Januar 14, 2022
Von Anarchosyndikalismus
268 ansichten

Folgende Stellungnahme der anarchosyndikalistischen KRAS-IAA aus Russland zu den Ereignissen in Kasachstan wurde vom Wiener Arbeiter*innen-Syndikat ĂŒbersetzt:

„Wir, die AnarchosyndikalistInnen und AnarchistInnen Russlands, bekunden unsere volle und uneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€t mit dem sozialen Protest der WerktĂ€tigen Kasachstans und senden ihnen unsere GrĂŒĂŸe als GenossInnen!

Die gegenwĂ€rtige Explosion des sozialen Proteste in Kasachstan, eine der Herausragendsten und GrĂ¶ĂŸten seit Beginn des neuen Jahrhunderts, ist der Höhepunkt der Streikwelle von ÖlarbeiterInnen und ArbeiterInnen aus weiteren Industrien im Land, die seit dem letzten Sommer nicht mehr aufgehört hat.

Die arbeitende Bevölkerung Kasachstans erholte sich allmĂ€hlich von dem schrecklichen Massaker an den ProletarierInnen, das 2011 vom diktatorischen Regime Nasarbajews veranstaltet wurde, und begann, konsequent höhere Löhne und die Möglichkeit zur GrĂŒndung von Gewerkschaften und anderen ArbeiterInnenvereinigungen zu fordern. Die Armut der Mehrheit der Bevölkerung, die grausame Ausbeutung der Arbeitskraft, der Anstieg der Preise, die tĂ€gliche UnterdrĂŒckung und der Mangel an Rechten machten die Lage der arbeitenden Menschen unertrĂ€glich und zwangen sie, sich zu Protestaktionen zu erheben.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war die Entlassung von Zehntausenden von ÖlarbeiterInnen im Dezember 2021, die EinfĂŒhrung einer „Gesundheits“-Diktatur unter dem Vorwand der „BekĂ€mpfung der Pandemie“ und eine drakonische Erhöhung der Gaspreise. Am 3. JĂ€nner begann in der Region Mangghystau ein Generalstreik der ArbeiterInnen, der bald auf andere Regionen des Landes ĂŒbergriff. In der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans, Almaty, kam es zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Demonstrierenden und RepressionskrĂ€ften; es gibt Dutzende oder sogar Hunderte von Toten und Verletzten. WĂ€hrend der Proteste begingen benachteiligte Menschen, vor allem junge Arbeitslose und BinnenmigrantInnen, Akte der kollektiven Enteignung und zerstörten viele große Einkaufszentren, GeschĂ€fte und Bankfilialen. In einer Reihe von FĂ€llen weigerten sich die Truppen, das Feuer auf die AufstĂ€ndischen zu eröffnen.

Die Proteste im Land sind spontan und unkoordiniert, weshalb die TeilnehmerInnen eine Vielzahl von – oft widersprĂŒchlichen – Parolen und Forderungen vorbringen. Wir unterstĂŒtzen vor allem diejenigen, die eine eindeutig soziale Ausrichtung haben und den Streik und den Aufstand in Kasachstan deutlich von den zahlreichen wahl-taktischen Protesten und politischen Putschen der letzten Jahre unterscheiden. Folgende Forderungen wurden auf den Protestkundgebungen und in den sozialen Netzwerken verbreitet: RĂŒcknahme der Gaspreiserhöhung, die Erhöhung der Löhne um 100 %, die RĂŒcknahme der Erhöhung des Renteneintrittsalters, die Ergreifung von Maßnahmen zur BekĂ€mpfung der Arbeitslosigkeit, die Abschaffung der Impfpflicht gegen COVID-19, der Lockdowns und der diskriminierenden Segregationsmaßnahmen, usw.

Um die soziale Revolte zu beenden und Zeit zu gewinnen, sah sich das verĂ€ngstigte Regime gezwungen, ZugestĂ€ndnisse zu machen: Eine Senkung der Gaspreise zu verkĂŒnden, die Preise fĂŒr „sozial wichtige“ GĂŒter fĂŒr 180 Tage einzufrieren, die Regierung zu entlassen und den De Facto-Diktator, den MilliardĂ€r Nasarbajew, vom Posten des Vorsitzenden des Sicherheitsrates von Kasachstan zu entfernen. Doch all dies half nicht. Die westlichen Ölgesellschaften verlangten mit Nachdruck, dass PrĂ€sident Tokajew die kapitalistische Ordnung wiederherstellt. Die Machthaber des Landes verhĂ€ngten den Ausnahmezustand und Ausgangssperren, verboten Kundgebungen und Streiks und gingen mit Strafmaßnahmen gegen DemonstrantInnen und AufstĂ€ndige vor, wobei Ströme von Blut vergossen und Tausende von Menschen verhaftet wurden.

Auf Ersuchen des kasachischen Regimes werden Truppen aus einer Reihe von LĂ€ndern des militĂ€risch-politischen Blocks unter FĂŒhrung der Russischen Föderation ins Land gebracht, um die sozialen Proteste zu unterdrĂŒcken. Sie sollen die Rolle eines Gendarmen fĂŒr das Weltkapital erfĂŒllen und die Flammen der sozialen Rebellion niederschlagen, damit ihr Beispiel, ihre Slogans und Forderungen nicht auf andere LĂ€nder ĂŒbergreifen, erfasst von ArbeiterInnenstreiks und Massenprotesten gegen die weit verbreitete „Gesundheits“-Diktatur und ihre Apartheid.

Wir, die russischen AnarchosyndikalistInnen und AnarchistInnen, verurteilen jede UnterdrĂŒckung der sozialen Proteste der arbeitenden Bevölkerung Kasachstans und die schĂ€ndliche konterrevolutionĂ€re auslĂ€ndische Intervention unter FĂŒhrung des Kremls auf das SchĂ€rfste.

Wir verurteilen alle Versuche von PolitikerInnen jeglicher Couleur den sozialen Protest der kasachischen ArbeiterInnen zu nutzen, um selbst an die Spitze der Macht zu gelangen und das Eigentum zu ihren Gunsten umzuverteilen.

Wir stehen fest entschlossen und ohne das geringste Zögern auf der Seite der gegenwÀrtigen sozialen Revolte in Kasachstan und rufen die WerktÀtigen Russlands und der ganzen Welt auf, sich mit ihr praktisch zu solidarisieren.

FÜR DIE ERFÜLLUNG DER SOZIALEN FORDERUNGEN DER ARBEITERiNNEN KASACHSTANS!

SCHLUSS MIT DER UNTERDRÜCKUNG DER PROTESTE IN KASACHSTAN UND DER REPRESSION GEGEN IHRE TEILNEHMERiNNEN!

FREIHEIT FÜR ALLE VERHAFTETEN DEMONSTRANTiNNEN!

KEINE AUSLÄNDISCHE INTERVENTION!

SCHANDE ÜBER DIE INTERVENTIONISTiNNEN!

Anarchistische Initiative StopTotalControl

Informationskommission der KRAS, IWA-Sektion in der Region Russland“

Quelle: https://iwa-ait.org/content/deklaration-zu-kasachstan




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org