November 25, 2020
Von Anarchistische Aktion Zentralschweiz
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https://www.anarchistfederation.net/pixel.jpg?z=Folgende Passage wurde von den GefĂ€hrten von CetteSemaine ĂŒbersetzt:

Wir wissen, dass die Frage der SolidaritĂ€t gegenĂŒber der Repression, und besonders gegenĂŒber der Einsperrung von Kameraden nicht immer eine selbstverstĂ€ndliche ist. Um nicht jedes mal bei Null zu beginnen, ĂŒbermittelt uns die Erfahrung, dass eine der Art und Weisen, sich nicht niederschlagen zu lassen und seine SolidaritĂ€t auszudrĂŒcken, jene ist, den Kampf fortzufĂŒhren, wĂ€hrend wir auch die Ideen verteidigen, die wir mit den Kameraden teilen, die eingeknastet sein. Es ist hauptsĂ€chlich aus diesem Grund, dass, angesichts der Repression mit den AutoritĂ€ren “Einheitsfronten” zu bilden (ohne  von den Gewerkschaften und den Linksparteien zu sprechen) nur zur Verwirrung und zur AbschwĂ€chung eben dieser Ideen, des Wieso unseres Kampfes fĂŒr die Freiheit beitragen kann.
UnglĂŒcklicherweise geschieht es gelegentlich, dass gewisse AutoritĂ€re versuchen, ihr Salzkorn unter den Elan von SolidaritĂ€t gegenĂŒber Kameraden zu mischen, trotz der Positionen der Eingesperrten oder jener, die sich in den Strassen und Versammlungen ausdrĂŒcken. Eine der Möglichkeiten, auf diese Rekuperation zu erwidern, kann es also sein, seine eigenen Inhalte klarzustellen, wenn dies nicht ausreichend getan wurde, oder, indem man beispielsweise öffentlich, von der einen oder anderen Seite der GitterstĂ€be aus, ausdrĂŒckt, wieso ihre “SolidaritĂ€t” nicht jene ist, die willkommen ist.

In Italien ist Alessio einer jener Kameraden, der nach den Hausdruchsuchungen vom vergangenen 26. Januar infolge der Konfrontationen im Val Susa im  Sommer 2011 in Untersuchungshaft genommen wurde. Noch immer im GefĂ€ngnis von “La Vallette” von Turin eingesperrt, hat er schon mehrere Briefe geschrieben. Gleich nach den Verhaftungen haben zwei Orte von Napoli, die an die sozialen Zentren (post-Disobbedienti) gebunden sind, ein KommuniquĂ© der “SolidaritĂ€t und Komplizenschaft” mit ihm veröffentlicht. Nachdem er drinnen davon erfuhr, hat Alessio eine Woche spĂ€ter einen Brief veröffentlicht, in dem er zwei drei kleine Punkte klarstellen will. Wir veröffentlichen hier eine Übersetzung davon.

 

Antwort von Alessio auf des SolidaritÀtscommuniqué von Ska und Officina99

Im Bezug auf das SolidaritĂ€tscommuniquĂ© von Ska und Officina99 empfinde ich das BedĂŒrfnis, einige PrĂ€zisierungen anzubringen. Nur einige Linien, die sehr einfach zu verstehen sind, wenn man sie mit Aufmerksamkeit liest, anschliessend werde ich nicht mehr darauf zurĂŒckkommen, zumindest nicht, solange ich nicht von einem anderen, ebenso abstossenden CommuniquĂ© wie diesem dazu gewungen werden sollte.

Die Worte, und vor allem die Texte, haben immer ein Gewicht, es ist also wichtig, sich dessen bewusst zu sein, wenn man sich an andere Individuen richtet, vor allem, wenn sich diese letzteren im GefÀngnis befinden.

In eurem Communiqué behandelt ihr mich als einen Kameraden, der sich gegen dieses faschistische System, in ökologischen KÀmpfen, gegen die PrÀkaritÀt und in der Verteidigung von Gebieten engagiert.

Ich erinnere euch daran, dass ich Anarchist bin. Ich engagiere mich nicht im Kampf als ob es eine SonntagsbeschĂ€ftigung wĂ€re: ich suche tagtĂ€glich nach Ansetzpunkten fĂŒr den Angriff und ich benutze diese um das bestehende politisch-ökonomische System zu treffen. Als Anti-autoritĂ€rer verachte ich jedes Machtsystem, sei es Demokratisch oder Faschistisch, Kommunistisch oder Liberal. Ich kĂ€mpfe gegen den Staat und das Kapital.

