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Konferenz von zu meist sĂŒdostasiatischen Basisgewerkschaften
Ein Delegierter der FAU (links) auf einer internationalen Konferenz im Februar 2020 von zu meist sĂŒdostasiatischen Basisgewerkschaften in Colombo (Sri Lanka), um im Kampf fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie sich gegenseitig zu unterstĂŒtzen. (Foto: FAU)

Die FAU versteht sich als revolutionĂ€re und anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft. Anders als viele andere Gewerkschaften, haben wir keine FunktionĂ€r*innen, sondern organisieren uns als Basis selbst. Unsere Gewerkschaft besteht also aus Einzelmitgliedern, die sich einem Syndikat oder einer Region verbunden fĂŒhlen und sich fĂŒr ArbeitskĂ€mpfe, solidarische Aktionen, Kampagnen usw. zusammentun und zusammenarbeiten. Dabei versuchen wir immer uns möglichst hierarchiefrei zu organisieren. Entscheidungen werden grundsĂ€tzlich nicht von Einzelpersonen, sondern von der Gruppe getroffen. Die Personen, die im Rahmen ihres Mandats bestimmte Funktionen ĂŒbernehmen, sind im Sinne eines imperativen Mandats an die Entscheidung der Gruppe gebunden, sie fĂŒhren also nur aus, was die Gruppe will. Das gilt auch fĂŒr die internationale Arbeit, die ein grundlegender Gedanke unserer Gewerkschaft ist.

Berta Bellona, Internationale SekretÀrin im der FAU

Wir gehen davon aus, dass indirekt oder direkt LohnabhĂ€ngige sich jenseits von Unterschieden in ihrer sozioökonomischen Lage verbinden können und mĂŒssen, wenn den globalen unterdrĂŒckenden ökonomischen Bedingungen etwas entgegengesetzt werden soll. Aus diesem Grund ist die FAU an internationalen Kontakten sehr interessiert. Aufbau und Pflege von Kontakten zu gewerkschaftlichen Organisationen auf internationaler Ebene sind ein wichtiger Teil unseres praktischen SelbstverstĂ€ndnisses. Auf diesem Weg erfahren wir von Soli-Aktionen, bei denen wir uns beteiligen können oder tragen zur Vernetzung und Kooperationen von LohnabhĂ€ngigen innerhalb derselben Wertschöpfungskette oder desselben Unternehmens bei. Das erhöht die Verhandlungsmacht der LohnabhĂ€ngigen erheblich und hat auch ermutigende Wirkung fĂŒr zukĂŒnftige Kampagnen. Außerdem kann nur durch solchen Austausch der MobilitĂ€t vieler Arbeiter*innen ĂŒber Grenzen hinweg Rechnung getragen werden. Durch einen intensiven Austausch mit anderen Basisgewerkschaften können gemeinsame Handlungsmöglichkeiten gegen unterdrĂŒckende ökonomische Bedingungen entwickelt werden.

Transnational vernetzt

Internationale Anfragen an die FAU und Kontakte in verschiedene Regionen laufen in der Regel ĂŒber das Mandat des Internationalen Sekretariats (I-Sek). Es soll internationale Kontakte der FAU aufbauen und pflegen und koordiniert die Kontaktpersonen in die jeweiligen Regionen. Diese Gruppe aus Kontaktpersonen heißt Internationales Komitee (IK). Konkreter bedeutet das, dass sich I-Sek und das IK regelmĂ€ĂŸig treffen und besprechen, was es Neues aus den Regionen gibt, wo gerade revolutionĂ€re Bewegungen passieren und was wir tun können, um unsere SolidaritĂ€t zu zeigen. Zum Beispiel durch die UnterstĂŒtzung von Aktionen, Verbreiten von Informationen, Sammeln von Spenden, Verschicken von Soli-Botschaften, Übersetzungen. Die Online-Treffen des Internationalen Komitees mit den I-Sek fanden im letzten Jahr ungefĂ€hr alle sechs Wochen statt. Kontaktpersonen aus der FAU, die ein Mandat im IK haben, decken die Regionen bzw. LĂ€nder Nordostsyrien, Schweden, Asien, Frankreich, Griechenland und Polen ab.

Das IK betreut also freundschaftliche, teilweise lose oder kurzfristigere Kontakte von Gewerkschaftsmitglied der FAU zu Gewerkschaftsmitglied einer anderen Gewerkschaft. DarĂŒber hinaus ist die FAU aber auch Mitglied in der International Confederation of Labour (Internationale Konföderation der Arbeiter*innen). Weitere feste Mitglieder der Internationalen sind Gewerkschaften aus Griechenland (ESE), Spanien (CNT), Italien (USI), Kanada/USA (IWW), Argentinien (FORA) und Polen (IP).

Reproduktive Rechte sind Arbeiter_innen-Rechte!

