr 2014 veröffentlichte HP Labs eine ausfĂŒhrliche Studie, um Gesichtserkennungs- und Identifikationstechnologie zur „Aufsicht von in öffentlichen Bereichen, Schulen, KrankenhĂ€usern, ArbeitsplĂ€tzen und WohnhĂ€usern installierten Kameras“ zu verbessern. Am gleichen Tag veröffentlichten sie eine weitere von ihnen mitverfasste Studie zur Anwendung von Algorithmen auf Social Network-Seiten um Beziehungen aufzuspĂŒren, um Verhalten vorherzusagen, „um gegenseitigen Einfluss und gegenseitige Vorteile zwischen sozialen Handlungen und sozialen Bindungen auszunutzen“(Zitat aus der Zusammenfassung der Studie). Bei diesem Thema werden wir an die Medienberichte im Sommer 2014 darĂŒber erinnert, dass Facebook die Pressemeldungen, die auf den Benutzerseiten auftauchten zugeschnitten hat und die Resultate in OnlineaktivitĂ€t auswertete um mit Stimmungsinduktion durch ihre abscheuliche und alles durchdringende Seite zu experimentieren.

Der Straßenverkehr, von dem erwartet wird, dass er ĂŒber die nĂ€chsten paar Jahrzehnte weiter zunehmen wird, ist ein weiteres Gebiet auf dem sich Mikromanagement von sozialer Kontrolle vertieft. Beamte der EuropĂ€ischen Union haben in Betracht gezogen ein Gesetz zu erlassen, das vorschreibt, dass alle Autos, die auf den Markt kommen, einen eingebauten Mechanismus haben mĂŒssen, der es der Polizei erlaubt das Vehikel ferngesteuert zu stoppen. Es scheint jedoch die bevorzugte Option zu sein, unerwĂŒnschtes Verhalten zu verhindern, bevor es auftritt. Durch „Smart Roads“, von denen 400 Meilen im UK geplant sind, wie die A14 in England zwischen Felixstowe und Rugby. Sie sollen mit vielen Sensoren ausgerĂŒstet sein – geregelt durch BT (British Telecom) Vermittlungsstellen – die den Verkehr durch Senden von Signalen an und von Mobiltelefonen in sich bewegenden Vehikeln ĂŒberwachen und daher einem zentral-kontrollierten Verkehrssystem ermöglichen, Routen umzulenken oder ihre Geschwindigkeit zu steuern (im Fall von neuen Vehikeln potentiell durch Außerkraftsetzung der Bedienungselemente). SelbstverstĂ€ndlich sind viele Autos bereits standardmĂ€ĂŸig mit Global Positioning System (GPS) ausgestattet, was den Ford GeschĂ€ftsfĂŒhrer Jim Farley veranlasste zu prahlen: â€žwir kennen jeden, der (wĂ€hrend dem Fahren) das Gesetz bricht, wir wissen wann sie es tun.“

An anderer Stelle kann man in den Medien ĂŒber die Tatsache lesen, dass â€ždank Sensoren und Internetverbindung die banalsten AlltagsgegenstĂ€nde enorme Macht erworben haben, Verhalten zu regulieren. Sogar öffentliche Toiletten sind reif fĂŒr sensoren-basierte Optimierung: der „Safeguard Germ Alarm“, ein smarter Seifenspender der von Procter & Gamble entwickelt wurde und in einigen öffentlichen WC`s auf den Phillipinen eingesetzt wird, hat Sensoren, die die TĂŒren von jeder Kabine ĂŒberwachen. Wenn du die Kabine verlĂ€sst beginnt der Alarm zu lĂ€uten – und kann nur durch DrĂŒcken des Seifenspende-Knopfes gestoppt werden. In diesem Kontext betrachtet wirkt Googles neuester Plan, ihr Android Betriebssystem zu Smart Watches, Smart Cars, smarten Thermostaten und man könnte vermuten smart-everything voranzutreiben, eher unheilvoll. Google wird der Mittelmann sein zwischen dir und deinem KĂŒhlschrank, dir und deinem Auto, dir und deinem MĂŒlleimer und der National Security Agency erlauben ihre Datensucht massenhaft und durch ein einziges Fenster zu befriedigen.“

TatsĂ€chlich ist das schleichende Zusammenziehen der elektronischen Ketten nichts futuristisches, sondern wir sind ihm schon eine Weile ausgesetzt. Ein vorliegender Fall wĂ€re die EinfĂŒhrung von Radio-Frequency Identification Chips(RFID, kleiner als ein Sandkorn, entworfen um Information ĂŒber das Umfeld wie Feuchtigkeit, Gewicht, Temperatur weiterzugeben und um jederzeit von bestimmten Scannern lokalisierbar zu sein) in ausgewĂ€hlte Dinge im Vertrieb – von Fußballtickets oder Zugangskarten zu Hotelzimmern, Titeln in BuchlĂ€den, Kleidung von bekannten Marken, Regierungsdokumenten, Kinder-PĂ€ssen fĂŒr einige Schulen bis hin zu einzelnen StĂŒcken Fleisch auf dem norwegischen Markt. HP waren unter den Ersten, die bekannt dafĂŒr waren RFID in ihre Produkte (in Drucker von ihrer Fabrik in Brasilien) einzubauen, um Dinge ausfindig zu machen und zu verfolgen, wĂ€hrend sie sich durch die Lieferkette bewegten, und gewannen zu dieser Zeit tatsĂ€chlich einen Preis dafĂŒr. Rob van Kranenburg erklĂ€rt weiter:

“Da RFID „Pull“-Technologie ist – der RFID-Leser gibt Energie ab, so dass der passive Tag seine einzigartige Nummer gibt (sagt Hallo, hier bin ich) – macht das EPC Global Network Layout es möglich eine Flasche in deinem Zimmer zu verfolgen (vorausgesetzt es ist ein RFID-Leser in deiner TĂŒr, im Stockwerk, im GebĂ€ude) durch eine simple NetzwerkrĂŒckfrage durch die Eingabe der einzigartigen ID-Nummer (verfĂŒgbar ĂŒber den Vertrieb), da die ID der Flasche in der lokalen Datenbank (deinem Computer, Arbeitsserver, BĂŒrogebĂ€udenetzwerk) eingeloggt ist, das an das EPC Global Network gekoppelt ist. In dieser Datenbank wird durch eine Savant genannte RFID-Skriptsprache der Log des Gegenstandes zu einem Object Name Server (ONS) gesendet, wo er ĂŒber das Netzwerk, beispielsweise von Tokyo aus, erreichbar ist“

“Es gibt kein Vergessen, keinen GedĂ€chtnisverlust im digitalen Territorium. In einer Welt, in der eine Schicht von digitaler KonnektivitĂ€t auf alle analogen Dinge programmiert wurde. Folglich solltest du nicht sagen: „Ich mache nichts falsches, also warum sollte ich mir ĂŒber smarte Kameras mit 3D Koordinaten die mein Gesicht lesen, oder diese RFID/M2M/NFC-Infrastruktur Sorgen machen? Nein, du solltest dir Sorgen darĂŒber machen, was in drei Jahren als falsch gelten wird, da von dem Moment an, ab dem der Echtbetrieb aufgenommen wird, jede Bewegung (ungeachtet ob von Mensch, Maschine oder Tier) aufgezeichnet, gelagert und zur Datengewinnung ausgebeutet wird.“

Auch sind solche Fortschritte nicht auf den globalen Norden beschrÀnkt:

“Im Jahr 2000 lebten 47 Prozent der Weltbevölkerung in StĂ€dten. 2030 werden 60 Prozent der Weltbevölkerung in einer urbanen Umwelt leben. Der Anstieg wird in weniger entwickelten [sic!] LĂ€ndern stattfinden, vor allem im kĂŒstennahen SĂŒdasien. Mehr als 58 StĂ€dte werden Einwohnerschaften von mehr als fĂŒnf Millionen Menschen aufweisen. Eine dieser zuvor genannten StĂ€dte ist Songdo City, eine „Ambient City“ in der alle „Informationssysteme (residentielle, medizinische, geschĂ€ftliche, staatliche, etc.) Daten teilen und Computer in die HĂ€user, Straßen und BĂŒrogebĂ€ude eingebaut werden“. Die Stadt selbst wird einen digitalen Lebensweise veranschaulichen, das „U-life“. Das ist eine Stadt der Kontrolle“

“In Karachi, der Population nach die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt der Welt, mit ĂŒber der HĂ€lfte der zwanzig Millionen Menschen in Slums, herrschen Gesichtserkennungs- und Kennzeichenerfassungskameras souverĂ€n auf den Autobahnen“

Auf der GefĂ€ngnisinsel Britannien, dem globalen FackeltrĂ€ger fĂŒr alle Arten von Überwachung und Verfolgung, wurde bereits vor einem Jahrzehnt begonnen einige Arbeiter in Lagerhallen, die bekannte Handelsunternehmen versorgen, mit tragbaren Chips auszustatten, um ihre Bewegungen zu verfolgen und ihnen Anweisungen zu geben. Wieder einmal handelt es sich dabei um eine Arbeitsplatztechnologie, die nicht die Last fĂŒr jene erleichtert, die sie gefangen hĂ€lt, sondern dazu dient die entmenschlichende Auspressung auf höhere ProduktivitĂ€tsstufen zu heben. Nicht zuletzt durch die Verhinderung von unerlaubten Pausen, das Schikanieren derjenigen, die lĂ€nger brauchten um eine Arbeit abzuschließen als vom Computer kalkulierte wurde und die Reduktion des Diebstahls von Waren – die oft ebenfalls getagged werden. Die Arbeiter in solchen massentierhaltungsartigen Einheiten wurden durch dieses gepriesene „Verschwinden des Verschwindens“ („wo der Angestellte nichts tun kann, ohne dass die Maschine davon weiß“) weiter auf industrielle Automaten reduziert. Wir werden an John Zerzans Beobachtung erinnert:

