Juli 27, 2021
Von FAU Koeln
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Heute Morgen kam es, aus bisher unbekannten GrĂŒnden, zu einer Explosion mit nachfolgendem Großbrand in einem Tanklager der SondermĂŒll Verbrennungsanlage in Leverkusen BĂŒrrig. Dabei wurde eine Person getötet und 31 weitere zum Teil schwer verletzt; vier Personen gelten weiterhin als vermisst. (Stand 27.07.2021, 16:00 h) Gewarnt wurde in mehreren Gemeinden vor gefĂ€hrlichen Rauchgasen. Die Produktionsanlagen im Chempark Leverkusen wurden in Sicherheitsstellung gefahren.

An dieser Stelle soll es keine EinschĂ€tzung des konkreten Ereignisses geben. Das kann ich als Mitarbeiter eines anderen Betriebes auch kaum bewerkstelligen, zumal sich Unternehmen nach solchen UnfĂ€llen fĂŒr den Zeitraum der Ermittlungen in einen Mantel des Schweigens hĂŒllen. Hier nur ein kurzer Kommentar zur Arbeitssicherheit in der chemischen Industrie.

Offiziell wird Arbeitssicherheit in der Chemie großgeschrieben. Mit Slogans wie „Wir arbeiten sicher oder gar nicht“ soll fĂŒr das Befolgen von Sicherheitsanweisungen sensibilisiert werden. Dennoch fĂ€llt mir immer wieder auf, dass Schutzmaßnahmen gebeugt werden, um ArbeitsablĂ€ufe zu vereinfachen und zu beschleunigen. Teilweise auch im stillschweigenden EinverstĂ€ndnis von Vorgesetzten. Mir sind auch FĂ€lle bekannt, in denen Vorgesetzte klar sicherheitskritische Anweisungen gegeben haben.

Daher mein Aufruf an Angestellte in der chemischen Industrie: Seid euch bewusst, womit ihr arbeitet und verweigert im Zweifel Anweisungen eurer Vorgesetzten, wenn diese der Sicherheit zuwider laufen! Wenn ihr z. B. mit unterschiedlichen LösungsmittelabfĂ€llen zu tun habt, setzt euch damit auseinander was passiert, wenn ihr Stoff X und Stoff Y zusammen in einen BehĂ€lter pumpt! Solltet ihr wegen der Nichtbefolgung von sicherheitskritischen Anweisungen Probleme bekommen, nehmt Kontakt mit euren Betriebsrat oder mit einer Gewerkschaft (z. B. der FAU) auf!

Und nicht zuletzt: Auch wenn das Tragen der vorgesehenen persönlichen SchutzausrĂŒstung unangenehm sein kann, ist das nichts gegen die Folgen, sie im falschen Moment nicht getragen zu haben. Es geht zuallererst um euer Leben.




Quelle: Koeln.fau.org