Mai 27, 2022
Von InfoRiot
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Potsdam – Mit klarer Kritik haben Stadtpolitiker von SPD und Linken auf die Äußerungen des Kommunikationsvorstands der Stiftung Garnisonkirche, Wieland Eschenburg, im exklusiven PNN-Interview reagiert. Mit seiner Haltung gegen einen Erhalt des KĂŒnstlerhauses Rechenzentrum habe Eschenburg „die bisherige Debatte und ihre Ergebnisse offenbar vollkommen ausblendet und die erheblichen strukturellen Probleme in der Stiftung bagatellisiert“, erklĂ€rte Potsdams Linken-Fraktionschef Stefan Wollenberg. Der Potsdamer SPD-Kreischef Andreas SchlĂŒter twitterte, er gewinne nicht den Eindruck, dass „die Entwicklungen der letzten Monate zu den Verantwortlichen der Garnisonkirchen-Stiftung durchgedrungen sind. Ich hoffe sehr, dass nicht weiter Zeit vergeudet wird.“

“Kein Kompromiss, nur ein Vorschlag”

Eschenburg hatte im PNN-Interview den von OberbĂŒrgermeister Mike Schubert (SPD) geschmiedeten Kompromiss zur Gestaltung des Turmumfelds infrage gestellt. So hatte Eschenburg gesagt, fĂŒr ihn sei dies kein Kompromiss, sondern nur ein „Vorschlag“, ĂŒber den man nun sprechen mĂŒsse. Den Erhalt des Rechenzentrums hatte Eschenburg abgelehnt.

Wieland Eschenburg, Vorstand der Stiftung Garnisonkirche Potsdam, im Altarraum der Kirchenbaustelle.Foto: Andreas Klaer,PNN,Tsp

Zustimmung fĂŒr diesen Kurs kam von der Fördergesellschaft fĂŒr den Wiederaufbau der Garnisonkirche unter neuer FĂŒhrung. „Im Besonderen hat mich erfreut, dass Herr Eschenburg deutlich klar gemacht hat, dass wir in denen auch von uns dargelegten Hauptaufgaben keinen Dissens haben“, sagte die erst vor wenigen Wochen gewĂ€hlte neue Vereinschefin Maike Dencker. Und: „Wir stehen als Fördergesellschaft fĂŒr die KontinuitĂ€t des Aufbaus unseres gemeinsamen Projektes der Garnisonkirche mit Turm und Schiff.“ Denckers VorgĂ€nger Matthias Dombert hatte Schuberts Kompromisskurs mit eingefĂ€delt, war aber vor seiner angekĂŒndigten Abwahl zurĂŒckgetreten.

CDU-Vertreter begrĂŒĂŸt AbrĂŒcken vom “Scheinkompromiss”

UnterstĂŒtzung fĂŒr die Äußerungen von Eschenburg kam von Wieland Niekisch, der als CDU-Stadtverordneter dem Bauausschuss vorsitzt. Es sei erstaunlich positiv, dass Eschenburg von dem „Scheinkompromiss“ Schuberts abrĂŒcke – und damit auch vom Erhalt des Rechenzentrums, sagte Niekisch. Das Wiederaufbauprojekt werde zusammen mit einem Kirchenschiff ein Gesamtkunstwerk, das man inhaltlich aber modern fĂŒllen könne.

Die Visualisierung des Kreativquartiers mit Garnisonkirche und Rechenzentrum. Foto: ASSIDUUS/Glockenweiß/Michels Architekten

Gegner des Wiederaufbaus kommunizierten vor allem in den sozialen Netzwerken ihre Haltung. Ein Nutzer fragte dort: „Warum muss ein GebĂ€ude in der HĂŒlle einer ehemaligen Kirche mit Steuergeldern aufgebaut werden, was von der Mehrheit der Potsdamer abgelehnt wird?“ Zum Konfliktfall hatte Rathauschef Schubert zuletzt eine BĂŒrgerbefragung ins Spiel gebracht, sollten seine KompromissbemĂŒhungen scheitern. Dann aber geht es kaum mehr um einen Kompromiss – sondern es dĂŒrfte eine Seite verlieren. Beide Seiten haben sich bisher offen fĂŒr eine Befragung gezeigt und diese in Teilen auch befĂŒrwortet – allerdings abhĂ€ngig von der konkreten Fragestellung.




Quelle: Inforiot.de