““The future belongs to the fast“[HP Werbung]. Nun, ich wĂŒrde sagen tatsĂ€chlich gehört sie der Maschine; und je schneller sie wird, desto schneller muss man arbeiten“

Zum Zeitpunkt der EinfĂŒhrung dieser Überwachungschips wurde vorhergesagt, dass RFID ĂŒber Nacht eine weltverĂ€ndernde Technologie werden wĂŒrde. Allerdings erlebte sie trotz all ihrer derzeitigen Anwendungen in Handel, Logistik, Pharmazie und anderen Bereichen (und offensichtlich albtraumhaftem Potential fĂŒr mehr), zu dieser Zeit keinen so starken Aufschwung, wie beispielsweise Social Media. Derzeit wird RFID-Herstellern postuliert, mit dem Internet der Dinge ihren großen Moment zu erleben, da RFID eine entscheidende Komponente der angedachten „Big Data“-Systeme darstellen. Und die Hersteller drĂ€ngen weltweit Gewerbe und Regierungen zu weiteren EinfĂŒhrungen. Der multinationale Disney-Konzern ist nur einer der gerade demonstriert, â€ždass RFID Tags billig und unaufdringlich verwendet werden können, um festzulegen wie Menschen ihre AlltagsgegenstĂ€nde verwenden und mit ihnen interagieren und so neue Arten interaktiver Spiele und smarter Wohn- und Arbeitsumgebungen ermöglichen, ebenso wie neue Methoden um die Einkaufsgewohnheiten von Konsumenten zu studieren. Disney Research zufolge stellten die Forscher fest, dass ihr System „IDSense“ es ihnen ermöglichte, gleichzeitig 20 Objekte in einem Raum zu verfolgen und auf vier Kategorien von Bewegungen mit 93 Prozent Genauigkeit zu schließen.“

ZusĂ€tzlich dazu, dass RFID zur Kontrolle und Überwachung des Zugangs zu gewissen GebĂ€uden, Datenbanken, etc. verwendet wird, erscheint es jetzt an GrenzĂŒbergĂ€ngen, in GefĂ€ngnissen, unter der Haut von Menschen, die besorgt sind, sich zu verlaufen oder entfĂŒhrt zu werden – ebenso wie an einigen Orten um den Kopierer im BĂŒro zu verwenden, um mit Mobile Apps via dem im Fleisch der Hand begrabenen Chip zu kommunizieren oder nur um körpergescanned zu werden, damit GetrĂ€nke in einem Klub bezahlt werden können. Eine graduelle Hybridisierung zwischen Mensch und Informatischen/Robotischen Systemen ist im Gange – wenn nicht gar eine totale Substitution oder Eliminierung des Ersteren durch Letztere – die vielleicht (bis jetzt) am stĂ€rksten durch die steigende psychologische und physische AbhĂ€ngigkeit von Internet und Mobiltelefon verkörpert wird. Einige begrĂŒĂŸen die Möglichkeit von in ihren Unterarm implantierten Smartphone-Steuerungen oder Computern, die wie Kontaktlinsen getragen werden und auf die Bewegungen der Augen reagieren. Wissenschaftsfanatiker haben Erfolg damit, Ratten mittels Implantaten und Gehirn-Maschine-Schnittstellen fernzusteuern und die unmögliche transhumanistische Fantasie den Menschen komplett mit der Technologie zu verschmelzen (zur kompletten Exklusion des Nicht-industriellen aus unserm Leben), beginnt vom sozialen Klima als weniger weit hergeholt beurteilt zu werden. Schließlich ist dies die Richtung der technologischen Kultur.

“Du kommst in der Nacht nach Hause. Dein Smart Home erkennt dich, passt automatisch Licht, Temperatur, NebengerĂ€usche an. Deine HaushaltsgegenstĂ€nde plaudern untereinander. „Was geht?“, fragt dein Computer dein Mobiltelefon, deine Kamera, dein MP3-Player und alle deine smarten mobilen GerĂ€te, die ihn mit den Daten des Tages versorgen. Dein smarter KĂŒhlschrank erkennt, dass du das letzte Joghurt gegessen hast und bestellt sofort ĂŒber das Internet mehr. Er bietet dir praktische Rezepte fĂŒr deine VorrĂ€te an. Deine Kinder sind zurĂŒck, aber du wusstest das bereits dank der Nachricht auf deinem Mobiltelefon, die du bekommen hast, als sie wie sie zu Hause ankamen ihre Schultaschen gescanned haben. Sie sind mit ihrem elektronischen Hasen beschĂ€ftigt der ihnen ein intelligentes, durch seinen RFID-Chip gescanntes, Buch vorliest. Ein Blick auf einen deiner Bildschirme beruhigt dich bezĂŒglich deiner alten Mutter, die alleine lebt: die Sensoren, die ihr Smart Home schĂŒtzen, melden nichts unĂŒbliches ĂŒber ihren Blutdruck und ihren Medikamentenkonsum. Sie braucht keine Hilfe. Kurz, dein Leben entfaltet sich genau so, wie es sollte – ohne dich. Es ist solch ein Komfort“

(IBM & The Society of Constraint)

V.

Könnte man sagen, dass die gleiche Grenze zwischen öffentlich und privat – auch in der digitalen SphĂ€re und darĂŒber hinaus existiert? Oder zwischen online und offline, wenn deine BesitztĂŒmer in kontinuierlicher Kommunikation miteinander, mit ihren Herstellern und den AutoritĂ€ten wĂ€ren? Zwischen der Stadt und dem Land, wenn wir bereits jetzt immer und ĂŒberall von in der Umwelt verteilten technologischen Verbindungen und ihren Verpflichtungen verfolgt sind? Zwischen in der Arbeit sein oder weit weg davon, wenn jede Interaktion oder Bewegung jetzt Informationen und folglich Kapital fĂŒr Konzerne generiert? Zwischen Überwachungsmodulen und „Freiheit“?

Die RealitĂ€t ist, dass wir bereits seit Generationen innerhalb von autoritĂ€rer Technologie leben. Jedoch stellt die gegenwĂ€rtige Konvergenz von Informationstechnologie, Kybernetik, Nanotechnologie, Neurowissenschaft und Biotechnologie mehr als nur eine AufrĂŒstung des industriellen Systems dar. Sie ist eine fundamentale Änderung in der Struktur von Macht als Herrschaft und auch der Möglichkeiten, sie zu bekĂ€mpfen.

Allerdings fĂŒgt sich diese Konvergenz in eine unverkennbare Abstammungslinie ein, die sich durch die Geschichte der Zivilisationen zieht: Die Prozesse der Zerstörung und Versklavung, die die Welt in Herrschende und Beherrschte teilten und Lebewesen und ganze Landstriche zu Kraftstoffressourcen zur Betreibung eines tödlichen Systems reduzierten. Der von allen zivilisierten Kulturen geteilte Todestrieb hat mindestens seit der industriellen Revolution und der Kolonisierung durch die mechanische Philosophie deutlicher denn je (innerhalb des jetzt dominierenden westlichen Projekts) einen Impuls geboren, das Lebendige, Wilde und Unkontrollierbare auf Routine, Kategorie und Einsperrung zu reduzieren. Gleichzeitig wird alles „außerhalb“ der technischen Artefakte der zivilisierten Gesellschaft (das was als „Natur“ bezeichnet wird) intellektuell schlicht als, aus toten Komponenten bestehende, „stehende Reserve“ definiert, die in Waren und in den so energisch ĂŒberproduzierten MĂŒll verwandelt auf ihre Konsumption wartet. Zumindest können wir, wenn unsere LebensqualitĂ€t degradiert wird, von der seit langer Zeit industrialisierten Welt noch mehr konsumieren (mehr verarbeitetes Leben, Landschaften und Körper anderer ausgebeuteter Wesen) und an dieser vergifteten ÜberfĂŒlle krepieren.