Unser Austausch mit der polnischen Gewerkschaft IP (Inicjatywa Pracownicza) ist ein gutes Beispiel fĂŒr unsere praktische Arbeit. Als im Oktober letzten Jahres das faktische Abtreibungsverbot in Polen verkĂŒndet wurde und dort wieder feministische Massenproteste und Streiks losgingen, konnten wir schnell reagieren. Unser Polen-Beauftragter konnte uns durch seinen Draht zur IP und seine Sprachkenntnis schnell (und immer wieder) Informationen ĂŒbermitteln. Die wurden wiederum mit Infos aus persönlichen, freundschaftlichen, anarch@-queeren, auch gewerkschaftsfernen Kontakten anderer IK-Mitglieder angereichert. Wir schrieben als IK ein Statement mit dem Titel »Reproductive rights are workers’ rights!« und schickten es ĂŒber die Grenze, spĂ€ter im Februar folgte eine weitere Solibotschaft, die in der IP verbreitet wurde. Unsere Infos und Kontakte konnten auch in lokalen FAU-Syndikaten genutzt werden, beispielsweise in Dresden. Dort wurde unser Statement auf einer Spontankundgebung auf polnisch verlesen und erzeugte kĂ€mpferische Reaktionen. Weiterhin gab es zum 8. MĂ€rz einen musikalischen Soligruß an Feminist*innen und Queers in Polen sowie einen entsprechenden Redebeitrag auf dem Streikposten an der Elbe, der lautstĂ€rketechnisch die paar Kilometer bis nach WrocƂaw ĂŒberwunden hat. So ist es möglich, dass die Überlegungen, Forderungen und KĂ€mpfe der polnischen Freund*innen uns inspirieren, trotz der Unmöglichkeit persönlicher Treffen.

Herausforderungen internationaler Vernetzung und Zukunftsideen

Anhand der feministischen Streik-Vernetzung werden aber auch Schwierigkeiten internationaler Vernetzung deutlich. Gleich beim GrĂŒndungskongress 2018 hat die Internationale Konföderation der Arbeiter*innen (IKA) beschlossen, als feministische Internationale die Streikbewegungen rund um den 8. MĂ€rz zu unterstĂŒtzen. Damals waren alle noch frisch beeindruckt vom Riesenstreik in Spanien. Die internationale feministisch-gewerkschaftliche Vernetzung steckt aber noch in den Kinderschuhen und an gemeinsame Streikabsprachen zum 8. MĂ€rz war bislang noch nicht zu denken. Bestenfalls bekommen wir irgendwas davon mit, was die anderen tun. Gerade in der Pandemie, wo vorhandene Ressourcen zum bloßen Struktur-Erhalt und zur Selbstsorge gebraucht werden, konnten wir das noch nicht vorantreiben. In diesem Jahr bekamen die verschiedenen FAU-Syndikate selbst untereinander nicht mit, was geplant wurde. Das liegt auch an der Pandemie, aber nicht nur daran.

Das Problem ist, dass internationale Vernetzung politisch Aktiven auf lokaler Ebene oft wie eine Art »Zusatz« vorkommt, den mensch noch schafft, wenn es Zeit- oder Energiepuffer gibt. Sie ist noch nicht genug in unseren Gewerkschaftsalltag eingebunden. Und wenn sich Mitglieder explizit fĂŒr internationale Arbeit interessieren, sind es meistens MĂ€nner. Ein weiteres Problem ist, dass wir selten mehrsprachig arbeiten. Das wĂŒrde mehr Mitglieder mit direkten internationalen Kontakten anziehen. Eine Internationalisierung lokaler gewerkschaftlicher KĂ€mpfe wĂŒrde da, wo sie Sinn macht, große Lerneffekte bedeuten. Das ist in Sachen (feministischer) Streik in Deutschland wirklich nötig. Oft kommt das Thema erst ein paar Wochen vor dem 8. MĂ€rz auf und dann wird eben nicht mehr viel geschafft. Und so erscheint auch Feminismus in der Praxis an vielen Stellen als Zusatzthema. Zwar sind sich alle ĂŒber den klaren feministischen Anspruch einig, dennoch mĂŒssen wir immer wieder dafĂŒr kĂ€mpfen, Geschlecht als notwendige grundsĂ€tzliche Perspektive auf Arbeit zu verstehen. Der 2017 gegrĂŒndete bundesweite Arbeitskreis fem*fau und eine vor kurzem gegrĂŒndete Selbstorganisierung von trans- und inter-Mitgliedern schafft einen Raum, in dem Erfahrungen ausgetauscht und ggf. kollektiv beantwortet werden können. Basisdemokratische Strukturen und ein herrschaftskritischer, feministischer Anspruch sind jedenfalls gute Voraussetzungen, MissstĂ€nde zu benennen und zu verĂ€ndern. Deshalb sind wir in der FAU, und nicht in einer Gewerkschaft des DGB. Ein schöner Ausblick wĂ€re die GrĂŒndung einer feministischen Arbeitsgemeinschaft in der IKA.

»Make Rojava Green Again«

Ein weiterer Schwerpunkt unserer internationalen Kontakte ist Nordostsyrien. Wir verfolgen die revolutionĂ€re Bewegung in Rojava mit Anteilnahme und haben unter anderem die Kampagne »Make Rojava Green Again« (CONTRASTE berichtete in Ausgabe Nr. 412, Januar 2019) unterstĂŒtzt. Durch Kontakte in die Region erfahren wir regelmĂ€ĂŸig und direkt ĂŒber dortige Geschehnisse.

Sich fĂŒr die kommenden Pandemie-Monate weiter zu motivieren, ist nicht immer leicht. Schön ist, dass wir nach dem Kongress der FAU im Mai neue Mandatierte erwarten und dass erstmals eine Delegation der zapatistischen Bewegung aus Chiapas/Mexiko zu Besuch kommt. Auf diesen Austausch und die Vernetzung freuen wir uns, sowie auf Austausch und Vernetzung mit allen kĂ€mpferischen Gewerkschaften, die sich gegen Kapitalismus, Staat und Patriarchat organisieren wollen!




Quelle: Direkteaktion.org