September 26, 2021
Von Emrawi
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Die Betreiberfirma dieses Projekt ist SpaceX, ein US-Raumfahrtsunternehmen, dass sich langfristig das Ziel gesetzt hat, den Mars zu kolonisieren und andere Planeten mit menschlichem Leben zu besiedeln, bzw. deren Rohstoffe auszubeuten. Die Ausbeutung der Erde und ihrer Bewohner*innen reicht ihnen offensichtlich nicht mehr aus. Übrigens ist dieses Projekt eine der „Spielereien“ von einem der reichsten MĂ€nner der Welt, Elon Musk, der sich bei dem Rennen um das schnellste Satelliteninternet mit Jeff Bezos, ebenfalls einem der reichsten MĂ€nner der Welt und zufĂ€llig Betreiber von Amazon immer wieder in die Haare kriegt. AussagekrĂ€ftig, nicht wahr?

Wie dem auch sei, der mittlerweile mit Abstand grĂ¶ĂŸte Satellitenbetreiber weltweit (sogar grĂ¶ĂŸer als das MilitĂ€r – beachten wir die Dimensionen!) verfolgt damit das erklĂ€rte Ziel, Internetzugang mit extrem schneller Datenverbindung ĂŒberall auf der Welt „anbieten“ zu können, sogar dort, wo es bisher noch kaum oder gar keinen Internetzugang gab. Die Satelliten bewegen sich dabei aufgefĂ€delt wie auf einer Perlenkette (wer das noch nie selbst gesehen hat: eine kurze Recherche im Netz zeigt sofort Bildmaterial davon) und senden permanent an die Erde und an die umliegenden Satelliten, wodurch die schnelle Verarbeitungsgeschwindigkeit der Internetverbindung erreicht werden soll.

Nicht erst seit Beginn „der Pandemie“ im FrĂŒhjahr 2020 hat sich global gesehen die AbhĂ€ngigkeit der Menschen von technologischen GerĂ€ten und speziell vom Internet drastisch erhöht, man kann durchaus von einem exponentiellem Wachstum sprechen und hat oft den Eindruck, die abhĂ€ngigen Menschen verwandeln sich langsam selbst in technologische GerĂ€te. Durch die AbhĂ€ngigkeiten (und dem parallel verlaufenden Verlust von eigenstĂ€ndigen FĂ€higkeiten und Werkzeugen) wird ein Projekt wie Starlink natĂŒrlich eine Goldgrube fĂŒr die Betreiber. Denn die schnelle Internetverbindung wird nur mit einem von SpaceX exklusiv herausgegebenen EndgerĂ€t (ca. 500 US-Dollar) nutzbar sein und zusĂ€tzlich dazu muss natĂŒrlich eine monatliche GebĂŒhr an das Unternehmen bezahlt werden (aktuell obwohl erst im Testbetrieb ca. 100 US-Dollar monatlich).

Bereits vor einigen Jahren sorgte ein Ă€hnliches Projekt des Facebook-GrĂŒnders Zuckerberg fĂŒr Aufsehen, als dieser plante, der „unterentwickelten“ (sprich: noch nicht ans Netz angeschlossenen) Bevölkerung „vor allem auf dem afrikanischen Kontinent“ zu einer schnellen Leitung zu verhelfen und dafĂŒr die Kosten fĂŒr die Erschließung ĂŒbernehmen wollte. Dabei hĂ€tte es sich um ein eingeschrĂ€nktes Internet handeln sollen, das die wesentlichen Grundfunktionen bietet, jedoch nichts darĂŒber hinaus, also: google, facebook, amazon & Co. ZufĂ€llig alles Firmen, von denen Zuckerberg stark profitiert hatte
 das Projekt scheiterte jedoch schlussendlich.

Die Unterwerfung jedes Winkels der Welt unter die Herrschaft der Technologie (in diesem Fall: des Internets) kann als eine logische Konsequenz der technologischen Entwicklungen und als eine FortfĂŒhrung der Kolonisierung der gesamten ErdoberflĂ€che betrachtet werden. Parallel zu sogenannten „Fortschritten“ wie beispielsweise der Kernenergie (und dadurch in letzter Konsequenz der Atombombe) wird selbstverstĂ€ndlich ĂŒber die Köpfe der allermeisten Menschen hinweg entschieden, was angeblich gebraucht wird – die Bedenken werden zerstört oder unterwandert. Gleichzeitig wird eine zumindest etwas unabhĂ€ngigere Lebensweise zerstört und die individuellen FĂ€higkeiten der Einzelnen durch technologische KrĂŒcken ersetzt. Dass es bei dem Vorantreiben der Ausbreitung des Internets in jeden Winkel der Welt vorrangig um Profitinteressen und um die Expansion von Herrschaft geht, braucht dabei kaum noch extra erwĂ€hnt zu werden. Der (technologische) Kapitalismus, in dem wir uns aktuell befinden, ist ein System, das auf Wachstum und auf Ausbreitung beruht und daher immer neue MĂ€rkte erschließen – also expandieren muss – um jeden Preis, sonst geht das Wirtschaftssystem unter. Die Ausbreitung des Internets ist dabei nur ein einzelner Baustein – allerdings findet diese Ausbreitung nahezu pandemisch statt.