Nach Jahrhunderten dieses VergegenstĂ€ndlichungsprozesses verspricht die Nano-Biotechnologie uns einen Schritt weiter zu bringen: In einen „Post-Ökologie“-Zustands, in dem remodellierte Duplikate von biologischen Prozessen dieses unbeherrschbare, unvorhersehbare „Außerhalb“ , das unsere konzeptuelle Akrobatik fĂŒr uns unverstĂ€ndlich gemacht hat, verdrĂ€ngen und ersetzen werden – als ob die Erde nur eine Software-Plattform zum Rekonstruieren wĂ€re. Anstatt Umweltzyklen und UmweltflĂŒsse einfach zu unterbrechen und zu zerstören, wie sie es bisher immer getan hat, verspricht die Techno-Wissenschaft, diese gleichen PhĂ€nomene (jetzt zynisch als „Ecosystem Services“ bezeichnet) zu instrumentalisieren, in der Hoffnung sie zu „verbessern“. Aber dies Ă€ndert nichts an der Tatsache, dass sie immer noch Schuld ist an der gleichen PlĂŒnderung und Vergiftung, von der sie abhĂ€ngig ist, um ihre Basiskomponenten zu erhalten. Hinter all dem GeschwĂ€tz ĂŒber kĂŒnstliche Intelligenz und Instrumente, die angeblich unsere Emotionen, Körperfunktionen und Intentionen verstehen können, steht die unbeschreibliche Wahnvorstellung einer RealitĂ€t, die auf das von Maschinen (oder Menschen, die begonnen haben in ihren Begriffen zu denken) Messbare begrenzt ist. Es ist eine Sichtweise auf die RealitĂ€t, in der alles zugunsten von QuantitĂ€t objektifiziert und von subjektiver QualitĂ€t entleert wird und als ein Klon in einer Monokultur, eine Ziffer in einem BinĂ€rcode erscheint.

Da das Internet der Dinge ausdrĂŒcklich durch ein Regime der Instrumentalisierung definiert ist, sollten wir uns in Erinnerung rufen, was genau Instrumentalisierung ist. Es ist die Verwandlung von sogenannten „Dingen“ in Instrumente zu weiteren Zwecken. Wenn etwas instrumentalisiert wird, wird es von Natur aus entwertet und als eine Sache behandelt, die fĂŒr nichts weiter als eine bestimmte instrumentalisierende AktivitĂ€t verwendet wird. Zu einem großen Teil ist dies, worauf Arbeit in der zivilisierten Welt basiert und diese Instrumentalisierung nimmt jetzt Überhand – wir instrumentalisieren alles, die Dinge hören auf einen Wert zu haben und werden stattdessen schlicht als Instrumente betrachtet. Letztendlich zerstört diese Invasion und Statistisierung jede WĂŒrde, die die nicht-menschliche Welt fĂŒr uns haben könnte. Heute haben sich die Zyklen der zĂŒgellosen Massenkonsumption der industriellen Welt festgesetzt, da wir alles das uns umgibt herstellen und wiederherstellen und zerstören und konsumieren. Jede soziale oder spirituelle Bedeutung unserer einst lebendigen Umwelt (die in vielen anderen Kulturen als ein Wert an sich geehrt und vor der abscheulichen Ausbeutung geschĂŒtzt wird, die von ihnen als der Wahnsinn angesehen wird, den sie darstellt) zerbröckelt unter dem Gewicht der Distanz, die wir durch Quantifizierung zwischen uns und der Welt entwickeln. Weil wir von der Vorstellung der „Welt als Zuhause“, durch gewaltsame EinzĂ€unung und Domestizierung durch lange vergangene Imperien und Priester getrennt wurden, ist die Erde heute etwas, das wir fĂŒr gewöhnlich quantifizieren und messen und selten aus eigener Erfahrung auf eine qualitative Art schĂ€tzen.

Dies wurde von David Kidner wie folgt beschrieben:

“Der Verlust von Struktur der auftritt, wenn wir die natĂŒrliche Welt nach den Bedingungen abstrakter Kategorien definieren, hat etwas mit der Vernichtung von Einzigartigkeit und bioregionalen Besonderheiten zu tun: eine Kaskadenlilie ist eine Kaskadenlilie, ein Fluss ist ein Fluss, und wenn man einmal einen Mammutbaum gesehen hat, hat man sie alle gesehen. Genau wie Beethovens Symphonie in Rahmen von LautstĂ€rke, Tonhöhe und Dauer zusammengefasst werden kann, kann die Welt im Rahmen von Kubikzentimeter oder Kubikmeter pro Sekunde quantifiziert werden – Charakteristiken die allzu einfach als fundamental definierende Attribute erscheinen. Und auf Grund dessen ist die „Subsumption des Partikularen unter das Universelle“ historisch, mit einer bestimmten instrumentellen Sichtweise verflochten, die weitestgehend als „RealitĂ€t“ akzeptiert wird. Sinnliche und Ă€sthetische Charakteristiken wie Geruch, Textur oder Verbindung zum Kontext haben in dieser instrumentellen Sichtweise geringen Stellenwert, werden zu trivialem Bewusstsein ohne praktische Bedeutung. WĂ€hrend die Reduktion der Bedeutung auf Beethoven angewendet offensichtlich ist, ist dies bei der natĂŒrlichen Welt weniger der Fall, da wir seit der Kindheit trainiert wurden, die Welt durch die Linsen des Industrialismus zu betrachten. Diese Reduktion der Bedeutung ist fĂŒr den Prozess der Kolonisierung in vielen seiner Formen sehr charakteristisch.“

Der Wunsch ist es, eine neuverpackte Variante des alten materialistischen Zieles zu erreichen, die „mechanischen KĂŒnste“ auf die BiosphĂ€re anzuwenden, den „Schwanz der Natur so zu verdrehen“, dass sie â€žihre Geheimnisse nĂ€her verrĂ€t“ (wie dies der imperiale Patriarch der reduktionistischen Wissenschaft Francis Bacon empfahl, als er seine Methodologie mit der weitverbreiteten Folter von Frauen und Gender-Nonkonformist_innen, die der Hexerei beschuldigt wurden verglich; ein expliziter Diskurs der sich in den Reden der NobelpreistrĂ€ger des spĂ€ten 20. Jahrhunderts fortsetzte). Schon tauchen wir auf unserem Kurs nach vermeintlichem VerstĂ€ndnis in die schlimmste – und potentiell fatale – Ignoranz ein. WĂ€hrend das wilde Leben immer in Bewegung ist, komplex und divers, drĂ€ngt die herrschende Ideologie dagegen. Die technologische MentalitĂ€t der industriellen Ära könnte mehr als eine VerzĂŒckung als eine „AufklĂ€rung“ gesehen werden; eine Fixierung oder ein induzierter Bewusstseinszustand, dem wir unsere Neigung, Erde, Luft, Wasser und andere Lebensnotwendigkeiten zu ruinieren, zuordnen können. Jede Kultur(von der wir selbst wissen), die der industriellen Moderne vorausging oder mit ihr unbehaglich koexistiert, hatte oder hat â€žeine grĂ¶ĂŸere Vision des Universums, unseres Platzes und unseres Wirkens an ihm, eine Vision, die sich zu ĂŒberirdischen Regionen des Raumes und zu den inneren Tiefen des Menschen auf eine Weise ausdehnt, die die Parameter unserer Welt der technologischen Gefangenschaft weit ĂŒbersteigt“ (Thomas Berry). Was sie sich davon erhoffen, die tiefen, verflochtenen Rhythmen, die das Leben auf der Erde stĂŒtzen, mit dem grotesken Ziel sie irgendwie smarter (oder eher kompatibler mit der Zivilisation) zu machen, digital aufzuzeichnen und sie dann mit einer Vielzahl von Computern in NanogrĂ¶ĂŸe zu besetzten, ist, die Welt starrer und standardisierter zu machen.

Aber nur Dinge, die in Zahlen beschrieben, quantifiziert werden können, erlauben Standardisierung und Leben ist nicht nur Information, die dafĂŒr bestimmt ist, sich in ihren widerwĂ€rtigen Datenbanken anzusammeln. Die Überheblichkeit zu glauben, eine Wolke wegen ihrem Feuchtigkeitsgehalt oder ein Versuchstier auf Grund seiner Testresultate zu „kennen“ oder die Fröhlichkeit eines Angestellten an seiner produktiven Leistung zu erkennen, ist nicht nur ein Fehler, sondern eine kulturelle Krankheit. Wenn wir jeden Einzelnen von uns nicht als eine sich verĂ€ndernde Interaktion eines Netzes von eigenwilligen, dennoch miteinander verbundenen Lebewesen, Landschaften und Energien verstehen, wenn wir nicht davon wegkommen können sowohl die nicht-menschliche Welt als auch die wilden VerbindungsstrĂ€nge, die durch uns verlaufen, als etwas externes, als die missratene und flatterhafte Hexe, die mannhaft unterworfen und verhört werden muss, zu betrachten, wird uns die Essenz dessen, was uns in diese verzweifelte Lage von Klimakrise und sozialer Sklaverei gebracht hat, weiterhin entgehen.

Die extreme Gefahr mit der wir jetzt konfrontiert sind ist, dass technologische Opiate die Unzufriedenheit oder die Empfindung der Sinnlosigkeit des Systems vieler Menschen genau in dem Moment ausgleichen, an dem lange bestehende Sicherheiten um sie herum zu zerfallen beginnen (Die GĂŒltigkeit des demokratischen Prozesses, die Existenz des Sozialstaats, die LegitimitĂ€t der politischen AutoritĂ€ten, vielleicht sogar das Konzept des endlosen Wachstums), wĂ€hrend wir von den Rauch ausspeienden TĂŒrmen des traditionellen Industrialismus (die nur im Ausland und hinter den Kulissen anwachsen) in die „saubere“, hochtechnologische, neugestaltete SterilitĂ€t unserer verblendeten virtuellen RealitĂ€ten hineingefĂŒhrt werden. (Initiativen sind reichlich vorhanden, die, wie die Kollaboration Ideas Lab von HP, STMicroelectronics und France Telecom, an der Jahrtausendwende gestartet wurden, um die Akzeptanz von Smarter Planet-Technologien mit Hilfe von Creative Designern und Sozialwissenschaftern zu propagieren.) So dass wir alle monoton weiterproduzieren und konsumieren um eine Elite zu bereichern, uns wĂ€hrend die Welt brennt, unseren Gadgets und Interfaces zuwenden und nur durch unsere Camera-Phones nach draußen starrend, die soziale, ökologische und existentielle Krise in den Hintergrund verbannen.

