Januar 20, 2022
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
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Gefunden auf portaloaca, die Übersetzung ist von uns, dieser Artikel wurde am Donnerstag, den 07. Januar 2016, veröffentlicht, ist also nicht gerade aktuell. Wobei wir denken, dass er noch Ă€lter sein muss.

(Spanischer Staat) Beitrag zur Anti-Knastdebatte von Claudio Lavazza

Viele von uns leben diese RealitĂ€t der kapitalistischen Herrschaft, ohne ihr die gebĂŒhrende Bedeutung beizumessen. Sie glauben, es reiche aus, ein paar FlugblĂ€tter zu verfassen, ein paar Artikel in Zeitschriften der Bewegung zu schreiben, sie zu verteilen und so mit sich selbst und den anderen Frieden zu schließen. Ich weiß nicht, wie viele Menschen sich wirklich bewusst sind, was in der RealitĂ€t in Bezug auf die soziale UnterdrĂŒckung im Allgemeinen geschieht. Noch gravierender ist die Situation in den GefĂ€ngnissen und deren RealitĂ€t.

Wie ist es möglich, dass das System es immer wieder schafft, diese Welt vor den Augen derjenigen zu isolieren, die außerhalb (A.d.Ü., der KnĂ€ste) leben? In den letzten 20 Jahren haben wir beeindruckende VerĂ€nderungen erlebt, vor allem im Überwachungsapparat und seinen Systemen mit seinen schrecklichen erichteten Knaststrukturen, die außerhalb der stĂ€dtischen Zentren gebaut wurden, um die Isolation und das Vergessen der GĂ€ste (A.d.Ü., der Knackis) noch mehr zu verstĂ€rken. Teure Bauten von 7 bis 8000 Millionen Peseten (A.d.Ü., um die 48 Millionen €, damals ein Vermögen) und fĂŒr 1200/1500 PlĂ€tze, mit mehr als 4 Millionen Peseten fĂŒr jeden Gefangenen, schießen ĂŒberall wie Pilze aus dem Boden, wie viele anstĂ€ndige Zimmer könnte man mit diesem Geld fĂŒr diejenigen bauen, die keine haben? Doch die Sorge des Systems gilt nicht den Obdachlosen. Sein Problem ist, wie er die Wut der immer zahlreicher werdenden ausgegrenzten Menschen eindĂ€mmen und gleichzeitig GeschĂ€fte auf seiner Haut machen kann. Ein doppeltes GeschĂ€ft, das in perfekter und linearer Weise auf die Anforderungen der Marktgesetze reagiert; es geht nur darum, die Bedingungen in der Gesellschaft zu schaffen: Ausbeutung, Marginalisierung, Drogen sind einige der vielen Waffen, die mit Intelligenz eingesetzt werden und die drei mögliche Wege hervorrufen. Diejenigen, die sie akzeptieren und sich voll und ganz auf ihre Funktionsweise einlassen, diejenigen, die sie nicht akzeptieren und zur Seite stehen und versuchen, die Dinge zu Ă€ndern, und die Opfer. Drei sehr unterschiedliche RealitĂ€ten.