Zum GlĂŒck ist es aber hier nicht ganz so kompliziert wie bei der Atomenergie. Denn ein Atomkraftwerk (und dessen radioaktive „Begleitstoffe“) lassen sich nunmal nicht so einfach abfackeln oder anderweitig kaputt machen, denn die verwendete Technologie ist so komplex, dass sie ja offenbar selbst von den „Spezialist*innen“ nicht wirklich unter Kontrolle gehalten werden kann, was die zahlreichen UnfĂ€lle oder „Beinahe-UnfĂ€lle“, technischen Defekte und wie sie nicht alle genannt werden, laufend zeigen.

Auch wenn sich diese Internetsatelliten in recht großer Höhe um die Erde bewegen (zwischen 300 und 600 km Höhe) und dadurch fĂŒr uns Feind*innen der Macht nicht direkt erreichbar sind, so sind sie doch auf eine sehr konkrete Infrastruktur hier auf der Erde angewiesen. Sie benötigen Strom, Kabel, Glasfaserleitungen, Rechenzentren, Serveranlagen und Computer, Techniker*innen, Ingenieure und dergleichen. Ohne all das sind die Satelliten nur ziemlich viel Weltraumschrott.

Auch ich verwende im Moment das Internet, diesen Text hier liest du unter anderem womöglich auch erst durch die Möglichkeiten, die uns das Internet „bietet“(wenngleich der Text natĂŒrlich auch gedruckt auf Papier erscheint). Die oben beschriebene Ausbreitung spielt sich jedoch auf einem ganz anderen Level ab und hat als global agierendes Regime weitaus grĂ¶ĂŸere negative Konsequenzen fĂŒr die gesamte Erde, als die (vermeintlich) positiven jemals aufwiegen könnten. GlĂŒcklicherweise gibt es aber verstĂ€rkt Individuen, die das erkannt haben und versuchen die Infrastrukturen, die dafĂŒr notwendig sind, zu sabotieren und anzugreifen. Durch das Erkennen der Knechtschaft, die uns durch all die „smarten“ und miteinander verbundenen GerĂ€te aufgezwungen wird, können wir den nĂ€chsten Schritt zur Befreiung erst in Angriff nehmen: die Zerstörung all dessen, was uns das Leben zur Hölle macht.

Mit dem bloßen Ablehnen bestimmter „Neuerungen“ oder bestimmter GerĂ€te ist es nicht getan. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte oder gar nur der letzten paar Jahre zeigt eines deutlich: es ist nur begrenzt möglich, sich diesem immer enger werdenden Netz zu entziehen. Beispielsweise ist es heutzutage fĂŒr die Meisten kaum mehr vorstellbar, ohne Smartphone und Internet durch den Alltag zu kommen. Das war vor 5 Jahren noch ganz anders und vor 10 Jahren unvorstellbar. Was die sozialen und technologischen Auswirkungen der sogenannten Corona-Pandemie betrifft, ist im Moment noch nicht ganz absehbar, wie groß die Akzeptanz der Menschen gegenĂŒber immer neuer, immer ausgefeilterer Technologien mittlerweile geworden ist. Die Tendenz ist jedoch eindeutig. Und fĂŒr all diese Dinge braucht es Internet – immer und ĂŒberall.

Es ist nichts Neues, wenn ich sage „wir mĂŒssen die Glasfasernetze zerschneiden“. Ja, das mĂŒssen wir und das wurde an verschiedenen Stellen (und auch hier) schon oft gesagt. Aber wir mĂŒssen vor allem unsere eigene Beziehung zur Technologie in Frage stellen und uns Gedanken ĂŒber das Erschaffen unserer eigenen Existenz, unseres Lebens machen. Vor allem fĂŒr diejenigen unter uns, die nicht jung genug sind, um bereits mit Smartphones & Co. aufgewachsen zu sein, stellt sich zusehends die Frage, wie wir abseits von all diesem Schrott unsere Leben gestalten wollen. Ob sich die Generation Smartphone, Social Media & Homeschooling wohl solche Fragen auch noch stellen wird?

https://revolte.blackblogs.org/




Quelle: Emrawi.org