Und sollten wir Widerstand leisten sind wir gezwungen, den gleichen Apparaten zu begegnen, die auf uns gerichtet sind. Wie wĂŒrden die Versammlungen des sogenannten „Arabischen FrĂŒhlings“ oder die Occupy-PhĂ€nomene (trotz ihrer offensichtlichen BeschrĂ€nktheit) in einer Smart City aussehen? Es erscheint wie eine beinahe poetische VerknĂŒpfung von Kontrolle des Wilden in den menschlichen und nicht-menschlichen Bereichen, dass SouthWestOne sowohl eine Arbortrack-Datenbank anbietet, in der alle ausgewachsenen BĂ€ume in einem bestimmten Gebiet katalogisiert und aufgezeichnet werden, als auch das Police Resourcing Unit, das dazu dient Techniken der Massenkontrolle beim Glastonbury Festival, Karnevals, Fußballspielen, königlichen Besuchen und fĂŒr das Planen von Operationen bei „unerwarteten polizeilichen Vorkommnissen“ zB. „Krawallen“ (ihre Worte, nicht unsere) zu verfeinern. Wie weit sind wir auf einer tieferen Ebene betrachtet tatsĂ€chlich noch von der berĂŒchtigten Dystopie Aldous Huxleys entfernt, wenn die technokratische Kontrolle buchstĂ€blich in uns hinein reicht? Wenn beispielsweise der verschluckbare Proteus Computer Sensor, der bereits beobachtet wie einige Patienten ihre Medikamente einnehmen, eine AbnormalitĂ€t melden und Reaktionen(Ă€ußerlich oder innerlich) auslösen kann bis ein unkooperatives Subjekt gezwungen wurde seine Medikation zu nehmen, um es aufzuheitern oder zu beruhigen? (Wenn das unrealistisch erscheint, bedenke man die ansteigende „Medikalisierung“ und Individualisierung von Rebellion, wie durch die Diagnose von Oppositional Defiant Disorder oder Ă€hnlichem, oder sogar von denjenigen mit „Risiko“ zur Radikalisierung und die psychiatrische Erpressung vieler unserer reuelosen GefĂ€hrten, wie z. B. Marco Camenisch, in GefĂ€ngnissen auf der ganzen Welt.)

Die Großkonzerne der technologischen Industrie ĂŒben bereits enorme Macht, grĂ¶ĂŸer als die vieler Regierungen, aus – Macht jenseits ihres finanziellen Kapitals. Im Vergleich dazu werden die Anwendungen, zu denen die meisten der ausgebeuteten Konsumentenklassen die neuen Technologien verwenden werden können, diejenigen sein, die ihre Rolle als solche bestĂ€tigen, trotz der revolutionĂ€ren Behauptungen der Marxist_innen und der kapitalistischen Technokrat_innen. Es könnte uns bald möglich sein, unsere eigenen GerĂ€te zu verwenden, um die RFID-Chips auf unseren EinkĂ€ufen oder unserer Kleidung zu lesen, aber dies ist keineswegs vergleichbar mit der Macht, die die Technokraten haben, die ganze Stadtbilder ĂŒberwachen. Wie bei den meisten Technologien sind die Machtungleichgewichte von Anfang an inhĂ€rent. Die Systeme, um unsere Umgebungen flexibler und anpassungsfĂ€higer zu machen, haben das einzige Ziel uns zweckdienlicher fĂŒr das System zu machen. Wenn sie einige unserer unwesentlichen (oder uns eingeschĂ€rften) BedĂŒrfnisse begĂŒnstigen, geschieht dies nur, weil diese Gesellschaftsordnung annimmt, davon zu profitieren. Das „Internet der Dinge“ verspricht, uns zu bedienen und zu leiten wie einsame, vor der Gemeinschaft des Lebens unter QuarantĂ€ne gestellte, Maschinen, zurĂŒckgelassen mit der FĂ€higkeit und Verantwortung Knöpfe einer vorbestimmten Auswahl zu drĂŒcken, um an dieser Gesellschaft teilzunehmen und sie zu reproduzieren.

VI.

John Manley von HP Labs Bristol, der zuvor bereits erwĂ€hnt wurde, stellt sich vor, dass man eines Tages „ein mit Sensoren ausgestattetes Mobiltelefon ĂŒber einem Teller mit Essen schwenken könnte, um zu „riechen“, ob eine der Zutaten schlecht geworden ist.“ Dieses Beispiel verrĂ€t die höchst triviale Natur von so vielen der Funktionen, die der Mehrheit angeboten werden, die schlicht ersetzen wozu Menschen bereits fĂŒr tausende und Millionen von Jahren mit grundlegender Körperwahrnehmung imstande waren. Es sind diese Körperwahrnehmung, die lebendigen KrĂ€fte von Erfahrung und die Wechselwirkung, die sie ermöglichen, die heute angegriffen werden. Es lohnt sich das generalisierte Deskilling, das das Ergebnis sein wird, detaillierter zu betrachten. Nochmal Rob van Kranenburg:

“Denk ein Jahrzehnt oder so zurĂŒck. Hast du nicht Autos auf dem Gehsteig gesehen und MĂ€nner (hauptsĂ€chlich) die versuchten sie zu reparieren? Wo sind sie jetzt? Sie sind in professionellen Garagen, da sie alle mit Software laufen. Die MĂ€nner können das nicht reparieren. Beziehe dies jetzt auf dein Zuhause, die Straßen auf denen du gehst und fĂ€hrst, die StĂ€dte in denen du umherziehst, die BĂŒros in denen du arbeitest. Kannst du dir vorstellen, sie wĂŒrden eines Tages einfach nicht funktionieren? Sich nicht öffnen, schließen, WĂ€rme, Luft geben?“

“Wenn du als BĂŒrger nicht mehr lĂ€nger dein Auto reparieren kannst, weil es Softwarebetrieben ist – was ein recht neues PhĂ€nomen ist – dann hast du deine FĂ€higkeit verloren, dein eigenes Auto zu reparieren, dann hast du den Glauben an eine Situation verloren, in der es keine professionellen Garagen, keine pĂŒnktliche Logistik, gibt.“

“BĂŒrger werden sich irgendwann nicht mehr darĂŒber bewusst sein, was sie an persönlicher HandlungsfĂ€higkeit verloren haben. Wir werden uns vor jeder Art von Aktion sehr fĂŒrchten und vielleicht auch vor der Vorstellung von VerĂ€nderung, Innovation – allem widerstehend, das wie ein RĂŒckschritt, ein Verlust, ein Verlust von FunktionalitĂ€t, VerbindungsfĂ€higkeit aussieht, genau den Dingen von denen gedacht wird, dass sie uns menschlich machen. Da solche Umgebungsintelligenz die ultimative Form der Auslagerung der menschlichen Erinnerung ist 
., ĂŒbt es einen Reiz auf uns aus, der ĂŒber rationale Motive und soziokulturelle GrĂŒnde hinaus geht, sich selbst als Daten in die Umgebung zu verteilen. Wir wollen sicher sein. Sicherheit als die vorgegebene Position und uns dann frei fĂŒhlen. Wow. Kann das sein? Umgebungsintelligenz macht diese Versprechung. Aber kann sie sie tatsĂ€chlich einhalten? Wer wird nur im praktischen Rahmen fĂŒr die StabilitĂ€t dieser Umgebungen bezahlen, wenn die Ölpreise auf 300$ oder mehr steigen? Wenn der Klimawandel Überflutungen von großen Gebieten verursacht? Wenn Millionen hungriger Menschen beginnen ĂŒber die Mauern der Festung Europa zu klettern?“

Können wir nicht selbst von unserem vermindertem Blickwinkel – dem Blickwinkel der seit Generationen in der Zelle des gegenwĂ€rtigen Lebensstils Gefangenen – sehen, was wir verlieren wĂŒrden in einer Welt, in der Technologien automatisch unsere VorratsschrĂ€nke ĂŒberprĂŒfen, bevor sie autonom Online-Bestellungen aufgeben, mit unserem Zahnarzt kommunizieren wĂ€hrend wir ZĂ€hne putzen, im Grunde den angeblich unzuverlĂ€ssigen Menschen aus dem Kreislauf nehmen? Und was bereits auf diesem Marsch aufgegeben wurde wenn Viele jetzt komplexe Technologien „brauchen“, um mittels digitaler Aufzeichnung, durch ihre unmittelbare Umgebung zu navigieren, um ihre soziale AktivitĂ€t durch das versenden von Nachrichten zu simulieren, ihre Emotionen durch Netflix zu mildern, ihren Herzschlag zu messen wĂ€hrend sie trainieren, um sie daran zu erinnern, dass sie noch am Leben sind
 Aber was fĂŒr ein Leben