Und es ist eben weil ich den Staat als Wachhund des Eigentums der Bosse betrachte, dass ich mich widerholt mit seinen bewaffneten Truppen konfrontierte.

Es ist gewiss nicht aufgrund von ökologistischen Anwandlungen, dass ich gegen die Öffnung von neuen MĂŒllanlagen [in Napoli] oder gegen den Bau des TAV [im Val Susa] kĂ€mpfe. Ich habe in diesen KĂ€mpfen schlicht meine Methoden und meine Ideen beigetragen, um die Macht zu bekĂ€mpfen. Denn ich betrachte die SolidaritĂ€t als eine Waffe und ich weiss sie zu benutzen.

Ihr erlaubt euch ausserdem, meine Aktion mit den KÀmpfen gegen die PrekaritÀt zu verbinden. Es gÀbe nichts fÀlscheres.

Ich bin fĂŒr die komplette Zerstörung des Eigentums, ich betrachte den Betrug der Lohnarbeit, was auch immer ihre Form ist, als einen Krebs, der die Individuen in einwilligende Wesen verwandelt hat, die sich fĂŒr etwas mehr als 30 Jahre [Anspielung auf den Kredit, Anm.d.Ü.] irgendeiner beliebigen Schweinerei der Bosse gefĂŒgt haben.

Dieser Ersatz fĂŒr das Leben, in dem wir anderen Ausgebeuteten uns tĂ€glich abmĂŒhen, basiert auf der Produktion von Waren und Dienstleistungen. Und die Verwantwortlichen von all dem sind auch die Arbeiter. Ob sie nun prekĂ€r oder mit einem Vertrag auf unbestimmte Dauer angestellt sind.

Was die Verteidigung von Gebieten betrifft, da irrt ihr euch in mir.

Ich interveniere in Gebiete dieser Art, weil ich mir bewusst bin, dass sich die Arroganz der Macht ĂŒberall ausdrĂŒckt.

Und ich stelle micht folglich ĂŒberall entgegen, sei es zwischen den Mauern eines GefĂ€ngnis oder auf der Strasse. Es ist ĂŒberall notwendig, zu kĂ€mpfen, um dafĂŒr zu sorgen, dass sich die soziale KonfliktualitĂ€t immer mehr entzĂŒndet, ohne irgendeine Mediation mit den Institutionen.

Besonders in Anbetracht dieser letzten Aussage will ich euch herzlich einladen, euch nicht mehr zu erlauben, und sei es von fern, euch meine Komplizen zu nennen.

Ich bin Komplize mit Individuen, die wĂ€hrend den Angriffen gegen die Macht ĂŒber keinen anderen Schutz verfĂŒgen, als die Praktizierung ihrer Ideen, die Respektierung des gegebenen Wortes und die Abwesenheit von politischem KalkĂŒl, ohne irgendeine Mediation mit dem Staat und seinen Institutionen.

Ich werde abschliessen, indem ich eine letzte Sache anmerke: wenn ihr behauptet, eure aktivistische SolidaritĂ€t mit all jenen auszudrĂŒcken, die im Griff des bewaffneten Arms des Staats sind, habt ihr dann im Kopf, dass es im GefĂ€ngnis ganze Sektionen gefĂŒllt mit Denunzianten, DrecksĂ€cken verschiedener Art und Faschisten gibt?

Denkt gut darĂŒber nach: Als Anarchist bin ich fĂŒr die vollstĂ€ndige Zerstörung des ganzen Knastsystems. Ich wĂŒrde nicht einmal einem Denunzianten das GefĂ€ngnis wĂŒnschen, aber ich wĂŒrde mich davor hĂŒten, ihm meine SolidaritĂ€t zukommen zu lassen.

Wie ich am Anfang dieses Textexs sagte, die Worte wie die Schriften haben eine Gewicht, es wĂ€re angebracht, gut darĂŒber nachzudenken.

Alessio del Sordo

 

Um ihm zu schreiben:

Alessio Del Sordo
c.c. via pianezza, 300
10151 – torino
italie

 

Übersetzt aus dem Italienischen. Die genannte SolidaritĂ€tserklĂ€rung wurde am 27. Januar auf Indy Naples publiziert, die Antwort von Alessio auf arragia am 5. MĂ€rz.




Quelle: Anarchistische-aktion-zentralschweiz.over-blog.de