Juli 1, 2022
Von Contraste
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»Care for Future« ist der Name einer neuen Stiftung, die AktivitÀten fördert, die die Themen Care und Klima zusammen denken und versuchen, »klimapolitische AktivitÀten mit dem Ziel einer sorgenden, achtsamen Lebensweise« zu verbinden.

Unsere Kolumne: Blick vom MaulwurfshĂŒgel
Illustration: Eva Sempere

Versuche, die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Bewegungen zusammen zu fĂŒhren, gab es in den letzten Jahren immer wieder und an verschiedenen Orten. Dadurch könnten Ressourcen gemeinsam genutzt, Synergien hergestellt und gegenseitige UnterstĂŒtzung organisiert werden, so die Hoffnung. Obwohl weitgehend Konsens besteht, dass die verschiedenen Krisen – Klima, Gesundheit, Artenvielfalt, soziale Ungleichheit, Flucht und Migration usw. – eine gemeinsame Ursache haben, nĂ€mlich das kapitalistische und patriarchale Wirtschaftssystem und das dazu gehörende Weltbild, sind diese Versuche bisher nur mĂ€ĂŸig erfolgreich.

Immer wieder gab und gibt es inspirierende Treffen oder Konferenzen, die mit dem festen Vorsatz enden, doch in Zukunft mehr zusammenzuarbeiten. Und immer wieder verlaufen die Prozesse im Sand, auch und gerade wegen mangelnder Ressourcen.

Ein Grund ist aber auch die Tatsache, dass alle diese Krisen zwar eine gemeinsame Ursache haben, die Auswirkungen aber vielfĂ€ltig sind und immer gravierender werden. Es muss jetzt etwas gegen den Pflegenotstand geschehen, die Menschen an den europĂ€ischen Grenzen brauchen jetzt aktuell und dringend menschenwĂŒrdige Behandlung, die weitere Rodung des Waldes muss jetzt verhindert werden, auch wenn wir alle wissen, dass es ohne Systemwandel keine langfristigen Lösungen geben kann. Dieser Systemwandel dauert aber zu lange fĂŒr die drĂ€ngenden aktuellen Probleme und so kommt es, dass sich trotzdem immer wieder alle auf ihr jeweiliges Thema stĂŒrzen, weil ihnen die Dringlichkeit keine Ruhe lĂ€sst und sie dort alle Energie, oft genug bis zum Burnout, verbrauchen.

Die frĂŒher hĂ€ufig geĂ€ußerte Meinung, es wĂ€re ohnehin geraten, sich nicht fĂŒr eine Verbesserung der aktuellen Situation einzusetzen, denn je schlechter es den Menschen gehe, desto eher wĂŒrden sie Widerstand leisten und damit die VerĂ€nderung beschleunigen, ist in erster Linie zynisch und in zweiter Linie auch falsch. Wer jeden Tag ums Überleben kĂ€mpft, hat keine Zeit fĂŒr politisches Engagement. FĂŒr mich ist die große Frage: Wie können wir Ressourcen frei machen fĂŒr den gemeinsamen Einsatz fĂŒr einen Systemwandel, ohne die Arbeit zur aktuell notwendigen Schadensbegrenzung zu vernachlĂ€ssigen?

Gerade die Themen Care und Ökologie zusammen zu denken folgt jedoch einer langen ökofeministischen Tradition. Die Abwertung und Ausbeutung von Frauen und Natur wurzelt in den gleichen patriarchalen Denkweisen und Strukturen. Möglicherweise könnte gerade diese Kombination zum Erfolg fĂŒhren. Zu wĂŒnschen wĂ€re es jedenfalls und ZusammenhĂ€nge gĂ€be es genug fĂŒr gemeinsame Forderungen und AktivitĂ€ten.

Brigitte Kratzwald




Quelle: Contraste.org