Mai 27, 2021
Von InfoRiot
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Bekennerschreiben

Staatsschutz prĂŒft mutmaßlichen Anschlag nahe Tesla-Werk

Aktualisiert: 26.05.2021, 17:08

| Lesedauer: 3 Minuten


Verbrannte Starkstromkabel in der NĂ€he der Tesla-Baustelle.

Verbrannte Starkstromkabel in der NĂ€he der Tesla-Baustelle.

Foto: dpa

In einem Wald in Brandenburg brennen Stromkabel, die auch das nahe gelegene, neu entstehende Tesla-Werk versorgen. Galt der mutmaßliche Anschlag der Autofabrik? Eine Tatortgruppe der Polizei ermittelt.

GrĂŒnheide (Mark). Dicke, schwarze Stromkabel fĂŒhren durch ein WaldstĂŒck nahe dem kĂŒnftigen Tesla-Werk in GrĂŒnheide (Oder-Spree). ZĂ€une sichern die Leitungen vor Unbefugten. Am Mittwoch ist die Spurensicherung des brandenburgischen Landeskriminalamtes (LKA) vor Ort.


In der Nacht hatten die Kabel gebrannt. Die Spezialisten prĂŒfen, wie es dazu kommen konnte. “Wir gehen davon aus, dass da jemand dran war”, sagte LKA-Sprecher Joachim Lemmel. Ein vorliegendes Bekennerschreiben aus der linken Szene werde geprĂŒft.

Die Brandstelle liegt etwa 500 Meter von dem kĂŒnftigen Werk des US-Elektroautobauers entfernt. Die armdicken Kabel versorgen unter anderem auch die Baustelle der Autofabrik, die derzeit in GrĂŒnheide (Landkreis Oder-Spree) errichtet wird. Trotz des Feuers seien die Kabel aber noch funktionsfĂ€hig, hieß es am Morgen von der Polizei. Schnell steht die Vermutung im Raum, dass der Brand nicht auf einem technischen Defekt beruht, sondern absichtlich gelegt wurde.

Am Mittag wird ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Unter dem Autorennamen “Vulkangruppe” heißt es darin: “Wir haben in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 2021 die Stromversorgung der Baustelle der Tesla-Giga-Fabrik in GrĂŒnheide bei Berlin gekappt, indem wir an sechs ĂŒberirdisch verlegten Hochspannungskabeln Brand gelegt haben.”

Im Berliner Raum hat es in den vergangenen Jahren schon mehrfach BrandanschlĂ€ge auf Kabel an neuralgischen Punkten gegeben. Betroffen waren aber meistens Bahnanlagen. So wurden etwa im Oktober 2011 an 9 Orten im Großraum Berlin 18 BrandsĂ€tze sichergestellt. Zum Teil tauchten kurz nach den Taten Bekennerschreiben aus dem linksradikalen Milieu auf.

In dem am Mittwoch auf der linksradikalen Internetseite Indymedia.org veröffentlichten Schreiben heißt es: “Tesla ist weder grĂŒn, ökologisch noch sozial”. “Unser Feuer steht gegen die LĂŒge vom grĂŒnen Automobil.” Der Name Vulkangruppe tauchte in den vergangenen Jahren mehrfach im Zusammenhang mit BrandanschlĂ€gen auf.

Der Energieversorger Edis teilte am Nachmittag mit: “Unmittelbare Versorgungsunterbrechungen waren bisher nicht erforderlich”. EinsatzkrĂ€fte seien seit den frĂŒhen Morgenstunden vor Ort, um den entstandenen Schaden zu begutachten und weitere notwendige Schritte einzuleiten und zu koordinieren, sagte Unternehmenssprecher Danilo Fox.

Der Vorfall habe keine Auswirkungen auf den Baufortschritt, hieß es aus Branchenkreisen. Die Fabrik des US-amerikanischen Elektroautobauers wird nach eigenen Angaben bei voller Auslastung einmal 12.000 Mitarbeiter beschĂ€ftigen. Bei maximaler Auslastung fĂŒr eine theoretische zukĂŒnftige finale Ausbaustufe könnten es bis zu
40.000 sein.

Im Juli soll die Herstellung von Elektroautos beginnen. Pro Jahr ist die Fertigung von bis zu 500.000 Fahrzeugen geplant. Laut Tesla-Chef Elon Musk soll auf dem GelĂ€nde auch die weltgrĂ¶ĂŸte Batteriefabrik entstehen. In Branchenkreisen ist von Investitionen in einem mittleren einstelligen Milliardenbereich die Rede – ohne die Batteriefertigung.

Tesla baut mit vorlĂ€ufigen Genehmigungen fĂŒr einzelne Bauschritte, die umweltrechtliche Genehmigung durch das Land steht aber noch aus. Der Bau der Fabrik wird seit langem von Protesten begleitet. UmweltschĂŒtzer und Anwohner warnen, dass die Versorgung mit Trinkwasser Schaden nimmt und ein nahes Naturschutzgebiet von der Fabrik betroffen ist.

Die BĂŒrgerinitiative GrĂŒnheide, die den Bau der Tesla-Fabrik kritisch begleitet, wandte sich mit Blick auf den Brand gegen gewalttĂ€tige Aktionen an der Baustelle, hat sie aber nach eigener Darstellung schon frĂŒher fĂŒr möglich gehalten. “Wir haben das befĂŒrchtet, weil sich viele Menschen nicht mitgenommen fĂŒhlen im demokratischen Prozess der Ansiedlung von Tesla”, sagte Steffen Schorcht von der Initiative.

© dpa-infocom, dpa:210526-99-748817/6





Quelle: Inforiot.de