Diejenigen, die den Kopf einziehen und sich fĂŒr ihr ganzes erbĂ€rmliches Dasein entscheiden, dem System zu dienen, werden alles haben, was sie wollen (oder fast), solange sie wissen, wie sie sich selbst genug erniedrigen können, in der Welt der Lohnarbeit werden sie eines Tages (vielleicht) in der Lage sein, die RĂ€nge zu erklimmen und von Ausgebeuteten zum Ausbeuter zu werden, sie werden Teil der gut denkenden, von Sicherheitshysterie geplagten Menschen sein, FrĂŒher oder spĂ€ter werden sie GĂŒter zu schĂŒtzen haben und in das Kollektiv derjenigen eintreten, die „den universellen Wert der Gerechtigkeit gegen den Wert der Sicherheit eintauschen“, fĂŒr sie wird die Sicherheit wichtiger sein als die Gerechtigkeit und ihre Denk- und GefĂŒhlsart wird zur einzig möglichen werden, sie werden, isoliert durch ein effizientes Desinformationssystem, denken, dass, wenn es Verbrechen gibt, es daran liegt, dass es einen Teil der Bevölkerung gibt, der eingesperrt und, wenn die UmstĂ€nde es erlauben, ausgerottet werden muss. FĂŒr ihn/sie ist das GefĂ€ngnis notwendig, gerecht und unbestreitbar.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die Opfer der vom System geschaffenen Situation sind, diejenigen, die, geblendet von dieser Konsumgesellschaft, nicht rechtzeitig die Diktatur verstanden haben, die durch den kleinen und großen Bildschirm ausgeĂŒbt wird, der seine Befehle, seine Ethik aufzwingt, wenn von Kindheit an vermittelt wird, dass man ein schlechter Mensch ist oder es nicht verdient zu existieren, wenn man kein Auto oder eine bestimmte Kleidungsmarke hat, dann sind diese Wahrheiten/Befehle, die zur KriminalitĂ€t einladen, frĂŒher oder spĂ€ter ein Grund fĂŒr die Ausgeschlossenen, sich ĂŒber die Gesetze der Reichen hinwegzusetzen, um sich selbst eine Chance zu geben. Wenn er/sie bei diesem Versuch scheitert, wird er/sie ins GefĂ€ngnis gehen und die HĂ€rte der Gesetze zu spĂŒren bekommen. Diese Art von ausgegrenzten Menschen dĂŒrfen die Welt der kĂŒnstlichen Schönheiten nicht betreten, ohne den Kopf zu senken. Das ganze Gewicht der Ungerechtigkeit wird auf sie fallen und sie zu sehr langen Haftstrafen fĂŒr geringfĂŒgige Dinge verurteilen und dabei das GeschĂ€ft des Strafvollzugssystems und des gesamten Netzwerks, das es stĂŒtzt, fĂŒttern; Banken, GeschĂ€fts- und Börsenkonzerne
 usw. und diese finanzieren wiederum die politischen Parteien, die Hauptförderer dieser besonderen Form der Investition öffentlicher Gelder.

Schließlich gibt es diejenigen, die ein Klassenbewusstsein entwickelt haben und im Laufe ihres Lebens genĂŒgend Zeit hatten, es zu verwirklichen, diejenigen, die die Notwendigkeit und Dringlichkeit verstanden haben, auf einen bestimmten Zustand zu reagieren, die so genannten Sozialrebellen, diejenigen, die mit einem Klassenbewusstsein dieselbe RealitĂ€t mit einem von den MĂ€chtigen im Voraus festgelegten Ziel leben, sind beide Feinde ihrer Interessen und Ideologien, weil sie sich nicht an die Erfordernisse der UmstĂ€nde angepasst haben, also verdienen beide die gleiche Behandlung
 GefĂ€ngnis. FĂŒr diejenigen, die in das Netz fallen, bietet sich dieselbe Gelegenheit (diesmal in kleinerem Umfang) wie in der „freien“ Gesellschaft. Das heißt, sich anzupassen und den Kopf zu beugen oder das Ganze abzulehnen und zu bekĂ€mpfen. Es wird wieder das gleiche Spiel mit den gleichen Alternativen gespielt, die draußen vorgestellt wurden. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, eine Sache zu verstehen, die von grundlegender Bedeutung ist, um eine klare Vision eines gemeinsamen Ziels zu haben, das dem Funktionieren des Systems wirksam entgegenwirken kann: Das GefĂ€ngnis ist der ideale Ort, an dem der Klassenkampf der Ausgeschlossenen die grĂ¶ĂŸte Chance hat, sich zu entwickeln, da es ein Ort ist, an dem es viele Ungerechtigkeiten gibt, die diesen unerlĂ€sslichen Zusammenschluss zwischen den Gefangenen erleichtern. Um dieses Ziel zu erreichen, mĂŒssen wir natĂŒrlich die Voraussetzungen dafĂŒr schaffen, dass unsere Vereinigung konkret wird, z. B. ist der Beitrag der SolidaritĂ€t und die Anwesenheit von Externen (A.d.Ü., Leute außerhalb der KnĂ€ste) unerlĂ€sslich, um im GefĂ€ngnis etwas zu erreichen. Wir mĂŒssen uns die Möglichkeit geben, nicht wie Stammesgruppen zu leben, die sich den Problemen stellen, die auftauchen, Hand in Hand, ohne jegliche Koordination, jeder auf seine Weise, jeder mit seinen eigenen Feindschaften, eher zu Uneinigkeit als zu Einigkeit neigend.

Wir brauchen diese Vereinigung. Wir mĂŒssen in diesem Kampf triumphieren, um uns zu beweisen, dass es möglich ist, die Partie gegen das System zu gewinnen und gemeinsam fĂŒr eine Gesellschaft ohne GefĂ€ngnisse zu arbeiten.

Gesundheit und Freiheit.

Claudio Lavazza




Quelle: Panopticon.blackblogs.org