Mai 19, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – Vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts hat die Staatsanwaltschaft am Montag eine lebenslange Freiheitsstrafe fĂŒr den 65-jĂ€hrigen Wolfgang L. gefordert. Außerdem mĂŒsse die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Wenn das Gericht dem am Donnerstag bei der UrteilsverkĂŒndung folgt, könnte der frĂŒhere Dachdeckermeister nicht nach 15 Jahren Haft freikommen.

StaatsanwĂ€ltin Maria Stiller zeichnete in ihrem PlĂ€doyer die Entwicklung der Ehe zwischen Wolfgang L. und seiner polnischen Frau Dorota bis zum 11. Mai 2020 nach, als er auf die 40-JĂ€hrige laut Anklage fĂŒnfmal mit einem Messer einstach und sie dann im Teich nahe einer Ferienwohnung im Werderaner Ortsteil Glindow vor der Augen ihrer minderjĂ€hrigen Kinder ertrĂ€nkte. Die Ehe sei zunehmend schwieriger geworden, als L. 2015 arbeitslos wurde. 

Dorota L. habe bei Besuchen in der Potsdamer Spielbank, wo sie ihren spÀteren Partner Dennis D. kennenlernte, niedergeschlagen gewirkt. Als sie ihrem Mann nach Ostern 2020 gestanden habe, ihn verlassen zu wollen, habe er ihr mehrfach mit dem Tod gedroht.

Wolfgang L. suchte seine Frau unter einem Vorwand auf 

Am 18. April habe Wolfgang L. seine Frau mit einer Waffe bedroht und verlangt, sich von ihrem neuen Partner zu trennen. Sie sei mit ihren Kindern und ihrer Tante, die bei der Familie in Marquardt wohnte, in die Ferienwohnung nach Glindow geflĂŒchtet. Als er sie am 11. Mai unter einem Vorwand aufsuchte, habe er sie letztmalig aufgefordert, zu ihm zurĂŒckzukehren, was sie ablehnte.

Versteckt habe er ein langes Messer und eine Schreckschusspistole mit sich gefĂŒhrt. Seine Frau sei aus der Wohnung gerannt, beide seien in den Teich geraten. „In seiner unbĂ€ndigen Wut habe L. fĂŒnfmal zugestochen”, die StichkanĂ€le seien bis zu zehn Zentimeter tief gewesen und hĂ€tten bis auf die Knochen gefĂŒhrt: „Anschließend drĂŒckt er sie unter die WasseroberflĂ€che.” Als sein damals 14-jĂ€hriger Sohn zu seinen Eltern in den Teich gesprungen sei, um seine Mutter zu retten, habe sein Vater ihm mit der Schreckschusspistole ins Gesicht geschossen.

“Er wollte die maximale DemĂŒtigung des Opfers”

Die StaatsanwĂ€ltin widerlegte seine Kernaussagen. Der Schuss sei laut Zeugen draußen erfolgt, nicht in der Wohnung. Seine Frau habe ihn nicht angegriffen. Dass sich Wolfgang L. auf Notwehr berufe, sei eine Schutzbehauptung: „Die Tat sollte eine Bestrafung sein.” Schon frĂŒher habe er einer Frau und deren Begleiter nach einer Trennung aufgelauert und gesagt: „Das ist meine Frau. Mit der kann ich machen, was ich will.”

L. habe nicht akzeptiert, dass seine Frau „nicht mehr abhĂ€ngig war wie das junge, formbare MĂ€dchen vor ĂŒber 20 Jahren“. Der Angeklagte sei „selbstgerecht bis ins Mark“, er habe keine Reue gezeigt. Zudem habe er „kĂŒbelweise Dreck“ ĂŒber seine Frau ausgeschĂŒttet. Die Tötung habe er „zelebriert, er wollte die maximale DemĂŒtigung des Opfers“. Er sei wegen Mordes in Tateinheit mit Nötigung und gefĂ€hrlicher Körperverletzung sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz zu verurteilen.

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Strafverteidiger Sven Horn, der Sohn und Tochter vertrat, hob hervor, dass der zur Tatzeit 14-jĂ€hrige Sohn sich den Aufforderungen seines Vaters widersetzt habe, ihm den Wohnort des neuen Partners seiner Mutter zu nennen: „Er hat erkannt, welche Gefahr besteht.“ Seine zwölfjĂ€hrige Schwester nahm am Montag an der Verhandlung teil, beide Kinder hatten darauf bestanden, auszusagen.

Verteidiger: Keine Voraussetzungen fĂŒr eine besondere Schwere der Schuld

Matthias Schöneburg, der Verteidiger des Angeklagten, hatte es nicht leicht. Die Schilderungen seines Mandanten zur Tat waren widerlegt worden. Doch L. sei noch immer â€žĂŒberzeugt, aus Notwehr gehandelt zu haben und freigesprochen werden zu mĂŒssen“. 

Der Strafverteidiger fand einen Weg durch die Klippen: sein Mandant sei „kein Jurist und hat das als Laie so gesehen“. Sollte das Gericht dem folgen, sei allerdings „nicht von Mord, sondern von vollendetem Totschlag auszugehen“. Die Voraussetzungen fĂŒr eine besondere Schwere der Schuld sehe er nicht: „Die Tat unterscheidet sich nicht wesentlich von vergleichbaren FĂ€llen.”

Im obligatorischen Schlusswort forderte Wolfgang L. Freispruch fĂŒr sich – wegen Notwehr. Der Tod seiner Frau sei „eine besondere Tragödie“, aber „nicht mit Vorsatz geschehen“. Ein Wort der Reue fand er nicht. Aber: „Ich suche immer Frieden.“ 

Hilfe fĂŒr Frauen in Not

  • Bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen”: Tel. (08000) 116 016. 365 Tage rund um die Uhr
  • Frauenhaus Potsdam: Tel. (0331) 964 516. Anonyme Adresse. Erste Hilfe fĂŒr akut von hĂ€uslicher Gewalt betroffene Frauen, 365 Tage rund um die Uhr
  • Frauenberatungsstelle Potsdam: Garnstr. 33, 14482 Potsdam Tel. (0331) 974695
  • Opferberatung/Traumaambulanz: JĂ€gerstraße 36, 14467 Potsdam, Tel. (0331) 2802725, Sprechzeiten montags 12 bis 16 Uhr, mittwochs 15 bis 19 Uhr.
  • EJF Beratungsstelle Lösungsweg: Charlottenstraße 127, 14467 Potsdam, Tel. (0331) 6207 799. Evangelisches Jugend-und FĂŒrsorgewerk (wenn mindestens ein Kind im Haushalt lebt)
  • Weißer Ring: Bundesweites Opfer-Telefon116 006, 7 Tage, 7 bis 22 Uhr. Potsdam: Gert Korndörfer, Tel. (0151) 55164716



Quelle: Inforiot.de