Auf der Website Resistenze al Nanomondo wurde vor der EXPO2015, die diesen Mai in Mailand abgehalten wurde, eine kritische Analyse nur einiger Merkmale dieses Events (das technologische Forschungsinstitutionen, Unternehmen, Industrie, Zivilgesellschaft, Medien, etc. versammelte) veröffentlicht. In dieser kann man weiterfĂŒhrend detailliert ĂŒber diesen Bruch mit dem Sinnlichen lesen:

“Jenseits der weit zwischen Pavillions von Nationalstaaten, multinationalen Konzernen oder internationalen Organisationen verteilten Restaurants, hat der Veranstaltungsort, der gewĂ€hlt wurde, um dieses wissenschaftlich-sensorische Massenexperiment abzuhalten und die grundlegenden Elemente der technologisch-industriellen Ideologie zu legitimieren, einen Namen und eine prĂ€zise Position innerhalb des Events: der Future Food District. Es wird der „Supermarkt der Zukunft“, um diejenigen zu zitieren, die lange Zeit an diesem Projekt gearbeitet haben: COOP Italia, eine große Vertriebsmarke, die ihre Produktlieferanten mit Forschung ĂŒber Nahrungsmittel, die mit ihrer Marke verkauft werden beauftragt; Boston`s Massachusetts Institue of Technology, seit Jahrzehnten der Forschung fĂŒr den militĂ€rischen und industriellen Apparat verschrieben; Merieux NutriSciences, ein Konzern der auf Nahrungsmittel-Sicherheit und Forschung ĂŒber sensorisches Marketing in Verbindung mit Konsumentenverhalten fokussiert ist.

Es wird ein Rahmen mit einem starken Fokus auf die Details sein, wo die Gedanken der Menschen, ihr Verhalten und ihre Entscheidungen beeinflusst durch das Design der Struktur und die sie durchdringenden Technologien, vorhersehbar und aufgezeichnet sein werden.

3D-Darstellung, Presseagenturen und Videos zeigen uns bereits was innerhalb dieses Future Food District geschehen wird: die Konsumenten (verfolgt in ihren Bewegungen und Entscheidungen) werden mit dem Einkaufen durch sogenannte „Augmented Reality“ experimentieren, durch etwas das mehr ist als biologische Sinne und gesammelte Information. Die Erfahrung einer durch elektronische GerĂ€te wie Smartphones, Tablets, Handschuhe, Kopfhörer und Kameras manipulierten und vermittelten Umgebung. Alle EinkĂ€ufe werden mit den unvermeidlichen Kreditkarten oder Mobiltelefonen vorgenommen in Verbindung mit Bildschirmen und Robotern, die computerisierte Trolleys verwenden, die gebaut wurden um „BeziehungsbrĂŒcken“ zwischen Kunden/Klienten/Touristen zu schaffen, die Technologien verwenden, die uns an das RFID-Tagging innerhalb des weitreichenden Ozeans des „Internets der Dinge“ erinnern.

Die Verwendung der „Augmented Reality“ ist ein besonders gefĂ€hrliches PhĂ€nomen, weil sie sich in die psychologischen und sensorischen Prozesse des Individuums einschleicht. Was auf den ersten Blick wie eine Ausweitung der normalen Erfahrung erscheinen mag ist in Wahrheit die Deprivation der individuellen Wahrnehmung jedes menschlichen Sinnes.

Individuelle Entscheidungen, gemacht durch unsere Sinne – oder von dem was von ihnen an GefĂŒhlen, Gedanken und Reaktionen ĂŒbrig ist nach der EinfĂŒhrung der industriellen, gefĂ€rbten und verpackten Produkten – werden nahezu ausgelöscht sein innerhalb des Augmented Reality Prozesses, um alle Aufmerksamkeit auf ein eingerahmtes, aus Pixeln, Anwendungen und generell technologisch vermittelten ReprĂ€sentationen der Ă€ußeren Welt gefilterten Bild zu lenken.

Ferner wird das Individuum durch Tablets und Smartphones die Erfahrung des Riechens, des BerĂŒhrens, oder des Wahrnehmens echter Farben verlieren. Die durch elektronische GerĂ€te vermittelte Erfahrung wird durch Psychologie- und Marketingexperten editiert, die in den Werbedepartments der Unternehmen zusammenarbeiten. Das ist die Beschreibung der durch technologische Prozesse dargestellten Erfahrung, nicht direkte RealitĂ€t. Ein Bild das gegeben ist ohne jede Chance des letztlichen Anwenders, es zu ĂŒberprĂŒfen oder zu hinterfragen, weil der Informationsfluss zwischen den zwei GerĂ€ten, der Input-Output Prozess von gesendeten-empfangenen Daten von den Konzernen selbst vorherbestimmt ist.

Also haben wir den gleichen Akt der Auswahl, der seit der Geburt von Nahrungsmitteln als Supermarktware gemacht wird: So wie einige Produkte als unökonomisch evaluiert, ungeeignet fĂŒr die Regale weggeschmissen oder fĂŒr den unteren Markt abgesondert werden, wird die Information, die von Herstellern als negativ fĂŒr den Verkauf eines Produktes oder fĂŒr seine ReprĂ€sentation auf dem Markt evaluiert wird, vom Datenfluss durch diese GerĂ€te ausgeschlossen“

All das war nur ein Teil des gesamten EXPO2015, innerhalb ihres ehrgeizigen breiteren Themas „Feeding the Planet, Energy for Life“. Dieses Event ist in Wahrheit nichts anderes, als auf die beliebten Unternehmen der Welt abgestimmte WerbeplĂ€tze. NatĂŒrlich braucht diese „Augmented Reality“, der Regel folgend dass neue technische Bestrebungen unter idealisierten Bedingungen von denen eingefĂŒhrt werden, die sehr viel zu gewinnen haben, die Anwesenheit ihrer Verkaufsperson. Dies erinnert an die 1939-1940 stattfindende Weltausstellung in New York, als die amerikanische Industrie eine nahe Zukunft des Transports mit individuellen Jet-Packs, Auslöschung von Krankheiten, das Verschwinden aller Slums und Plagen in den StĂ€dten, die Eliminierung der Plackerei durch Computer und Automatisierung, die uns so fĂŒr die Verfolgung „höherer Ziele“ befreien wĂŒrden, versprach
 Die Einzelheiten davon traten offensichtlich nicht in Erscheinung, eher ging und geht die verfolgte Tendenz stark in Richtung Kontrolle und nicht in Richtung Emanzipation, und die modernen Äquivalente folgen mit der gleichen wohltĂ€tigen Fassade (allerdings anscheinend ĂŒberzeugt, mit eher wenigeren und individualisierteren Versprechungen die heutigen Technologie-SĂŒchtigen fĂŒr sich gewinnen zu können) exakt der gleichen Logik und den gleichen Interessen. ZusĂ€tzlich kann die EXPO in Mailand (genau wie die HP Discover in Barcelona, wie die San Francisco Bay Area, wie Seattle
) im Licht der laufenden Gentrifizierung dieser StĂ€dte unter anderem durch die PrĂ€senz der Hochtechnologiesektoren, betrachtet werden:

“Dieses Miniaturmodell einer den Maschinen unterworfenen Welt und eines brutalisierten tĂ€glichen Lebens, genannt Future Food District, trifft ein weiteres wichtiges Ziel, auf das die Organisatoren wie die institutionellen und kommerziellen Partner der EXPO2015, ins Auge gefasst wird: es ist ein fundamentales Element fĂŒr die Wirtschaftspolitik der Stadt Mailand und der lombardischen Regionalregierung, eine Abschussrampe fĂŒr das Modell der „Smart City“, die sie wĂ€hrend der nĂ€chsten Tourismusausstellungen verkaufen wollen, ein Ort an dem es möglich sein wird die „Augmented Reality“ zu erfahren und zu praktizieren. Das Resultat wird eine fĂŒr den Tourismus modellierte Stadt sein, eine fĂŒr flĂŒchtige Erfahrungen konzipierte urbane Region, die durch durch durchdringende Technologie und eine fĂŒr die GrundbedĂŒrfnisse der informatischen Kommunikation organisierten Umgebung vermittelt werden.

All das ist besonders unangenehm fĂŒr diejenigen, die sich der Konsequenzen bewusst sind, die die Anwendung dieses Haufens von Technologie auf das Leben und die Umwelt mit sich bringt: Mehr Macht fĂŒr die Konzerne und Lobbys, die konstant die institutionelle Politik ansprechen und den Puffer zwischen öffentlich und privat regulieren; mehr Delegation an einen aus selbst ernannten „Experten“ wie Wissenschaftlern, GeschĂ€ftsmĂ€nnern und Teilhabern bestehenden, sozialen Körper, Abbau von anderen Formen von Wissen und Freiheit; mehr Ausbeutung des Lebens in all seinen Formen, entsprechend einer Vorstellung der Wissenschaft als neutral und im Dienste des Fortschritts, als nichts als ein Gegenstand des Experiments betrachtet; mehr LegitimitĂ€t fĂŒr Forschung, Abbau, Produktion und den Trend ihre Reichweite von unserer tĂ€glichen Mahlzeit in unserem Zuhause auf intakte unzivilisierte Gebiete, noch wildes Land und Meere auszudehnen“

(Es sollte erwĂ€hnt werden, dass die Wahrnehmung der EXPO2015 in Mailand durch Krawalle und Zerstörung durch die Gegendemonstration am 1.Mai gekennzeichnet war. ZusĂ€tzlich zu denjenigen mit italienischer NationalitĂ€t, denen die Teilnahme an den aufrĂŒhrerischen ZusammenstĂ¶ĂŸen vorgeworfen wird, ist auch ein Auslieferungsprozess gegen fĂŒnf Beschuldigte aus Griechenland im Gange.)

