November 21, 2020
Von Waldstattasphalt
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Disclaimer: Dieser Text wurde von Einzelpersonen verfasst und nicht mit der ganzen Besetzung abgesprochen. Es gibt keine autorisierte Gruppe und kein beschlussfĂ€higes Gremium, das ‚offizielle Gruppenmeinungen‘ fĂŒr die Besetzung beschließen könnte. Die Menschen in der Besetzung und ihrem Umfeld haben vielfĂ€ltige und teils kontroverse Meinungen. Diese Meinungsvielfalt wird daher hier nicht zensiert, sondern kann gleichberechtigt neben einander stehen. Kein Text spricht fĂŒr die ganze Besetzung oder wird notwendigerweise von der ganzen Besetzung gut geheißen.

Wir vom Sani-Team wollten gerade den unten geschriebenen Text hochladen. Doch wurden wir von 2 kurz aufeinander folgenden Nachrichten unterbrochen: In Oben hat eine Person eine Kopfverletzung durch Polizeigewalt erlitten. In DrĂŒben wurde ein Baum gefĂ€llt, durch dessen Baumkrone eine Traverse lief, an der ein Mensch hing. Trotz der Rufe von Personen dies nicht zu machen, die hundertmeterweit zu hören waren. DemosanitĂ€ter wurden nicht zugelassen um zu ggf. einzuschreiten. Kurz darauf wollten sie Menschen helfen, die nach ‚Kontakt‘ zu der Beweis – und Festnahnme-Einheit (BFE) auf dem Boden lagen. Ein Sani wurde dabei krĂ€ftig geschubst und sehr aggressiv behandelt.

Wir haben in dem unteren Text nicht die Gefahren thematisiert, die durch fahrlÀssiges Handeln der Polizei entstehen wie heute und gestern dramatisch erlebt wurde.

Nun der Text, den wir gerade eigentlich veröffentlichen wollten:

Wir schreiben hier eine Mitteilung bzgl. beobachteter FÀlle von Polizeigewalt in den letzten Wochen und was wir damit machen möchten.

Dieser Text ist geschrieben vom Sani-Team, das Teil des Widerstandes um den Dannenröder Wald ist. Hier schreiben wir ĂŒber ‚Polizeigewalt‘. Dabei ist es uns klar, dass nicht die Polizist*innen alleine an den VorfĂ€llen ‚schuld‘ sind. Hinter ihren Handlungen steckt ein System, das an sich eine massive Form von Gewalt darstellt.

Die Fakten: Es wurde und wird tĂ€glich in den sozialen Medien schon viel ĂŒber Polizeigewalt im Rahmen des Schutzes von Danni, Herri, Mauli und damit auch des Lebens auf der Erde berichtet. Wir sehen regelmĂ€ĂŸig Menschen mit psychischer Traumatisierung sowie Panikattacken, Handgelenkschmerzen und Rippenprellungen nach PolizeieinsĂ€tzen.

Innerhalb von 4 Tagen gab es 2 FĂ€lle von SchĂ€del-Hirn-Traumata, bei denen Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Bildgebende Untersuchungen wurden bei beiden durchgefĂŒhrt, um eine Hirnblutung auszuschließen. Eine von den Personen rannte in Richtung eines Harvesters. Dabei erlitt sie einen Schlag mit einem Schlagstock auf den Kopf ohne vorherige physische Versuche sie zu stoppen. Die andere Person wurde auf einer Treppe an den FĂŒĂŸen runtergezogen und knallte mit dem Hinterkopf auf den Asphalt.

Wir wollen nicht diese FĂ€lle besonders betonen, da jede Form von physischer und psychischer Gewalt Spuren hinterlĂ€sst, die mensch nicht messen kann. Wir wollen nicht, dass Menschen, die ‚weniger krasse‘ Sachen erlebt haben, das GefĂŒhl bekommen, weniger Leid erfahren zu haben.

Unsere Gedanken und GefĂŒhle diesbezĂŒglich:

Wir sind empört zu sehen, wie viel an körperlichen und psychischen SchĂ€den die Regierung/der Staat bereit ist in Kauf zu nehmen, um diese zerstörerische Autobahn durchzuboxen. Wir sind wĂŒtend, da wir diese alltĂ€gliche Gewalt nicht verhindern können. Manche von uns fĂŒhlen sich schwach. Jedoch versuchen wir durch unser Handeln, gemeinsam unsere Resilienz zu steigern.

Was wir wollen:

Was Menschen schon seit Jahrzehnten laut schreien, schreiben wir hier nochmal auf: Stopp der Rodung jetzt; kein zusĂ€tzlicher Quadratmeter Autostraßen; ein radikales Umdenken unserer Art miteinander und mit dem Planeten umzugehen.

Bis diese schönen Worte Wirklichkeit sind, werden wir, von der medizinischen Erstversorgung hier in / um Danni, FĂ€lle von Polizeigewalt dokumentieren und versuchen, regelmĂ€ĂŸig zu berichten. Mit dem Ziel weiterhin den hohen Schaden an alle Lebewesen klar zu machen, der durch dieses sinnlose Bauprojekt entsteht.

Vom 8. bis 15.11. haben wir zusÀtzlich zu den zwei oben genannten FÀllen Folgendes dokumentiert:

2 FĂ€lle von Handgelenksverenkungen, eine Unterschenkelprellung, eine GesichtsschĂŒrfung, 2 Schnittwunden, eine Sehnenverletzung der Hand, eine BindehautentzĂŒndung, eine Gesichtsprellung mit möglichem Augenhöhlenbruch, eine Brustkorbprellung, eine Risswunde an dem OhrlĂ€ppchen. Wir betonen nochmal, dass dies die Spitze des Eisbergs ist. Wir haben nicht alle FĂ€lle und alle Formen von Polizeigewalt dokumentieren können, da wir nur von einem Bruchteil davon erfahren haben.

Alle Menschen, die im Rahmen der Rodungen, RÀumungen und anderen Aktionen hier Polizeigewalt erfahren haben, können sich daher bei uns melden. Dazu zÀhlen auch psychische Gewalterfahrungen.




Quelle: Waldstattasphalt.blackblogs.org