Mai 14, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – Nach dem Beschluss zum Abriss des Wohnblocks Staudenhof halten in Potsdam die Proteste dagegen an. Dabei meint PNN-Reporter Henri Kramer, in der Debatte sei alles gesagt – die Gegner sollten sich besser auf andere Objekte konzentrieren. PNN-Redakteurin Jana Haase hĂ€lt entgegen: Beim Staudenhof gibt es noch sehr viel AufklĂ€rungsbedarf.

PNN-Redakteur Henri Kramer: Wenig Neues

Der Abriss des DDR-Wohnblocks Staudenhof ist besiegelt – und die letzte Diskussion dazu brachte nach jahrelanger Debatte nur wenige neue Argumente. Die Vorteile der Entscheidung lagen schon vorher auf der Hand: Gewonnen wird ein zentrales Wohnhaus und fĂŒr die Belebung der Mitte wichtiges Gewerbequartier – mit dem jetzigen Staudenhof in seiner Ausdehnung und Unterkellerung wĂ€re das nahezu unmöglich. 

Dazu soll durch den Neubau die Zahl von gĂŒnstigeren und besser geschnittenen Sozialwohnungen steigen. Auch einem zentralen Argument der Gegner, mit einem Abriss und anschließendem Neubau wĂŒrde nun viel mehr Kohlendioxid freigesetzt, wurde noch begegnet: So soll der nötige Neubau in möglichst ökologischer Bauweise errichtet werden. Hier steht nun die Stadtpolitik in der Pflicht, dies auch umzusetzen – genau wie das Versprechen, dass die restlichen Mieter des Hauses vergleichbare Wohnungen finden, damit keine sozialen HĂ€rten entstehen. 

Dass solche Aspekte verankert worden sind, ist auch ein Verdienst des zĂ€hen Widerstands der Gegner, die sich nun wohl auf ein weiteres GebĂ€ude konzentrieren dĂŒrften: Das ebenso vom Abriss bedrohte KĂŒnstlerhaus Rechenzentrum. Und da sind die MehrheitsverhĂ€ltnisse und Argumente keineswegs so eindeutig wie jetzt beim Staudenhof.

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PNN Redakteurin Jana Haase: Besser machen

Die Stadtverordneten haben entschieden – der Staudenhof-Wohnblock, schon seit Jahrzehnten vernachlĂ€ssigt, soll 2023 abgerissen werden und einem Neubau weichen. Die Diskussion ist mit diesem Votum aber nicht abgeschlossen. Vonseiten der Stadt, der Stadtverordneten und der stĂ€dtischen Pro Potsdam wird viel ErklĂ€rungsarbeit nötig sein, damit die Fronten sich am Staudenhof in den nĂ€chsten anderthalb Jahren nicht noch einmal Ă€hnlich verhĂ€rten wie beim Kampf um die Fachhochschule. 

[Lesen Sie auch: â€žAbriss des Staudenhofs ist konsequent“ – ein Gastbeitrag von Christian Seidel, frĂŒherer SPD-Stadtverordneter und langjĂ€hriger Bauausschusschef.]

Mit dem nun angekĂŒndigten Zugehen auf die Mieter*innen mit unbefristetem Vertrag wird es nicht getan sein. Mit Fridays For Future hat die nĂ€chste Generation das Thema neu fĂŒr sich entdeckt – eine Generation, die die Debatte um die Rekonstruktion der Potsdamer Mitte und deren Vorgeschichte bis in DDR-Zeiten nicht kennt. ErklĂ€rungsarbeit ist nötig – und gleichzeitig VerstĂ€ndnis fĂŒr andere Positionen. 

Die Potsdamer KĂŒnstlerin Annette Paul hat die Entwicklung rund um den FH-Abriss in einem Gastbeitrag fĂŒr die PNN ganz treffend als Niederlage nicht fĂŒr die Abrissgegner, sondern fĂŒr die Stadtgesellschaft beschrieben: „Die Niederlage ist es fĂŒr die Stadtgesellschaft, dass hier nicht alle mitgenommen werden konnten, kaum VerstĂ€ndnis fĂŒr das Trauern um den Verlust gezeigt wurde.“ Beim Staudenhof könnte man es besser machen.




Quelle: Inforiot.de