VII.

Wenn schon die Anwendungen von Hochtechnologie im Future Food District unbedeutend und vielleicht ein wenig fern von dem erscheinen, was wir auf einer alltĂ€glicheren Ebene erleben, kann man sich sicher sein, dass die MilitĂ€rs der Welt seit Jahren mit viel komplexeren und stĂ€rkeren Versionen von den Dingen spielen, die dann sobald sie fĂŒr die Kommerzialisierung wiederverpackt wurden, auf den zivilen Markt durchsickern (Mikrowellen, das Internet selbst und auch Nanotechnologie, die seit ihren frĂŒhen Stadien fĂŒr Raketensysteme verlangt wurde, sind nur einige Beispiele dieses durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch wiederholten Musters). Die bewaffneten KrĂ€fte waren fast immer die Ersten, die in expansionistischen Kulturen von technologischem Kapital profitierten. Auch in diesem Bereich schleudern die gleichen Unternehmen Innovationen hinaus: HP war ĂŒber die Jahre unter den erfolgreichsten Auftragnehmern fĂŒr Waffen und andere MilitĂ€rdienste fĂŒr das Pentagon (und tatsĂ€chlich der Welt) und ist seit 2006 das Unternehmen mit den höchsten Investitionen in Hochtechnologie fĂŒr Israels Polizei und MilitĂ€r. Lasst uns besonders Dinge wie die biometrische ID-Karte und das BASEL Checkpoint Apartheid System von globaler NiedertrĂ€chtigkeit erwĂ€hnen. Das gemeinsame Projekt von HP Labs und der US-Army eignet sich gut um eine weitere klare Verbindung zwischen dem Smarter-Planet-Modell und seiner camouflage-grĂŒnen Version aufzuzeigen. Ziel dieses Projekts ist die Herstellung eines flexiblen Armband-Minicomputers, der um den Deal zu versĂŒĂŸen als etwas angekĂŒndigt wurde, das möglicherweise irgendwie, irgendwann in der Zukunft von Krankenhauspatient_innen verwendet werden könnte
 Wer immer noch am Ernst der Lage zweifelt, möge sich die Erfolgsbilanz ansehen – es ist klar, was davon zu erwarten ist, es ihren Entwicklung zu erlauben, sich auszubreiten.

Bei der NATO Armed Forces Communications and Electronics Association Konferenz, die diesen Sommer in Madrid stattfand, erstreckte sich das Thema „Internet der Dinge“ ĂŒber alle drei Tage. Tony Boyle, der Direktor der Global Services Market Developement and Partnering Abteilung von British Telecom erkannte scharfsinnig die Beziehung zwischen MilitĂ€r und Großkapital. In seinem Report ĂŒber die Konferenz Ă€ußerte er, dass sein Unternehmen „FĂ€higkeiten zum Schutz von kritischen Elementen des Verteidigungs- und Sicherheitsapparates des Vereinigten Königreiches auf nationaler Ebene wie auch in Übersee zur VerfĂŒgung stellt. Das bedeutet, dass wir auch Unternehmen auf dem ganzen Globus schĂŒtzen“ (Neben der Verwendung von RFID, um in Großbritannien einige Pakete zu verfolgen, die mit der Post verschickt werden, ĂŒberwachen sie auch vor Ort „GĂŒter“ fĂŒr britische MilitĂ€rbasen). Als er die GrundsatzprĂ€sentation ĂŒber die Anwendung des „Internets der Dinge“ im Gefechtsraum hielt, und die Wichtigkeit von Cloud Computing und vorhersagender Analyse im MilitĂ€rbereich anpries, lud er zur Defence and Security Equipment International (DSEI) 2015 Waffenmesse in London ein, wo BT mit einigen der „neuen Lösungen“ „angeben“ wĂŒrden, an denen sie gearbeitet haben.

Heute, bei steigender InstabilitĂ€t und wĂ€hrend sich die Schlinge der Grenzen und MĂ€rkte zusammenzieht, ĂŒbernimmt das MilitĂ€r mehr polizeiliche Aufgaben denn je, und viele Sektionen der Polizei selbst werden immer mehr militarisiert. In diesem Kontext betrachtet liegt eine ernĂŒchternde QualitĂ€t in der Idee einer Art brutaler Verbindungsunterbrechung, die in den HĂ€nden der Armee(oder anderen AutoritĂ€ren) wĂ€re, die die Kontrolle in einem Gebiet verschĂ€rfen will. Von einem PrĂ€zedenzfall wie dem bewussten Zielen auf KrankenhĂ€user oder andere zivile Infrastruktur wĂ€hrend und nach dem ersten Irak-Krieg aus beurteilt, könnte eine Smart City (oder Gemeinde, oder Provinz) offensiv verwendet tödlicher sein als je zuvor.

“Verglichen mit den technologischen Fortschritten der vergangenen Jahrhunderte sind diese neuen Experimente sehr schnell und können unsere Gesellschaft tiefgreifend transformieren. Außerdem werden sie nicht in geheimen, von Stacheldraht geschĂŒtzten, Untergrundlaboratorien durchgefĂŒhrt. Sicherlich existieren solche Laboratorien, aber sie sind nicht die einzigen. Die globale Herrschaft dezentralisiert ihre Todeskreationen in zahlreichen Forschungsstrukturen, seien sie privat oder öffentlich(UniversitĂ€ten, nationale Forschungszentren, etc.). Es ist nicht eine einzige Struktur verantwortlich fĂŒr die Realisierung tödlicher Waffen oder hochentwickelter Instrumente der Kontrolle; im Gegenteil, viele Zentren arbeiten an solchen Projekten und jedes trĂ€gt zu einem Teil dazu bei.“

“Die Verbindung zwischen Industrie und Forschung stĂ€rkt sich durch Investitionen, Kollaborationen und gewöhnlichen Projekten mit UniversitĂ€ten, Forschungszentren und Unternehmen
 Aber um was herzustellen? Warum wuchern diese Technologien? Keine technologische Entwicklung kann existieren ohne eine beharrliche Überzeugungsarbeit, die sie ermöglicht. Angst schĂŒren ist in diesem Kontext entscheidend: SicherheitsgrĂŒnde, Bedrohung durch mögliche „Terrorangriffe“ mit biologischen Waffen und Verteidigung der nationalen Grenzen erzeugen eine AtmosphĂ€re des Konsens gegenĂŒber schamlosen Todestechnologien und Sicherheitssystemen, die die Freiheit unterdrĂŒcken. Möglicherweise liegt die Zeit des kalten Krieges nicht so weit zurĂŒck und vielleicht hat sie nie geendet. Gibt es etwas verheerenderes als Nuklearwaffen die gegen NachbarlĂ€nder verwendet werden? Renommierte Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten daran, vor allem in den „harmlosen“ öffentlichen Forschungsstrukturen, die keinen Stacheldraht brauchen“

(Terra Selvaggia)

VIII.

Es scheint unseren Erfahrungen nach klar, dass ein großer Teil der technologischen VorstĂ¶ĂŸe es nicht lange erlauben daraus „auszusteigen“, ohne von großem sozialem Nachteil bedroht zu sein. Wir sind um nur ein Beispiel zu nennen, mittlerweile fast alle praktisch gezwungen, Computer in zumindest gewissen Bereichen unseres Lebens zu verwenden – fĂŒr Arbeit, BĂŒrokratie, Handel und „Kultur“ – weil sich die Gesellschaft völlig um ihre Existenz reformiert hat. (Es ist heute nicht unĂŒblich, dass die Entscheidung, ob ein Arbeitgeber dir eine Arbeitsstelle gibt oder nicht ebenso sehr auf deinem Social Media-Profil basiert, wie auf dem VorstellungsgesprĂ€ch) Das „Internet der Dinge“, „zentrales Nervensystem fĂŒr die Erde“, „Umgebungsintelligenz“, „Augmented Reality“, „Smarter Planet“ oder wie auch immer man es nennen kann, hebt dieses Prinzip auf ein anderes Level, weil wir keine Kontrolle (und oft kein konkretes Wissen) darĂŒber haben werden, wem und wann wir welche Informationen kommunizieren.

Nina Turner, eine Forschungsmanagerin bei International Data Corporation, merkt an dass:

“Der SchlĂŒssel des Internets der Dinge ist, dass es nicht an einem bestimmten Datum realisiert werden wird. Es wird graduell anwachsen, wenn die Menschen ihre Systeme besser verstehen; wenn sie TesteinfĂŒhrungen machen, wird die Verwendung ansteigen“

Hinter der verzerrten Implikation, dass „die Menschen“ aus eigener Initiative, einfach wĂ€hlen wĂŒrden, diese extrem spezialisierte technologische Umgebung auszuprobieren, scheint die Erpressung klar: kollaboriere oder werde zurĂŒckgelassen und dann ĂŒberrollt.

