Dezember 20, 2021
Von InfoRiot
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Polizei wertet Videomaterial aus

Stadt Cottbus will aggressive Corona-Proteste aufarbeiten


Mo 20.12.21 | 07:29 Uhr

AngefĂŒhrt von Rechtsextremen und begleitet von der AfD hatten am Samstagabend in Cottbus mehrere Tausend Personen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Die Stimmung war aggressiv, nun beginnt die Aufarbeitung.

Nach den Ausschreitungen bei der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Cottbus am Samstag hat die Stadt mit der Aufarbeitung begonnen. WĂ€hrend des Zuges war es immer wieder zu VerstĂ¶ĂŸen gegen die EindĂ€mmungsverordnung gekommen. Zeugen beschrieben den Verlauf der Demonstration als aggressiv und aufgeheizt. Neben verbalen Attacken gegen eingesetzte Polizeibeamte und Journalisten gab es auch tĂ€tliche Übergriffe auf OrdnungskrĂ€fte.

Polizei wertet Videomaterial aus

Der CDU-Politiker Thomas Bergner, Beigeordneter fĂŒr Sicherheit und Ordnung, sagte am Sonntag in der rbb-Sendung “Brandenburg Aktuell” im rbb-Fernsehen, in dieser Art und Dramatik habe Cottbus eine solche Versammlung noch nicht erlebt. Es sei auch das erste Mal gewesen, dass die Mitarbeiter, die vor Ort waren, noch am Abend psychisch betreut werden mussten.

Die Polizei will in den kommenden Wochen das von ihr erstellte Videomaterial auswerten und dabei entdeckte Straftaten und Ordnungswidrigkeiten ahnden.

Demo von AfD angemeldet

Bis zu 4.000 Menschen hatten am Samstag in Cottbus an mehreren Orten gegen Corona-Maßnahmen und eine allgemeine Impfpflicht protestiert. Zwei Demonstrationen mit den
erlaubten bis zu 1.000 Teilnehmern wurden von den Anmeldern aufgelöst – im Umfeld hatten sich weitere zahlreiche Menschen versammelt – in einem Fall rund 500 außerhalb der Absperrung. Einer der Anmelder war der Cottbuser AfD-Chef Jean-Pascal Hohm. Entgegen der Aufforderung der Beamten bildete sich ein Zug mit mehreren Tausend Menschen, den die Polizei stoppte.

Daraus wurden mehrere ProtestzĂŒge, bei denen laut Polizei teils bis zu 2.500 Menschen in teils hitziger AtmosphĂ€re mitmachten. Dabei wurde auch gegen die Maskenpflicht verstoßen. In einem Zug hĂ€tten mehrere Personen Feuerwerkskörper gezĂŒndet. 15 Personen, die der gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene zuzurechnen seien, seien vorlĂ€ufig in Gewahrsam genommen worden, so die Polizei. Die Beamten stoppten den grĂ¶ĂŸten Aufzug, als er noch zwischen 1.000 und 1.500 Teilnehmer hatte. Vier Menschen seien wegen des Widerstands gegen Polizeibeamte und wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen das Versammlungsgesetz vorĂŒbergehend in Gewahrsam genommen worden.

Verfassungsschutz warnt vor Radikalisierung

Ähnliche Demonstrationen gab es auch in anderen StĂ€dten im Bundesgebiet, darunter in Hamburg, Bielefeld und NĂŒrnberg.

Angesichts einer zunehmenden Radikalisierung von Corona-Protesten hĂ€lt VerfassungsschutzprĂ€sident Thomas Haldenwang indes tödliche Gewalttaten bis hin zu gezielten Mordkomplotten fĂŒr möglich. Bei gewaltorientierten Rechtsextremisten und im radikalisierten Corona-Protestmilieu sei kein Szenario auszuschließen, sagte Haldenwang den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online Sonntag, Print Montag).

“Im letzten Jahr haben wir vor allem Großdemonstrationen gesehen, wie in Berlin und Stuttgart, angeleitet von bekannten Aktivisten der Querdenker-Bewegung”, sagte Haldenwang. Das habe sich geĂ€ndert: “Wir sehen eine Vielzahl von Protesten, zersplittert in der FlĂ€che, oft unangemeldet, scheinbar spontan. Aber so spontan sind sie manchmal nicht.”

Sendung: Inforadio, 20.12.2021, 7:00 Uhr




Quelle: Inforiot.de