September 8, 2021
Von Indymedia
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In Deutschland ging Anfang August die erste Phase der „neuen“ Endlagersuche fĂŒr hochradioaktiven AtommĂŒll mit dem Ausstieg des BUND aus der Fachkonferenz zuende. Auch in Frankreich wird die Öffentlichkeitsbeteiligung von Antiatomgruppen als Farce eingeordnet. Gegen ein geplantes Endlager wurde vom 16. bis 26. August ein Camp unter dem Namen „Les Rayonnantes“ – die Strahlenden – bei Bure organisiert.

Schon in den neunziger Jahren wurde sich auf den Standort in Lothringen festgelegt. Anstatt eine „offene Suche“ in Granit, Salz und Ton zu betreiben, wie gesetzlich vorgeschrieben, ermöglichten millionenschwere „Begleitzahlungen“ die Etablierung des „Labors“ CIGEO, 150 Kilometer westlich des Rheins. Die Kritik wĂ€chst seit der „Forschungsstandort“ zum de facto Endlager entwickelt wird.

Eine geplante Anerkennung, die das Tiefenendlager als „von öffentlichem Interesse“ festlegt, wĂŒrde Enteignungen ermöglichen. Nachdem ANDRA bereits 3.000ha Land fĂŒr oberirdische Infrastruktur und den Bau der neuen Castor-Trasse erwarb, sind weitere Landstriche bedroht. Unter anderem das GelĂ€nde des alten Bahnhofs von LumĂ©ville, auf dem die Bewegung dieser Tage ein großes Protestcamp errichtete.

Schwerpunkt des selbstverwalteten und intersektional gedachten Camps, an dem bis zu 1.000 Linke teilnahmen, war eine StĂ€rkung widerstĂ€ndiger Orte gegen das vermutlich grĂ¶ĂŸte Industrieprojekt in Mitteleuropa. In Frankreich geht es bei der Endlagerung immerhin um 80.000 Kubikmeter hochradioaktiven MĂŒll – bis dato. In Workshops, VortrĂ€gen und Aktionen fokussierten die Debatten die im September anvisierte „Öffentlichkeitsbeteiligung“.

Ein Novum fĂŒr die Umweltbewegung in Frankreich war die Anwendung einer von „Ende GelĂ€nde“ inspirierten „Fingerstrategie“, die den Aktionstag vom 21. August prĂ€gte. Freilich ohne das Korsett eines sogenannten Aktionskonsens, der in Deutschland gerne bemĂŒht wird um vielfĂ€ltige Formen des Widerstandes zu reglementieren. Vier unterschiedliche Gruppen von je 200 Aktivist*innen in MaleranzĂŒgen zogen zur Logistikplattform der ANDRA in Gondrecourt. Der Zugang zur Innenstadt wurde durch Polizeieinheiten zum Teil mit fĂŒr Frankreich schnell im Einsatz befindlichen TrĂ€nengas verhindert, doch eine Vielfalt an Aktionsformen gelang. Die Spannbreite zog sich ĂŒber einen kreativem Theaterfinger bis zu aktiver Sabotage hin. So gelang es einem Finger unter den Augen eines Polizeihubschraubers einen Zubringergleis fĂŒr die kĂŒnftige Logistikplattform zu verbiegen und Schrauben am Gleis zu entfernen.
WĂ€hrend die Polizei die Finger aus der Stadt fernzuhalten versuchte gelang es einem Finger unbemerkt in das zukĂŒnftige GelĂ€nder der Logistikplattform einzudringen. Der Standort von ANDRA wurde mit frischem Anstrich und zerschlagenen Fensterscheiben zurĂŒck gelassen.

Im Vergleich zur Repression der letzten Jahre war die Staatsgewalt zurĂŒckhaltend. Die GemĂŒter waren noch von Schwerverletzten, der RĂ€umung eines besetzten Waldes, einem Verfahren wegen krimineller Vereinigung und Aufenthaltsverboten geprĂ€gt. Zudem waren die PolizeikrĂ€fte in Frankreich zeitgleich an den Demonstrationen gegen den Impfpass gebunden. Dennoch gab es den ĂŒblichen TrĂ€nengaseinsatz und beim stoppen des lila Fingers am Ortseingang wurde der Begleitperson einer Rollstuhlfahrerin gezielt auf den Kopf geschlagen. Trotz der herunterspielenden Kommunikationsstrategie der PrĂ€fektur, setzte die Polizei Überwachungsmittel wie IMSI-catcher ein um das Camp zu ĂŒberwachen. Insgesamt wurde das Camp und die Aktionstage von Seiten der Teilnehmer*innen als Erfolg gewertet.




Quelle: De.indymedia.org