WĂ€hrend wir behutsam durch Milliardeninvestitionen in Werbung und Massenmedien in die Idee, die den Komponenten dieses „Smarter Planet“ immanent ist, eingefĂŒhrt werden, werden bei Gelegenheit Debatten ĂŒber die Ethik von diesem oder jenem individuellen Teil davon auftauchen. Das wissenschaftliche Establishment hat von dem Widerstand gegen gentechnisch modifizierte Organismen (oder zuvor bei der EinfĂŒhrung der Nuklearenergie) gelernt und weiß jetzt den Eindruck von BĂŒrgerbeteiligung zu vermitteln, in dem es nur eine Innovation hervorhebt und schlussendlich ihre Akzeptanz fördert. Die Unternehmen scheinen zuversichtlich, dass wenn keine oder nur wenig Nachfrage nach diesem neuen Netzwerk in der Bevölkerung besteht, Nachfrage wie so viele Male zuvor (wie fĂŒr den ganzen Schrott, der uns bereits umgibt und sich weggeworfen in Ozeanen und MĂŒlldeponien anhĂ€uft), immer geschaffen werden kann, die Massen mitgerissen werden und letztendlich die neuen Technologien begrĂŒĂŸen.

Der Punkt, der offensichtlich sein sollte ist, dass diese ganze Dynamik um die Welt „smarter“ zu machen faktisch dadurch erreicht wird, den Menschen „dĂŒmmer“ zu machen, zu nichts weiter als zur Batterie, die das GerĂ€t betreibt, zu degradieren. Wollen wir, dass unser Urteilsvermögen, unsere Intelligenz, Wahrnehmung und schlussendlich unsere Ethik „ausgelagert“ und automatisiert wird? Denn genau dahin fĂŒhren uns die VerĂ€nderungen, denen wir ausgesetzt sind – zur verminderten KapazitĂ€t aus MaßstĂ€ben und Normen auszubrechen, die in die Technologien von denen wir umringt sind, eingeschrieben sind und von ihnen vorgegeben werden.

Aber es gibt immer noch Raum fĂŒr einen entgegengesetzten Zugang zu den herzlichen Debatten mit Experten und Lobbies, die das bevorzugte Terrain dieser profitgetriebenen Industrien sind, die oft soweit gehen sich als die WohltĂ€ter an der Menschheit darzustellen.

Ein Anliegen das wir aus den Worten von Sam Palmisano (10 Jahre lang Chef von IBM) herauslesen können:

“Denk an die Aussicht auf eine Trillion verbundenen und instrumentierter Dinge – Autos, GerĂ€te, Kameras, Fahrbahnen, Pipelines
 sogar Vieh und Medikamente. Und dann denk an die Menge an Information, die durch die Interaktion von all diesen Dingen produziert wird. Es wird beispiellos sein.“

“Von neuen Modellen der Technologie
 zur VerĂ€nderung der Form des Unternehmens
 zur VerĂ€nderung der Rolle des Individuums im modernen Leben
 Wir betreten eine ganz andere Welt“

“Aber die Idee von Computerchips im Körper, Pillen zu schlucken die deine Gesundheit kontrollieren, und die Daten mit Versicherungsunternehmen und Arbeitgebern teilen – darĂŒber wird sich nicht jeder freuen. “

Bereits bedroht durch eine sterile urbane Umgebung, die wir stĂ€ndig ertragen mĂŒssen, in der die meisten uns umgebenden Menschen weniger an das GefĂŒhl von Gras oder des Windes gewöhnt sind, als an die Tastatur und den Bildschirm eines GerĂ€ts, sind wir unter jenen, die den Pfad nicht akzeptieren ĂŒber den uns die technologisch-industrielle Gesellschaft treiben will. Wir sagen mit Nachdruck: Wir glauben nicht, dass das Greifen nach der mutmaßlich „post-ökologischen“ Welt der Nanowissenschaftler_innen und Transhumanist_innen etwas anderes als ein Desaster sein kann, weil die Menschheit untrennbar mit zirkulĂ€ren EnergieĂŒbertragungen (die ĂŒber maschinelle Berechnung hinausgehen) verflochten ist, die uns an andere Tiere, Pflanzen und Regionen binden – und durch die Missachtung dieser Grundlage der Existenz hat die Zivilisation bereits die BiodiversitĂ€t selbst in Gefahr gebracht. Wir lassen uns nicht von den wohltĂ€tigen Gesichtern ablenken, die sie den Technologien manchmal verleihen. Wenn sie nicht komplett erschaffene „BedĂŒrfnisse“ ansprechen, sind sie fast alle falsche oder bestenfalls temporĂ€re Lösungen fĂŒr Probleme, die durch die soziale Organisation und die Manöver der MĂ€chtigen verursacht werden – nicht durch einen Mangel an Technologie.

Sie versuchen unsere Welt nach den BedĂŒrfnissen ihrer Maschinen zu strukturieren. Wir versuchen anders zu leben. Wir haben unsere eigenen Verlangen, eine andere Richtung fĂŒr das was uns umgibt, und das ist nicht die der europĂ€ischen Umwelthauptstadt (die dieses Jahr Bristol war, wo sich zufĂ€lligerweise das europĂ€ischen Hauptquartier von HP Labs befindet). Wir trĂ€umen von Trieben, die den Asphalt durchbrechen und sich in den Ruinen der BĂŒroblocks schlĂ€ngeln, von StrĂ€uchern, die auf den leeren FlĂ€chen alter Kraftstofflager und Garagenvorhöfen ausbrechen, von durch die Wildnis, uns und anderen einst verbannten oder eingedĂ€mmten Spezies, wiederbelebten Straßen. Bis zu dem Tag an dem wir alle frei von ihrem Gift atmen und den Gesang der Vögel statt dem stĂ€ndigen LĂ€rm der Automotoren hören.

Ob dies wahrscheinlich oder ĂŒberhaupt möglich ist, ist fĂŒr uns eine offene Frage. Komme was wolle, unser Abenteuer besteht darin danach zu greifen und wir wissen, dass dadurch der Verlauf unseres Lebens komplizierter, aber zweifellos bereichert sein wird. Aldo Leopold könnte Recht damit gehabt haben zu behaupten, dass der Fluch, diese Art von TrĂ€umen ertragen zu mĂŒssen ist, sich so scharfsinnig bewusst darĂŒber zu sein „in einer Welt der Wunden zu leben“, dennoch können wir durch die Gitter der UnterdrĂŒckung und Entfremdung, die unsere Leben durchkreuzen, die Spuren der Freiheit, die wir verfolgen kosten. Und das ZĂŒndholz unserer rebellischen Gedanken gegen die hohen Mauern des Bestehenden schlagen, so dass sich die Leidenschaften entzĂŒnden könnten
 Inzwischen werden wir die Geister in ihrem System sein, dem Blick des Sicherheitsapparates ausweichen und das Feld des technologischen Fortschritts betreten, nicht um zu debattieren, sondern um es physisch zu bekĂ€mpfen. Wenn der totalitĂ€re Einschluss des „Internets der Dinge“ ihre Vision ist, hat unsere Gedanken eine andere entfacht.

“Es gibt einige von uns die mit einem Defekt gemacht sind, mit dem der Maschine nicht treu zu sein“

(Adrian Magdaleno, Tier- und Erdbefreiungsgefangener eingesperrt vom mexikanischen Staat)

IX.

Jetzt wĂ€re normalerweise die Zeit gekommen, wo ein Text wie dieser zu Ermunterungen, Zuspruch oder geschicktem Schmeicheln ĂŒbergehen wĂŒrde. Und wir leugnen nicht teilweise wegen des Verlangens zu schreiben ĂŒber das hinauszureichen, das wir bereits kennen und um diejenigen zu finden, die wie emporkommende GlĂŒhwĂŒrmchen in der langen Nacht von diesen Worten etwas mitnehmen, das dem nahe ist, was wir versuchten zu vermitteln – um zu sehen, was passiert und was widerhallt. Wozu wir uns nicht bekennen werden ist eine Beschreibung, ein Rezept, egal welcher Art, fĂŒr den Kampf und die Zukunft, eine scharfe Analyse der schwĂ€chsten Punkte des Systems, eine Festlegung auf die „objektive“ Strategie fĂŒr „RevolutionĂ€re“. Wir wissen nicht ob die Möglichkeiten zu einer ernsthaften Destabilisierung der technologisch-industriellen Gesellschaft von uns oder anderen wie uns genutzt werden können. Aber in unserem tĂ€glichen Leben und durch (unoffizielle) Geschichten erfahren wir, dass die herrschende Ordnung nie so stabil ist wie sie sich darstellt.

TatsĂ€chlich beruht die vermeintliche BestĂ€ndigkeit der technologischen Infrastruktur auf einem Bild, das sie als gleichzeitig flĂŒchtig und unĂŒberwindlich erscheinen lĂ€sst. FlĂŒchtig, insofern als dass es uns die vollstĂ€ndige TĂ€tigkeit und die Verflechtungen von den regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken und FlĂŒssen, die die herrschende Ordnung, wie wir sie kennen, aufrechterhalten, nicht beigebracht werden und wir sie wahrscheinlich nicht verstehen. Und im Zeitalter des Internets der Dinge scheinen sogar die sichtbaren Komponenten im Äther zu verschwinden. UnĂŒberwindlich, insofern als dass die Apparatur aus der sie zusammengesetzt ist, so allmĂ€chtig, so allgegenwĂ€rtig erscheint und allem voran von einem großen Teil der Bevölkerung in der „entwickelten“ Welt geschĂ€tzt und in Ehren gehalten wird. Aber – genau wie die hochtechnologischen GerĂ€te unserer Zeit die Minerale und Verarbeitung von Rohstoffen brauchen, fĂŒr deren Erhaltung das Antlitz des Planeten außerhalb des direkten Blickes aus der Metropole geplĂŒndert wird – sind die Netzwerke und Prozesse selbst von physischer Infrastruktur abhĂ€ngig – von Kabeln, Leitungen, Antennen, EmpfĂ€ngern, Bildschirmen, Servern, Programmierer_innen und Ingenieur_innen.

