Juli 1, 2022
Von Contraste
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Photovoltaik-FreiflĂ€chenanlagen sind eine der letzten »Bastionen« der dezentralen Energiewende, bei denen BĂŒrgergemeinschaften noch Chancen haben, auf breiter Ebene aktiv »mitzumischen«.

Burghard Flieger, Redaktion Genossenschaften

Zeitweise waren Energiegenossenschaften die Treiber der Energiewende. Dies ist schon seit lĂ€ngerem vorbei. Im Gegenteil, sie verlieren mit der Dynamik der Entwicklung der Erneuerbarer Energien zunehmend an Bedeutung. GrĂŒnde liegen auch im SelbstverstĂ€ndnis vieler Kooperativen, die sich als bĂŒrgerschaftlich engagierte Organisationen fĂŒr anderes Wirtschaften verstehen. Entscheidender sind allerdings die jahrelang ausgeworfenen »Bremsklötze« seitens der Politik. Auch begreifen Kund*innen und Auftraggeber*innen BĂŒrgerbeteiligung nicht als Eigenwert. Ein vermeintliches »SchnĂ€ppchen« ist ihnen oftmals wichtiger.

Energiegenossenschaften weisen allerdings StĂ€rken auf, bei denen andere Akteure im Bereich der Erneuerbaren Energien nicht wirklich mithalten können. Ihr Förderauftrag, Bedarfe ihrer Mitglieder nicht nur Sinne der Gewinnoptimierung zu decken, verbunden mit vielfĂ€ltigen Beteiligungsmöglichkeiten sind ihr eigentliches USP – Unique Selling Proposition. Das steht in der typischen Marketingsprache fĂŒr »Alleinstellungsmerkmal«. Ihr Alleinstellungsmerkmal sollten BĂŒrgerenergiegenossenschaften (BEGs) mehr noch als bisher bewusst pflegen und kommunizieren: »Wir stehen bei neuen Energieprojekten innovativ und experimentierfreudig fĂŒr die BerĂŒcksichtigung der Bedarfe von BĂŒrgern in ihrem unmittelbaren Umfeld.«

Unternehmenszweck Bedarfsdeckung

Vor diesem Hintergrund geht es in diesem Schwerpunkt um sozialinnovative Solarparks, genauer um PV-FreiflĂ€chenanlagen von Energiegenossenschaften, die sich durch Einmaligkeit bzw. Besonderheiten auszeichnen: Kooperation mit anderen Energiegenossenschaften, Handeln im Verbund mit den BĂŒrgerwerken eG, SchallschutzwĂ€nde mit PV verbinden, Artenvielfalt auf FreiflĂ€chenanlagen wiederbeleben. Nur wenn Energiegenossenschaften neben den Beteiligungsmöglichkeiten ihren Fokus auf solche Formen des verantwortungsvollen Wirtschaftens richten, wird es ihnen gelingen, als wichtige »Spezies« der Akteursvielfalt der Energiewende ihre Daseinsberechtigung gegenĂŒber Politik und der Allgemeinheit zu veranschaulichen.

Das sind notwendige Voraussetzungen. Dies entbindet Energiegenossenschaften aber nicht davon, sich selbst auch fachlich weiterzuentwickeln. Dazu gehört die systematische Suche von Partnern bei den Projektentwicklungsorganisationen, wie sie Thorsten Schwarz zu Beginn des Schwerpunkts beschreibt. Ebenso wichtig bleibt es, sich mit den aktuellen Entwicklungen der Gesetzgebung auseinanderzusetzen, erlĂ€utert vom BĂŒndnis BĂŒrgerenergie. Nur so können BEGs bedarfsgerechte Solarparks, die den sozialen und ökologischen Belangen der BĂŒrger*innen gerecht werden, professionell umsetzen – bleibt zu hoffen, dass ihnen dies gelingt.

Titelbild: Einweihung der FreiflĂ€chen-PV-Anlage in Kirchardt in Baden-WĂŒrttemberg, ein Kooperationsprojekt von drei Energiegenossenschaften. Foto: EnerGeno Heilbronn-Franken eG


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Quelle: Contraste.org