Was kann es bedeuten gegen so monströse EntitĂ€ten wie jene, die den „Smarter Planet“ verkĂŒnden, zu kĂ€mpfen? Einige der am meisten fortgeschrittensten PlĂ€ne fĂŒr diese schöne neue Welt werden bereits in speziell errichteten urbanen Regionen in SĂŒdostasien (Singapur, SĂŒdkorea etc.) umgesetzt, aber es wĂ€re ein Fehler zu denken, dass dies der Punkt ist, wie es ernsthaft beginnt. Das ist die Abstraktion, die die technologische Entwicklung als etwas beschreibt wo weit von unserem tĂ€glichen Leben entfernt die Vertiefung der Kontrolle verfeinert wird und uns gegenĂŒber dem blendet, was direkt vor unseren Augen geschieht.

In Wirklichkeit erstreckt sich der Fortschritt der technologisch-industriellen Gesellschaft ĂŒber das gesamte Terrain. Er ist nicht beschrĂ€nkt auf die HiTech-Industriezonen (Silicon Valley, das MINATEC in Grenoble, das Bristol-Bath Design Cluster), sondern eher verstreut in harmlosen Instituten unzĂ€hliger UniversitĂ€ten, regionalen UnternehmensbĂŒros, wird bei öffentlichen Events prĂ€sentiert und getestet, im Netz konstruiert und von Masten weitergegeben, entfaltet sich im Kartieren von urbanem und lĂ€ndlichem Raum und in auf Crowdsourcing-basierenden Innovationen
 Kurz, das Labor ist die ganze Metropole und ihre entlegenen Kolonien, im gegenwĂ€rtigen Augenblick tatsĂ€chlich der Großteil des Globus.

Manchmal werden wir nicht alle die KohĂ€renz haben SchlĂ€ge gegen die eifrigen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und andere SĂ€ulen der Techno-Wissenschaft auszufĂŒhren. Wir denken nicht nur an die Angriffe auf BiotechnologiePropagandisten in Mexico, sondern auch an die vergangenen Störungen der Adern der transnationalen EnergieĂŒbertragung, die diese Welt auf dem Weg zu ihrer Objektifizierung und Vernichtung beschleunigen, die in den Alpen und anderswo verursacht wurden. Wir denken, dass es fĂŒr jeden Hauptsitz von Unternehmen oder Informationsknoten, der in Brand gesetzt werden könnte, Meilen von GlasfaserkanĂ€len gibt die der Wirtschaft und Industrie dienen, wĂ€hrend sie den Massen Opiate eintrĂ€ufeln und die wertvollen Daten im Schlepptau davontragen. Jeder Überwachungsknoten (Kameras, Mobiltelefonfunkmasten, Kartenleser) kann sabotiert werden und es gibt einen Techniker, der, obwohl er von der technologischen Vergiftung der Erde proftiert, fĂŒr immer humpeln wird. Die Ausstellungen und die Propaganda der Entwickler kann untergraben und lĂ€cherlich gemacht werden, techno-positive Einstellungen können in unseren eigenem sozialen Umfeld behindert und gekontert werden, wenn es als eine Möglichkeit fĂŒr fruchtbare Subversion erscheint. Auch die Versorgungsketten fĂŒr Treibstoff oder Maschinerie, genauso wie fĂŒr Energie und Daten (die immer noch nicht so „smart“ sind wie sie dich glauben machen wollen, wenn es zu Störungen an ihren Engstellen kommt) können angegriffen werden. Und es besteht die Notwendigkeit, das zu verteidigen und die SensibilitĂ€t fĂŒr das zu fördern, das fĂŒr immer wirklich verbindend, ermĂ€chtigend und ökologisch ist – unsere Verbindung innerhalb des Überbaus einer gesunden und diversen Landschaft, das Ausleben und Ermutigen zu einer wilden Bahn von Missachtung, Dezivilisierung und ZurĂŒckweisung der GerĂ€te. Obwohl es fĂŒr viele von uns schwer sein könnte, irgendeine Art von signifikanter ökologischer Verbindung in unserem tĂ€glichen urbanen Leben zu entfachen, scheint nichts anderes uns den lebenslangen Elan gegeben zu haben der uns in Spannung gegen das Bestehende halten konnte, ohne uns zu verbittern und innerlich zu verfaulen.

Diese Worte sind nichts Neues. Und natĂŒrlich ist dies auch kein reduktionistischer Aufruf, alle KĂ€mpfe, außer jenen gegen die technologischen Systeme (oder ihre spezifischen Zweige, die in diesem Text beschrieben wurden) aufzugeben. Solche Analyse haben wir immer als recht naiv bezĂŒglich der tieferen Natur der Entfremdung und der zivilisierten Machtstrukturen empfunden, die wir alle hinweg gefegt sehen wollen. Außerdem werden unsere GefĂ€hrt_innen natĂŒrlich tun was sie wollen
. Wir möchten einfach diejenigen, die Ă€hnlichen Gedanken bezĂŒglich der Art von Befreiung haben, die wir anstreben, ersuchen, sorgfĂ€ltig darĂŒber nachzudenken, welche MĂ€chte uns derzeit befrieden und große Teile der Bevölkerung behindern und welche MĂ€chte gegen jede Art von Kampf aufkommen werden, wenn er beginnt, gegen den autoritĂ€ren Leviathan an Boden zu gewinnen. Mehr und mehr sind und werden es die MĂ€chte der TechnosphĂ€re sein.

Abschließend geben wir den Vorschlag wider, der auf der SolidaritĂ€tsversammlung am 29. November bei Radio Blackout aufkam, eine Woche (oder nicht nur) der Aktion zu bestimmen um â€ždie dringende Notwenigkeit, den neuen durch die Techno-Wissenschaften geschaffenen Totalitarismus zu bekĂ€mpfen“ hervorzuheben. Der Anfangspunkt soll der Prozess gegen Costa, Silvia und Billy sein, allerdings nicht mit dem Ziel â€žunsere Aufmerksamkeit nur auf diesen spezifischen Repressionsfall zu fokussieren, sondern ihn als Gelegenheit nutzen um eine gemeinsame ProjektualitĂ€t entwickeln und ihn in neue Möglichkeiten fĂŒr Kritik und Kampf zu verwandeln“. Unser Beitrag zu diesem Vorschlag ist diese kleine Analyse davon, wie das „Internet der Dinge“, der kybernetische feuchte Traum der Ingenieure der sozialen Kontrolle, im Hier und Jetzt mit den Nano- und „Lebens“-Wissenschaften ein beinahe unvorstellbares Potential fĂŒr die Repression brĂŒtend, mit der Aufrechterhaltung dieses verhassten autoritĂ€ren und umweltzerstörenden Systems zusammenlĂ€uft. Dies lĂ€sst uns mit einer weiteren Front zurĂŒck, an der wir den befreienden Konflikt austragen. FreiheitskĂ€mpfer_innen der Welt, es ist an der Zeit eine geballte Faust gegen die TechnologieMultinationalen und ihre Infrastruktur zu werden.

Aus diesem Grund veröffentlichen wir diesen Text wĂ€hrend den NĂ€chten des Schwarzen Dezembers(wie immer eine Zeit, um international nicht nur die Angriffe, sondern auch die Analyse zu intensivieren) und vor dem Prozess gegen die Saboteure der Earth Liberation Front – Switzerland. WĂ€hrend diese kurzen Abende hereinziehen, genĂ€hrt durch antagonistische Feuer, Bannerdrops, aufrĂŒhrerische Versammlungen, und wie Winke quer ĂŒber die Kontinente verschickte Nachrichten, fliegen unsere Gedanken ĂŒber den Atlantik zu einem weiteren Krieger der Earth Liberation Front, zehn Jahre nach seinem Tod in Gefangenschaft. Bill „Avalon“ Rogers wurde durch den amerikanischen Staat (und Denunzianten) mit einer Reihe befreiender Aktionen in Verbindung gebracht, die zornig techno-wissenschaftlichen Forschungszentren der Erd- und Tierausbeutung landesweit in Flammen aufgehen ließen. Avalon machte seinen „GefĂ€ngnisausbruch“ wenige Tage nach seiner Verhaftung und die unternehmerisch-wissenschaftliche Staatselite kann sich niemals sicher sein, wann und wo die Fackel wieder durch den rebellischen Geist aufgehoben wird, der durch das GefĂ€ngnis ihrer StĂ€dte und Vorposten nach dem Schlag einer anderen Trommel tanzt, im Streben nach dem, das die zivilisierte Ordnung nicht ĂŒbertönen kann.

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Quelle: Schwarzerpfeil.de